• Vorbemerkungen
  • Berichte aus/über Vilshofen
  • Wiennerisches Diarium 06.01.1706
  • Wiennerisches Diarium 13.01.1706
  • Bericht aus dem Hauptquartier Aldersbach
  • Wiennerisches Diarium 16.01.1706
  • "Schlacht" bei Aidenbach (Pamler)
  • Resignation Abt Engelbert Vischer
  • Wahlanerkennung Theobald I. Grad

Die Bayerische Volkserhebung von 1705/06 und die Auswirkungen auf das Kloster Aldersbach

Vorbemerkungen und Transkription von Robert Klugseder

Der Spanische Erbfolgekrieg beeinflusste auf vielfältige Weise das Kloster Aldersbach. Abgesehen von den Beein­trächtigungen durch die Kriegshandlungen im direkten Umfeld des Klosters und auf die Untertanen, starben beim Volksaufstand auch zahlreiche Angehörige der Klosterpfarreien, allen voran natürlich in dem von der „Bauern­schlacht“ besonders heimgesuchten Tödling (Egglham). Dort hatten sich flüchtende Bauern im zum Kloster gehörenden Pfarrhof verschanzt, worauf die "Kaiserlichen" das Gebäude in Brand setzten. Nach der "Schlacht von Aidenbach" am 08.01.1706 war Aldersbach für zwei Tage auch ein Hauptquartier des hier lagernden österreichischen Heeres.

Für das Zisterzienserstift stellten die Kriegshandlungen natürlich auch eine moralische Herausforderung dar: Einerseits brachten die fast ausschließlich nicht-adeligen Konventualen mit bayerischen Wurzeln der aufständischen Landbevölkerung durchaus Verständnis entgegen. Andererseits war das Stift als Wirtschaftsunternehmen existentiell von den Einnahmen aus den umfangreichen Besitz­ungen in Österreich abhängig. Eine Beeinträchtigung des an sich guten Verhältnisses zum Habsburger Kaiserhaus war somit auf jeden Fall zu vermeiden. Eine Parteinahme für die Volkserhebung hätte mit Sicherheit zu Enteignungen und damit zu einem immensen wirtschaftlichen Schaden geführt. Von diesem Dilemma besonders betroffen waren natürlich auch die vielen Mönchspriester, die in den Klosterpfarreien als Vikare und Kapläne tätig waren. Die kaiserliche Regierung in München nahm dennoch Einfluss auf die Klosterleitung und mitverursachte im Jahr 1705 die Resignation Abt Engelbert Vischers sowie die verspätete Anerkennung seines Nachfolgers Theobald I. Grad. Auch der im Jahr 1700 begonnene Neubau der Konventgebäude verzögerte sich durch die Kriegswirren und die Besetzung Bayerns deutlich. Die unter Abt Vischer einsetzende barocke Blütezeit des Klosters wurde in diesen Jahren jäh unterbrochen.

Wenn man die verschiedenen Berichte über die Geschehnisse rund um die Volkserhebung betrachtet, werden sehr unterschiedliche Interpretationen erkennbar. Eine eher bayerisch-patriotische Sichtweise bietet der Chronist Joseph Pamler in seiner im Jahr 1859 im Druck erschienen Beschreibung der „Aidenbacher Bauernschlacht“. Diese beruht nicht immer auf historischen Quellen (v.a. Pfarrmatriken), häufig bezieht sich Pamler jedoch auf Hörensagen und schmückt die Geschehnisse dramatisch aus. Verlässlich scheinen hingegen Pamlers Zusammenstellungen von in den Nachbarpfarreien bestatteten „Bauernkämpfern“ zu sein, die auf Eintragungen in Sterbematriken basieren. Einen Eindruck von der Sichtweise der Geschehnisse der siegreichen Habsburger vermitteln zeit­genössische Berichte und Verlautbarungen, die in der Zeitschrift „Wiennerisches Diarium“ veröffentlich wurden. Nachfolgender Bericht bietet eine kurze Zusammen­fassung beider Traditionen, zudem stehen die Originaltexte als Transkriptionen zur Verfügung. Das Resignationsschreiben Abt Engelbert Vischers und das Bittschreiben an Kaiser Joseph I. verdeutlichen zudem die unsichere Lage, in der sich das Kloster in der Zeit des Volksaufstandes befand.




Die „Wiener Zeitung“ wurde 1703 als „Wiennerisches Diarium“ (WD) gegründet. Damit handelt es sich um die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt. Seit kurzem stehen Digitalisate der Zeitschrift online zur Verfügung ( Österreichische Nationalbibliothek ANNO). Die Ausgaben vom Dezember 1705 und Januar 1706 enthalten viele Hinweise auf die Bayerische Volkserhebung. Das Diarium war kein neutrales Medium. In der österreichischen Monarchie hatte es die Ansichten des Hofes zu vertreten. Da die Überlieferung in Bayern natürlich auch sehr patriotisch geprägt ist, wird man die Wahrheit oft in der Mitte suchen müssen.




Nach der für Bayern verheerenden Niederlage gegen die Österreicher und Engländer bei der Schlacht von Höchstädt am 13.8.1704 wurde Kurfürst Maximilian II. Emanuel seines Landes verwiesen. Als Exilant führte er unter dem Schutz der Franzosen ein luxuriöses Leben in Brüssel. Bayern allerdings wurde von Österreich besetzt. Unter Kaiser Joseph I. nahmen die Repressionen eine vorher nicht bekannte Härte an, die vor allem das einfache Landvolk trafen: Neben einer immensen Steuerlast wurden ab dem Herbst 1705 Zwangsrekrutierungen durchgeführt. Nachdem in den Jahren zuvor schon ein großer Teil der kriegstauglichen Männer in die bayerische Armee eingezogen worden und auch gefallen war, sollten die Übriggebliebenen in die feindliche, kaiserliche Armee eintreten. Allgemein werden diese Repressalien als Auslöser der Bayerischen Volkserhebung angesehen. Zentrum des Aufstands waren Burghausen und das damals noch bayerische Braunau. Die Aufständischen konnten für kurze Zeit auch andere Städte zurückerobern. Es musste jedoch von Anfang an klar sein, dass die schlecht ausgebildeten und noch schlechter bewaffneten Freiheitskämpfer gegen eine hochgerüstete, professionelle Armee nicht siegreich sein können. Zudem verurteilte selbst der Kurfürst das Aufbegehren der Bauern. Unmittelbar nach der sog. „Bauernschlacht bei Aidenbach“ war der Aufstand im Wesentlichen niedergeschlagen. Die kaiserliche Administration in Bayern unter Maximilian Karl Graf zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort wählte in der Folge einen moderateren Kurs. Die Zwangsrekrutierungen wurden eingestellt und die Steuerforderungen gesenkt, so dass sich Bayern in den noch folgenden neun Jahren unter kaiserlicher Herrschaft in bescheidenem Maße erholen konnte. Anschließend nun die Exzerpte aus dem Diarium. Diese vermitteln einen Eindruck auf die Situation am Vorabend des Schlachtens bei Aidenbach. Besonders die kaiserlichen Erlasse verdeutlichen die Härte, mit der gegen die Aufständischen und deren Familien vorgegangen wurde.

Edikt Kaiser Josephs I. vom 19.12.1705


Also befehlen Wir allen und jeden unserer Gottmässigkeit unterworffenen Gerichtern, Hoffmarcken und Unterthanen der bayrischen Landen hiermit gnädigist, und wollen, daß von allemsambt, die sich in Waffen und zusammen rottiert befinden, alsobalden und ohne allen Verzug ein jeder Sohn oder Knecht nach seinem häußlichen [An-]Wesen, wo er gebürtig, wohnhaft oder in Diensten stehet, sich [zu] begeben [hat]. Das Gewöhr seiner vorgesetzten Obrigkeit und Beambten einliffern und sich von aller Feindseeligkeit enthalten soll und in Ruhestand, wie es einem getreuen Unterthan und Lands-Inwohner gebühret, leben solle“. Andernfalls sollten „diejenige Dörffer, Höffe und Häuser, wo die Bauerschafft sich abwesend befindet, ohne alle Gnad und Bedencken verbrennet und in die Aschen geleget werden. Die Mannschaften aber, so in Wöhr und Waffen verbleiben und darin ertappet werden, wird, als Rebellen angesehen, mit Galgen und Schwerdt, Vertreibung ihrer Weib und Kinder, auch mit Hinwegnehmung ihrer Haab und Güter, gestrafft.“ Der Kaiser scheute auch nicht davor zurück, die bayerische Landbevölkerung gegeneinander aufzuhetzen und zum Verrat aufzurufen: „Die hinweggenommenen Güter alsdann denen, so in der Ruhe und schuldigen Treu verbliben, zugeeignet werden sollen.“ Auch wenn sich nur der Sohn des Hofes, nicht aber der Vater, an den Aufständen beteiligte, wurde ebenso hart durchgegriffen: Dass die „Eltern der Straff des Brands und Plünderung“ ebenso schuldig werden, „als wann sie selbsten dabey wären“. Die Häupter und Anführer der Rebellion wurden vogelfrei erklärt. Das bedeutete, dass jeder, der „einen oder mehr todt oder lebendig einliffern wird, an seinem Todt nicht nur nicht gefrevelt haben, sondern … belohnet werden solle“.

Urteil Kaiser Josephs I. vom 20.12.1705 über die Rückeroberung Kelheims durch bayerische Aufständische am 13.12.1705


End=Urtheil, so den 20. December, 1705. abgefasst worden, für die Rebellische zusamben gerottete Bauern=Bursch, welche bey Uberfallung der Stadt Kellheimb, Mit= und beygewest, Hand angelegt, zur Garnison eingezogen, und anjetzo bey wider Eroberung gefangen worden; nichtweniger für die dasige rebellische Burger, so sich zu obbesagter rebellischen Bauern-Bursch gesellet, und sich gegen die kayserlichen Truppen Feindlich auffgeführt.“ Die aufständischen Bauern und auch einige Bürger konnten Kelheim für kurze Zeit zurückerobern. Schlussendlich viel die Stadt wieder an die Österreicher. Die Überlebenden wurden in Folge hart bestraft. Die bayerischen Untertanen haben die „kayserliche Majestät und allerhöchste Person, die ihnen von Gott dem Allmächtigen als Ober=Haupt und Landes=Herrn vorgesetzt“ wurde, beleidigt. „Also haben Wir für diese Ubelthätter folgendes End=Urtheil abfassen lassen; Beselchen hiermit allergnädigst solches ihnen Delinquenten [Angeklagten] zu wohlverdienter Straff, andern aber zum greulichen Exempel und Abscheuhen nach dem buchstablichen Innhalt ohne weithern Anstand zu exequiren [auszuführen]“. Den Gefangenen wurde der Tod durch den Strang angekündigt. „Gnädiger Weise“ wurde jedoch nur jeder Fünfzehnte der Bauern hingerichtet. Von den beteiligten Bürgern „doch nicht der 15te sondern der 10te oder, wann deren nicht so viel, der 5te aufzuhencken“ ist. Man spielte mit den Verurteilten „15 zu 15, mithin jener, auff deme das wenigste Loß fallet, mit dem Strang, im Angesicht der andern, hingerichtet“ werde. Die Anführer der Rebellen sowie ehemalige bayerische und desertierende Soldaten des österreichischen Heeres wurden hingegen ausnahmslos erhängt. Die Übriggebliebenen wurden untersucht und „auß selben die jenige, so zu Kriegs-Diensten tauglich, herauszunehmen und bis auff weithere Verordnung in gefänglichen Verhafft nach Ingollstadt zu überliffern“. Sie wurden später in die österreichische Armee zwangsrekrutiert und waren so unter Umständen gezwungen, gegen ihre eigenen Landsleute zu kämpfen. Einem der bayerischen Anführer wurde eine makabre Sonderbehandlung zu Teil: „Der Metzger Krauß, der Haupt-Rädlsführer, welcher denen Rechten gemäß auch in schwäre Straff verfallen. Diser aber dermahlen nicht zu verhafft kommen [konnte nicht verhaftet werden], und nicht wissend ist, ob nicht selber bey Occupirung der Stadt massacrirt worden oder in der Flucht in der Altmühl ertruncken. Also wollen Wir, falls sein Cörper gefunden werde, daß selber in Loco [vor Ort] geviertheilt und in allen 4 Rend-Aembtern ein Theil davon an denen gewöhnlichen Orthen durch den Schaffrichter auffgehenckt“ werde. Falls Krauß nicht gefunden werden kann, soll sein Haus und Hof niedergerissen, dem Erdboden gleichgemacht und darauf ein Galgen errichtet werden. Tatsächlich wurde Matthias Kraus (geb. 1671) bereits drei Tage nach der Rückeroberung Kelheims durch die Österreicher am 21.12.1705 verhaftet. Von der Hinrichtung berichtet der „Monatliche Staatsspiegel“ vom März 1706: Kraus wurde geköpft, dann gevierteilt und die Viertel an den Stadttoren aufgehängt, der Kopf aber auf einer Stange am Stadtplatz aufgestellt.

Ein entscheidendes Ereignis waren die Auseinandersetzungen der sog. „Sendlinger Mordweihnacht“ am 25.12.1705 bei München. Das Diarium vom 30.12.1705 schildert hier sehr ausführlich das grausame Niedermetzeln der Landesverteidiger, die überwiegend mit „Sensen, Gabeln, Prügeln und solcherley Bauern-Gewöhr bewaffnet“ waren. Als Rechtfertigung für das bestialische Morden durch die österreichische Soldateska wird angeführt, dass „der in diesen Winters=Zeiten wegen dieses Auffstands hart strappazirte und deswegen über das Bauern=Volck sehr ergrimmte Soldat fast nicht abzuhalten war, alles nidergemacht [hat] biß auf 400 meistens elendig Verwundete. So als Gefangene in hiesige Stadt [München] gebracht und zum abscheulichen Exempel der Untreu vor Augen gestellet worden. Die Zahl der Todten, Verwundt und Gefangenen [werden] gegen vierdthalb Tausend gerechnet.“

Am 28.12.1705 verlegte Oberst Baron d‘Arnan 1400 Mann eines Grenadier-Bataillons und die Besatzungskräfte von Straubing zur Burg Hilgartsberg, die von den Österreichern besetzt war. Hier setzten die Truppen „eine Viertel-Stund oberhalb der Stadt“ Vilshofen über die Donau und formierten sich dort zur Schlachtordnung. „Da dann gleich die ausgeschickte Husaren einen Bauern-Knecht gefangen eingebracht, welcher ebenmässig die vorerwehnte Stärke von 400 rebellische Bauern der Besatzung halber bekräfftiget, nebst der Versicherung, daß auch noch in der Stadt keine Wissenschafft von diesen kayserlichen Truppen wäre. Worauff der Herr Obrist mit einem Theil von Grenadiers und Fussliers [mit einem Gewehr bewaffnete Infanteristen] ohnweit des Capuciner-Closter und etwann einen Flinten-Schuß weit von dem“ barrikadierten Stadttor entfernt Posten bezogen hatten. Der Oberst „habe den Pater Guardian sambt noch einen Capuciner in die Stadt geschickt, mit der Bedeutung, falls sie dieselbe gutwillig übergeben wollten, sie von ihme einen guten Accord [Behandlung] würden zu hoffen haben. Da aber der Geistliche nicht wider zurückkommen, habe der Herr Obrist 40 Grenadiers gegen die Pallisaden [Barrikaden] anlauffen lassen, auff welche zwar die rebellische Bauern Feuer gegeben. Als jene aber einige Grenaden über die Pallisaden geworffen, hätten sie sich zurück in die Stadt retirirt und die Fall-Brücke hinter sich aufflanffen lassen. Worauf dann die Grenadiers über die Pallisaden, Schlag-Baum und Gattern eingedrungen. Und da sie die Fall-Brücken entzwey zu hauen angefangen, hätten sich die Rebellen zum Viltzer [Vils]-Thor hinauß gemacht, mithin die Flucht genommen. Als nun diese auß der Stadt durchgegangen, hätten die Burger Appell geschlagen und wären nebst dem Burger-Meister und Rath an das Thor gekommen, umb Verschonung zu bitten, da sie gut Kayserlich seyen.“ Oberst Arnan entsprach der Bitte nach Verschonung der Stadt. Die Vilshofener öffneten die Tore, woraufhin 200 österreichische Grenadiere den Ort besetzten. Das restliche Heer lagerte in der Oberen Vorstadt.

Bericht vom 3.1.1706


Von dem Donau-Strohm vom 3. Jenner. Daß die Bayrische Land-Stände den kayserlichen Principal-Commissarium zu Regenspurg, Ihro hochfürstliche Eminenz Herrn Cardinal von Lamberg, durch ein Schreiben gebührend ersuchet, erstlich der in Bayern unter ihr Bistumb gehörigen Geistlichkeit zu befehlen, daß selbige die Unterthanen von der Rebellion abmahnen möchte. Andertens, daß die Güte nochmahlen versuchet, und fernerem Blut-Vergiessen vorgekommen würde. Drittens und letztens, daß der bayrische Adel sich gern in dasige Stadt und nachher nach Passau retiriren möchte, umb bey Anruckung deren aliirten Truppen sicher seyn.“

Dieser kurze Bericht macht deutlich, wie Österreich nicht nur am Schlachtfeld sondern auch im Bereich der psychologischen Kriegsführung weit überlegen war. Die Habsburger verstanden es, die bayerische Gesellschaft zu spalten. In der Landbevölkerung wurden Sympathisanten, Spitzel und Überläufer belohnt. Den Adel bevorzugte man und bot ihm zudem Zuflucht in der freien Reichsstadt Regensburg, die direkt dem Kaiser unterstand, und in der Habsburg-freundlichen Passauer Bischofsstadt an. Der gebürtige Österreicher Kardinal Johann Philipp von Lamberg war zu dieser Zeit Fürstbischof von Passau und zugleich kaiserlicher Prinzipalkommissar am Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Lamberg wurde angehalten, die Priester im bayerischen Teil seiner Diözese „auf kaiserliche Linie“ zu bringen. Die Pfarrer wiederum sollten dafür sorgen, dass ihre Pfarrangehörigen der Verschwörung gegen den Kaiser absagten. Aber auch der Klerus war tief gespalten. So lassen sich in den Sterbebüchern von Aidenbach und Beutelsbach zwei völlig konträre Haltungen der Ortsgeistlichen erkennen: Der Aidenbacher Pfarrer, ein Augustinerchorherr aus dem bayerischen Kloster St. Nikola, ehrt die Gefallenen des Gemetzels bei Aidenbach als heldenhafte Landesverteidiger. Der gebürtige Passauer Alfons Schönbucher (1673-1717), Pfarrer von Beutelsbach und Zisterziensermönch von Fürstenzell, charakterisiert die Aufständischen folgendermaßen:

Nach dem sich daß Landvolkh auch andere abgedankhte Soldaten, Schreiber, auch von unterschidlichen Stödten, haußgesessene Burger, absonderlich aber die Bauern bey 7000 Mann zwischen Aidenbach, Tödtling, und Peitlspach zusammen gerothet und sich für Landbeschützer außgeben; welches aber irger mit Blindern, Rauben und Stehlen, alß der Feinden selbsten gehauset. Forderist die Gschlösßer [Schlösser], Herrschafften, Pfarrhöff und Clöster gwalthättiger Weiß angegriffen, welche alle Nahrungsmittln haben schaffen müessen, in Wüllens die Statt Vilßhoven zu behaupten. Aber ihr plumppes Vornehmen ist zu Wasser worden.

Wenn man bedenkt, dass die bayerischen Diözesen und Klöster umfangreiche und gewinnbringende Besitzungen in Österreich hatten, die sie nicht verlieren wollten, kann man die unterwürfige Haltung vieler Geistlicher gegenüber den Habsburgern verstehen.




Die Bayerische Volkserhebung und der Komponist Johann Joseph Fux

Wie in vorausgehenden Ausführungen geschildert, litt vor allem die Landbevölkerung außerordentlich unter den Repressalien der österreichischen Besatzer. Adel und Kirche verstanden es hingegen, sich mit den Habsburgern zu arrangieren. Neben der Beschreibung der Auseinandersetzungen in Aidenbach, Beutelsbach und Tödling aus Sicht der Wiener Presse sollen die vier Monate zuvor stattgefundenen, völlig konträren Siegesfeierlichkeiten in Wien nicht unerwähnt bleiben.

Der bedeutende österreichische Barockkomponist Johann Joseph Fux (1660-1741), der auch am Wiener Hof tätig war, schuf einige Hundert Werke. Ich wurde mit der Edition eines „Te Deum“ beauftragt, dass Fux im Jahr 1704 komponierte. Diese zuerst ansprechende Aufgabe entwickelte sich durch weitergehende Recherchen allerdings als Herausforderung. Ausgerechnet ich als Aidenbacher, der am Fuß des Handlbergs, also direkt am Schlachtfeld der Auseinandersetzungen von 1706, aufgewachsen ist, musste herausfinden, dass das feierliche Gotteslob zur Feier des Sieges der Österreicher über die Bayern bei der zweiten Schlacht von Höchstädt komponiert wurde. In diesem Zusammenhang bin ich im „Wiener Diarium“ (WD) auch auf die Beschreibung des „Schlachtens“ bei Aidenbach gestoßen. Das WD berichtet „von einem großen Victori [Sieg], dergleichen in 100 Jahren nicht gehört worden“. Es wurde eine Festwoche veranstaltet, die am Sonntag, den 17. August mit einem durch die Tiroler Landsmannschaft mit einem Dankgottesdienst in der Kirche der Wiener Serviten begann. Durch kaiserlichen Befehl hatten die Feierlichkeiten auch in allen Erblanden und Königreichen der Habsburger stattzufinden. Den Höhepunkt bildete ein Gottesdienst im Wiener Stephansdom, bei dem das „Te Deum“ von Fux uraufgeführt worden war: „Heute wurde allhier in der St. Stephans Dumb-Kirchen das TE DEUM Laudamus, wegen der bey Höchstätt unter heldenmüthiger Anführung des kayserlichen General-Feld-Marschallen Printzen Eugeni von Savoyen, und des Englischen Milord Duc de Marlboroug, von denen kayserlichen hohen Aliirten über die Frantzosen und Bayern erhaltenen herrlichen Victori, in allerhöchster Gegenwart gesambter kayser- und königlichen Majestäten und Begleitung des Herrn Cardinals von Lamberg [Bischof von Passau!] hochfürstlichen Eminentz, wie auch des Venetianischen Pottschaffters und vieler anderen sowohl einheim- als ausländischen Ministern, mit einer schönen Lob- und Dank-Predigt sodann mit dem Ambrosiansichen Lob-Gesang [Te Deum] und hohem Ambt [Messe] unter einer herrlichen Music, wie auch Trompeten- und Paucken-Schall, nicht weniger 2maliger Lösung des Gewehrs von der auff dem Stephans-Freyt-Hof gestandenen Stadt-Garde und aller Stucken [Geschütze] auff das herrlichste begangen“.

Schockierend ist hingegen die sehr detaillierte Beschreibung der sog. „Aidenbacher Bauernschlacht“ im WD vom 16.1.1706. Die verlorenen Kämpfe besiegelten endgültig die Niederlage Bayerns. Der Artikel trägt den Titel: „Ausführlicher Bericht uber die bey dem Marckt Aidenbach den 8. Jenner 1706 vorgegangene Niederlag deren rebellischen Unterthanen in Bayerland“. General-Feldmarschall Baron Georg Friedrich von Kriechbaum, erfolgreicher Befehlshaber bei der sog. „Sendlinger Mordweihnacht“, zog am 1.1.1706 mit den kaiserlichen und fränkischen Truppen von München nach Eggenfelden. Am 7.1. begann der Weitermarsch in Richtung Vilshofen, um die zuvor von Oberst Baron d‘Arnan befehligten Truppen, die bei Vilshofen stationiert waren, zu unterstützen. Nach der Flucht der Aufständischen aus Vilshofen konnten sich diese bei Aidenbach neuformieren und um weitere Kämpfer verstärken. Über den neuen Standort bei Aidenbach und die Truppenstärke wurde Kriechbaum durch einen gefangengenommenen und in der Folge gefolterten bayerischen Spion informiert. Daraufhin setzten sich die österreichischen und fränkischen Truppen sofort in Bewegung und gelangten über das [heute nicht mehr erhaltene] Schloss Guteneck nach Dummeldorf [bei Johanniskirchen], wo sie am Tag vor der Schlacht ihr Nachtlager aufschlugen. Am Morgen des nächsten Tages (Freitag, 8.1.) brach man in Richtung Aidenbach auf. „Unter Weegs aber bey dem Schloß Haidenburg“ Station machte, da die Vortruppen berichteten, dass „der Feind in vollem Hauffen theils in- und theils bey Aidenbach stehe“. Man wartete hier mit der Reiterei solange, bis die Fußtruppen, die Munitionswägen und Geschütze nachgerückt waren und begann dann in Schlachtordnung den Angriff auf Aidenbach. Gleichzeitig marschierten 1600 Mann und 120 Pferde der kaiserlichen und Ansbachischen Truppen von Vilshofen kommend auf den Markt zu. Das Heer Kriechbaums wurde durch die Überquerung des Aldersbachs aufgehalten. Die Landesverteidiger gewannen dadurch Zeit und konnten „sich auff ein hohes Feld vor dem Wald“ in strategisch besserer Lage positionieren. Kriechbaum führte seine Truppen durch den Markt und über sehr bergige Felder „biß ungefehr 200 Schritt an den gantz vortheilhafftig gestandenen, der Kundschaft nach bey 7000 Mann starken Feind“ heran. Die Hoffnung der Österreicher, „eine handhaffte Gegenwehr zu bekommen“, zerschlug sich jedoch:

Ehe man die Höhe gar ersteigen können,“ haben sich die Rebellen „gleichsam in einem Augenblick, ohne Machung des geringsten Feuers, in den hinter sich gehabten Wald gezogen. Ihr Commendant [Johann Hoffmann] aber und andere Officiers seynd wieder solcher Gestalten auff ihren Pferden mit der wenig gehabten Reutterey durchgegangen und haben ihre so genante Haupt-Armee im Stich gelassen.

Daraufhin hat „der verbitterte Soldat sowohl zu Pferd als zu Fuß alsogleich umringet und in den Wäldern und Feldern auffgesuchet alles was sich nur blicken lassen, gegen geringen Widerstand solcher Gestalten nidergemacht, daß der wenigere Theil darvon kommen.“ Einige der flüchtenden Kämpfer haben sich in nahegelegenen Bauernhäusern verschanzt und „sonderbahr auß einem auff die Kayserlichen mit kleinem Gewehr starck Feuer gegeben. Dahero diese Häuser sammentlich in Brand gestecket und, was nicht darinn verbrennen sondern entlauffen wollte, ohne Unterschied niedergemacht“. Das Gemetzel dauerte von etwa 11.30 Uhr bis 16 Uhr. Diese Niederlage war „der an dem hl. Christ-Tag bey München weit überlegen. Und ist gewiß, daß der wenigere Theil von diesem rebellischen Volck darvon gekommen. Von 4000 Todten werden wenig abgehen“. „Die Felder, Wissen und Aecker aber von dem Marckt Aidenbach auf fast eine gantze Stunde weit mit Todten überstreuet seynd.“ Gefangene wurden „fast gar keine“ gemacht, als Beute ließen die Bayern vier Geschütze, darunter zwei Augsburgische, einen Munitionswaagen und einen Waagen mit „Schantz-Gezeug“ zurück. Die zu spät kommende Truppe aus Vilshofen kehrte am 9.1. unverrichteter Dinge wieder dorthin zurück. Nach einem Ruhetag brachen auch die Soldaten Kriechbaums in Richtung Passau auf. Dort angekommen „ist der Herr General auff den Maria Hülff-Berg geritten, um daselbst seine Andacht zu verrichten.“ Das Mariahilfer Gnadenbild entwickelte sich nach der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung im Jahr 1683 zum ersten Wallfahrtsort der Habsburger. Kaiser Leopold I. hatte zuvor mit seiner Familie in Passau Zuflucht gefunden. Das Kaiserpaar betete täglich vor dem Gnadenbild um die Errettung aus der Türkengefahr. Man kann wohl nicht davon ausgehen, dass sich Kriechbaum vor dem Bild Mariens für seine grausamen Taten in Sendling und Aidenbach entschuldigte. Wahrscheinlicher ist es, dass er sich für die Hilfe Gottes bei seinen Siegen bedankte. Ein perverses Gottesverständnis, das an die Gesinnung heutiger „Gotteskrieger“ erinnert. Kriechbaum wütete in den folgenden Jahren mit vergleichbarer Grausamkeit gegen aufständische Siebenbürger. Er starb erst 43jährig und ohne einen Erben im Jahr 1710 in Hermannstadt (Sibiu, Rumänien).




Einem Großteil der bayerischen Gefallenen blieb ein Begräbnis in der Heimatgemeinde verwehrt. Sie wurden in Massengräbern u.a. am Handlberg, Kleeberg und am Reschenberg verscharrt. Der Habsburg-freundliche Pfarrer von Beutelsbach berichtet von „4 Grueben“ auf dem Kleeberg, „darinnen ligen begraben 318. Auf dem Reschenberg aber sind zu sehen 6, worinnen sich 600 und bey 40 Todte befinden.“ Die Denkmäler auf den genannten Bergen erinnern noch heute an die abscheulichen Taten von damals. Leider haben die Wittelsbacher nicht aus der Geschichte gelernt: Während des „Tiroler Volksaufstands“ gegen die bayrisch-französische Belagerung im Jahr 1809 ging man mit ähnlicher Brutalität gegen die freiheitsliebende Tiroler Landbevölkerung vor. Die legendären bayerischen Helden Resch vom Dobl und Schmied von Kochl hätten sich ohne die Machenschaften der Obrigkeiten vermutlich bestens mit dem Tiroler Andreas Hofer verstanden.


Links zu weiterführenden Webressourcen

Wiennerisches DIARIUM

Enthaltend alles dasjenige / was von Tag zu Tag sowohl
in dieser Residentz-Stadt Wienn Denckwürdiges und Neues sich
zugetragen; Als auch / was dergleichen nachrichtlich allda eingeloffet;
sambt einem Anhang jedermahliger Verzeichnuß; Erstlich aller täglich per Posta allhie
Ankommenden; Zweytens / aller in- und vor der Stadt getaufften Kindern;
Drittens / aller verehelichten / und vierdtens aller verstorbenen Persohnen.
Mit Jhrer Römisch-Käyserlichen Majestät allergnädigstem Privilegio.
Zu finden im Rothen Ygel.


Wienn vom 6. biß 8. Januarii 1706 (Num. 254)



… Dito erhielte man wegen der von dem Kayserl. Obristen / Herrn Baron d'Arnan beschehenen Wieder-Einnehmung der Stadt Viltzhoffen die gewisse Bestättigung / sambt nachfolgenden Umbständen / nemblich:

Nachdeme der Herr Obriste / Baron d'Arnan, den 28. December mit der Grenadier-Bataillon und der von der Besatzung zu Straubing außgezogenen Mannschafft / in allem 1400. Mann starck (ohne 70. Reuther und 25. Husaren / so zu Land nachgegangen) zu Abends umb 9. Uhr / mit Verlust eines Feld-Wäbel und 3. Gemeinen / welche die Rebellische Bauern / so an der Donau / unterhalb Deckendorff biß Viltzhofen / die Wacht gehabt / zu Hilckersberg angelangt / und sich mit dem daselbstigen Commendanten / wegen eines und anderen / beredet / auch von ihme verstanden / daß die Besatzung in Viltzhofen nicht über 400. Rebellische Bauern sich erstrecke; Als habe vorgedachter Herr Obrister sich alsogleich mit dem bey handen gehabtem Fuß-Volck und Grenadiers übersetzen lassen / auch etwann eine Viertel-Stund oberhalb der Stadt mit derselben angelandet / und sie in Schlacht-Ordnung gestellet; da dann gleich die außgeschickte Husaren einen Bauern-Knecht gefangen eingebracht / welcher ebenmässig die vorerwehnte Stärcke / der Besatzung halber / bekräfftiget / nebst der Versicherung / daß annoch in der Stadt keine Wissenschafft von diesen Kayserl. Truppen wäre; worauff der Herr Obrist mit einem Theil von Grenadiers und Fussliers / ohnweit des Capuciner-Closter / und etwann einen Flinten Schuß weit von dem Thor / so pallisadiret ware / Posto gefasset / und / nachdeme hin- und wider etwas gefuret worden / habe er den P. Guardian sambt noch einen Capuciner in die Stadt geschickt / mit der Bedeutung / falls sie dieselbe gutwillig übergeben wolten / sie von ihme einen guten Accord würden zu hoffen haben; wie aber die Geistliche nicht wider zuruck kommen / habe der Herr Obrist biß 40. Grenadiers gegen die Pallisaden anlauffen lassen / auff welche zwar die Rebellische Bauern Feuer gegeben / als jene aber einige Grenaden über die Pallisaden geworffen / hätten sie sich zuruck in die Stadt retirirt / und die Fall-Brücke hinter sich aufflauffen lassen; worauff dann die Grenadiers über die Pallisaden / Schlag-Baum und Gattern eingedrungen / und da sie die Fall-Brücken entzwey zu hauen angefangen / hätten sich die Rebellen zum Viltzer-Thor hinauß gemacht / mithin die Flucht genommen; welchen obschon gleich 40. Mann nachgeschickt worden / doch weiter nit biß auff etliche / so getödtet / beyzukommen gewesen / indeme sie schon über die Viltz gesetzet; Als nun dise auß der Stadt durchgangen / hätten die Burger Appell geschlagen / und wären nebst dem Burger-Meister und Rath an das Thor gekommen / umb Verschonung zu bitten / massen sie gut Kayserlich seyen; und da ihnen solches versprochen worden / hätten sie die Thor alsobald eröffnet; auff welches der Herr Obrist d'Arnan in guter Ordnung 200. Grenadiers die Posten zu besetzen einmarschiren / das Fuß-Volck aber nebst den übrigen Grenadiers in die Vorstadt einquartiren lassen. Sonsten hätten die Rebellische Bauern 3. Commandanten gehabt / einen / Namens Georg König / gewesten Bayrischen Rittmeister / dann zwey geweste Bayrische Lieutenants / deren einer / nebst andern Rebellen / so zu gedachtem Viltzhoffen versteckt waren / auffgebracht worden; Nebst deme habe man auch bey einem Postillion Brieff gefunden / lauth welchen / denen zu Platling und andern Orthen / bey Betrobung Feuer und Schwerdt / sich nacher Viltzhoffen zum Succurs zu begeben / indeme allenthalben Sturm zu schlagen / anbefohlen worden.




… Von dem Donau-Strohm vom 3. Jenner.

Daß die Bayrische Land-Stände den Kayserl. Principal-Commissarium zu Regenspurg / Jhro Hochfürstl. Eminenz, Herrn Cardinal von Lamberg / etc. durch ein Schreiben gebührend ersuchet / erstlich / der in Bayern unter Jhr Bistumb gehörigen Geistlichkeit zu befehlen / daß selbige die Unterthanen von der Rebellion abmahnen möchte; andertens / daß die Güte nochmahlen versuchet / und fernerem Blut-Vergiessen vorgekommen würde; drittens und letztens / daß der Bayrische Adel sich gern in dasige Stadt und nacher Passau retiriren möchte / umb / bey Anruckung deren Alliirten Truppen / sicher zu seyn.




End-Urtheil / so Den 20. December / 1705. abgefast worden

für die Rebellische zusamben gerottete Bauern-Bursch / Welche Bey Uberfallung der Stadt Kellheimb Mit- und beygewest / Hand angelegt / zur Garnison eingezogen / und anjetzo bey wider Eroberung gefangen worden; Nichtweniger für die dasige Rebellische Burger / so sich zu obbesagter Rebellischen Bauern-Bursch gesellet / und sich gegen die Kayserl. Truppen Feindlich auffgeführt.

Joseph von Gottes Gnaden Erwöhlter Römischer Kayser zu allen Zeiten mehrer deß Reichs / auch König zu Ungarn / und Böheimb / etc.

DEmnach die von der Rebellischen zusamb-gerotteten Bauern-Bursch occupirte Stadt Kellheimb / durch militarischen / Gewalt anwiederumben in Unsere Hand kommen; und die Uns von GOTT committirte Administrirung der lieben Justitz erfordert / jene Unterthanen zu gebührender Bestraffung zu ziehen / welche / ihrer abgelegten Pflicht zu gegen / treuloser Weiß sich vermessen / wider Uns Auffzustehen / die Waffen zuergreiffen / auch andere in dem schuldigen Gehorsamb annoch gestandene Unterthanen hierzu anzureitzen / und sich so gar geschlossener Orthen zu bemächtigen / mithin in Perduellione das so schwere Last / der beleidigten Majestät / etc. wieder Unser allerhöchste Person / und ihnen von Gott / dem Allmächtigen / vorgesetztes Ober-Haupt / und Lands-Herrn / über alle biß anhero geschehene Abmahnungen / zubegehen;

Als haben Wir für diese Ubelthätter folgendes End-Urtheil abfassen lassen; Befelchen hiemit Allergnädigst solches ihnen Delinquenten zu wohlverdienter Straff / andern aber zum greulichen Exempel und Abscheuhen nach dem Buchstablichen Jnnhalt ohne weithern Anstand zu exequiren.

Als Erstlichen wollen / und beselchen Wir / daß all- und jede / welche / bey Uberfallung ermeldt- unserer Stadt Kellheimb / mit- und beygewest / Hand angelegt / zur Guarnison eingezogen / und anjetzo gefänglich angenommen worden / zur Richtstatt geführt / und selben ins gesambt der Todt angekündet werde; Und obschon diese alle / ohne Unterschidt / das Leben verwürckt / und mit dem Strang zum Todt von Rechts-wegen hingericht zu werden verdienet; So wollen Wir hierinnen doch Unsere Allerhöchste Clementz der Schärffe vorgezogen / und verordnet haben / daß auß disen in die Guarnison eingetrettenen / und anjetzo gefänglich übernommenen Ublthättern allezeit 15. zu 15. spielen / mithin jener / auff deme das wenigste Loß fallet / mit dem Strang / im Angesicht der Andern / hingericht / folglichen jedesmahl gegen den 15ten verfahren werde; dabey aber auß jedem Gericht ein Bößwicht herzunehmen / dergestalten / daß / wann auch auß selben nur einer darunter sich befinden wurde / gegen disem / ohne daß man ihne unter das Loß ziehe / mit vorermeldteter Todts-Straff verfahren werde.

Da nun das Urthl an dem 15ten Mann durchgehends exequirt / seynd die hinterblibene (welchen das Leben auß Gnaden geschenckt worden) zu untersuchen / auß selben die jenige / so zu Kriegs-Diensten tauglich / herauß zunehmen / und / biß auff weithere Verordnung / in gefänglichen Verhafft nacher Jngollstatt zu überliffern / die übrigen aber / welche zu Kriegs-Diensten nit annemlich / haben Uns beyligenden Ayd der Treu zuverneueren / und disen getreulich abzuschwehren; doch seynd selbe ad opus publicum solcher gestalten condemnirt / daß durch sie die Pforten der Stadt Kellheimb / wie ingleichem all-anligende Defensions-Werck rasirt / und umbgerissen werden solten; nach welch-verrichteter Arbeith sie zu Soldaten-Diensten untaugliche Gesellen ins gesambt in ihre Heimbeter zu entlassen seynd.

Andertens hat es in der Todts-Straff eben dise Meinung mit jenen Burgern / welche wieder Uns / Rebellischer Weiß / auffgestanden / sich zu der eingetrungenen Bauern-Bursch gesellet / und in der Zeit / da Unsere Truppen vor die Stadt angeruckt / sich gegen selbe in der That feindlich auffgeführt; auß welchen dann auch / auff vorersagte Weiß / doch nicht der 15te sondern der 10te oder wann deren nicht so viel / der 5te Mann auff zu hencken / die hinterbleibende taugliche Burger zu Kriegs-Diensten zunehmen / die übrige aber / gegen geschwohrner Urphed / auff ewig der Landen zu Bayrn und Obern Pfaltz zu verweisen / beynebens all-ihre verwürckte Haab- und Güter unter Unsern Fiscum zuziehen seynd.

Und da sich / drittens / bey vornehmender Untersuchung befinden würde / daß der Jäger des Pflegers / oder andere / wie verlauten will / auff Unsere Militz geschossen / mithin sich gegen selber Feindlich gestellet / ist selber / oder selbe / sodann auch mit dem Strang vom Leben zum Todt hinzurichten.

Zumahlen sich aber / Vierdtens / bezeuget / daß der Metzger Krauß / der Haubt-Rädlführer / welcher / denen Rechten gemäß / auch in schwäre Straff verfallen / diter aber dermahlen nicht zu verhafft kommen / und nicht wissend ist / ob nicht selber / bey Occupirung der Stadt / massacrirt worden / oder in der Flucht in der Altmühl ertruncken.

Als wollen Wir / falls sein Cörper gefunden wurde / daß selber in Loco geviertheilt / und in allen 4. Rend-Aembtern ein Theil davon / an denen gewöhnlichen Orthen / durch den Scharffrichter auffgehenckt: da aber der Cörper nicht zufinden / in effigie verfahren / dessen Hauß / und anligende Grund-Stuck / durch vorermeldte ad opus publicum condemnir- te Gesellen / nidergerissen / und der Erden gleich gemacht / auch auff dem Grund ein Galgen gesetzet werde; welche Meinung es allerdings hat mit jenen / so diesen Bößwicht verbergen / und darüber erhascht wurden.

Gleich wie aber von disem geschöpfften Urtheil und Execution / jene eximiret seynd / welche erweißlichen beybringen können / daß sie mit würcklicher Gewalt Anlegung (so aber keines weegs auff die / in denen / von denen Rebellanten herumbgeschickten Patenten / außgeworffene Betrohungen / sondern allein auff den Actual-Zwang den Verstand hat) zum Mitgehen gezwungen worden; also auch seynd die bekandliche Rädelführer / abgedanckte Bäyrische / oder auß Unsern Diensten außgerissene Soldaten unter das Loß nicht zunehmen / sondern gegen selbe sogleich mit der Straff des Strangs zuverfahren.

Fünfftens ist die weitere Verordnung geschehen / daß Unsere in Kellheimb gelegene Militz nacher Jngolstadt arrestirlich gelieffert / und gegen selber ebenfalß daß fallende Kriegs-Recht vollzögen werde. Welches alles dann von Puncten zu Puncten zu exequiren ist; woran sich jedermäniglich zuspiegeln / und gleich wohl sich selbsten von disen wohlverdienten Straffen zu gewahrnen wissen wird.

Geben in München den 20. December / 1705.

COPIA

Ihrer Röm. Kayserlichen Majestät allergnädigsten und ernstlichen Edicts, Die Rebellischen Bauern und deren Rädelsführer betreffend. Josephus von Gottes Gnaden erwählter Röm. Kayser / zu allen zeiten Mehrer des Reichs / König zu Hungarn / und Böheim / etc.

Wienn vom 13. biß 15. Januarii 1706 (Num. 256)



Es hat zwar Unsere liebe und getreue Landschafft kurtz verruckter Tägen bey Uns die bewegliche Vorstellung gethan / wie daß sie an der von der Bauerschafft Rent-Ambts Burghausen erweckt / und in öffentliche Feindseeligkeit außgebrochenen Empörung ein höchstes Leydwesen geschöpffet; dahero auch sich gern eusseristen Fleisses bearbeiten wollen / die entstandene Unruhe wider beyzulegen; massen Wir dann / auff ihr bittliches Ansuchen gnädigst erlaubet / daß sie einige Deputirte abgeschicket / mit denen gleichfahls auß dem Rent-Ambt Burghausen zu Anzing eingetroffenen Deputirten eine Unterredung vorgenommen / und nachmahls bey Uns die gnädigste Verwilligung erlanget hat / daß Wir ersagter auffgestandenen Bauerschafft einen zehentägigen Stillstand der Waffen gnädigst zugesagt / mit dem außdrücklichen Beysatz jedoch / daß man inzwischem beederseits von aller Thätlichkeit sich enthalten / keine Patenten oder Emissarios außschicken / welche die andere noch in Ruhe stehende Rent-Aembter und Unterthanen auffgetzen / und zum gleichen Auffstand erwecken / sondern inner besagten Stillstands Zeit ihre Beschwerden / wann sie einige zu haben vermeynen / zusammen tragen / und zu billicher Untersuchung durch die Landschafft überreichen lassen mögen: Also / daß Wir Uns gnädigst versehen hätten / es würde das schwürige Bauern-Volck von dem Land-verderblichen Unwesen abstehen / und den dardurch eröffneten Weeg zu Widerherstellung des innerlichen Ruhestands allerdings antretten; Nachdeme sich aber an statt dessen gegen bessere Zuversicht geeussert / daß ermeldtes auffrührische Bauern-Volck zu eben der Zeit / als dessen Deputirte sich zu Anzing befunden / sehr nachtheilige Patenten in die Rent-Aembter Straubingen und Landshut außgeschicket / und unter Bedrohung Feuer und Schwerdt dieselbe zu ihrem Anhang mit Worten zuvermögen / oder mit der That zuerzwingen fortgefahren / den von ihnen selbst gebettenen / und disseits verwilligten Stillstand leichtfertiger Weise gebrochen / Unser im Feld stehendes Corpo feindlich angefallen / da inzwischem auch der Metzger Krauß von Kelheim in Krafft der von der rottirten rebellischen Bauerschafft ihme ertheilten Commission und Patenten neue Rott in der Gegend Kelheim zusammen gezogen / nächtlicher Weil sich dises Orths bemeistert / Unsere darin gelegene Soldaten entwaffnet / und gefangen genommen / auch dergleichen Frevelthaten an mehr anderen benachbarten Oertern außzuüben sich unterstanden / also daß sie ihrerseits die ihnen anerbottene Kayserl. Gnad verächtlich außgeschlagen / und nichts unterlassen / was sie nach ihrem bösen Gemüth außzuüben sich fähig zu seyn erachtet. Wann Wir aber dergleichen lasterhafften rebellischen Muthwillen und Lands-Verhergung länger nicht zu verstatten gemeynt / sondern Uns endlich gemüssiget befinden / die jenige Mittel der Schärffe / Feuer / Schwerdt und Plünderung / durch welches die verzweiffelte Rädelsführer / die bey ihrer Unvermögenheit / es mag endlich die Sach gehen / wie sie will / nichts zuverlihren haben / oder durch die dabey mit unterlauffende Raub- und Plünderung allein Beute zumachen suchen / den übrigen unbesonnenen Land-Mann zu der verderblichen Unruhe bezwungen / an die Hand zu nehmen / und auff die Weiß / wie sie zum Auffstand gerathen / widerumb zum schuldigen Gehorsamb und Unterthänigkeit zu bringen.

Als befehlen Wir allen und jeden Unserer Bottmässigkeit unterworffenen Gerichtern / Hoffmarcken und Unterthanen der Bayrischen Landen hiemit gnädigist / und wollen / daß von allensambt / die sich in Waffen und zusammen rottirt befinden / alsobalden / und ohne allen Verzug ein jeder / er seye verheyrathet oder unverheyrathet / Sohn oder Knecht / Jngesessen oder Frembd / nach seinem häußlichen Wesen / wo er gebürtig / wohnhafft oder in Diensten stehet / sich begeben / das Gewöhr seiner vorgesetzten Obrigkeit und Beambten einliffern / die bißherige Rädelführer entdecken / fürohin aber von aller Feindseeligkeit sich enthalten / und in Ruhestand / wie es einem getreuen Unterthan / und Lands-Jnwohner gebühret / leben solle. Sofern nun dises Unser ernstliche Gebott und Befelch nicht vollzogen / und das zusammen geloffene Bauern-Volck sich obgehörter massen nicht außeinander und zur Ruhe begeben solte / wird Krafft dises männiglichen kundt gemacht / daß die jenige Dörffer / Höffe und Häuser / wo die Bauerschafft sich abwesend befindet / ohne alle Gnad und Bedencken verbrennet / und in die Aschen geleget / die jenige Mannschafft aber / so in Wöhr und Waffen verbleiben / und darin ertappet werden wird / als Rebellen angesehen / und mit Galgen und Schwerdt / Vertreibung ihrer Weib und Kinder / auch mit Hinwegnehmung ihrer Haab und Güter gestrafft / und dise ihre hinweggenommene Güter alsdann denen / so in der Ruhe und schuldigen Treu verbliben / zugeeignet werden sollen. Wir werden und wollen auch Uns damit nicht begnügen lassen / daß etwann allein der Vatter sich nacher Hauß begebe / der Sohn aber bey dem rebellischen Hauffen verbleibe / sondern es sollen die Eltern ihre Söhne auff alle Weiß zuruck / und nacher Hauß zuziehen verbunden / oder in Entstehung dessen / und da die Söhne ihrer Schuldigkeit nach sich nicht nacher Hauß begeben werden / ihre Eltern der Straff des Brands und Plünderung / als wann sie selbsten dabey wären / unterworffen seyn. Wir wollen auch disem Unseren gnädigsten Befehl ohne alle Widerrede und Außnahm nachgelebet wissen / und keine Entschuldigung / daß man darzu gezwungen / oder auß Noth / oder auff andere Weiß darzu verleitet seye / annehmen / sondern gegen alle und jede abwesendund in Waffen sich befindende ohne Unterschid mit der Strenge verfahren lassen. Damit man auch den vorschützenden Zwang umb so weniger zu einem Befehl zunehmen habe / so werden die Häupter und Rädelsführer diser auffrührischen Bauern-Rott hiemit Vogel-frey erkläret / also daß der jenige / welcher deren einen / oder mehr todt oder lebendig einliffern wird / an seinem Todt nicht nur nicht gefrevelt haben / sondern darzu befindender Dingen nach noch belohnet werden solle. Und wie Wir bise Unsere gnädigste Befehl und Meinung umb selbige zu männiglichens Kundschafft zubringen in offentlichen Druck außgehen lassen / also haben die jenige / die sich derselben ihrer Schuldigkeit nach unverzüglich bequemen / und von dem rebellischen Hauffen sich entziehen / Unsers Perdons und Kayserl. Gnad sich zu erfreuen / die Widerspenstige aber an ihren Häusern / Haab und Gütern / auch Leib und Leben der unfehlbaren Execution, welche zuvollziehen Unserem Gen.-Wachtmeister von Kriechbaum anbefohlen ist / zu gewarten. Wornach sich ein jeder zurichten / und vor Schaden zuhüten wissen wird.

Datum München den 19. Decembris 1705. Per Administrationem Cæsaream. L.S.

Ausführlicher Bericht

Uber die Bey dem Marckt Aidenbach den 8 Jenner 1706.
vorgegangene Niderlag deren Rebellischen Unterthanen in Bayerland.

Wienn vom 16. biß 19. Januarii 1706 (Num. 257)



General von Kriechbaum übersandte diesen Bericht am 09.01.1706 aus dem Hauptquartier Aldersbach an die Administration in Wien. Verfasser des Berichts: Hofkriegs- und Kammerrat Baron von Gemmel, der dem ganzen Werk [Schlacht] von Anfang bis zum Ende beigewohnt und alles mit Augen persönlich gesehen hat.


Nachdeme der Kayserl. Cammerer und General-Feld-Wachtmeister / Herr Baron von Kriechbaum / seinen den 1. Jenner auß München mit denen unterhabenden Kayserl. und Fränckischen Truppen angefangenen Marsch den 7. dito von Eggenfelden weiters fortgesetzet / in Meynung / gegen Viltzhofen zu rucken / und das auffgestandene Land vor weiterer Unruhe zu bedecken / oder das / in selbiger Gegend von denen durch den Herrn Obristen / Baron von Arnan / empfangenen Streich noch nicht völlig gedämpffte / sondern sich immer mehr verstärckende / und in Waffen steben de Land-Volck auffzusuchen; brachte eine vorigen Tags außgeschickte Parthey einen Spionen ein / welcher auff beschehenes Examiniren außgesagt: daß er eigentlich darumb außgegangen / umb die Käyserliche auffzusuchen / und wo sie stehen / auch wie starck sie seyn möchten / dem commandirenden Obristen Hofmann (so von Brannau auß noch einen starcken Succurs erwartet hat) rechte Kundschafft zu bringen; Worauff dann der Herr General / Baron von Kriechbaum / noch selbigen Tag den Marsch an das Schloß Gutteneck auff Dummeldorff genommen / in selbiger Gegend über Nacht cantoniret / und Freytags / den 8. dito darauff / gegen das Closter Allerspach und den Marckt Aidenbach zugerucket; unter Weegs aber bey dem Schloß Haidenburg (allwo der voraußgegangene Vortrupp zuruck kommen / und berichtet / daß der Feind in vollem Haussen / theils in- und theils bey Aidenbach stehe) mit der Reutterey so lang angehalten / biß das Fuß-Volck mit denen Stucken und Ammunitions-Wägen nachgerucket.

Unterdessen hat eine andere Parthey / welche mit gewisser Ordre an den Herrn Obristen / Baron von Arnan / nach Viltzhofen abgeschicket worden / durch 2. Hussaren Nachricht gegeben / daß erwehnter Herr Obrister zwar denen 2. Pfältzischen Regimentern entgegen gegangen / jedoch den Anspachischen Granadier-Obrist-Lieutenant / Herrn von Marchal / mit selbigen Granadirern und theils Kayserl. Truppen / bey 2000. Mann starck / zu Viltzhofen hinterlassen hätte. Auff welches hochbesagter Herr General alsogleich die Ordre gegeben / daß er / Obrist. Lieutenant / die benöthigte Besatzung in der Stadt Viltzhofen zuruck lassen: mit allübriger Mannschafft aber schleunigst auff Aidenbach anmarschiren / und dem Feind in Rucken zu kommen suchen solle; So bald nun das Fuß-Volck bey dem Schloß Haidenburg ankommen / hat sich der Herr Genaral / Baron von Kriechbaum / in die Schlacht-Ordnung gestellet / und solcher Gestalten seinen Marsch gegen Aidenbach / fast eine Stund weit / fortgesetzet.

Der Feind / als er dieses wahrgenommen / hat (weil man Kayserl. Seits über einen tieffen Bach setzen / und dadurch sich zimblich verweylen müssen) die Zeit gewonnen / und sich auff ein hohes Feld vor dem Wald postiret; auff welchen der Herr General durch- und neben dem Marckt Aidenbach über die zu passiren sehr beschwerlich- und bergige Felder / das Fuß-Volck mit der Reutterey / so gut es seyn können / zusammen geschlossen haltend / biß ohngefehr 200. Schritt an den gantz vortheilhafftig gestandenen / der Kundschafft nach / bey 7000. Mann starcken Feind angerucket / in Hoffnung / eine standhaffte Gegenwehr zu bekommen; es haben sich aber die Rebellen / ehe man die Höhe gar besteigen können / gleichsam in einem Augenblick / ohne Machung des geringsten Feuers / in den hinter sich gehabten Wald gezogen; ihr Commendant aber / und andere Officiers seynd / gleichwie sie s. v. schelmischer Weiß ihr Rebellisches Commando angetretten / wieder solcher Gestalten auff ihren Pferden mit der wenig, gehabten Reutterey durchgegangen / und haben ihre so genante Haupt-Armee im Stich gelassen; welche der verbitterte Soldat / sowohl zu Pferd / als zu Fuß / alsogleich umringet / und in denen Wäldern / auch Feldern auffgesuchet / alles / was sich nur blicken lassen / gegen einem geringen Widerstand solcher Gestalten nidergemacht / daß der wenigere Theil darvon kommen; theils von ihnen haben sich in einige / unweit von dieser Niderlag gelegene Bauern-Häuser retiriret / und sonderbahr auß einem auff die Kayserliche mit kleinem Gewehr starck Feuer gegeben; dahero diese Häuser sammentlich in Brand gestecket / und / was nicht darinn verbrennen / sondern entlauffen wollen / ohne Unterschied niedermacht worden.

Dise Niderlag hat / ohne Auffhören / ohngefehr von halber 12. Uhr Mittags biß gegen 4. Uhr Abends gewähret / also zwar / daß dise Niderlag der an dem Hl. Christ-Tag bey München vorgegangenen weit überlegen / und ist gewiß / daß der wenigere Theil von disem Rebellischen Volck darvon kommen; was aber würcklichen auff dem Platz gebliben / ist eigentlich nicht zu beschreiben / wehl aber zu glauben / daß von 4000. Todten wenig hundert abgehen werden; weil man die in den Wäldern / worin die gröste Niderlag geschehen / und häuffig hin und wider zu sehen seynd / nicht wissen kan; die Felder / Wisen und Aecker aber von dem Marck Aidenbach auß / fast eine gantze Stund weit / häuffig mit Todten übe streuet seynd. Bey dieser Action haben die Rebellen / ihrer einenen Bekantnuß nach / ihre beste Leuth / sambt einem Hauptmann verlohren / und die bey sich gehabte 4. schöne Stuck / darunter 2. Augspurgische / neben einem mit Munition beladenen Wagen / und einem Wagen Schantz-Gezeug / mit aller Bespannung / zur Beuth hinterlassen; Gefangene seynd fast gar keine / ausser der vormahls geweste Bayrische / nachgehends Würtenbergische Hauptmann / Nahmens Weber / und der Land-Gerichts Ober-Schreiber auß Scharding / welcher von einer Hussaren-Parthey eingebracht worden.

Nachdem nun diese glückliche Action also vollendet / ist auß Viltzhofen der hierzu beordrete Anspachische Obrist-Lieutenant mit 1600. Mann zu Fuß / und ohngefehr 120. Pferden in der Nähe ankommen / welcher den 9. dito wiederumb zuruck nach Viltzhofen gehen / Herr General Kriechbaum aber mit seinem unterhabenden Corpo einen Rast-Tag halten / und alsdann weiters agiren wird.




Continuation Dessen / was seithero von besagter Niderlag in Bayern weiters vorgegangen.

Demnach der Herr General Kriechbaum den 12. Jenner mit der Cavallerie. so in Reuttern / Dragonern und Hussaren bestanden / und noch über die vorhin schon angelangte 500. Anspachische Granadirer / etlich 100. Musquetirer zu Passau ankommen / seynd auch eben selbigen Tag einige Deputirte von Braunau / als nemblich ein Bauer auß dem neuen daselbst auffgerichteten Bauern-Parlament / der Postmeister / ein Burger und ein Tambourangelangt / die bey Sr. Excellentz Audientz begehret / so sie auch erhälten / in welcher sie aber nichts anders vorgebracht / als daß sie zwar willig wären / die Vestung Braunau ihro zu übergeben / bitten aber umb 14. Tag Auffschub. Worauff der Herr General ihnen einen scharffen Verweiß gegeben / mit Sprechen / daß er ihnen nicht eine Stund verwillige / sondern wofern sie nicht gleich bey seiner Ankunfft / so innerhalb 3. Tagen beschehen werde / ihme die Vestung übergeben / keines Menschen darin verschonet werden solte. Mit dieser Post hat er den Tambour allein zuruck geschicket / die andere aber verarrestiren / und starck verwachten lassen.




Den 13. dito hat gedachter Herr General einen bey Aidenbach gefangenen Bayrischen Ober-Schreiber neben 30. Hussaren nacher Scharding geschicket / der nicht allein die grosse Niderlag bey Aidenbach / welche täglich grösser wird / und sich schon bey 5000. belauffet / denen Burgern und Bauern erklären / sondern auch den Außforderungs-Brieff und anerbietende Kayserl. Gnad zugleich übergeben solte / in welchem ihnen 24. Stund sich zu bedencken gegeben worden: seynd aber selben Abend wieder zuruck kommen / mit Vermelden / daß zwar die Burger zur Ubergab geneigt / die Bauern aber nicht dahin zu bereden wären; wie sie dann selbe Nacht einen Tambour herauß geschicket haben / und dem Herrn General eine sehr schimpffliche Post sagen lassen / unter anderen vermeldend: er solte nur kommen / sie wollen ihn schon mit Kugeln empfangen.




Den 14. dito ist der Herr General auff den Maria Hülff-Berg geritten / daselbst seine Andacht verrichtet / indessen aber die Dragoner und Reutter vorauß gegen Scharding marschiren lassen / alsdann sich zu Pferd gesetzet / in Begleitung des hiesigen Herrn Hof-Marschallen / eines Dom-Herrn / und anderer hiesiger Cavallieren / gefolget; darauff kamen die Anspachische Granadirer und Musquetirer / in allem bey sünffthalb tausend Mann / lauter starcke brave und wohlmondirte Leuth / die nichts anders wünschten und verlangten / als daß sich nur Scharding nicht per Accord ergebe / damit sie solches mit Sturm erobern / mithin Beuth machen könten. Nach den Soldaten folgten 8. Stuck / Munition- und Bagage-Wägen / die Mörser und Bomben aber / so Jhre Hochfürstl. Eminenz auß Dero Zeug-Hauß erfolgen lassen / wurden eingeschiffet / und neben vielen leeren Schiffen / zu Erbauung einer Schiff-Brucken / bey Fornbach / in Begleitung 100. Granadirer / gegen Scharding abgeführet.




Nachdeme nun der Herr General mit seinem Corpo eine Stund weit vor Scharding kommen / hat sich ein Burgermeister / Nahmens Keck / von gedachtem Scharding befunden / und die Stadt-Schlüssel überreichen wollen / welche aber der Herr General nicht annehmen wollen / mit Vermelden: Jhr seyd bißhero nicht Herren der Stadt gewesen / sondern die Bauern / dahero will ich die Schlüssel von dem Bauern-Commendanten haben. Setzten darauff ihren Marsch ferner nacher Scharding fort; da Sie sich der Stadt genähert / kamen beede Burgermeister mit denen Vornehmeren des Raths / warffen sich dem Herrn General zu Füssen / daten umb Gnad / überreichten ihm die Schlüssel / mit tieffester Demuth; in der Stadt stunde die gantze Burgerschafft im Gewehr; nachdem sie solches præsentiret / haben sie es alsobald / zum Zeichen der Submission nidergelegt. Alle Bauern seynd in der Nacht entflohen / und vile noch selbigen Tag / als sie den Anmarsch vernommen, Einige wollen / daß sie nach Braunau; andere / daß sie nacher Hauß gegangen / anstatt des Gewehrs den Trischel wieder zu ergreiffen

Die Schlacht bei Aidenbach am 8. Januar 1706

beschrieben von Joseph Pamler
Auf vielseitiges Verlangen aus des Verfassers handschriftlicher Chronik von Aidenbach abgedruckt.
Passau, Druck aus Dr. Breßl’s Buchdruckerei 1859.



Um den Gang der Ereignisse, in deren Folge das sonst so unbekannte Aidenbach in der vaterländischen Geschichte einen Namen erhalten hat, allen unsern Lesern möglichst verständlich zu machen, wird es zweckdienlich sein einen kurzen Ueberblick der damaligen politischen Sachlage vorauszuschicken.

Eines der größten Reiche, das je die Welt gesehen, war um das Jahr 1700 Spanien, ein Reich, in dem, wie man zu sagen pflegte, die Sonne niemals unterging. Der König dieses Reiches, Karl II. war alt, gebrechlich und kinderlos. Wer soll der Erbe dieses Reiches werden? Das war die Frage, die damals alle Welt beschäftigte. König Karl II. hatte aber zwei Schwestern, von denen die eine Namens Maria Theresia an den König Ludwig XIV. von Frankreich, die andere, Margaretha Theresia, an den Kaiser Leopold von Oesterreich verheirathet war. Eine Tochter dieser Margaretha, nämlich die Maria Antonia, war im Jahre 1686 die Gemahlin des Churfürsten Max Emanuel von Bayern geworden und hatte ihm am 28. Okt. 1692 einen Prinzen Namens Joseph Ferdinand geboren.

So war Max Emanuel in nahe verwandtschaftliche Verhältniße zum Könige Karl von Spanien gekommen und hatte insbesondere durch den ausgebreiteten Ruf seines Heldenmuthes das Wohlwollen des Königs in so hohem Grade erworben, daß ihm der König die Statthalterschaft der spanischen Niederlande mit einem Gehalte von monatlich fünfundsiebenzigtausend Reichsthalern übertrug. Am 26. Marz 1692 hielt Max Emanuel seinen feierlichen Einzug in Brüssel.

Während nun die verschiedenen Mächte wegen der zu erwartenden spanischen Erbschaft bereits mancherlei Plane schmiedeten, erklärte der König Karl II. von Spanien im April des Jahres 1698 mittelst eines feierlichen Testamentes den bayerischen Prinzen Joseph Ferdinand, den Sohn Max Emanuels, zum einzigen Universalerben der ganzen spanischen Monarchie.

Max Emanuel, am Ziele seiner kühnsten Hoffnungen sich sehend, ließ alsogleich den jungen Prinzen zu sich nach Brüssel bringen, und schon standen in Amsterdam vierundzwanzig Kriegsschiffe bereit, um den Churfürsten mit dem jungen Prinzen und Thronerben nach Spanien hinüberzubringen, als der Prinz plötzlich erkrankte und am 5. Febr. zu Brüssel starb. — Dem zweideutigen Benehmen der französischen Aerzte bei der Krankheit des Prinzen sagt die Welt das Schlimmste nach.

Max Emanuels Schmerz war gränzenlos. König Karl II. setzte aber nun den Prinzen Philipp von Frankreich und Herzog von Anjou, einen Enkel seiner Schwester Maria Theresia, zum Erben der spanischen Lande ein. Allein dieses behagte weder dem Kaiser Leopold, noch den Engländern. Der Kaiser erklärte das Testament für ungiltig und er und England rüsteten gegen Frankreich. Lange schwankte Emanuel, welcher der beiden Partheien, von denen jede ihn zu gewinnen suchte, er sich zuwenden sollte. Da aber Oesterreich für die vielen Opfer, welche Emanuel in den Türkenkriegen gebracht hatte, noch immer die versprochene Entschädigung nicht leistete und überdies ihm nicht einmal sein Guthaben in den Niederlanden verbürgen wollte, so brachten endlich die französischen Unterhändler, den Churfürsten auf Frankreichs Seite, indem sie ihm für den Fall des Sieges die Statthalterschaft der Niederlande erblich zu geben versprachen.




Der Krieg begann. Max Emanuel hatte Alles aufgeboten, um eine achtunggebietende Macht ins Feld zu stellen. Der zehnte wehrhafte Mann im ganzen Lande mußte zu den Fahnen eilen: (aus Aidenbach allein rückten 17 junge Männer in den Sammelplatz nach Plattling ein) und alle Gerichtsund Hofmarchsamtleute hatten sich bis 9. Febr. 1703 mit ihren Pferden in München einzustellen. Zweimal kam in dieser Zeit der Churfürst nach Aidenbach. Das erstemal am 19. Dezember 1702, hielt sich aber nur kurze Zeit auf und reiste am nämlichen Tage wieder über Griesbach weiter, von allen Seiten von freudigem Jauchzen des für seinen Fürsten begeisterten Volkes begrüßt. Als dann der Churfürst im März des Jahres 1703 als Sieger über den von ihm am 11. März 1703 bei Eisenbirn geschlagenen österreichischen General Schlick zurückkehrte, kam er zum zweitenmale nach Aidenbach, um da zu übernachten. Auf die Kunde davon strömte Alles herbei und umdrängte jubelnd den Fürsten. Alle wollten denjenigen sehen, dessen Tapferkeit jede Zunge pries und dessen Heldenruhm jedes bayerische Herz mit edlem Stolze erfüllte. Der Chur fürst, welcher sich äußerst freundlich und herablassend benahm, nahm sein Nachtquartier im Hause des Gastwirthes und Handelsmannes Ulrich Brandhuber (jetzt Haus Nr. 1 des Franz Koch) und war nicht wenig darüber erfreut, in dem Besitzer dieses Hauses einen jener wackern Reiter wieder erkannt zu haben, die unter ihm gegen die Türken so tapfer gekämpft hatten. Des andern Tages reiste der Churfürst von den herzlichsten Segenswünschen begleitet nach Plattling ab. Wie wahr und ungeheuchelt die bei seiner Einkehr und Abreise hier geäußerte Begeisterung des Volkes für seinen Fürsten war, das hat nach kurzer Zeit dasselbe Volk an derselben Stätte durch die That bewiesen.

Siegreich ging Max Emanuel aus den ersten Kämpfen hervor. Bald aber änderte sich die Lage der Dinge. Ungünstig für den Churfürsten fiel der nach Tyrol unternommene Feldzug aus, ungünstig für ihn ein am Schellenberge bei Donauwörth am 2. Juli 1704 geschlagenes Treffen, noch ungünstiger aber die am 13. August 1704 bei Höchstädt vorgefallene Hauptschlacht, in welcher die französisch=bayerische Armee durch die Schuld des mit der Unüberwindlichkeit seiner Franzosen prahlenden französischen Generals Tallard eine vollständige Niederlage durch die Oesterreicher und Engländer unter Eugen und Malborough erlitt. Max Emanuel sah sich jetzt genöthiget, mit dem Reste seiner Truppen in die Rheingegenden sich zurückzuziehen und sein treues Bayernland dem siegenden Feinde zu überlassen.

Bayern ward nun als eroberte Provinz betrachtet, und hart und schwer lag Oesterreichs Hand auf dem Bayervolke. Halbwilde Horden durchschwärmten das Land, Plünderungen, Gewaltthätigkeiten und Gräuel aller Art verübend. Erpressungen über Erpressungen wurden dem ohnehin schon ganz erschöpften Volke auferlegt, die waffenfähige junge Mannschaft zur Nachtszeit gewaltsam aus den Häusern gerissen und fortgeschleppt zum österreichischen Kriegsdienste, und zum Kampfe gegen das eigene theure Vaterland und Fürstenhaus gezwungen.

Ein freilich nur schwaches Bild von dem, was in jener harten Zeit unsere Gegend nur allein in dem Jahre 1704-1705 zu leiden gehabt, geben uns die damalige Gemeinderechnung von Aidenbach und andere Aufschreibungen. Wir lesen da von der Plünderung des Marktes, von zerschmetterten Thüren, ausgerissenen Fensterstöcken, zertrümmerten Kästen, zerschlagenen Fässern etc. von fortwährenden Geldforderungen, deren Summe für die Marktgemeinde allein in dem einzigen Jahre auf 1376 fl. 45 kr. sich belief. Solches und Aehnliches hatten aber damals auch alle andern Ortschaften in ganz Bayern zu erdulden. Die vielen Gewaltthätigkeiten und fortwährenden Erpressungen, die Kunde von der unwürdigen Behandlung der in Feindesgewalt befindlichen churfürstlichen Prinzen, dann der jedem Bayer unerträgliche Gedanke, dem Szepter des angestammten Fürstenhauses entrissen zu sein — das war zu viel für das Herz des Volkes und regte den sonst so ruhigen und gutmüthigen Landmann zu wunderbarer Thatkraft und Entschlossenheit auf.




Wie Ein Mann erhob sich mit Einemmale in verschiedenen Gegenden des Landes das Bayerische Landvolk, um die unerträglichen Fesseln zu brechen. „Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderben!“ erscholls von Ort zu Ort, von Gau zu Gau, durchs ganze Land. Kühne und entschlossene Führer traten an die Spitze dieser bald zu vielen Taufenden angewachsenen, mit dem Muthe der Verzweiflung erfüllten Landleute, und wäre damals noch eine nur etwas bedeutende bayerische oder französische Armee in der Nähe gewesen, der Ausgang wäre dann wahrscheinlich ein ganz anderer geworden.

Anfangs wurden einzelne österreichische Abtheilungen angegriffen, und viele zum österreichischen Kriegsdienste ausgehobene Jünglinge wieder befreit, bald aber auch die von den Kaiserlichen besetzten niederbayerischen Städte in rascher Eile von den Landesvertheidigern erobert und besetzt. Der tapfere Plinganser aus Pfarrkirchen, der eben seine Studien als Jurist vollendet hatte, und der wackere Meindl, ebenfalls ein Studierender, waren die Häupter und Leiter dieser Unternehmungen in Niederbayern.

Auch in Oberbayern, in der Oberpfalz und im bayerischen Walde hatten die Waffen der Landesvertheidiger manch glücklichen Erfolg. Allein es blieb nicht also. Eine Schaar oberbayerischer Landleute hatte sich Münchens bemächtigen wollen, aber niederträchtiger Verrath vereitelte ihr Unternehmen und die Mehrzahl der 5000 Mann starken Schaar fiel im hartnäckigsten Kampfe zu München und Sendling in der Christnacht 1705. Schnell verbreitete sich diese Schreckenskunde durchs ganze Land aber sie entmuthigte nicht. Noch standen mehrere Tausende entschlossener Männer an der Vils und Rott bereit, das Aeußerste zu wagen und entweder zu siegen und ihre gefallenen Brüder zu rächen, oder treu ihrem Wahlspruche zu sterben wie sie.

Eine Schaar von siebentausend Landesvertheidigern sammelte sich eben damals um Aidenbach unter ihrem Anführer Hoffmann, einem ehemaligen Wachtmeister im Weikelschen Kürassierregimente, welcher unter Max Emanuel die türkischen Feldzüge mitgemacht hatte. Mit Ungestümm verlangte die Schaar nach einer Schlacht. Die Häupter des Aufstandes aber, welche damals zu Braunau sich befanden, waren keineswegs geneigt, durch Lieferung einer Hauptschlacht Alles auf das Spiel zu setzen und schickten deßwegen an die unter Hoffmann bei und in Aidenbach stehenden Landesvertheidiger den Auftrag, vor dem anrückenden Feinde zuruckzuweichen so lange, bis man eine Gelegenheit habe, ihm einen bedeutenden Schlag mit Sicherheit beibringen zu können. Allein die vom Verzweiflungsmuthe beseelten Schaaren ließen sich von ihrem Vorsatze nicht abbringen.

Inzwischen war Vilshofen wieder in die Gewalt der Kaiserlichen gefallen. Der kaiserliche Oberst D'Argnan hatte sich nämlich in Straubing mit 1000 Mann auf der Donau eingeschifft und war bei Vilshofen zunächst der St. Barbarakirche oberhalb der Stadt ans Land gestiegen, um sich von da aus der nur mit einer geringen Anzahl Bauern besetzten Stadt zu bemächtigen. Er schickte den Guardian und einen andern Pater des außerhalb der Stadt gelegenen Kapuzinerklosters in die Stadt und ließ die Besatzung zur Uebergabe auffordern. Während aber in der Stadt noch Rath gepflogen wurde, was zu thun sei, stürmten die Kaiserlichen unter dem Vorwande zu langen Zögerns die Pallisaden und drängten die Bauern bis unter das Thor zurück. Schon waren sie daran, auch dieses zu stürmen, als der Magistrat freiwillig das Thor öffnete, und die Kaiserlichen durch Empfangsfeierlichkeiten so lange hinhielt, bis die Bauern sammt ihren drei Offizieren Georg König, einem ehemaligen Rittmeister, Andreas Ertl und Adam Zuginger auf der entgegengesetzten Seite über die Vils hinaus entkommen waren. So hatte also der Feind im Rücken der bei Aidenbach stehenden Landesvertheidiger festen Fuß gefaßt, und einen wichtigen Platz an der Donau in seiner Gewalt. Die Landesvertheidiger erkannten auch die Größe dieses Verlustes gar wohl und entsendeten daher am 30. Dez. 1705 einige hundert Mann, um Vilshofen durch einen Handstreich wieder zu gewinnen, allein die Wachsamkeit der Oesterreicher vereitelte ihr Unternehmen, und mehrere von ihnen wurden von den nachsetzenden Husaren bei Ließing ereilt und zusammengehauen.

Unterdessen war der österreichische General Kriechbaum am 2. Januar 1706 von München her mit einem Korps von 3000 Mann Kavallerie und einigen Kanonen aufgebrochen und rückte jetzt, nachdem er noch einige Reiterabtheilungen zur Verstärkung an sich gezogen hatte, eilig nach Niederbayern vor.




Als die Häupter der Landesvertheidiger in Braunau hievon Kunde erhielten, sendeten sie schnell einige Hauptleute mit Mannschaft und Geschütz gen Aidenbach. An Freiherrn von Prielmayer, der mit dem bayerischen Regimente "Herzog Philipp" in Burghausen stand und an den Oberst Zelli erging ebenfalls von Braunau aus der Befehl, mit ihren Truppen die Landesvertheidiger ber Aidenbach zu verstärken und dann dem Feinde die Spitze zu bieten. Einen gleichen Auftrag erhielt der General Freiherr D'Ocfort, mit seiner Reiterei ebendahin aufzubrechen. Allein Freiherr von Prielmayer weigerte sich, blieb ungeachtet des zweimaligen Befehles unthätig in Burghausen sitzen und legte endlich, als ein dritter geschärfter Befehl an ihn erging, seine Befehlshaberstelle nieder. D'Ocfort hingegen, der sich überhaupt immer in einem sehr zweideutigen Lichte gezeigt hatte, weigerte sich geradezu und erklärte: "Er habe zwar gelernt, Soldaten zu kommandiren, aber nicht Bauern, und er wolle sich eher massakriren lassen, als mit Bauern gegen einen regulirten Feind kämpfen." So verging eine kostbare Zeit unter Zaudern und Gezänke, bis dann aber schon zu spät — der wackre Schützenobrist Meindl und der Oberst Zelli mit ihren Schaaren gegen Aidenbach aufbrachen.

Mittlerweile war der österreichische General Kriechbaum bereits am 6. Januar in Eggenfelden eingetroffen, hatte dort übernachtet und beabsichtigte zweifelsohne seinen Marsch über Pfarrkirchen fortzusetzen und dann eine Vereinigung mit den österreichischen Streitkräften in Vilshofen zu erzwecken. Da bot ein Verräther sich ihm an und brachte ihn zu einem andern Entschlusse. Dieser war Johann Paul Wallner, Gerichtsschreiber von Pfarrkirchen, welcher Tags vorher in Aidenbach gewesen war und das Lager der Landesvertheidiger ausgekundschaftet hatte. Belohnung hoffend, berichtete er dem General Kriechbaum, daß die Bauern 7000 Mann stark bei Aidenbach stünden, Verstärkung erwartend, die auch bereits vom Inn her im Anzuge begriffen wäre und einige tausend Mann stark sei. Er möge daher, bevor noch der Rebellenhaufe Zuzug erhalte, rasch gegen Aidenbach ziehen, und er, Wallner, wolle ihn auf dem kürzesten und sichersten Wege dahin geleiten. Kriechbaum rückte demnach über Dumeldorf vor, wo er übernachtete, und entsendete auf Umwegen einen Boten nach Vilshofen, mit dem Auftrage an den Oberstlieutenant Marschall, die Bauern am andern Tage unverzüglich im Rücken anzugreifen. Des nächsten Tages in aller Frühe brach Kriechbaum gegen Aidenbach auf. Eine Stunde davon entfernt erfuhr er, daß die Macht der Bauern noch in unveränderter Stellung in und um Aidenbach stehe und noch keine Verstärkung erhalten habe. Er ordnete daher bei Haidenburg seine Schaaren und rückte gegen die Landesvertheidiger vor.

Diese hatten sich, siebentausend Mann stark, mit vielem Vortheile auf dem Gehügel östlich und südlich von Aidenbach aufgestellt. Aidenbach und die Dörfer Karling und Heft waren von ihnen besetzt, vor sich gegen Westen nach Haidenburg zu hatten sie einen tiefen Bach und darüberhinaus eine, wenigstens zur Sommerszeit ziemlich sumpfige Wiesenfläche, hinter sich aber und zu beiden Seiten dichte Wälder. Die durch den Wald bei Buchenöd nach Vilshofen führende Strasse hatten sie durch Verhaue und Gräben unbrauchbar gemacht, um von dorther gesicherter zu sein.




Es war am Freitag den 8. Januar 1706 gegen 10 Uhr Mittags, als die feindlichen Reiter von Westen her erschienen. Ein fürchterliches Kampfgeschrei erhob sich bei ihrem Anblicke im Lager der Landesvertheidiger. Die feindlichen Kanonen fingen an zu donnern und brachten wohl manchem Braven tödtlichen Gruß. Die Landesvertheidiger aber konnten aus ihrem Paar schlechtbedienter Feldstücke solche Grüße nur spärlich erwidern. Die Wehre, die sie mit der Faust umfingen, die sollte ihnen, wie sie glaubten, zum Siege verhelfen. Als daher die feindliche Reiterei über den festgefrornen Wiesenplan herangerückt kam, da warfen sie sich mit Ungestümm auf die feindlichen Reiter, um mit des Armes Kraft den Mangel gehöriger Bewaffnung zu ersetzen. Am Bache hin entspann sich der hartnäckigste Kampf. Wie wüthend kämpften die Bauern mit ihren Hacken, Sensen, Spießen, Gabeln etc. dareinschlagend und stoßend, während aus nahegelegenen Gebäuden und Gebüschen einige Hundert vertheilter Schützen ein wohlgezieltes Feuer gegen den Feind richteten. Eine Stunde lang hatte der Kampf schon gedauert und noch war es dem Feinde nicht gelungen, auf dem rechten Ufer des Baches festen Fuß zu faßen. Von Kampfeswuth getrieben drangen nun hie und da einzelne Haufen der Bauern auf das linke Ufer des Baches hinüber, allein zu ihrem Verderben. Sie wurden bald von den Husaren umzingelt und niedergehauen. Ungewohnt in Reih und Glied zu kämpfen, entstand bald dort bald da eine Lücke in den Reihen der Bauern; die Feinde benützten sie, und es begann allmälig unter den Landesvertheidigern eine Verwirrung einzureißen, welcher der Anführer Hoffmann nicht mehr zu steuern vermochte. Hoffmann, welcher schon am Morgen des verhängnißvollen Tages eine sonst an ihm nicht bemerkte Aengstlichkeit gezeigt hatte, und dem vielleicht die blutige Münchner Christnacht und das Loos vorgeschwebt haben mochte, das ihn treffen würde, wenn er den Oesterreichern in die Hände fiele, — Hoffmann verließ mit einigen Reitern in diesem kritischen Momente den Kampfplatz und flüchtete sich in die rückwärts gelegenen nahen Wälder. Diese unglückselige Flucht gerade in dem entscheidendsten Augenblicke, in welchem, wenn auch nicht der Sieg, so doch die Rettung vieler hundert wackerer Männer möglich gewesen wäre, bereitete den Landesvertheidigern den Untergang. Alle Ordnung war nun dahin. Verzweiflungsvoll kämpften die Bauern; aber all ihr Muth und ihre Todesverachtung und all die mächtigen Streiche ihrer nervigen Arme konnten den einmal entrissenen Sieg ihnen nicht mehr erringen. Bald war ihre Schlachtreihe durchbrochen und getheilt, aber nichts desto weniger kämpften sie fort nicht mehr um den Sieg, sondern um den Tod. Auf dem Handlberg, östlich von Aidenbach, setzte sich die Hauptmasse der Bauern fest. Erbitterter als je entbrannte der Kampf. Gnade ward weder verlangt noch gegeben. In Strömen floß das Blut. Leichen häuften sich auf Leichen und Hunderte derselben lagen bereits erstarrt auf dem eisigen Boden, Freund und Feind im schrecklichen Wirrwarr durcheinander. So zieht der blutige Kampf sich hinüber südlich an den Kleeberg, wo viele Hunderte verbluten. Dann wälzt er sich hinüber auf die Felder von Unterskirchen und Tötling und den Reschenberg. Ein Haufe der Bauern hat sich in den Hof zu Oberndobel gezogen und festgesetzt, aber die Husaren umringen den Hof, stecken die Gebäude in Brand und die darinnen sind, verbrennen. Ein größerer Haufe hat sich in das Dorf Tötling geworfen, um in dortigen Gehöften den letzten verzweifelten Widerstand zu leisten. Der Feind zündet die Häuser an, und was nicht in den Flammen umkam, das fiel unter den Klingen der das Dorf umgebenden Reiter.

Nur ein kleiner Haufe Landesvertheidiger war noch übrig, der sich zuletzt in die Hofgebäude des Resch im Dobel gezogen hatte, entschlossen, hier das Leben so theuer als möglich zu verkaufen. Da unter ihnen Mehrere mit Schießgewehren versehen waren, so vertheidigten sie sich noch einige Zeit sehr wirksam, jede Gnade mit Verachtung zurückweisend. Da werfen die Feinde Feuer in den Hof, das Feuer greift um sich, und nun Tod und Verderben von innen und außen. Immer seltener fallen die Schüsse immer mehr verstummt das Kampfgeschrei. Schon schlagen prasselnd die Flammen aus den Dachungen hervor, aber noch steht ein Mann an einem noch von den Flammen verschonten Platze der Scheune haftig schießend und wieder ladend, als achte er nicht der ringsum zuckenden Flammen und der vielen an ihm vorbeisausenden feindlichen Kugeln. Er schießt, und jede Kugel trifft ihr Ziel. Er schießt — krachend stürzen die brennenden Balken über ihn zusammen — seine letzte Kugel hatte noch die Brust eines feindlichen Offiziers durchbohrt.

Die Nacht war bereits herangerückt; fast sechs Stunden hatte der Kampf gedauert. Das Morden war zu Ende, nur die Flammen prasselten noch aus den Gehöften zu Tötling, Resch im Dobel und Oberndobel als eine schauerliche Todesfackel für die heldenmüthig gefallenen Kämpfer.

Als das Gemetzel schon zu Ende war, kam auch noch der Oberstlieutenant Marschall von Vilshofen her mit tausend Mann. Das blutige Werk war aber schon vollbracht, und er kehrte daher wieder um. An Meindl und Zelli aber, die mit ihren Schaaren schon in Griesbach eingetroffen waren, brachten Flüchtende die Trauerbotschaft: "Es ist zu spät!

Da lagen sie nun die Treuen, mit ihren Leichen bedeckend alle Hügel und Felder ringsumher, und mit ihrem Blute färbend die vaterländische Erde, die eigenen Felder und Fluren, da lagen sie, zum Beweise, was das Bayervolk für das Vaterland und angestammte Fürstenhaus zu opfern fähig ist.

An den folgenden Tagen kam eine Menge von Weibern und älteren Männern aus der umliegenden Gegend, um die Leichen ihrer Männer, Söhne, Brüder und Verwandten auf dem Schlachtfelde aufzusuchen und nach Hause zum Begräbnisse zu bringen. Viele wurden auf diese Weise fortgebracht, bei weitem die größere Zahl der Gefallenen wurde aber in großen Gruben auf dem Handelberge, Kleeberge und auf dem Reschenberge sowie in den Gottesackern zu Aidenbach, Beutelsbach und der Pfarrei Eggelham begraben.




In den Pfarrbüchern einiger Pfarreien finden sich noch Aufschreibungen, welche über die Zahl der Gefallenen einige Aufschlüsse geben und auch die Namen vieler derselben enthalten. Sie hier anzuführen, mag nicht am unrechten Platze sein.

Beutelsbach

Alphons Schönbuchner von Beutelsbach schrieb in das Pfarrbuch:

„Anno 1706 den 8. Januar" … Auf dem Kleeberge sieht man 4 Gruben, liegen begraben 318, auf dem Reschenberge aber sind zu sehen 6, worinnen sich 600 und bey 40 Tode Cörper befinden, welche erstere von mir rite eingesegnet worden, folgen nun diejenige, welche im Gottes Ackher zu Peutelspach ihr Ruheböttlein gesuecht und Solches auch gefunden haben Wie

  • 1. Volgt Aichinger von Schwertling, Pfarr Birnbach alt 40 Jahr
  • 2. Wolfgang Wagner von Klessing 60 Jahr
  • 3. Thomas Mayer von Oberhörbach 24 Jahr
  • 4. Balthasar, Doblersohn v. Langenbruck 23 Jahr
  • 5. Vitus, Zeilmayrknecht v. Unterbeutelsbach 38 Jahr
  • 6. Acherlsohn von Tilbach 19 Jahr
  • 7. Peter Hans von Obertanbach 40 Jahr
  • 8. Schmalzöder von Schmalzöd 50 Jahr
  • 9. Grabmer von Unterhörbach 40 Jahr
  • 10. Reindlsohn von Unterhörbach 23 Jahr
  • 11. Sebastian, Weißhubersohn v. Unterskirchen 29 Jahr
  • 12. Martin, Sommersohn v. Unterthalham 23 Jahr
  • 13. Sebastian. Sommersohn v. Unterthalham 21 Jahr
  • 14. Johann, Rauschersohn v. Tilbach 20 Jahr
  • 15. Georg, Blümelsohn v. Tilbach 25 Jahr
  • 16. Peter Neichmair v. Unterhörbach 40 Jahr
  • 17. Wimmer Weber v. Unterskirchen 30 Jahr
  • 18. Steinhaufer Schneider v. Griesbach 48 Jahr
  • 19. Johann Schwengseisen Schlosser v. Schärding 43 Jahr
  • 20. Dionys Brandl, Taglöhner v. Aschbach 40 Jahr
  • 21. Paul, Schusterbub v. Tanbach 20 Jahr
  • 22. Vitus N. Subersohn v. Irsham alt 22 Jahr
  • 23. Federlsohn v. Wiedenberg 23 Jahr
  • 24. Hans Dominik Hutmacher v. Griesbach 46 Jahr
  • 25. Christoph Parstinger Schuster v. Griesbach 45 Jahr
  • 26. Georg Wachter Jäger v. Griesbach 40 Jahr
  • 27. Simon Wastlhuber v. Unterhörbach 36 Jahr
  • 28. Mathias, Webersohn v. Scheueröd 50 Jahr
  • 29. Thoman Größlinger v. Höhenstadt 21 Jahr
  • 30. Georg Pracker Stadlbergersohn v. Hartkirchen 40 Jahr
  • 31. Johann, Fischersohn v. Rothhof 22 Jahr
  • 32. Thoman Schmid aus der Pfarr Griesbach 19 Jahr
  • 33. Sebastian, Huberbub von Tettenham 22 Jahr
  • 34. Mathias Schönmoser von Kößlarn 24 Jahr
  • 35. Bartholomä Parhofer aus der Pfarr Harding 22 Jahr
  • 36. Mathias Parhofer aus der Pfarr Harding 23 Jahr
  • 37. Valentin Parhofer aus der Pfarr Harding 26 Jahr
  • 38. Joseph Parhofer aus der Pfarr Harding 25 Jahr
  • 39. Georg Huber von Hütting 30 Jahr
  • 40. Andra Biebinger von Höhenstadt 24 Jahr
  • 41. Max Biebinger von Höhenstadt 22 Jahr
  • 42. Thoman, Lehnersohn von Höhenstadt 24 Jahr
  • 43. Georg von Hohenau Pfarr Irsham 26 Jahr
  • 44. Adam ein Bernauersohn von Holzkirchen 25 Jahr
  • 45. Wolfgang Haasmair von Haasen 34 Jahr
  • 46. Georg Maier aus der Pfarrei Griesbach 30 Jahr
  • 47. Georg Schußmann Baderssohn von Kößlarn 30 Jahr
  • 48. Joseph Pfleger Taglöhner von Aschbach 36 Jahr
  • 49. Peter Schnitzer, von Fünfaicha Pfarr Engertsham 30 Jahr
  • 50. Michl Hochhuber, von Fünfaicha Pfarr Engertsham 40 Jahr
  • 51. Rupert, Bauer von Irsham 44 Jahr
  • 52. Andrä, Müllersohn von Guerling 22 Jahr
  • 53. Hans Schmidbauer, Huber von Pocking 36 Jahr
  • 54. Johann Obermayr von Hartkirchen 35 Jahr
  • 55. Gregor, ein Brandlsohn von Aschbach 23 Jahr
  • 56. Paul Taglhauser, Taglöhner von Aschbach 40 Jahr
  • 57. Wolfgang Weidinger v. Prenzing in der Pfarr Hartkirchen 30 Jahr
  • 58. Philipp, ein Bärtlsohn von Blasen (S. Blasi.) 20 Jahr
  • 59. Georg Reizinger von Tettenweis 30 Jahr
  • 60. Jakob Hörl, Soldat aus Schwaben 40 Jahr
  • 61. Johann Adam, Wagner zu Griesbach 40 Jahr
  • 62. Stephan Prammhofer aus der Pfarr Pocking 30 Jahr
  • 63. Michael, ein Schustersohn v. Fälln Pfarr Höhenstadt 23 Jahr
  • 64. Hans Mändl von Malgertsham Pfarr Kößlarn alt 28 Jahr
  • 65. Vitus Leidinger, Forstknecht von Griesbach 30 Jahr
  • 66. Adam Maren=Veitlsohn von Vormbach 24 Jahr
  • 67. Simon Auer zu Engertsham 50 Jahr
  • 68. Mathias Auer zu Engertsham 28 Jahr
  • 69. Johann, Bauernsohn v. Aicha Pfarrei Beutelsbach 25 Jahr
  • 70. Georg Kay v. Penkofen Pfarrei Plattling 30 Jahr
  • 71. Stephan Wagner v. Genzing Pfarrei Würding 33 Jahr
  • 72. Bartholomä, Badersohn v. Kircham 24 Jahr
  • 73. Johann Krautwurm v. Prenzing Pfarrei Hartkirchen 30 Jahr
  • 74. Georg Gstöttl von Essenbach 40 Jahr
  • 75. Vitus Pimseder aus der Pfarrei Würding 43 Jahr
  • 76. Georg Hörmaier aus der Pfarrei Würding 30 Jahr
  • 77. Georg Schmidbauernsohn v. Tettenweis 24 Jahr
  • 78. Jakob Schiedl v. Reitersham Pfarrei Ruhstorf 30 Jahr
  • 79. Melchior Pimsedersohn aus Pfarrei Würding 24 Jahr
  • 80. Johann Hofmeister von Ering 20 Jahr
  • 81. Mathias Reith, Vierwirth von Schärding 38 Jahr
  • 82. Michl Thurmbauer, Taglöhner v. Fürstenzell 45 Jahr
  • 83. Wolnbergersohn von Höhenstadt 25 Jahr
  • 84. Stephan, Würfldoblersohn von Irsham 23 Jahr
  • 85. Joseph Gartner von Pfaffing Pfarrei Pocking 45 Jahr
  • 86. Jakob Vilzweger von Höhenstadt 25 Jahr
  • 87. Stephan Großer von Dorfreith Pfarrei Sulzbach 30 Jahr
  • 88. Johann Zeilmayer von Unterbeutelsbach, welcher stark plessirt worden und an solcher Plessur das Zeitliche den 2. Februar mit dem Ewigen vertauschet omnibus sacramentis munitus in pietato speculum totius Parochiae (d. h. er starb als ein Spiegel der Frömmigkeit für die ganze Pfarrei) in einem Alter von 72 Jahr.

Wobey auch 13 unbekannte Cörper begraben wurden. Summa 101.




Egglham [Tödling]

In dem Pfarrbuche von Eggelham heißt es: Das Jahr 1706 war unheilvoll für Bayern, indem das bayerische Landvolk aufstand und eine allgemeine Umwälzung herbeiführen wollte, aber nach Gottes gerechtem Rathschluße fielen ihrer wenigstens dreitausend Mann bei Tötling, wo auch auf dem Felde mehr als 1600 begraben liegen, die folgenden aber in den Gottesäckern der Pfarrei Tötling begraben sind:

  • 1. Wolfgang ein Saugrubersohn
  • 2. Georg, gewester Peterl von Hausschwendt
  • 3. Sebastian, ein verheiratheter Schacherbauernsohn
  • 4. Simon, ein lediger Hagenödersohn von Rieglsberg
  • 5. Fridrich Weber von Rieglsberg
  • 6. Georg, ein Reschensohn von Dobel
  • 7. Vitus, ein Bauernsohn von Hoibach
  • 8. Georg, sein Bruder
  • 9. Joseph, ein Schustersohn von Hoibach
  • 10. Georg, sein Bruder
  • 11. Georg Münich, Schneider von Eggelham
  • 12. item Joseph, sein Bruder
  • 13. Martin Grabmair von Obereggelham
  • 14. Georg Hansdobler alldort
  • 15. Jakob, ein Sargensohn von Frauntötling
  • 16. Johann Klessinger, Schmidsohn von dort
  • 17. Hans Haydner im Wald
  • 18. Mathias Mergl aldort
  • 19. Vitus Taberer von Taber
  • 20. Mathias Sigl zu Reut
  • 21. Augustin, Siglsohn von dort
  • 22. Andreas Schneiderl von Haybach
  • 23. Georg, Aderbauernsohn von Haybach
  • 24. Andrä, ein alter Aderbauernsohn von dort
  • 25. Georg, ein Steinersohn von Wald
  • 26. Wolfgang, ein verheiratheter Maistersohn von Martinstötling
  • 27. Aegidius, ein Glathausersohn von dort
  • 28. Joseph, ein Wirthssohn von Amsham
  • 29. item Andreas, sein Bruder
  • 30. Georg, ein alter Hofmaistersohn von Altaschbach
  • 31. Hans Christlmaier von Abtshofen
  • 32. Stephan Pirkeneder
  • 33. Jakob Söldner von Hoisberg
  • 34. Georg, ein Herrndoblersohn
  • 35. Bernhard Wimpatsser, Taglöhner
  • 36. Urban Schachermann von Schachen
  • 37. Mathias Perger von Pfarrkirchen
  • 38. Ulrich Wimmer von Riegelsberg
  • 39. Lorenz Leitner von Altersham
  • 40. Lorenz alter Hageneder
  • 41. Mathias Enzinger, Weberssohn von Triftern
  • 42. Mathias Mergendorfer, Zimmermann von Eggelham
  • 43. Philipp Voglöder von der Kuglenz."

Amsham

„In Amsham sind 22 begraben worden, deren Namen noch unbekannt sind, die Bekannten aber sind gewesen.

  • 1. Sebastian Hochhauser
  • 2. Mathias Winkler
  • 3. Adam Kalhamer
  • 4. Bartholomäus Lukas
  • 5. Adam Weber von Stelzberg
  • 6. Andreas Scheimer
  • 7. Andreas Knecht zu Afham
  • 8. Georg Leopold Schmied zu Amsham
  • 9. Adam Frauendorfer
  • 10. Georg Roiß
  • 11. Vitus Hahn, Pfleger zu Küeberg.

In dem Taufbuche der Pfarrei Tötling (Eggelham) vom Jahre 1674 bis 1748 findet sich auf dem ersten Blatte in lateinischer Sprache nachstehende Bemerkung:

„Es ist zu bemerken, daß, als die aufständischen Landleute am 8. Januar 1706 von den Kaiserlichen in der Nähe von Tötling besiegt wurden wo allein außerhalb des Kirchhofes über 1500 auf dem Felde begraben wurden, im Ganzen aber über dreitausend gefallen sind, auch das genannte Dorf (Tötling) von den Husaren angezündet worden ist. Das erste Haus, welches angezündet wurde, war unser Pfarrhof, zum größten Schaden für unser Kloster (Aldersbach) da die ganze Hauseinrichtung von den feindlichen Flammen verzehrt und auch die Bücher, nämlich das Tauf-, das Trauungs- und das Todtenbuch durch das nämliche Feuer vernichtet worden sind.




Rainding

In dem Todtenbuche der Pfarrei Rainting steht Folgendes: „Anno 1706 am 8. Januar sind bei Aidenbach an dem Kleeberge und in der Umgegend von den Kaiserlichen wegen Angriffen gegen sie und die (kaiserl.) Befehlshaber und Amtmänner in Bayern Folgende getödtet worden und in Rainting begraben:

  • 1. Thomas Schmidbauer Kramer in Rainting
  • 2. Johann Eckertseder
  • 3. Paul Orthuber von Entham
  • 4. Paul Nömer von Dießbach
  • 5. Georg Ringstradl von Dießbach
  • 6. Leonhard Kloibl, ledig von Grainholz
  • 7. Simon Huber von Steinbach
  • 8. Georg Lehner ledig von Hübing
  • 9. Mathias Kroiß von Stainbach
  • 10. Veit Webeck ledig
  • 11. Andreas Webeck ledig
  • 12. Georg Huber von Berghof
  • 13. Gallus Döder von Dießbach
  • 14. Simon Prodlippl von Dießbach
  • 15. Jakob Reßl von Stainbach
  • 16. Johann Jäger von Wällham Pfarrei Engertsham
  • 17. Mathias Rausch von Dießbach
  • 18. Simon Aichinger von Stainbach
  • 19. Johann Grainöder ledig
  • 20. Michl Schuhbauer von Dießbach
  • 21. Franz Faßhuber von Grainholz
  • 22. Hans Zellerbauer ledig
  • 23. Philipp Mämel zu Willing
  • 24. Tobias Pflüger von Berghof
  • 25. Wolfgang Roßmann ledig von Hochhaus
  • 26. Johann Langdobler ledig
  • 27. Bartholomäus Mühlschuster von Dorfbach
  • 28. Fridrich Bauer von Willing
  • 29. Andrä Hauelschuster von Dorfbach
  • 30. Thomas Kellner ledig von Dorfbach
  • 31. Mathias Razenbeck ledig
  • 32. Valentin Weißhamer Bader von Dorfbach
  • 33. Lorenz Krammer Schuhmacher von Dorfbach
  • 34. Mathias Niedermaier ledig von Weihmörting zu Dießbach in Dienst.



Aunkirchen

Das Pfarrbuch von Aunkirchen gibt Folgende an:

  • 1. Peterbauer allhie von Ließing
  • 2. Hindinger von Algerting
  • 3. Hirter von Walxing Schuster
  • 4. Veit Bader von Dorfbach
  • 5. Wollnberger aus der Irshamer Pfarr
  • 6. Der große Veitel
  • 7. Hakhel.

(Da hierauf im Pfarrbuche ein großer leerer Raum folgt, so wird die Zahl der in Aunkirchen Begrabenen eine größere gewesen sein.)




Asbach

Das Pfarrbuch von Asbach enthält in lateinischer Sprache nachstehende Angabe. „Im Jahre 1706 am 8. Januar wurde bei Tötling eine bewaffnete Schaar aufständischer Bauern von den kaiserlichen Soldaten und Husaren erbärmlich niedergemacht und besiegt. Unter dieser Schaar von Bauern und Burschen waren auch wider Willen genöthiget unsere nachfolgenden Insassen, welche grausam getödtet und am 16. 17. und 18. Januar unter endlosem Weinen und Wehklagen der hinterlassenen Wittwen begraben wurden.

  • 1. Der ehrbare Lukas Regensperger unter dem Berg
  • 2. Der ehrbare Andreas Liemper Zimmermeister allhie
  • 3. Der ehrbare Johann Weichhauser Schneider im Gartenhause allhie.
  • 4. Dessen Vater Michl Weichhauser Bauer von Radfälling
  • 5. Der ehrbare Simon Prunner Sporersohn von hier und Bauer zu Pathenham
  • 6. Der ehrbare Thomas Wagner Bauer zu Schöffau
  • 7. Der ehrbare Virgilius Obermaier Staindl von Altenaschbach
  • 8. Der ehrbare Georg Stapfer, Weiß auf dem Stapfergut zu Altenaschbach
  • 9. Der ehrbare Christoph Mayer, Schäumer zu Altenaschbach
  • 10. Der ehrbare Michael Mayrhofer auf der Lamplsölden allhier

Die Uebrigen welche theils durchs Feuer theils durchs Schwert umgekommen sind, sind theils dortselbst begraben, theils haben sie anderwärts ihre ewige Ruhestätte gefunden. Der ehrbare Dionys Brandl unser Insasse vorm Holz ist in Beutelsbach begraben und ebendort ruht auch sein Sohn. Von unsern Insassen fehlen bisher noch 21 von denen man nicht weiß, ob sie im Feuer zu Grunde gegangen oder durch das Schwert umgekommen, oder gefangen fortgeschleppt worden sind, weil sie nicht mehr vorfindig wurden. Bei dieser beklagenswerthen Niederlage sind mehr als viertausend Menschen grausam niedergemetzelt worden. Möge Gott ihnen allen gnädig sein und ihnen die ewige Ruhe verleihen."




Uttlau

Das Todtenbuch von Uttlau hat nachstende von P. Joseph Angerer, Profeß des Klosters St. Salvator und Pfarrer zu Uttlau geschriebene Angabe:

„Im Jahre 1706 am 8. Januar, der ein Freitag war, sind in dem Aufstande bei Aidenbach von den kaiserlichen Soldaten getödtet worden:

  • Aus der Pfarr Uttlau. 22 Verheirathete und 19 Ledige im Ganzen 41.
  • Aus Wolfakirchen 10 Verheirathete, 4 Ledige im Ganzen 14.
  • Aus der Pfarr Harbach 29 Verheirathete, 10 Ledige im Ganzen 39.

Summe der Verheiratheten 61. Summe der Ledigen 33. Gesammtzahl d. Umgekommenen 94.

Von diesen finden sich zufällig Einige in dem gleichzeitigen „Briefbuche" der Herrschaft Haidenburg mit Namen aufgeführt, nämlich:

  • 1. Stephan Leberfinger Söldner von Kroissen „in der entsetzlichen Niederlage bei Aidenbach grausam getödtet, hinterläßt ein schwangeres Weib und mehrere Kinder"
  • 2. Blasi Schrattenberger Stefflbauernsohn von Harbach
  • 3. Mathias Weidenholzer Schneider am Ort zu Harbach
  • 4. Lorenz Schöfdorfer Müller zu Harbach
  • 5. Hans Bergmaier Diemel zu Harbach
  • 6. Ludwig Degernbäck, verheirathet, von Hizling in der Pfarrei Harbach
  • 7. Christoph Deutinger von der Schneidersölden zu Hizling
  • 8. Thomas Lex, Fraunhäupl zu Harbach
  • 9. Joseph Puchner Wirth zu Harbach
  • 10. Franz Plinthamer Braitwirth zu Harbach
  • 11. Veit Albanbauer Brehauser zu Hizling

In dem nämlichen Buche werden auch noch genannt: Johann Pözl Bauer zu Aisterham und Mathias Wagner Stimpfl zu Gergweis und bei allen diesen steht bemerkt, daß sie „in der entsetzlichen Niederlage bei Aidenbach erbärmlich getödtet worden seien."




Höhenstadt

Eine weitere Angabe findet sich in dem Pfarrbuche von Höhenstadt. Sie lautet: „Verzeichniß jener Todten, welche wegen unternommenen Aufstandes von den Kaiserlichen bei Aidenbach getödtet und in Höhenstadt begraben worden sind 8. Januar 1706:

  • 1. Johann Ehrenwöger zu Ehrenwög (jetzt Edenweg) verheirathet, seines Alters 36 Jahr
  • 2. Laurenz ein Prumersohn von Munzing, ledig 20 Jahr
  • 3. Markus ein Magauersohn von Kemerting, ledig 19 Jahr
  • 4. Joseph ein Magauersohn von Kemerting, ledig 22 Jahr
  • 5. Georg ein Mayrsohn v. Loipergamb [Loipertsham] (Loipertsham) 27 Jahr
  • 6. Jakob ein Reschensohn von Sicking 17 Jahr
  • 7. Johann ein Pauernsohn von Steindorf 28 Jahr
  • 8. Joseph ein Fenzlsohn aus der Grafschaft (wahrscheinlich aus der Pfarrei Engertsham) 21 Jahr
  • 9. Simon ein Knecht beim Reschen zu Munzing 30 Jahr
  • 10. Georg aus Sulzbäcker Pfarr
  • 11. Christoph Döbler bei Essenbach, verheirathet 54 Jahr
  • 12. Vitus ein Paudmersohn von Ausamb (Ausham) 24 Jahr
  • 13. Georg ein Schreuhubersohn (jetzt Schneidhuber) von Loipergamb [Loipertsham] 24 Jahr
  • 14. Georg ein Auersohn von Ausamb 18 Jahr
  • 15. Jakob ein Schwabensohn von Steindorf 34 Jahr
  • 16. Paul ein Lechnersohn von Niederpauen 25 Jahr
  • 17. Bartholomäus ein Lechnersohn von Niederpauen 23 Jahr
  • 18. Mathias ein Friedlsohn aus Neukirchner Pfarr 23 Jahr
  • 19. Mathias ein Hubersohn von Steindorf 26 Jahr
  • 20. Mathias ein Holzedersohn 23 Jahr
  • 21. Georg ein Oberfällersohn 22 Jahr
  • 22. Johann ein Gräzensohn in Kieloch (Pfarrei Fürstenzell) 25 Jahr
  • 23. Martin ein Moßpauernsohn 18 Jahr
  • 24. Paul ein Krammersohn von Höbenstadt 20 Jahr
  • 25. Martin ein Schöchtlsohn von Pfalsau 30 Jahr
  • 26. Mathias eines Inweibs Sohn 24 Jahr
  • 27. Georg eines alten Lechners Sohn 24 Jahr
  • 28. Simon ein alter Söldnersohn 44 Jahr
  • 29. Adam ein Klokhnersohn von Pfalsau 36 Jahr
  • 30. Vitus Pichler zu Loipergamb [Loipertsham], verheirathet 40 Jahr.

„Es waren aber nur allein aus dieser Pfarrei 80 und mehr, welche ausgeblieben und umgekommen sind; die Uebrigen aus dieser Zahl sind entweder in Peutelspach oder in eigens gemachten Gruben zugleich mit mehreren hundert Andern begraben worden." „F. Albericus Schmelz p. t. Vicarius in Hechenstatt.“




Aldersbach

Auch das Todtenbuch der Pfarrei Aldersbach führt die Namen einiger Gefallenen an, jedoch nur solche, welche schon etliche Tage vor der Schlacht bei Aidenbach von den Husaren bei Ließing getödtet worden sind. Ihre Namen sind:

  • 1. Paulus Perger, ein Verheiratheter aus Weng (in der Pfarrei Aldersbach) am 30. Dezember 1705 von den Husaren getödtet und in Weng begraben
  • 2. Mathias Stimpfl, genannt der Fuchs von Weng, wurde mit 20 Wunden bedeckt bei Ließing gefunden und in Weng begraben
  • 3. Johann N. Hirt zu Gumperting, gebürtig aus Schwaben, von den Husaren bei Ließing niedergehauen
  • 4. Andreas Laibauer aus der Pfarrei Triftern, starb an den Wunden
  • 5. Simon Nagl von Weng auch von den Husaren bei Vilshofen verwundet, an den Wunden gestorben und in Weng begraben
  • 6. Stephan Pageder, genannt der Resch in St. Peter begraben.“



Aidenbach

Was aber die in der Pfarrei Aidenbach begrabenen Vaterlandsvertheidiger anbelangt, so kann die Zahl derselben nicht angegeben werden, weil leider das ältere Todtenbuch der hiesigen Pfarrei verloren gegangen ist. Aus der mündlichen Ueberlieferung, die sich im Volke stets lebendig erhalten hat, wissen wir jedoch, daß auf dem Handlberge eine große Anzahl unbekannter Körper, in dem Gottesacker an der Pfarrkirche zu Aidenbach aber die Leichen der gefallenen Bekannten und Pfarrangehörigen begraben worden seien. Daß die Zahl dieser Letztern keine kleine gewesen, ergab sich in der neuesten Zeit ganz deutlich, indem bei nothwendig gewordener Abgrabung des seit 1807 aufgehobenen alten Gottesackers gerade an der von der Sage bezeichneten Stelle hinter der Kirche mehrere Gräber sich fanden, in denen 4 bis 6 Gerippe beisammen lagen.


**Spätere Ergänzung Pamlers: In dem erst jüngst im Archive zu Haidenburg aufgefundenen älteren Todtenbuche von Aidenbach steht:

Anno 1706 Die 8. Ianuarii factum est proelium hic Aidenpachii inter rusticos defendentes suam patriam Bavariam, et militem Caesaraeum, ceciderunt ex parte rusticorum quatuor millia, ex caesareis autem tantum octo. Ex quibus in Coemeterio parochiali hic sepulti sunt sequentes:
  • 1. Mathias Naglsohn von Mistlbach
  • 2. Mathias Thanner, filius fabri ferrarii huius loci
  • 3. Gansmayr von Rotthoff
  • 4. Melchior Reindl, Schmelzensohn von Gunzing
  • 5. Josephus Schönhofer, Schwabensohn von Gunzing
  • 6. Webersohn von Gunzing Jacobus Plindthammer
  • 7. Philippus Ungerperger, filius operarii huius loci
  • 8. Karl Goppinger, Pachmann von Carling
  • 9. Bartholomaeus Hueber, Baur in Reding
  • 10. Thomas, Khnecht bey dem Baur am Orth zu Reding
  • 11. Thomas Ältl, Baur zu Reding
  • 12. Martin Göschl zu Reding
  • 13. Paulus Prosper zu Reding, alle auß Hartkhürcher Pfahr bey Scherdting
  • 14. Schursteffelsohn von Reding
  • 15. Michael Halbpauer zu Reding
  • 16. Jakob Süetlsohn von Reding
  • 17. Michael Perghammer, Würth zu Reding
  • 18. Vitus Prommer, Schneider von Reding
  • 19. Adamus, Baursohn am Garten bei Reding, alle auß Hartkhürcher Pfahr bey Scherdting
  • 20. Stephan Kren von Äffhämb
  • 21. Michl Stüch von Äffhämb, beide auß Müthücher Pfahr bey Scherding
  • 22. Martin Mayr von Gängheimb auß Hechenstetter Pfahr
  • 23. Tagwerckher des Buchenöeders
  • 24. Moosmüller oder Moosbaursohn v. Pfahrkhürchen #Johannes Stögerer
  • 25. Georg, Zimmermaistersohn von Pockhing
  • 26. Michael, Baur zu Augspach
  • 27. Vitus hol. Würthskhnecht von Pockhing, [alle] auß Pockhinger Pfahr
  • 28. Wolff Schnelhammer, Schuester zu Innzing
  • 29. Caspar Gaißblaßlsohn zu Inzing, beede auß Hartkhürchner Pfahr
  • 30. Andreas Stadler hol. aus Würdinger Pfahr
  • 31. Georgius Khayser zu Prenzing auß Harrkhürcher Pfahr
  • 32. Thomas Seiberth, Millnersohn aus der Pfahr von Malgestorff
  • 33. Simon Stöckhl, Pfafferbauer auf der Haith
  • 34. Lorenz Prindtl auf der Leithen aus Münsterer Pfahr
  • 35. Thomas Reschaursohn von Hechenstatt
  • 36. Sebastianus Steger von Schwertling auß Pirnbeckher Pfahr
  • 37. Hanns Hainrich Künstl, Wachtmaister
  • 38. Philippus Hueber
  • 39. Stephanus Hueber zwei Brüeder
  • 40. Jacobus Pergbaur von Oberwesterbach auß Köstlär Pfahr
  • 41. Johannes Moser von Gunzing



Zweifelsohne liegen auch noch in andern Friedhöfen, wie zu Uttikhofen, Galgweis, Schönhering, Walchsing, Igelbach etc. etc. manche Opfer jenes blutigen Tages begraben, aber theils sind die bezüglichen Pfarrbücher nicht mehr vorhanden theils auch mit näheren Angaben nicht versehen. Gewiß ist, daß an jenem blutigen Tage weit mehr als die Hälfte jener 7000 Mann zu Grunde gegangen und da bei dem erbitterten Kampfe gewiß auch keine kleine Zahl der Feinde gefallen ist, so übertreibt die Sage sicherlich nicht, die uns erzählt, es seien die Felder eine Stunde weit mit Leichen bedeckt gewesen. Am dichtesten lagen aber die Leichen auf dem Handelberge, dem Kleeberge und dem Reschenfelde, welch letzteres seit dem das Mordfeld genannt wird.

Mit der schrecklichen Niederlage war aber das Unglück für die Bewohner dieser Gegend noch nicht zu Ende. Wohl mochte der Blutdurst der feindlichen Soldaten gesättiget seyn, aber nicht die Gier nach Raub und Beute. Mit ungezügelter Raubsucht und Rohheit fielen daher die feindlichen Reiter sogleich nach der Schlacht und des andern Tages über die Häuser her und plünderten den Markt Aidenbach und die ganze Umgegend bis gegen Gergweis hinauf und hinab bis nach Harbach und noch weiter, nach Herzenslust aus. Was an Vieh und Fahrniß, an Wäsche, Kleidung und andern Habseligkeiten aufzutreiben war, das nahmen sie und traktirten dafür die Beraubten mit Mißhandlungen mancherlei Art. Einige Zeit darnach wurde, um für diese Gegend eine mildere Behandlung von Seite der österreichischen Gewalthaber zu erwirken, von Haidenburg aus eine gerichtliche Erhebung des allein in der Herrschaft Haidenburg damals von den Oesterreichern angerichteten Schadens gepflogen und zwar auf eidliche Aussagen gegründet. Aus diesem noch vorhandenen Verhörsprotokoll, das leider schon ziemlich schadhaft ist und von dem auch die letzten Blätter fehlen, ersieht man, daß kaum ein Haus ungeplündert durchkam. Da fast bei jedem Hause das Nämliche vorkommt, so wollen wir beispielweise nur etliche Angaben hiehersetzen.

„Paulus Pauer Reindl von Senging (in der Pfarrei Aidenbach) sagt aus, wie die Pauern Niederlag negst Aitenbach gewesen ist, ist ihm von den General Kriechbaumischen Völkhern abgenommen worden 2 Roß, das eine dreijährig 40 fl. werth, das andere 20 fl. dann in par Geld 14 fl. dann 20 Lauder Habern, 13 Hennen, alles Bettund Leingewand, und wie die Bärtlischen Reither über Nacht da gelegen habe er dem Herrn Fendrich, so auf dem Hubergütl in Mistlbach in Quatier gelegen, anstatt 3 Reither 3fl. 30 kr. bezahlen müssen.

Simon Huber Ledl zu Köching, in der negst bei Aitenbach vorbeigangenen Pauern Niederlag ist ihm von dem General Kriechbaumischen Völkhern all dessen Haus ruinirt, dann 20 Metzen Habern 4 Stückhel harbene Leinwand, a 10 fl. 2 gröbere Stückhl a 8 fl. dann das Gewand von ihm, seinem Weibe und Kindern und auch — Kühe genommen worden.

Peter Nagl Resch zu Dobel, den haben sie gänzlich abgeprannt, ist ihm Alles zu Grunde gegangen und hat 10 Kinder.

Sebastian Oberndobler ist auch wie sein Nachbar geschehen und ihm ebenfalls von den General Kriechbaumischen Völkhern wegen des in seine Behausung und Stadel hineingeloffenen Pauernvolkhes ganz unschuldiger Weis Haus und Stadl und Alles verbrannt worden.

Joseph Ganser von der Stocköd (Pfarrei Aidenbach) diesen haben die General Kriechbaumischen Völkhern an negst Aitenbach vorgangenen Pauern Niederlag 6 Kühe a 12 fl. 4 Kalben a 8 fl. ein kleines Kalbl zu 4 fl. 30 Schaafe a 1 fl. 30 kr. 4 Gäns abgenommen, haben den Kessel aus den Ofen gerissen und genommen 5 fl. 2c. 2c.




Durch die schreckliche Niederlage bei Aidenbach war zwar die Kraft des Aufstandes gebrobrochen, aber dieser selbst noch keineswegs unterdrückt, denn noch standen gegen zwanzigtausend Mann todesmuthiger Landesvertheidiger in verschiedenen Gegenden Bayerns unter den Waffen. Allein gerade der oberste Ausschuß der Landesvertheidigung zählte einige Männer, welche durch Zaghaftigkeit und Zweideutigkeit nicht nur größtentheils an dem bereits geschehenen Unglücke Schuld trugen, sondern auch einen guten Erfolg längeren Widerstandes unmöglich machten. Bald verloren die Landesvertheidiger ihre festen Plätze Schärding, Braunau, Burghausen, Cham. Mit treuloser Grausamkeit ließ D'Argnan die Besatzung von Cham welcher er doch freien Abzug versprochen hatte, bei ihrem Auszuge größtentheils niederschießen. Braunau fiel durch D'Ocforts schurkischen Verrath. Während er nämlich die in der Stadt befindliche dreitausend Mann starke Besatzung der Bauern auf der einen Seite gegen die Oesterreicher ausgesendet hatte, ließ er auf der andern Seite die Oesterreicher in die Stadt, ließ dann vor den getäuschten zurückkehrenden Landesvertheidigern die Thore verschließen und richtete hohnlachend selbst die Geschütze auf den Wällen gegen die betrogenen Treuen.

Noch stand eine Schaar von etlichen tausend Mann in einem verschanzten Lager bei Wasserburg, an ihrer Spitze der kühne, treue Meindl. Da er aber ringsum Alles verrathen, Alles gewichen und verloren sah, so entließ auch er nach einem schmerzlichen Abschiede die Seinigen, zerbrach sein Schwert und floh in die Schweiz. Wie er, so that auch Plinganser, der Heldenjüngling, und floh trauernd aus dem armen, geknechteten Vaterlande.

Bis zum Jahre 1714 war Bayern in österreichischer Gewalt, und während dieser ganzen Zeit lag in Aidenbach und der Umgegend österreichisches Militär zur größten Last für das hart bedrängte Volk. Wehe Dem, der sich unterstand, eine Theilnahme für die gefallenen Brüder, oder eine Anhänglichkeit ans bayerische Fürstenhaus kund zu geben. Niemand durfte von den Landesvertheidigern anders als von Rebellen sprechen daher selbst in allen öffentlichen Schriften z. B. den Gemeinderechnungen in Aidenbach nur der Name „Rebellen", vorkommt. Ergab sich aber die Gelegenheit dem verhaltenen Ingrimm nur etwas Luft lassen zu können, so brach er wieder hervor, daher es auch nicht selten geschah, daß mancher feindliche Husar mit zerbrochnem Säbel und blutigem Kopfe heimkam, wenn er an abgelegene Orte zu gehen gewagt hatte.

Der Friede zu Baden in der Schweiz am 7. Sept. 1714 machte endlich das angstvoll harrende bayerische Volk wieder frisch aufathmen und im April 1715 zog Churfürst Maximilian Emanuel unter unbeschreiblichem Jubel seines Volkes wieder in München ein. Mehr als hundertfünfzig Jahre sind schon seit jenem unglückseligen achten Januar verflossen, aber noch steht das Andenken an ihn unverwischt und lebendig im Gedächtnisse des Volkes. Wird ja seit jenem Tage täglich in Aidenbach bei jeder heiligen Messe nach der Wandlung ein Zeichen mit der kleinen Glocke gegeben, um zum Gebete aufzufordern für Alle, die an jenem blutigen Tage ihr Leben eingebüßt. Im Jahre 1832 sendete die k. Regierung eine Gedächtnißtafel hieher, welche aus Gußeisen, vier Fuß lang und drei Fuß hoch ist und worauf in erhabenen vergoldeten Buchstaben die Aufschrift steht:




„Dem Andenken der Landesvertheidiger aus den Thälern der Donau Vils und Rott, welche den Heldentod für das Vaterland starben Auf den Feldern bei Aidenbach am 8. Januar 1706. Die dankbare Regierung.“




Diese Gedenktafel ist an die Außenseite der Pfarrkirche in Aidenbach befestiget. Auf dem Schlachtfelde selbst steht jedoch nichts als ein einfaches hölzernes Kreuz ohne Inschrift oder Gedenktafel, so daß der Fremde nicht wissen kann, was es bedeute. Im Jahre 1856 hat sich daher in der Umgegend von Aidenbach ein Verein wackerer Männer unter dem Namen „Patriotischer Verein“ gebildet, dessen vornehmster Zweck darin besteht, zur Belebung patriotischer Gesinnung den Jahrestag der Schlacht bei Aidenbach alljährig festlich zu begehen und durch jährliche Beiträge der Vereinsmitglieder die Mittel zu beschaffen die Stätte auf welcher unsere Ahnen ihr Leben für das Vaterland geopfert haben, durch Errichtung eines großen eisernen Kreuzes etc. in würdiger Weise zu kennzeichnen. Ein solches Monument und zu solchem Zwecke ist gewiß aller Achtung werth, und das Streben des patriotischen Vereines braucht sicherlich nur in weiteren Kreisen bekannt zu werden so wird er auch in weiteren Kreisen, und namentlich im Rotthale, Theilnahme finden, dessen Söhne so zahlreich sich an jenem Kampfe für Fürst und Vaterland betheiligt haben. Tragen diese Zeilen dazu bei, die Zwecke des patriotischen Vereines in Aidenbach zu fördern, dann ist der Wunsch des Verfassers erfüllt.

2. Maii, 1706.
Dem Allerdurchleichtigisten Großmechtigisten unnd
Unyberwindlichisten Fürsten, unnd Herrn Herrn
Josepho, dem Ersten dises Namens erwöhlten Römischen
Kayser, zu allen Zeiten mehreren des Reichs in Ger-
manien, zu Hungarn, Böhamb, Dalmatien,
Croatien, und Sclavonien König Ertzherzogen zu
Öessterreich unnd Burgundt etc. Unnsern Allergene-
digisten Herrn Herrn.




Bittschreiben an Kaiser Joseph I. um Anerkennung der im März 1706 im Kloster Stams erfolgten Abt-Benediction von Theobald I. Grad und Schutz für das Kloster. Vorgeschichte: Nach der Resignation von Engelbert Vischer wurde Theobald Grad am 21.10.1705, also kurz vor dem Ausbrechen der bayerischen Volkserhebung, zum Abt von Aldersbach erwählt. Die darauf folgende und rechtlich notwendige Benediction durch den Generalvikar der oberdeutschen Zisterzienserkongregation, Abt Stephan I. Jung von Salem, erhielt Grad im weit entfernten Stams in Tirol. Das Kloster versuchte in diesen kriegerischen Zeiten möglichst rasch Rechtssicherheit zu erlangen. Grad reiste jedoch ohne die Einwilligung des Geistlichen Rates in München nach Tirol, was zu ernsthaften Problemen führte und den Konvent von Aldersbach dazu nötigte, Kaiser Joseph I. um seinen Schutz zu bitten.

Quelle: BayHStA KAAA 58 (vormals KAA 506).




Allerdurchleichtigister, Allergenedigister Khayser etc.

Seiner Kayserlichen Mayestett solten wür kheinesweegs bergen, sondern undterthenigsten bericht ertheillen, was gestalten der von unnß nechsthin Neuerwehlter Vorsteher unnd Herr Prelat im verwichenen Monath Martio, uf gethanen gehligen beruef Unnsers Ordens durch Ober Teütschland Generals Vicarii unnd Herrn Abbtens zu Salmenschweil, mit aintzigem Socio, unnsern P. Prior, nach Stambs in Tyrol zwar eine Reiß, bloß aber unnd alleinig umb aldort die Benediction, oder Usum Mitrae zuerhalten vorgenommen; wie dan gedacht unnser Herr Abbt, ohne das ichtwas anders wenigistes abgehandlet, nach solchem Benedictions Act gantz eilents, und ohn all Zeit-Versaumbnus den ruckhweeg genommen. Es ist aber sothane Reis ohne in dero Khayserlich Mayestettlichen Geistlichen Rath gethonnen Gericht, optima fide geschehen; eines Theils zwar, aldieweilen wür hierinfahls einigen Verbotts mündestes wissen oder Khundtschafft nit hatten; anderten theils aber, weilen Er Unnser Herr Vorsteher von benant Hochloblichen Geistlichen Rath in Spiritualibus saltem vor solchen erkhant worden, sothanes Negotium aber, oder Susceptio Infulae als ein zur Geistlicher Character bloß zur Geistlicher function gherig und ordinirt seye. Zu deme, weilen Herr Prelat bey gantz gehebter Raiß uß dero Khayserlich Mayestettliche Erbrecht zuestehenden Landen einigen Fueß nit gesetzt. Solte man aber hierinnen dergleichen Generalien oder gebotten einiges Wissen gehabt haben, wurde man auch freylich umb gehorsambste insinuation fruhezeitig einzeschickhen, gedacht gewesen sein. Solten aber nicht münder Seiner Khayserlichen Mayestett zur undterthenigster Nachricht beyfiegen, wie das gleich nach dem Strittigen Elections Act unnser P. Prior nach gedachtem Salmenschweil abgeordnet worden, umb selbigen orths Herrn Abbten unnd des Elections Act Praesidem mit villen bitten dahin zuvermögen, er mechte doch in puncto differentiae, und in sothaner weit außsehender Strittsach ainstens ein endtschafft machen.

So aber nit allein ohn all guet verrichtung, sondern zum ybermaß mit vill bitteren worten, und antrohungen gantz trostloß abgewisen worden; das wür volgsamb der Undterthenigsten zuversticht leben, Seine Khayserliche Mayestett werden nach dero Ihnen angebohrnen Clemenz sowol unsern Herrn Vorsteher und Prelaten, als unß mündeste Conventualn, tanquam manifeste innocentes, keines weegs in hoc puncto differentiae straffwürdig schetzen, sondern als von sonsten insovil eissersten Troublen lebende zu seiner Khayserlichen Mayestett Allergnedigsten Adler-Schutz Clementissime gelangen lassen. Wohin wür unnß dan alle aller undterthenigst, wollen empfolchen haben.

Closter Alderspach den 2. Maii 1706.

Seiner Khayserlichen Mayestett Aller undterthenigste, Allerdüemütigste.

Causae Resignationis meae

Resignationsschreiben des Abtes Engelbert Vischer 1705



Abt Engelbert Vischer stellt eine der herausragenden Persönlichkeiten unter den Aldersbacher Klostervorstehern dar. Vischer setzte sich mit dem barocken Neubau größerer Teile des Konvents ein bis heute bestehendes Denkmal. Seine Nachfolger führten diese bauliche Erneuerung fort und errichteten noch zu Lebzeiten Vischers die beachtenswerte Klosterkirche im barocken Stil. Der Prälat war jedoch auch ein erfolgreicher Ökonom, das Kloster konnte sich während seines Abbatiats wirtschaftlich von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholen und so die finanziellen Mehrbelastungen, die durch die Türkenkriege und den Pfälzischen Erbfolgekrieg während der Regierung des Kurfürsten Maximilian II. Emanuel (reg. 1679-1726) entstanden, kompensieren. Mit Vischers Resignation im Jahr 1705 endete ein für lange Zeit sehr erfolgreiches, zuletzt aber auch umstrittenes Abbatiat. Die Auseinander­setzungen des Spanischen Erbfolgekrieges und die Besetzung Bayerns durch die Habsburger belasteten die letzten Regierungsjahre Vischers schwer und führten letztendlich zu seiner nicht freiwilligen Abdankung. Verbittert zog er sich in „seinen“ Wallfahrtsort Sammarei zurück und verstarb dort im Jahr 1723 als fast 76-jähriger Altabt.

Die Vorgeschichte und die Beweggründe der Resignation fasste Vischer in dem hier edierten Recht­fertigungs­schreiben aus dem Jahr 1705 zusammen. Bisher wurde dieses Schriftstück in lateinischer Sprache von der Forschung nicht berücksichtigt, eine Übersetzung und Bewertung der Zusammenhänge steht noch aus. Aber bereits der Titel und die einleitenden Worte lassen erkennen, wie sehr der Abt mit den Geschehnissen der Zeit haderte und keine andere Möglichkeit sah, als auf sein Amt zu verzichten: Ursachen meiner Abdankung. Da ich mich augenscheinlich zwischen so vielen mächtigen Gegnern und auch förmlichen Feinden gesehen habe, kann ich nicht zurückgezogen und heil leben. Die mächtigen Gegner waren … . Auf insgesamt zwölf Seiten zählt Vischer seine Widersacher auf und widerlegt die gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen. Die Causae betreffen vor allem Anfeindungen des Generalvikars der Ordensprovinz Oberdeutschland Abt Stephan I. Jung der Reichsabtei Salem, der Vischer bei einer Visitation im Jahr 1705 sehr feindlich gegenübertrat, mit seiner Exkommunikation und Karzer drohte sowie die Bestätigung für das Amt Vischers als Generalvikar der Bayrischen Zisterzienserprovinz verweigerte. Aber auch feindliche Strömungen (conspirationes) in der Residenzstadt München, die zu dieser Zeit unter kaiserlicher Administration stand, machten dem Abt ebenso zu schaffen wie ihm ablehnend gegenüberstehende Aldersbacher Mönche. Vischer greift zu derben Vergleichen, wenn er törichte Religiosen kritisiert, deren Gesang nicht wie der der Engel ist, sondern wie das Grunzen der Schweine. Die Klöster keine heiligen Gemeinschaften, sondern wie Sodom und Gomorrha sind.

Quelle: BayHStA KAAA 70 (vormal KL Aldersbach 68a). Nicht eindeutig lesbare Abschnitte sind mit einem '?' gekennzeichnet.




1a. Quia evidenter vidi me inter tot potentes adversarios ac formales inimicos quiete viuere et sane non posse.

Potentes adversarii erant. Referendissimus Abbas. Salemitanus Vicarius Generalis mihi intersissimus, causa erat, quod per Decretum Serenissimi Electoris Bavariae amplius ad Provinciam Bavariae non sit admissus. cuius Decreti causam mihi imponebat. cum tamen Decreti huius Notitiam non habuerim. et in prima visitatione. verbis mordacissimis me aggressus, simul et comminationibus et communicationis depositionis, imo et incarcerationis, quia ego sin causa Separationis Provinciae Bavariae ac Congregatione cum inter expresse contrarium docuerint litterae ad nostrum P. Generalem Cistercium transmissae.

Adeoque in absentia Serenissimi Electoris et Serenissimae Electricis stante Bavaria sub regimine Cesareae Mayestatis etiam inter medios fluctus et tumultus Belli bilem suam in me effundendi, et me compellendo furiam suam notam non ratione, quam nullam invenit ad resignationem vindictam suam saturandi, occasionem qua sunt annuendo quoque Referendissimo P. Abbati Alderspacensi Engelbertho, cum sibi soli non sufficeret, ut veniret. qui Engelberthii. secundus meus potens adversarius. ideo. quia iam ante aliquot annos depositionem suisset promeritus quam modo experatus, cuius depositionis causam iam saecularius ibus notam et ad Regimen Spirituale Serenissimi Electoris delatam ego in Bonum ordinis et Monasterii seu devenire ad aures P. Generalis Cistercium non per me sed per Referendissimum P. Abbatem Cesareensem, ne potestas saecularis, cuius non erat vana suspicio. in praeiudicium ordinis se immisceat. Unde diploma Cistercis ab Illustrissimo P. Gererali accepi praedictum P. Abbatem Alderspatum in Capite quam membris Visitandi, ac omnia quae Iuris ac ordinis sunt ex plenissimam pertessate statuendi. Hanc tamen meam Visitationem im pedicuit modernus Vicarius Generalis Congregationis Abbas Salemitanus, et Simul ei omnia Cistercium transscripta manifestavit quem et protexit. hic in me Abbatis Alderspacensis concitatus furor, et persecutis. alter potens adversarius. quem protexit, ut tantum haberet adhuc unum sibi contra me assistentem. qui Abbas Salemitanus Monachii in Domo nostra ad Excellentissimum Dominum a [?] post primam meam Visitationem in faciem dixit: in Monasterio Alderspacensi de gravissimis quoque accusatus est Abbas Engelbethus. quis ergo inter tam potentes adversarios quiete vivere posse credatur. sine mea resignatio a nullo prudentum inculpanda.

Causa resignationis secunda.

In Visitatione Neminem habui qui causam meam simul ageret, ac iustas meas defensiones protegeret. et Referendissimus Vicarius Generalis, et Salemitanus, et Abbas Alderspacensis simul cum Secretario Salemitano quasi canes venatui me invaserunt iustam meam decum irrisione reiicientes et non audientes. licet tribus vicibus. per confrontationem religiosorum. publicem delatores, et simul praefides publicem confuderim. Restantibus Patribus iniuste utatis. nunquid haec Virum etiam Constantem mouere possunt ad resignationem praesertim Virum religiosum, cui sua salus unica cordi est.

Causa Resignationis meae Tertia.

Ante meam resignationem volui adhuc loqui cum Venerabili Conventu, quod mihi denegatum est, unde Referendissimum Abbatem. Alderspacensem in secreto contul?it, quid consilii, resignare vel non resignare? expresse mihi dixit. (et hoc cum iuramento volo testavi) sicut etiam ei obiecis coram gratiosis Dominis Comisariis post factam resignationem.) Ego suaderem resignationem, noscit enim sua Dominatio veehementiam Vicarii Generalis Salemitani, potest esse, ut me deponat, et forsan etiam includitat, quanta dein confusio: si autem resignem, adhuc trabebor tanquam Abbas bene meritus et frui possum beneficiis resignationis. nunquid hoc erit melius? nunquid metus in Virum constantem. Cadens, quis non resignaret, qui causae etiam iustae defensorem non habet sed tantum aggressorem?

Causa resignationis quarta.

Quales Religiosos Monasterium nostrum, habeat non tantum inter muros, sed in totam Viciniam, et etiam Monacensi Civitate publicum est, scilicet conspiratores. qui iam in mea Electione conspirarunt, omnem lapidem movendi, ad pro curandam amotionem meam. quae conspirationes durarunt usque ad diem meae resignationis. Religiosos habemus scandalosos, qui popinas cum scandalo monachii frequentarunt, in seram noctem cum militibus ludendo, potando. crapulati etiam donum Firstenfeldensem aberrantes, alienas ad ianues pulsando et clammando. scandalum toti Civitati dedere. Religiosos habemus formaliter inobedientes, etiam in praesentia multorum religiosorum bonorum mihi obedientiam negantes minaci quoque digito mihi nescio quae cominantes, nec severus amplius vitae meae. Sed unde hae praesumptiones? a conniventia Vicarii Generalis Salemitani, sin quasi quotidie. a meis Religiosis perversis me omnino in suo litteras accusatorias acceperat, et dabat omnia credendo et expresse pio mittendo, se venturum et me amotturum, unde sciverunt quasi diem ipsius adventus, et omnia praedixerunt, quod abbas sit deponendus per Vicarium Generalem Salemitanum. quis in his circum stantiis de suplinam intraducere, malevolos ad bonam intentionem reducere, et ueram charitatem plantare poterit? hanc suam conniventiam clare demonstravit Vicarius Generalis Salemitanus in vetimam ista Visitatione. Sui enim perversis religiosi apud Ipsum fuerunt accusati, de crimine possimo, de talibus excessibus, quis castis auribus non sunt obiiciendi, vitis proprietatis rei, superiorum formales contemplatores gravissimi detractores, nocturna conventicula celebrantes, in quibus omnibus nec athomus alicuius religiosae devotionis apparet, certe indigni ut nomen Religiosi habeant, et in tam celebri monasterio locio tam sancto, habitent, Sed quid ad haec omnia etiam probata Salemitanus? altissimum silentium, neminem nec ver?bum minus facto culpavit, punis?cit, neque admonuit, hac solo contentus quod meam resignationem extorserit. praeterquam quod nec ego ab illis qui gravia contra me in serutinio deposuere et de suis mendaciis publice fuerunt conciuti, nec minimam satisfactionem obtinuerim, lucta Referendissimo Vicario Salemitano ante et post meam resignationem unice solicitarim, quod adhuc mihi reservo. et mihi Zicania haec ex tritico bonorum religiosorum separentur et in ignem seu exilium mittantur in aeternum nec pax. nec charitas, nec disciplina, nec ovalo, nec cella seu Caelum sed confusio horror, et orcus erit, homine dissimulante certo a divina vindicta locus iste dissipabitur. sanctior longe inter probos saeculares quam tam perversos religiosos quorum cantus non est melodia angelorum sed grunitus porcorum, non Civitas sancta, sed sodoma et gomorrha. quis ergo Abbas non timeat insoantem Dei Vindictam? quis habebit in suo regimine spiritualem consolationem, et quis coram distribo Dei iudicio de talibus sibi concreditis pernitiosis religiosis reddet rationem. nonne salubrius est baculum pastoralem morbulas post oves proiicere et Abbatiae redere

Causa resignationis quinta.

Quia dixit Referendissimus Abbas Salemitanus in Serutinio ad me, quod omnes Religiosi excepto tantum. uno vel altero, pro ut ipse ex serutinio notitiam habet a me sint alienati, ac omnes dicant a me non posse in plantari disciplinam regularem nec charitatem fraternam, quod eredebam talsum tamen erat. Unde petii cum Venerabili Conventu, quia contrarium sciebam, loquendi, quod tamen mihi negatum erat. Unde sub hac formalitate resignavi. Cum a Referendissimo Domino Vicario audire debeam, quod omnibus excepto tantum uno vel altero sim contrarius, et omnes sint huis mentis quasi ego sim destructor disciplinae regularis et charitatis, nolo amplius ipsis esse molestus. et si durem, quod uni vel alteri in Regimina meo dederim scandalum offero me pedis osculo deprecari. ideo resigno Vobis Abbatiam liberrime. et quis non resignaret, si pio tantis laboribus quos per 15 annos aedeficando totum Monasterium nil aliud lucratus fuerit, quam sinistrum affectum, et auersionem!

Causa Resignationis sexta.

Quia Referendissimus Dominus Salemitanus, et Abbas Alderspacensis iuramento coram Crucifixo, cum impositione digitorum ad Evangelium me obligarunt. primo hospites aulicos non inuibare, nec super Venientes tam laute tractare. tam ut gratiam Nobilium, in qua stabam, mihi eriperet, invidebat enim. sed quale statutum? Sancta Regula dicit cap. 53. omnes supervenientes hospites tanquam Christus suscipiantur, sive ut exponent Interpretas inducantur, rogentur, invitentur, Unde de discipulis in Emaus. coegerunt eum. et hoc statutum dicit, non imutentur, non ut Christus suscipiantur. Sancta Regula dicit omnibus congruus honor exhibeatur, id est iuxta Interpretes. alius Episcopo, alius eius Vicario, alius alius Nobilius, alius plebeis etc. congruus honor. et hoc statutum vult, homines etiam primae vel secundae dignitatis laute non tractentur. Verissimum est quod scibit antiquissiumus Archidiaconus Petrus Blesensis epistolae vigesima nona. Magnatum familiaritate et gratia separat defectus hospitalitatis, hic brachio coatrito humerus a iactura cadit. expressum hoc pergit, in facto viduae, quam ob exceptum hospitio Eliam nihil postea defecit. Dum in Monasteriis florebat hospitalitas Principes terrae loca Religisorum passim et certatim magnis facultatibus ampliabant, defiventibus autem vasis oleum stetit, ex quo etiam tempore in Monasteriis. tepere caepit liberalitas hospitalis, stetit ac cessavit Magnatum largentio, vererorque ne pauperes viduae filii quod propheta liber averat, iterum a Creditoribus rapiantur in servos.

Praetera expresse in Secutinio Rhenii Salemitanus mihi in faciem obiecit, quod cum non levi damno Monasterii serenissimum Electorem invitarim, ut pote expressis alioquot millibus florenorum. quod falsum erat quia ut rationes ostendunt. nec mille florenis contritit. quanta haec inurbanitas Principem non invitare, cum nostra fundatio sit a Ludovico Severo Duce Bavariae. praeterquam quod honorarium datum et amplissimae gratiae millies Monasterio refuderit. Sic non miranda eius in me V? in urbanitas, cum et serenissimma capita pungere non erubescat.

Secundo sub iuramento me piae: dictu duo Abbates pio ut i?rsorum. signeta et subsciptio testantur. oblegarunt.

Nullum officia Religiosum deponere vel mutare sine expresso consensu Vicarii Salemitani aut Alderspacensis. imo etiam nullum officialem Secularem.

Stante hoc statuto Abbas non est Abbas, Abbas est nomen dignitatis et potestatis in sibi saditos tam ex Sancta Regula, quam de iure Abbas iuxta Clement. 1. sane de statu Regula et C. illt. in fine 69. 6. Card. Thuss. u. abbas conclus: 16. v. 1 et 2. Abbas ex solo Nomine est competens Iudex suorum Monachorum, tam in foro pie intentiali quam Iudiciali.

Stante hoc statuto tollitur debitus ergo Abbatem ceu patrem refrectus oviturus contemptus. cessatque fratrum debita submissis et obedientia. fiuntque Religiosi in officiis quasi perpetui arrogantes, infidetes, audaces, Supra Solam petram Salemitanam aedificantes. sic abbatis sui formales contemptores.

Et nec mutare posse Seculares officiales? qualis potestas? ergo modo talis secularis Conventus favorem lucuatur, per procurationem esuclentorum, aut munusulorum aut et etiam mediis illicitis stat in offico suo securus; et contra proprium suum Dominum. machinari non erutescit ut clara experientia docuit. quis ergo Abbas ita restructus ac contemptus officium suum non resignet? De se tam onerosum, ac pevi nelosum.

Tertio sub Iuramento uterque praedictus Abbas me obligauit. ut nunquam Solus Monachii sine Religioso sim.

Quid ideo statuerunt, ut etiam Monachi me suspectum reddant, et infament, quasi mihi soli nullito fidendum. nullus enim statuum provincialium Religiosorum secum Religiosum habet occupato enim Abbate in Domo Provinciali, quid interim Religiosus negotiabitur? vagari per Urbem, frequentare domos suspectas, contrachere cum secularibus familiaritates p. uti expectus sum.

Quarto subfuramento me uterque Salemitanus et Alderspacensis obligarunt. ut annuatim deponam rationes quatuor Religiosis inter quos duo sint Leonardini, et quidem mihi prae omnibus infensissimi.

In nostra ordine moris est deponere rationes in Visitationibus in quibus semper obtuli.

Serenissimus quoque Elector ante 3 annos, quando me humillime obtuli rationem mea administrationis dare, mihi expressem prohabuit, his Verbis formalibus. Herr Praelath wür wollen nit haben, daß Sie jemanndt eine Rechnug ablegen, dan unß bekhant ist, das sie ein haußman sein.

Quis ergo stantibus his punctis iuratis et pluribus alis hic intermissis, quorum relaxationem trinis ad Vicarium Generale [?] petii, numquam tamen obtinui, qui vel parum tenerae consuentiae est, praeter gravissimam coram terribili iudicio divino vi muneris alias dandam rationem, hanc conscientiae torturam in se suscipire, et non magis se deonerare in bonum animae suae quorat? quae omnia Virorum Zelo et doctrina illustrium Iudicio aelinquo an resignatione mea his in circumstantiis bene vel male actum sit. quia quae scripsi vera sunt omnia, paratus probare ac iuramento confirmare.

Abbas Engelberthus.

Berichte aus/über Vilshofen




Vilshofen am 29.12.1705. Gerichtschreiber Johann Adam Paur an die Regierung in Landshut.

Am 27. Dezember nachts hörte man stark schiessen, so dass die hier in Garnison gelegenen Rebellen mutmassten, die Kaiserlichen möchten über die Donau setzen und den Ort angreifen. Es wurde sogleich Kundschaft ausgeschickt, die aber nichts Zuverlässiges, wo geschossen worden, mitbrachte. Endlich erfuhr man, dass in dem Urfahr zu Hilgartsberg 11 mit Mannschaft beladene Zillen angelangt waren. Dies verursachte solchen Schrecken, dass die Bewohner der Vorstadt flüchteten. Um 12 Uhr nachts machte die bei Unserer Lieben Frauen Hilf stehende Vorwacht Allarm, weil die Kaiserlichen wirklich über die Donau gesetzt waren. Die hinter dem Bräuhaus gestandene Reserve zog sich über Hals und Kopf in die Stadt. Eine Viertelstunde darauf sah er, dass sehr viel kaiserliche Völker bei dem Bräuhaus Posto gefasst hatten, die zu ihm, der mit seinen Schreibern fast allein in der Vorstadt gewesen, begehrten. Nachdem er ihnen das Begehrte vernachrichtet, sind sie auf die Stadt angerückt, die sich, nachdem 5-6 Schüsse heraus abgegeben waren, sogleich ergab. Die 150 Mann starke rebellische Garnison hat sich bis auf 10 Mann, die mit ihrem Commandanten Inzinger gefangen wurden, zum Passauer Tor hinaus salvirt. Nachdem die Kaiserlichen die Stadt und die Vorstadt bezogen hatten, fingen sie sogleich zu plündern an; in der Vorstadt haben sie alle Oefen, Kästen, Truhen, Fenster und was ihnen nur vorkam, zerschlagen und ruinirt. Am andern Tag kam die Nachricht, dass die Rebellen sich etliche tausend Mann stark jenseits der Vils sehen Iiessen, worauf man sogleich losgegangen, sie in die Flucht gebracht und 3 Stunden weit verfolgt hat. 300 Mann wurden teils in den Wäldern, teils in den Häusern caponirt, die gegen Aldersbach gelegenen Dörfer totaliter ausgeplündert und ruinirt. Dadurch wurde den übrigen Untertanen solche Furcht eingejagt, dass sie etliche Stunden weit vor den Husaren gelaufen sind (HHStA Wien).




Vilshofen am 30.12.1705. Oberst d'Arnan an die Stadt Schärding.

Sonders vielgeehrte Herrn ! Es wird ihnen schon bekannt sein, dass General von Kriechbaum am 25. Dezember bei München mehr als 3000 Tumultuanten getötet und über 800 gefangen genommen hat, dass — von Kelheim zu schweigen — er, d'Arnan, vorgestern nachts Vilshofen wieder in die kaiserliche Devotion gebracht und gestern 300 von den Rebellen niedergemacht und viele von ihnen gefangen genommen hat. Er hat nun den Befehl, die untreu gewordenen Stände, Städte und Untertanen in Güte oder mit Gewalt zur Devotion zu bringen; er ist hiezu mit einem zulänglichen Corpo, das noch täglich anwächst, versehen und damit wirklich in der Activität begriffen. Er erinnert sie an das miserable Kelheim und andere ruinirte Orte, sowie an die verschiedenen unnötigen Blutvergiessungen der armen, einfältigen und verblendeten Untertanen. Er fordert sie daher auf, sich der kaiserlichen Gnade und Protection zu ergeben und der in der Stadt liegenden Garnison dies anzudeuten und sie zur Uebergabe zu disponiren. Bei seiner Cavaliersparole offerirt und versichert er ihnen sämmtlich aufrichtig und treulich einen raisonnablen Accord und im Namen des Kaisers Gnade und Amnestie. Er erwartet eine positive und kategorische, kurze Antwort, entweder Ja oder Nein (Kriegsarchiv des StA Wien).




München am 03.01.1706. Max Karl Graf von Löwenstein und Franz Sigmund Graf von Lamberg an den Kaiser.

D'Arnan hat ihnen berichtet, dass er am 29. Dezember Vilshofen wieder okkupirt und was sich nicht von den Rebellen zeitlich salvirt, niederhauen, auch etliche gefangen nehmen liess. Am folgenden Tage zeigten sich ungefähr 3000 dieses Gesindels vor Vilshofen, die er aber bis Aldersbach verfolgte, wobei die Bauern wieder gegen 300 verloren. Baron Kriechbaum war mit 800 zu Fuß und 400 deutschen Pferden von hier gegen den Inn gerückt, um sich mit d'Arnan zu vereinigen. Gestern wurde aber gemeldet, dass ein Teil der Rebellen von Vilshofen in die obere Pfalz in den Wald gesprengt wurde. Sie fanden in wenigen Stunden einen Anhang von 3-4000 Bauern und diese haben sich unversehens durch das Bräuhaus des Postens Cham bemächtigt, wo der Hauptmann Falaise kommandirte … (HHStA Wien).

Bericht aus dem Hauptquartier Aldersbach vom 09.01.1706.




Wolf Heinrich Freiherr von Gemmel an die Landschaftsverordnung in München.

Nachdem General von Kriechbaum mit seinem wohl 2000 Mann starken Corpo hieher gerückt, ist er gestern auf die rebellische, von ihnen selbst so titulirte Hauptarmee von 7000 Mann gestossen. Er hat sie so herzhaft angegriffen, dass sie ohne einigen Widerstand die Flucht ergriffen hat und das wenigste davongekommen ist. Ueber die Hälfte wurde ohne Pardon niedergemacht, ein Teil, der sich in die nächst gelegenen Bauernhäuser retirirt hatte, wurde verbrannt, was daraus entfliehen wollte, niedergehaut, so dass wir ausser einem Hauptmann Weber fast keinen Gefangenen bekommen haben. Ihre Offiziere sind alle auf ihren Pferden schelmischerweise ausgerissen und haben die armen Leute erbärmlich auf die Fleischbank gegeben, so dass die Felder und Wälder vom Markt Aidenbach an wenigstens eine Stunde weit mit toten Körpern überlegt sind. Diese Niederlage hat von ½ 12 Uhr mittags bis ½ 4 Uhr abends gedauert und ist die zu München vorgegangene dieser bei weitem nicht zu vergleichen. Ich habe dieser Tragödie von Anfang bis zum Ende mit Schmerzen beigewohnt und glaube, dass von 4000 Toten weniger als hundert abschiessen werden, denn der verbitterte Soldat hat sich von dem Niedermachen nicht mehr abhalten lassen, solange sie nur einen Mann vom Feind erblicken und einholen konnten. In dieser Aktion haben die Kaiserlichen 4 schöne Stücke sammt aller Munition und Schanzzeug, sonst aber wenig Beute bekommen. Wir stehen jetzt mit dem Hauptquartier im Kloster Aldersbach und machen heute einen Rasttag. Kriechbaum will aus Vilshofen 16-1700 Kaiserliche und Ansbachische an sich ziehen und dann über Passau auf Schärding losgehen. Es ist zu erbarmen, dass diese einfältigen Leute sich von so vielen Niederlagen nicht gewarnen lassen. Ich werde die Dehortation vom 25. Dezember an die in Waffen stehende Gemein gelangen lassen und sie auf alle ersinnliche Weise zur Submission dehortiren.

P.S. Die ausführliche Relation [= Bericht im WD vom 16.01.1706] über diese Aktion habe ich zwar verfasst und in triplo an den Herrn General geben müssen, dass ich also aus Mangel der Zeit kein Exemplar schicken kann, hoffe aber, es werde solche die Administration kommuniziren (Kriegsarchiv München).