• Vorbemerkungen
  • Hauptquartier Aldersbach (WD)
  • Pleinting (WD)
  • Devotionsbild Buchenöd
  • Devotionsbild Osterhofen
  • Winterquartiere 1742/43
  • Lagebericht Vilshofen 1743
  • Bericht: Er­obe­rung Vilshofens (WD)
  • 2. Bericht (Scharrer)
  • 3. Bericht (Chaffat)
  • Bildgalerie Vilshofen
  • "Bayrischer Krieg" Gemälde von J.G. Kaiser
  • Kloster St. Salvator
  • Abt Paulus Genzger
  • Karten und Ansichten
  • Niederaltaich 1742-45
  • Gesamtbericht 1742 Niederbayern (WD)

Der Österreichische Erbfolgekrieg und die Auswirkungen auf das Kloster Alders­bach und sein Umland (1741-45)

Der Aldersbacher Mönch und Chronist P. Michael Mannstorff beschreibt die Auswirkungen des Österreichischen Erbfolgekrieges auf das Kloster und die Untertanen während des Abbatiats von Paulus Genzger (reg. 1734-45) folgendermaßen:

Es fangte Anno 1741. der schädliche Krieg an, welcher gar bald dem Closter sehr empfindliche Wunden versetzet hatte, worvon ein ganzer Tractat zu schreiben wäre; dann zu geschweigen, das 2 mahl das Haupt-Quartier, und folglich etliche 1000 Mann mit Officiers und deren Anhang von hieraus zu verpflegen, auch andere kostbare gantze Winter-Quartier zu ertragen waren, so muste das Closter nebst Ansehung des Ruin viler Unterthanen annoch grosse Contributionen an paaren Geld præstiren, welche, und mehr andere Verdrüßlichkeiten gedachtem Abbten [Paulus Genzger] also zu Hertzen drungen, das er besser fande der Abbteylichen Sorgen frey zu seyn, resignirte also die Abbteyliche Würde in die Hände des dermahligen Hochwürdigen und Gnädigen Herrn Prælatens zu Ebrach, welcher als Pater Immediatus, und zugleich Vicarius Generalis totius sup. Germaniæ dises Closter visitirte, und bey darauf erfolgter Wahl præsidirte. Entzwischen begabe sich Abbt Paulus nacher Samarey, allwo er auch den 20. Februar des jetzt lauffenden Jahrs nach empfangenen Heiligen Sacramenten im Herrn entschlaffen.

Niederbayern war von Juli 1741 (Eroberung Passaus) bis zum (Partikular-) Frieden von Füssen zwischen Bayern und Österreich im April 1745 fast durchgehend von massiven kriegerischen Handlungen und Truppenbewegungen bzw. Stationierungen betroffen. Neben den direkten Verwüstungen belastete die Versorgung der österreichisch-ungarischen-kroatischen und französisch-bayerisch-hessischen Truppen, die in der Region auch ihre Winterlager aufgeschlagen hatten, die Bevölkerung erheblich. So verbrachten im Winter 1742/43 "2 Regimenter Cavallerie, und darzu gehörige Herrn Pavoye et Preysing" im Kloster und in der Hofmark Aldersbach. In den Wintermonaten der Jahre 1743/44 war das 8. Habsburgische Infanterie-Regiment unter dem Kommando des Generalfeldmarschalls Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen mit etwa 2000 Mann hier stationiert. Die Auswirkungen auf das Vilstalkloster scheinen sich im Vergleich zu frontnahen Konventen (wie z.B. auf die schwer in Mitleidenschaft gezogenen Niederalteich und Osterhofen) in Grenzen gehalten zu haben. Im Gegensatz zu einigen benachbarten Klöstern, die gebrandschatzt worden waren (wie z.B. St. Salvator, vgl. das Bittschreiben des Abtes an Kaiser Karl VII.), verfügte Aldersbach über ausreichend Kapital, um Schutzgelder (Kontributionen) zahlen zu können. Die zunächst gut gefüllten Kornkammern und die Wein- und Bierkeller des Klosters boten jedoch auch einen Anreiz für durchziehende Heere, hier auch für längere Zeit zu verbleiben. So befand sich im Jahr 1742 für mehrere Wochen ein Habsburgisches Hauptquartier in Aldersbach. Im Kriegsarchiv Wien zeugen etliche Berichte des Generalfeld­marschalls und Oberkomman­dierenden der Armee an der Donau Graf Ludwig Andreas von Khevenhüller an den Hofkriegsrat Wien von dessen Aufenthalten in Aldersbach vom 24.04.-16.05.1742 und am 29.11.1742. Die Tagebucheintragungen des Niederalteicher Abtes Marianus Pusch, die hier als Teiltranskription zur Verfügug stehen, vermitteln einen grausamen Eindruck von den verheerenden Auswirkungen des Krieges auf das durch seine geographische Lage an der Donau und durch seine Grenznähe zu den beiden kriegsführenden Parteien besonders betroffene Kloster der heiligen Mauritius und Godehard. Die Einquartierungen in Aldersbach werden in ähnlicher Form stattgefunden haben.

Von einer kriegerischen Auseinandersetzung in der Nähe des Klosters berichtet die Münchner Zeitschrift "Mercurii Relation, oder wochentliche Ordinari Zeitungen von underschidlichen Orthen" vom 20.04.1743:

Extract eines Schreibens von dem Herrn Obrist-Lieutenant von Escher an Seine Excellentz den Herrn Marschall von Seckendorff. Arnstorf den 29. Mertz.
Euer Excellentz habe die Ehr zu berichten, daß die österreichische Frey-Compagnie disen Morgen bey Allersbach von unsern Husaren in Stücken gehauen worden, und nicht mehr als 4. Mann davon echapirt seynd, die zwey Officiers, so dieselbe commandirt hatten, seynd auch gebliben, es haben unsere Leute nur ein Pferd verlohren, und eines ist bleßirt worden. Nach dem Befehl, so ich ihnen ertheilet, haben sie nur einem eintzigen Ungar Quartier gegeben, welcher sehr biezirt ist. Ich lockte sie in die Oeffnung des Gebürgs / und wie sie dieselbe paßirt waren, besetzte unsere Frey-Compagnie die Passage, worauf sie von unsern Husaren in der Ebene angegriffen worden.

Vom 09. auf den 10.11.1744 (und damit wenige Wochen vor seinem Tod am 20.01.1745) nächtigte der Wittelsbacher Kaiser Karl VII. Albert, Kurfürst und Herzog von Bayern, und eine 36.000 Mann starke bayerische Armee im Kloster Aldersbach. Bevor der Kaiser nach Vilshofen weiterzog, feierte er in Aldersbach die hl. Messe.

Die hier zur Verfügung gestellten Archivalien und Abhandlungen bieten einen ersten Überblick über die Geschehnisse dieser Jahre. Bisher kaum beachtetes Bildmaterial aus dem Kriegsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs Wien bietet zudem eindrucksvolle visuelle Eindrücke (u.a. Ortsansichten, Lagekarten und Karten von Truppenbewegungen).

Eine lesenswerte Einführung in die Thematik bietet der Vilshofener Chronist Franz Seraph Scharrer in seiner Stadtgeschichte (Chronik der Stadt Vilshofen von 791-1848, Vilshofen 1897, mit Anmerkungen und Ergänzungen von Karl Wild, Neuausgabe 1984). Eine Beschreibung der Eroberung der Stadt im Jahr 1745 findet sich in einem separaten Kapitel (-> 2. Bericht Scharrer):


"Kaiser Karl VI. hatte keinen männlichen Erben. Damit seine Länder der Tochter Maria Theresia zufielen, ernannte er diese in einer von den meisten europäischen Staaten bekräftigten, die pragmatische Sanktion geheißenen Urkunde zu seiner Nachfolgerin. Der Kurfürst Karl Albrecht von Bayern, wie auch der König von Preußen waren den anderen Mächten nicht beigetreten, sie glaubten Ansprüche auf Teile der österreichischen Monarchie zu haben. Frankreich betrachtete ebenfalls die pragmatische Sanktion nur mit Widerwillen und schloss mit dem bayerischen Kurfürsten ein Schutz- und Trutzbündnis am 18. Mai 1741. Wir lesen alsobald von Aushebungen der Mannschaften in Bayern. Der Stadtschreiber in Vilshofen muss zweimal zur „Musterungscommission des Landfahnens mit den hiesigen Ausgewählten, auch jungen Bürgern und Bürgerssöhnen nach Osterhofen reisen;“ das Geschäft dauert immer zwei Tage. Von den in Osterhofen Gemusterten wurden zwölf hiesige Bürgerssöhne nach Eschlkam zum Schutze der Grenze auf die „Postirung“ im Frühsommer 1741 beordert.

Der Krieg nahm seinen Anfang mit der Besetzung der Stadt Passau durch den bayerischen General Grafen von Minucci am 31. Juli 1741. Die versprochenen französischen Hilfstruppen kamen auf ihrem Zuge nach Österreich im September durch Vilshofen. Sie kampierten auf dem Bürgerfelde, drei Bräuer, welche für sie, obgleich der Kämmerer es ihnen schaffte, kein Bier lieferten, wurden um 6 Gulden gestraft. Den Franzosen, von denen zwei hier begraben wurden, dienten 10 Tage durch als Dolmetscher der Krämer Johann Michael Pelleth von Garham und der ins Pfleggericht eingeschaffte, abgedankte bayerische Hauptmann de Montprisson. Jeder erhielt des Tages 45 Kreuzer und hatte außerdem freie Station. Im Januar 1742 kehrten die Franzosen, da sie in Österreich sich nicht länger halten konnten, über Vilshofen zurück. Um ihnen Platz zu machen, verließen drei Kompagnien des Generallieutenant-Graf-Piosagueschen Dragonerregiments, von denen eine schon am 27. Dezember eingerückt war am 7. Januar die Stadt.

Gerade am 7. Januar (1742) eroberte der österreichische General Bernklau, nachdem er schon vorher Ried besetzt hatte, die Stadt Schärding. Nachrichten von dem Vorrücken der Feinde gegen das Innviertel waren schnell nach Vilshofen gelangt, sichere Kundschaft einzuziehen, hatte man von hier mehrere Boten ausgesendet.

„Am 13. Januar zur Nachtzeit drang der österreichisch-hungarische Husarenoberstlieutenant Herr von Mentzl mit einem Corpo (Corps) in hiesige Stadt ein“ wie es an einer andern Stelle der nämlichen Vilshofener Kammer- oder Gemeinderechnung von 1741 und 1742 heißt: „er überrumpelte sie, und nahm sie ohne gehabte Gegenwehr und gewußten Succurs ein,“ welch letztere Worte so viel bedeuten, daß man an einen Widerstand um so weniger denken konnte, als von keiner Seite her eine Hilfe zu erwarten war.

Klämpfl berichtet: „Es wären Landfähnler in der Stadt gelegen, welche die Gewehre und selbst die Kleider weggeworfen hätten. Auch leisteten die Bürger keinen Widerstand, sie öffneten die Tore und überbrachten die Schlüssel. In der untern Vorstadt habe der Posthalter, ein geborener Österreicher (er hieß Georg Gärber und 244 stammte von Lambach), den Kroaten Hacken gegeben, daß sie den Schrankbaum von seinem Hause“ zerhieben.“ Wir wissen nicht, aus welcher Quelle diese Angaben geschöpft sind, und tragen noch folgende desselben Schriftstellers nach: „Diese Ergebenheit der Bürger besänftigte die wilden Krieger nicht, sobald sie in die Stadt traten. fingen sie sogleich mit Ungestüm und Wut zu plündern an und als sie von ihrem Anführer daran gehindert wurden, machten sie die schwersten Erpressungen und gaben sich den schändlichsten Ausschweifungen hin“.

Bestätigung findet der erste Teil dieser Nachricht in den Worten der Kammerrechnung, „Daß die angefangene Plünderung eingestellt werde, verehrte die Stadt dem Herrn von Mentzl 100 Dukaten = 425 Gulden, demnach etwas mehr als 700 Reichsmark; auf seine Verpflegung und auf Geschenke für seine Bedienstete gingen außerdem weit über 100 Gulden auf.“ Wenn Klämpfl sich ferner auslässt: Jedoch schon am 14. Januar flohen jene wilden Krieger, als sie eines bayerischen Soldaten ansichtig wurden, so steht dies, nicht zu reden von weiter unten mitzuteilenden Tatsachen, mit der ausdrücklichen Angabe hiesiger Registratur in Widerspruch, gemäß welcher nach Ausmarsch des Herrn von Mentzl am 16. Januar der Husarenrittmeister Popowiz und am 24. Januar Rittmeister Modaschawiz österreichische Kommandanten in Vilshofen werden.

Auch weiß Klämpfl nichts darum, dass der berüchtigte Pandurenoberst Trenk am 28. Januar hier einmarschierte, freilich durch Befriedigung seines Begehrens von Portionsgeldern im Betrage von 80 Gulden 40 Kreuzer sich bewegen ließ, kein Quartier zu nehmen. In Anbetracht jenes Datums kann der Angriff auf Deggendorf oder die Besitznahme dieser Stadt durch Trenk nicht auf den 20. Januar fallen, wie Buchner in seiner bayerischen Geschichte annimmt; jedenfalls trifft Klämpfl, welcher den 3. Februar hat, das Richtige oder wenigstens das Richtigere,

Von Schärding aus hatte General Bernklau unter Androhung von Feuer und Schwert an hiesige Stadt die Aufforderung gestellt, Bürger abzuordnen, um „mit denselben ratione (bezüglich) der abbegehrten Kontribution oder Brandsteuer Akkord zu machen (sich ins Benehmen zu setzen)“. Der Rat wählte hiefür einen aus seiner Mitte den Weingastgeber Johann Haas (Stadtplatz 38, jetzt Buchdruckerei) — und den Stadtschreiber Johann Rudolf Braunschober, welche dann solches ist der Laut des Vortrags in der Kammerrechnung - „den 16. Januar nachts unter Begleitung zweier Husaren fortgefahren und zu Fürstenzell eingekehrt, den 17. aber in der Nacht aufgebrochen; da nun, wie man gegen Schärding hinzu gekommen, der kurfürstliche Generalfeldmarschall Graf von Törring-Jettenbach diese Stadt angegriffen und beschossen, — es war dies eben der 17. Januar - haben sich die beiden (österreichischen) Husaren verloren, Herr Haas und der Stadtschreiber sind nach Vornbach, von dort nach Neuburg gefahren und am 18 durch den Neuburger Wald, indem sie, einen reitenden Wegweiser mitnahmen, wieder nach Vilshofen zurückgekehrt.“ Klämpfl weicht auch hier ab, indem er die zwei Deputierten mit Gewalt gegen Schärding führen lässt.

Klämpfl gesellt den zwei bürgerlichen Deputierten auch einen Geistlichen, den Otto Dalhofer, bei. Die magistratischen Aufzeichnungen schweigen über ihn. Er war nämlich nicht von der Stadt abgesendet, sondern als Vermittler vom Chorherrnstift, welchem ja auch eine Brandschatzung war aufgelegt worden.

In der Vorhalle unserer Mariahilfkapelle, rechterseits und zu oberst hängt eine große Votivtafel mit dem Datum 17. März 1742. Im Hintergrunde ist Schärding mit seinen Mauern und Basteien, Kirchen und Türmen zu gewahren, vor der Stadt ist im Halbdunkel ein Gefecht dargestellt, im Vordergrunde ein Trupp Reiter, von denen zwei rechts und links an eine mit drei Pferden bespannte Kalesche sich drängen und den darin sitzenden, als solcher an seiner Kleidung zu erkennenden Geistlichen mit vor die Brust gesetzter Pistole und mit geschwungenem Säbel bedrohen. Der Kutscher in bäuerlicher Tracht ist abgestiegen und bittet einen Reiter, der das Schwert über ihn erhoben hat, mit gefalteten Händen um Schonung des Lebens. Links unten auf der Tafel ist neben dem angegebenen Datum ein Wappen und das Monogramm L.A.O.D. zu sehen. Aufklärung gibt folgende Inschrift auf der Rückseite: „Der hilfreichen Vorbitt Mariae zu immerwehrenten Danch ist den 17. Jener 1742 vor Scherding aus mehr(ern) augenscheinlichen Leib und Lebensgefahren ganz unverletzt davon kommen Ludwig Anton Otto Dalhofer32, Chorherr und P.T. Stadtpfarrer allhier.“ Damit ist bezeugt, dass Dalhofer im Namen des Kapitels deputiert und bis gegen Schärding, also weiter als die zwei Bürger eskortiert wurde. Das Treffen vor der Stadt führte für kurze Zeit den Entsatz herbei. Die Buchstaben P.T. sind die Abkürzung für: Pro Tempore, auf Deutsch: zur Zeit. Die Chorherren zu Vilshofen wechselten in der Verwaltung der Pfarrei. Mit leicht verzeihlichem Fehler legt ihm Klämpfl schon damals den Titel Propst bei. Dalhofer wurde es erst später, es lebte noch sein Vorgänger Schappberger bis zum 12. Juli 1742.

Die Vilshofener hatten wohl gehofft, von ihrem Dränger Bernklau, dessen Name schon nicht geheuer erscheinen mochte, befreit zu sein. Aber schnell erbleichte der Hoffnungsstrahl. Der bayerische Feldmarschall wurde von Schärding unter großen Verlusten „weggeschlagen und der österreichische General ließ der Stadt Vilshofen eine neue Zitation unter schärfster Bedrohung zugehen. Zwei Bürger, Gastgeber Jos. Anton Prunner, des innern (Stadtplatz 24) und Nikolaus Prechtl, Sattler, des äußeren Rates (Stadtplatz 28) gingen nach Schärding. Die Contribution ward auf 2000 Gulden festgesetzt und dazu mussten sie - eine hämische Beschwernis, die aber in diesem Kriege nicht vereinzelt dasteht - als Aufzählgeld 100 Gulden entrichten. Den General selbst verehrten sie 24 Carolin á 9 Gulden 30 Kreuzer, dem Kriegskommissär König, damit nicht noch Nachforderungen über jene Contribution kämen, 425 Gulden und halb soviel darnach, „weil er's dahin gebracht, dass es bei berührter Contribution gänzlich geblieben, auch weil er versprochen hat, so viel er kann, Gutes zu erweisen,“ dem Bedienten, „damit man allenthalben einen guten Zutritt gehabt,“ an Trinkgeld 13 Gulden 21 Kreuzer. Letztere Art von Schmieralien scheint zu allen. und sonderlich in diesen Zeiten gang und gäbe gewesen zu sein. Des Generals Bernklau Adjutanten hatte man schon am 21. Januar 12 Dukaten á 4 Gulden 15 Kreuzer, damit er die hiesige Stadt bei seinem Chef „gut anschreiben“ möchte, verehrt und ihn, wie sich wohl selbst versteht, mit Speis und Trank auf das beste gehalten. Wir vermuten, dass er eben damals die zweite Vorladung des Generals überbracht habe. Die Deputierten hatten kein Geld oder so viel nicht bei sich. Der eine wurde, wie es scheint, als Geisel zurückbehalten und musste mit Bernklau sich gegen Passau begeben, das der General erobern wollte und auch sogleich in seine Gewalt bekam. Der andere, Prechtl, fuhr, um das Geld zu holen, von Schärding nach Vilshofen. Es ist ein Wunder, dass sich in den harten Zeiten Gläubiger fanden, die schnell und gegen mäßige Zinsen, zu 4% einige Tausend Gulden vorstreckten. Eine Bräuerswitwe in Schärding, Helena Schärl, lieh außerdem noch 400 Gulden her, weil die mitgebrachte Summe kein „Klecken“ hatte. Die Daten stimmten ganz gut zusammen. Buchner setzt das Erscheinen Bernklaus vor Passau auf den 25. Januar und am nämlichen Tage stellte der Magistrat von Vilshofen an obige hilfreiche Gläubiger die Schuldurkunde aus. Von dieser Brandschatzung schweigen Klämpfl und andere Schriftsteller gänzlich, was mit auch ein Grund ist, warum wir diese Tatsachen veröffentlichen.

Mit Eintritt der rauhen Jahreszeit 1742 verzichtete man auf die Kriegsführung in größerem Maßstabe. Die verbündeten Franzosen und Bayern hielten mehr als die Hälfte von Niederbayern besetzt; die Österreicher lagen in der Linie von dem damals noch bayerischen Markte, jetzt Stadt Ried bis Grafenau. In dieser Linie war auch Vilshofen inbegriffen. Doch wurde Ende Dezember das österreichische Kommando von hier nach Sandbach zurückgezogen. Der Abt Marian zu Niederalteich tadelt den französischen General Broglio, dass er, obgleich oftmals gemahnt, unter allerlei Vorwänden sich weigerte, in unsere von den Österreichern verlassene Stadt eine Besatzung zu werfen, was später der ganzen Umgebung diesseits und jenseits der Donau zu nicht geringem Nachteil ausgeschlagen habe. Die Österreicher nahmen gegen Ende März wieder Besitz von Vilshofen.

Von solchen Truppenabteilungen, welche dem Feinde am nächsten stehen, sagt man, sie befänden sich auf Postierung. Deshalb lesen wir in dieser Zeit von der „Postirung“ in Sandbach, von der „Postirung“ in Vilshofen. Die Häuser hier waren mit Soldaten überfüllt; neu ankommende konnte man bei Privaten nicht unterbringen. der Magistrat legte sie in Wirtshäuser und vergütete für den Mann per Tag 4 Kreuzer aus der Stadtkasse. Kranke, Blessierte mussten oft längere Zeit verpflegt werden. Gefangene wurden zum Behufe der Auswechslung auf- und abwärts geführt. Auch gab es trotz des Winters Durchzüge. Einmal kommen 950 Mann, ein anderes Mal reiten 150 österreichische Husaren ein. Husaren waren es, vielleicht einige von eben diesen 150, welche in den „bürgerlichen Mühlen“ hier plünderten. Der Magistrat schickte einen aus seiner Mitte mit einer Dank- und Bittschrift nach Passau an den österreichischen General Brown (sprich Braun), dass solches für die Zukunft eingestellt werde. Bedrängnisse fielen oft auf einen einzigen Tag in der Art, dass sie in der Jetztzeit für ein ganzes Jahr zu reden geben würden.

Den hier kommandierenden Offizieren mussten ansehnliche Tag- oder wie man sie hieß, Diskretionsgelder gegeben werden, 2,3 Maxdore (á 12 Mk.), auch den unter ihnen stehenden Subalternoffizieren. Manches schöne Sümmchen pressten sie dem Stadtrate durch Drohungen ab, einer 50 Dukaten, er hatte aber noch so viel verlangt dafür, dass er nicht plündern lasse, ein anderer über 100 Gulden, dass er die Vilsbrücke nicht abbrenne.

Während der Monate Januar und Februar und größtenteils noch im Monat März war Vilshofen wohl mit keinem ständigen Quartier beschwert, es musste aber die Stadt allerlei Lieferungen für die Offiziere der Postierung zu Sandbach auf sich nehmen. Der Magistrat machte wohl Vorstellungen, dass Sandbach nicht unter die Stadt, sondern unter das Pfleggericht gehöre. Aber es half nichts, schon darum wurden die Gerichtsuntertanen nicht in Mitleidenschaft gezogen, weil die Pflegbeamten sich geflüchtet hatten. Namentlich hatte die Stadt viel Wein nach Sandbach zu schicken, die Maß Österreicher kostete damals 24 Kreuzer, ferner auch Fleisch, Kalbfleisch immer viertelweise, dann öfters ein Lamm, das auf ungefähr 1 Gulden 30 Kreuzer zu stehen kam, Spanferkel3, 1 Rehschlegel (2 Gulden), manches Federwild so mehrere „Bändl Vögel“ unter denen einmal die Krammetsvögel genannt werden, Würste, Karpfen, Käse, Brot, Mehl.

Unterm 18. März 1743 berichtet Prälat Marian von Niederalteich, dass die bayerischen Husaren und die (bayerische) Freikompagnie mit den Königlichen (das ist mit den Österreichern) zu Vilshofen schar mützelten und dass die Österreicher in die Flucht geschlagen worden seien. Vielleicht war doch nicht viel dahinter. Die Stadtrechnung meldet uns, dass an jenem Tage bayerische Husaren eingeritten sind und man ihnen für 3 Gulden 30 Kreuzer Brot habe reichen müssen, und dass am nämlichen Tage noch General Brown von Passau seinen Adjutanten nebst einem andern Offizier hierher abordnete und von der Stadt 600 Gulden forderte, weil die bayerischen Husaren in Vilshofen eingefallen und zwei österreichische Reiter blessiert haben. Der Magistrat machte die nachdrücklichste Vorstellung, „daß man bei gemeiner Stadt von diesem nicht die mindeste Wissenschaft gehabt, consequenter (folglich) ohne alle Schuld sei, dennoch hergeben müssen 400 Gulden.“ Dass der General Nachlass gewährt hat, brachte ein Magistratsrat den Dank und noch ein „Kuchelpräsent“ nach Passau. Selbstverständlich mussten der Adjutant und sein „Konsorte“ mit „bei sich gehabten Leuten“ hier zehrungsfrei gehalten werden.

Mit dem Essen kommt der Appetit, sagt ein französisches Sprichwort. Kaum zwei Tage waren vergangen, erscheint der nämliche Adjutant mit dem Begehren seines Generals, man solle diesem 1000 Taler Winterportionsgelder bezahlen, weil er nicht hier, sondern in Passau, wo er ein Haus besaß, Quartieraufenthalt genommen habe. Lassen wir hierüber den, welcher die Kommunalrechnung stellte, weiterreden: „Der Adjutant machte den Beisatz, dass wenn man sich nicht gleich akkommodieren (darein geben) werde, „die Sache nicht so leicht abgemacht werden könnte, wo man ihn Herrn Adjutanten zum Patron erbeten und demselben geben 100 Gulden Darüber hin schickte man Gastgeber Brunner und Sattler Prechtl (zwei Ratsherren, letzterer Stadtplatz 28) mit, um die Anforderung möglichst herab zu bitten, die es endlich über getane nachdrucksamste Vorstellungen heruntergebracht so auch erlegt worden auf 670 Gulden.“ Der General hat denn doch mit sich über die Hälfte herabhandeln lassen.

Uns dünkt, bezüglich der Verwundung der beiden Reiter sei man in Niederalteich nicht genau unterrichtet und so der Vorfall zu einem Scharmützel aufgebauscht worden. Aber schon wieder für den 21. März meldet Abt Marian „ein scharfes Zusammentreffen beider Parteien daselbst“ (zu oder nächst Vilshofen). Wir wissen hierüber keinen weiteren Aufschluss zu geben. Zum 11. April schreibt Marian in sein Tagebuch: „Daß neuerdings Bayern und Ungarn bei Vilshofen zusammentrafen, wobei die letzteren viel verloren und bis in die Stadt verfolgt wurden. Das (bayerische) Freikorps, welches meistenteils um Göttersdorf, Haidenburg und Arnsdorf stationiert war, würde großen Vorteil über die Ungarn errungen haben, hätten die Franzosen ihm sekundirt (mitgeholfen), allein diese waren meistens nur spectatores (bloße Zuschauer).“ Der 13. April führte einen Zusammenstoß bei Pleinting herbei. Von den Ungarn oder Österreichern blieben gegen 130 Mann ohne die Gefangenen am Platz, berichtet Marian, und setzt dazu, dass die Feinde abermals bis in die Stadt verfolgt wurden. Welchen Schrecken werden in diesen Tagen die Vilshofener ausgestanden haben, insbesondere Kinder, Frauen. ältere Leute! Die letzerwähnte Affäre muss doch bedeutend gewesen sein. Die Stadtrechnung erwähnt zufällig, dass vier österreichische Offiziere hier begraben wurden, im pfarrlichen Totenbuch sind sie aber nicht eingetragen und umso weniger die gemeinen Soldaten. Damals lagen schon wieder Österreicher hier; sie hatten die Stadt am 25. März besetzt.

Die Gemeindekasse Vilshofen hat im Etatsjahre 1742/43, von Georgi bis Georgi, 8441 Gulden 30 Kreuzer, abgesehen von den Belastungen der einzelnen Bürger, ausgegeben und es war darum gerechtfertigt, wenn der Magistrat an die Regierung zu Landshut sich wendete, klagend, dass es bei dermaligen Kriegsläuften der Stadt härtest ergehe und um gnädigste Remadur (Abhilfe) bat. Aber Regierung und Landesherr, nämlich der Kurfürst Kaiser Karl Albrecht, konnten sich selbst nicht helfen. An Kapitalien hatte die Kommune Vilshofen im selben Jahre 9430 Gulden aufgenommen.

Am 26. April schlugen die Österreicher in Vilshofen eine Schiffbrücke, wozu das Material aus den untern Gegenden heraufgebracht worden war. Auch arbeiteten sie den Monat April durch auf das Fleissigste an der Verschanzung der Stadt. Die Werke zu besichtigen, kam General Brown am 19. April aus Passau, kamen vor ihm schon andere Offiziere. Noch im Monat Mai ist ein österreichischer Ingenieurlieutenant drei Wochen hier.

Die Österreicher hatten den Feldzug 1743 mit vielem Glücke eröffnet und blieben Herrn vom ganzen Bayerland. Vilshofen war den Sommer und Herbst über von feindlichen Kommandos besetzt. deren Befehlshaber den Bürgern allerlei Heimsuchungen bereiteten; dabei ein fortwährendes Ab- und Zugehen anderer österreichischer Öffiziere auch vom höchsten Rang, Durchmärsche verschiedener Truppenabteilungen, Einquartierungen von gefangenen Österreichern und Franzosen, Verpflegung von Kranken!

Am 24. November 1743 rückte hier ins Standquartier ein der Oberst des österreichischen Graf-Kolowrat'schen Infanterieregiments, Klaudius von Sincère, seiner Geburt oder seiner Abstammung nach ein Franzose. Sein Name gibt sich im Deutschen als: Aufrichtig. Ob der Herr Oberst das war, wissen wir nicht, aber ein rücksichtsloser, herzloser Mann, dem an dem Wohl oder Weh anderer nichts gelegen war, welchen auch die Vilshofener lange nicht vergessen konnten, ist er schon gewesen. Gleich bei seinem Eintritte überreichte ihm der Magistrat ein Douceur von 10 Karolin - 160 Reichsmark, nicht nur, dass er ein „gutes Kommando“, sondern auch in seinen Forderungen Maß halte.

Sie werden große Augen gemacht haben, wie er als monatlichen Servis oder als Gage von der Stadt für sich und seinen Stab 723 Gulden verlangt. Das sind mehr als 1200 Mark und doch begehrt er noch einen Zuschlag oder ein Douceur, wie sie es nannten, für jedes Monat von über 250 Mark. Sincère blieb 22 Wochen hier. Diese rechnete er, obgleich vier Wochen fehlten, schmutzigen Profits halber auf volle sechs Monate an. Der Servis machte die Kleinigkeit von fast 9000 Mark. Dem Weinwirt Johann Chrysostomus Peyrer zum weißen Rößl, wo der Oberst einquartiert war, hatte die Kammeramtskasse für den Unterhalt des Herrn de Sincère mit den Herren Stabsoffizieren und (dem) bei sich gehabten Kommando an Kuchel und Keller jene 22 Wochen durch 1293 Gulden 41 Kreuzer = 2217 Mark zu bonifiziren (vergüten). Wenn nur in jener Summe alles wäre begriffen gewesen! Aber da gabs nebenbei einen Konto von vier Metzgern mit 400 Gulden für Fleisch aller Sorten (dabei waren die 16 Gulden nicht für ein eigens vom Obersten bestelltes „hungarisches“ Schwein); weiters die Kontos zweier Mel ber mit 57 fl., der Bräuerkonto für 22 Eimer Bier mit 55 fl., der des Schreinerwirts oder Fischführers für 271 Pfd. böhmische Karpfen mit 53 fl., die Rechnungen der Kaufleute mit 211 Gulden für Baumöl, Gewürz, Limonien, Reis, Mandeln, Stockfische, Häringe, Zucker und Kaffee“ und endlich der Konto des untern Lebzelters (Stadtplatz 19) mit 153 Gulden für die verbrauchten Wachskerzen.

Verlorene Liebesmühe! Den Fähndrich suchte der Bürgermeister gleich bei der Ankunft durch ein schönes Trinkgeld zu gewinnen, dass bei der Hauswirtschaft, welche derselbe für den Obersten führte, nicht zu verschwenderisch umgegangen werde, und in gleicher Absicht hatte man auch dem Koch des Obersten einige Gulden zugesteckt. In der Fastnacht „mußte gemeine Stadt dem Obersten zu Ehren einen Ball veranstalten“. Aufgang für Wildpret, Konfekt, allerlei Wein und dergleichen 173 Gulden 29 Kreuzer Der Türmermeister erhielt, „umbwillen er (mit seinen Gesellen) beim Ball musizirte,“ 16 Gulden als Aufspielgeld.

Dass man den Obersten auf Kosten der Stadtkasse vierspännig nach München fahren lassen, dass man für ihn eine Reitschule anlegen, einen „hungarisch“ angestreiften (?) Reitzeug von starkem Messing, für sein Zimmer allerhand noble Einrichtungen anschaffen musste, dies wollen wir übergehen, nur eines noch! seine Hunde, Jagd- und Luxushunde! Es darf wundern, dass sie nicht mit lauter Fleischwerk gefüttert wurden, das übrigens reichlich von der Tafel abgefallen sein wird und aus der Bank wurde solches um 35 Gulden für sie geholt. Aber der Bäckerkonto für Hundebrot, dieser macht 217 Gulden Auch musste für die Bestien besonders geheizt werden.

Am 22. April 1744 schlug die Stunde der Erlösung für die Stadt an jenem Tage nämlich zog der Unhold ab. Schonung kannte auch nicht der für Vilshofen auf kurze Zeit von den Österreichern eingesetzte Pfleger Baron v. Ehrenburg, nachher Regimentsrat und Rentmeister in Landshut. Für die 20 Tage seiner Amtierung, vom 28. Mai bis 16. Juni, begehrte er von der Stadt je einen Dukaten, zusammen 85 Gulden, dann hatte er während dieser Zeit in einem Gasthause eine Zeche von 69 Gulden welche wieder im nächsten Jahre die Stadt zu bezahlen hat, aufgeschuldet, ferner, ich weiß nicht auf welchen Titel hin, nach seinem Abgange noch 51 Gulden sich nachschicken lassen.

Das kostbare Winterquartier zwang den Magistrat, eine wöchentliche Umlage von der Bürgerschaft zu erheben, welche von Ende November bis Ende April 6259 Gulden 41 1/2 Kreuzer abwarf. Man vergegenwärtige sich, dass der Geldwert ein höherer war und dass der einzelne Bürger daneben seine Quartierlasten zu tragen hatte. Die Kammerkasse war ohnehin beschwert genug, es hatte die Stadt im Jahre 1743/44 9430 Gulden (gerade so viel wie 1742/43) aufgenommen, unter denen 2000 Gulden (auch im vorigen Jahre die gleiche Summe) der reiche Schiffmeister Lukas Kern in Passau, der Gründer des dortigen mit großen Vermögen ausgestatteten Waisenhauses und anderer wohltätigen Stiftungen, geliehen hatte.

Von der gewöhnlichen Steuer war Vilshofen befreit, dagegen schrieb Prinz Karl von Lothringen, Höchstkommendierender der österreichischen Armee, vermöge „Mandats vom 18. Mai 1743 eine Kontribution im eroberten Lande Bayern aus.“ Marian Pusch setzt als Datum den 31. Mai und führt sie darauf zurück, dass dem eben genannten Prinzen der Schaden ersetzt werde, den er fünf Tage vorher bei dem Brande in einem Bauernhof nächst dem Kloster Osterhofen an Pferden und Equipage, auf 500000 Gulden gewertet, erlitten hatte. Von der Stadt Vilshofen begehrte man 860 Gulden, vom Hofe hieß es 30 Gulden, so dass die Stadt Vilshofen beiläufig 28 ganzen Bauernhöfen gleich geachtet war; doch begnügten sie sich mit dem Drittel, welches ebenfalls durch eine Umlage unter der Bürgerschaft gedeckt wurde. Für Kloster Niederalteich lautete der Anschlag auf 10000 Gulden.

Der Krieg dauerte nun schon in das dritte Jahr. Der Sehnsucht nach dem Frieden gab die Stadt Vilshofen durch Veranstaltung einer Prozession nach Mariahilf und einen solennen Amtes dort zu Ehren 252 der heiligen Jungfrau und nachgehendes eines zweiten in der Pfarrkirche zu Ehren des hl. Johannes des Täufers, um deren Fürbitte zu erlangen, Ausdruck. Die frommen Wünsche fanden nicht Erhörung.

Zwar ist Bayern während des Sommers nicht der Schauplatz des Krieges, das vaterländische Heer steht am Rhein und die Kämpfe werden im Elsass geführt. Eine Garnison war in Vilshofen nicht, aber dafür hatte es in ununterbrochener Reihe Truppenteile und Offiziere, welche sich zu ihren Regimentern begeben mussten, zu verpflegen oder aufs wenigste sie unterzubringen. Der Rat schickte den hiesigen Apotheker an den österreichischen Kriegskommissär nach Straubing, „um selben dahin zu vermögen, dass nicht alle Durchmärsche der hiesigen Stadt mit den Portionsgeldern zugewiesen werden möchten.“ Es hat wenig geholfen; Vilshofen an der großen Wasser- und an der Reichsstraße gelegen, war so leicht nicht zu umgehen. Hie und da bezahlten einzelne Abteilungen das Fleisch, aber zu einem niedrigeren Preise, als es die Metzger abgeben konnten. So leistete die Stadtkasse bei einer Einquartierung von Husaren ein Aufgeld von 3 Kreuzer per Pfund, das auf 6 Kreuzer stand. Es kam der Fall vor, daß als „die Metzger mit hinlänglichem Fleischwerk nicht versehen waren“ und den „Völkern“ solches bei dem Stiegenböck verraten wur de, sie dasselbe mit gar geringer Bezahlung hinweg nahmen, wofür die Kämmerer dem Eigentümer einige Ersetzung mit 12 Gulden gewährte. Sechs Wochen lang, vom 28. Juni bis 9. August war auch eine Werbestation hier.

Da der österreichischen Armee Proviant und Munition aus der Heimat geliefert werden mussten, treffen an den Stationen der Donau viele Schiffe von unter her ein, Zscheiken und ihre Bemannung, Zscheikisten genannt. Marian Pusch gedenkt derselben gar oft. Diese Fuhren machten häufig Beihilfe hiesiger Schiffer notwendig, mit einer Menge Ausgaben für letztere. Anfangs Mai 1744 hatte die Stadt auch vier Landfuhrwerke zum Transporte von Proviant nach Amberg und Grafenwöhr stellen müssen, wovon zwei aber nur bis Stadtamhof gelangten, mit einem Kosten von ungefähr 150 Gulden.

Da König Friedrich von Preußen im August 1744 den Österreichern den Krieg erklärte und auch wirklich in Böhmen einfiel, wurde die feindliche Armee nach diesem Lande berufen und es fand eine Bewegung der Österreicher vom Rhein her an der Donau abwärts durch Bayern statt, so daß letzteres von ihnen größtenteils geräumt wurde. Ihre Schiffbrücke wurde in Sicherheit zu bringen gesucht und sie kam am 22. September hier an; mit ihr das wandernde Hauptspital, bei dem sich nach Angabe des Niederaltacher Abtes bei 300 kranke und blessierte Soldaten befanden.“ Dem Kommandanten, Zscheikistenoberlieutnant Avini, verehrte der Rat bei seinem Eintreffen schon 12 Dukaten, dass er „gutes Kommando halten und auch das Krankenhaus abweg bringen möge.“ Dasselbe Douceur wurde ihm am 12. Oktober „wegen guten Kommandos und einstmaliger Hinwegbringung des Krankenhauses“ gereicht und wieder in gleicher Absicht für zwei Wochen ein Kuchelgeschenk von je 4 Dukaten am 19. Oktober gemacht. Am selben Tage wurden noch auf zwei großen Zillen Kranke nach Sandbach geführt, die vollständige Räumung des Spitales hier ging ohne Zweifel bis zum 23. Oktober vor sich, wo Avini auch unsere Stadt verließ. Das Spital wurde nach St. Nikola und später nach Linz verlegt.

Die Österreicher verproviantierten nun wegen der drohenden Gefahr die Festung Oberhaus ob Passau und versehen sie mit neuen Werken. Diese Kosten zu decken treiben sie Gelder ein; die Stadt Vilshofen hat hierfür 184 1/2 Gulden (der Gerichtsbezirk Hengersberg fünfhalbtausend Gulden) beizutragen. Auch fordern sie vorsichtshalber die Jahressteuern ab, von unserer Stadt über 1100 Gulden und nachträglich noch über 200 Gulden Quartiersbeiträge. Die Ausgaben wurden wieder durch Umlage in der Bürgerschaft aufgebracht.

Am 22. Oktober 1744, so erhält Prälat Marian von Niederalteich, kamen plötzlich alle Zscheiken (Militärschiffe) von Passau herauf in Pleinting an und lagerten sich auf dem dortigen Wörth (Insel unter halb des Marktes); sechs hiervon blieben in Vilshofen unter dem Kommando des Oberstlieutenants La Zamber als Besatzung. So schreibt Marian den Namen. Der Wüterich, eine Bezeichnung, welche ihm einmal in der Kammerrechnung beigelegt wird, hieß aber nicht La Zamber, - nach bloßem Hörensagen wird mancher ausländische Name verstümmelt, sondern Nagy Sandor, was aus dem Ungarischen übersetzt unseres Wissens Groß-Alexander bedeutet. Nagy Sandor muss schon gleich anfangs es arg genug gemacht haben, weil der hiesige Pflegsverwalter Pauer am 29. Oktober „bei Nacht und Neben wegen erlittener unbeschreiblicher Drangsale nach Niederalteich flüchtete.

Aus strategischen Gründen sollten die Mauern der festen Plätze oder Burgen in Niederbayern durch Minen gesprengt werden. Das geschah in Straubing, geschah in Winzer, Haidenburg, und sollte mit noch andern, unter diesen auch mit Vilshofen geschehen. Dass solches unserer Stadt in nächster Aussicht gestellt war, bezeugen zwei Posten in einer Rechnung jenes Jahres (1744): „die zwei Feuerwerker, welche die hiesige Stadtmauern sprengen und ruinieren sollten. verzehrten im Essen und Trinken in drei Tagen 3 Gulden 42 Kreuzer“ und „den zum Pulver und zugleich zur Sprengung der Mauern kommandierten vier Soldaten, als einem Korporalen 15 Kreuzer, den drei gemeinen Mann aber täglich 12 Kreuzer auf drei Tage bezahlt 2 Gulden 33 Kreuzer.

„Da in solcher Weise nicht allein die Bürgerschaft in die äußersten Ängsten geraten, sondern auch meist Häuser selbst in größter Gefahr gestanden, hat man, um solches abzuwenden, den 29. Oktober zwei Herren vom Rat von Seiner Exzellenz Herrn General Batthyany nach Schärding und von dannen nach Braunau und Burghausen abgeordnet.“- Marian Pusch lässt die Deputation an General Bernklau abgehen, der sich vielleicht an einem der beiden letztgenannten Orte aufhielt. Mit Einschluss von 30 Dukaten, die man des Batthyany Generaladjutanten spendierte (er hatte aber 100 begehrt), auf dass die erwirkte Einstellung des Vorhabens schnell expediert werde, erwuchsen in dieser Angelegenheit die Kosten auf 261 Gulden 44 Kreuzer.

Nun kommen wir auf Nagy Sandor zurück! Am 31. Oktober wollte er alle Häuser in der ganzen Stadt durchsuchen lassen, nachdem er sich ausgesprochen hatte, dass jedes, in welchem sich ein Gewehr befindet, angezündet werde. „Damit solche höchst bedenkliche Visitation unterbliebe, überreichte ihm der Rat zwei Dutzend Dukaten.“ Am 2. November 1744 überfiel ein bayerisches Kommando die hier gelegenen Zscheikisten, „tötete und verwundete mehrere und nahmen mehrere gefangen; ja es würden alle gefangen worden sein, hätte der bayerische Trompeter nicht zu voreilig geblasen.“ Die Zscheikisten wehrten sich verzweifelt. Die in Pleinting stationierten Zscheikisten kamen den hiesigen zu Hilfe und feuerten auf die lang sam abziehenden Bayern, jedoch ohne Schaden. Die Zscheikisten drangen wieder in die Stadt mit Einhauung des Mauttores (bei der Eigl’schen Lederei, Donaugasse 25), sprengten Haustüren und Kästen und plünderten. Am meisten wüteten sie in jenen Häusern, wo sie Leichen von den Ihrigen fanden, als bei Kaufmann Fallender (Stadtplatz 23), beim oberen Bräuer (ehedem Stockmaier, Stadtplatz 6, in den Verhandlungen des historischen Vereins für Niederbayern, wo das Tagebuch des Abtes Marian Pusch abgedruckt ist, steht statt Bräuer: Bauer - und so mehrmals -, wohl durch Versehen des Herausgebers oder Setzers), in der Apotheke und noch anderen.

Hierauf ließ Nagy Sandor den Vizekämmerer Bäck Zaglmaier (Stadtplatz 5), den Weinwirt Schneider (Zierl) und den Stadtschreiber Braunschober holen und sie mit Wachen umgeben, ihnen bedeutend, dass die Stadt an den vier Ecken angezündet werde, wenn ihm nicht innerhalb zwei Stunden 5000 Dukaten für seinen beim Einfall der Bayern erlittenen Schaden eingehändigt werden. In aller Eile musste nun das Geld bei einzelnen Darlehen in Beträgen von 260 Gulden bis herab zu 20,30 Gulden aufgebracht werden, maßen die Wachen obbemeldete drei nicht mehr aus dem Gesichte ließ, sondern sie hin- und herführte. Um 9 Uhr nachts konnte man ihm 1821 Gulden 15 Kreuzer überreichen, womit er sich für den Augenblick scheint zufrieden gegeben zu haben, die Rückzahlung von Seite der Stadtkasse an die Darleiher erfolgte alsbald.

Des andern Tages begehrte Nagy Sandor von der Stadt, dass sie ihm die durch die Bayern fortgenommenen Gage- und Löhnungsgelder für den Monat November, welche er auf 1420 Gulden 30 Kreuzer anschlug. ersetzte. Man wendete ein, dass „man solches nicht schuldig und dass man ihm erst den Tag zuvor über 1800 Gulden habe geben müssen, sohin kein Geld mehr habe. Hat aber nichts geholfen! Er bezwang in aller Furie den eben anwesenden Nürnberger Boten und nahm von den bei ihm befindlichen Kaufmannsgeldern mit Erbrechung der Briefe und Säcke jene Summe heraus.“ Der Magistrat musste dem Boten eine Quittung ausstellen, in welcher er sich als Schuldner dafür bekannte.

„Nachgehends stellten sie ihm vor, daß es für die Stadt unerträglich falle, soviel Geld zu büßen.“ Er entgegnete: „Ich weiß wohl, es soll aus der königl. (österr.) Kasse hergegeben werden, es seien aber keine Mittel vorhanden; ich will Euch 255 Kufen Salz, die Kufe Salz per 3 1/2 Gulden und 44 Schäffel Malz, das Schäffel zu 12 Gulden gerechnet, welche hier als königliche Eigentum befindlich sind, überlassen, damit sind genau jene 1420 Gulden 30 Kreuzer gedeckt.

Aus dem Salz erlöste die Stadt, da man es teurer verkaufen konnte, 1015 Gulden 26 Kreuzer; das Malz aber verbrannte bei der Einäscherung der oberen Vorstadt kommenden Frühjahrs im fürstlichen Bräuhaus (Rentamtsgebäude), wo es aufbewahrt wurde. Eine geringe Einnahme war jene von 60 Gulden für die im Rathauskeller aufgefundenen, wahrscheinlich von einem österreichischen Marketender zurückgelassenen acht Eimer Branntwein; Bier und Branntwein hatten ohnehin die Zscheikisten vom 2.-7. November auf Kosten der Stadt für 78 Gulden getrunken.

Die Forderung des Nürnberger Boten befriedigte der Rat erst im nächsten Jahre, teilweise mit Kaisergulden, auf welche man, da andere Münzen nicht zur Hand, ein Aufgeld von je 2 Kreuzer - zu geben hatte. Von geringer Bedeutung sind die Nagy Sandors wegen von der Stadt gemachten Auslagen für sechs feine Hemden, für zweimalige Anschaffung von zwei Kaffeegeschirren, da ihm die ersten durch die Bayern bei ihrem Einfall genommen worden waren, für Leinwand, Tuch, Montur, Zucker und Kaffee, welche im bei der nämlichen Gelegenheit abhandengekommen waren, für Riemerarbeiten als Reitzeug, für Blechgeschirr und ein Sprachrohr, für geliefertes Brot oder dass ihn die Fischer am 6. November nach Passau zu Wasser führten. Er kehrte aber von dort wieder zurück und ehe er hier, um den Verfasser der Kammerrechnung reden zu lassen, „am 7. Nov. absegelte, begehrte er mit allem Rigor (Strenge) für seine bei obgemeldetem Scharmützel erlittenen Schäden von der Stadt noch 2000 Gulden, widrigenfalls er vier Bürger, welche er sogleich verwachen lassen, auf den Zscheiken mitnehmen würde.“ Den Bäcken Zaglmaier - dass dieser die zweimal und sonst noch ins vorderste Treffen kam, veranlasste seine Stellung als Kommunalverwalter - befahl er wirklich auf ein Schiff abzuführen, worauf man durch vielfältiges Bitten die Sache soweit gebracht, dass es sich mit 646 Gulden 3 Kreuzer abfertigen ließ; er setzte den Zaglmaier wieder auf freien Fuß und ist mit seinen Zscheiken fortgefahren. Wegen seiner Erpressungen spannte die Stadt nach geschlossenem Frieden beim ungarischen Generalauditoriat gegen den Unmenschen einen Prozess an, welcher vier Jahre lang verfolgt wurde und ein schönes Stück Geld (für die Reise zweier Abgeordneter nach Preßburg allein 137 Gulden) kostete, aber erfolglos blieb.

Pfarrer Klämpfl lässt sich in seinem Quinzigau also vernehmen: Oberst La Zamber - er schreibt also dem Abte Marian den Namen nach, welchen er nach den hier vorliegenden Aufzeichnungen nicht hat, - soll von der Stadt Vilshofen über 20000 Gulden erpresst haben. Der Vilshofener Stadtschreiber war in der Lage, den Tatbestand genau zu kennen, er meldet: „Nagy Sandor habe vermittelst seines unchristlichen Benehmens die Stadt unschuldiger Weise in einen Schaden von etlichen tausend Gulden gesetzt. „Am 8. November (1744), den Tag nach Nagy Sandors Abzug, rückte die Avantgarde der 40000 Mann starken bayerischen Armee in Vilshofen ein.

Unser Kurfürst, Kaiser Karl Albrecht, welcher den Oberbefehl führte, kam am 10. November hierher und blieb bis zum 20. Es war also unserer Stadt beschieden, in diesem Kriege ein zweites Mal das Hauptquartier aufzunehmen! Der Kaiser hatte seine Wohnung beim „untern Bräuer“ wieder heißt es irrig: „untern Bauern“. Wenn Marian Pusch, der so oft schon angezogene Verfasser eines Tagebuchs, welcher als Abt von Niederalteich beim Kaiser die Aufwartung machte, sagt: Selber sei dort eng logiert gewesen, so ist zu bedenken, dass die zwei Häuser, aus denen das Wieninger’sche Anwesen besteht. damals noch nicht zusammengebaut waren (Stadtplatz 20).

Wir schalten hier noch folgende Meldung des Abtes ein: Seine Majestät waren mit einem (sic) Uniform vom Leibregiment bekleidet, ohne Hut, sich lehnend an ein Tischl (der Kaiser litt am Podagra. er lebte nur mehr zwei, Pusch nur mehr vier Monate). Nachdem ich meine Gratulation und anderes vorgetragen, sagten Ihre Majestät mit annehmlichen Worten und Gebärden: Wir verlassen uns auf unsere Gerechtsame und das eifrige Gebet unserer Geistlichkeit, da hin wir uns auch rekommandiren. Wir nehmen die Drangsale und Schäden, welche Niederalteich getroffen haben, zu unserem gnädigsten Angedenken! Als der Prälat auf die noch fortwährenden Beunruhigungen des Klosters und der Umgebung durch die Feinde hinwies, meinte der Kaiser, es würde bald geholfen werden (!!).

Beim Kaiser befanden sich nebst seinem Hofstaat auch Gesandte, welche ihm aber schon am 18. November nach München vorangingen, und viele Generale, von denen wir Chaffat (über diesen bald mehreres) und die Feldmarschälle Törring und Seckendorfnennen, welch letzterer im „weißen Rößl“ einquartiert war und fünf Wochen hier blieb Im Rathausflur mussten Pferde eingestellt werden. Zwei Männer hatten mehrere Tage zu tun, um das häufige Kot in der Stadt und den Vorstädten zusammenzuschlagen und die Gassen allenthalben zu säubern. Zwei weitere Tagwerker standen 10, zwei andere gar 28 Tage auf Ordonnanz, besonders zum Botenlaufen. Enorm war der Holzverbrauch! Für die Quartiere des Kaisers, der Generale und der Gesandten mussten 70 Holzspalte-Tagelöhne ausbezahlt werden. Der Bürgerschaft ging das Brennmaterial aus; zudem mangelte es an Fahrgelegenheit. Deshalb kaufte der Magistrat vom General Chaffat 300 Floßbäume (a 45 Kreuzer), welche ohne Zweifel die Österreicher nicht mehr hatten fortführen können. Sie wurden unter die Quartiergeber, besonders die ärmeren verteilt.

Nach dem Abgang des Kaisers erst verließ das Gros seiner Armee, am 28. und 29. November, Vilshofen und bezog die Winterquartiere meist auf der rechten Seite der Donau. Marian Pusch tadelt es mit strengen Worten, dass man den bayerischen Wald entblößt gelassen, so konnte General Bernklau von Passau aus, — die Österreicher hatten ihre Linie von dort am Inn aufwärts bis in die Gegend von Riedmit einem Corps von 5000 Mann, mehrerenteils Kroaten und berittene Ungarn, vordringen.

In Vilshofen war eine ansehnliche Garnison, aus Bayern und Hessen bestehend und von General Chaffat kommandiert, zurückgelassen. Wenn nicht alsogleich, kam doch sicher am 13. Dezember das bayerische Freibataillon mit zur Besatzung hierher und war noch da bei Eroberung der Stadt am 28. März 1745. Dasselbe steht unter einem Major - wahrscheinlich kein anderer, als der ehemalige Gerichtsdiener Gschray, welcher sich bei der Verteidigung Straubings 1742 in hohem Grade hervorgetan hatte. Das Gray’sche Freikorps war beritten und vor 1744 auch ein hiesiger Wirtssohn, Anton Haas, demselben eingereiht.

chaffat

Fleisch und Brot brauchten die Quartiergeber den Soldaten nicht zu liefern. Letzteres wurde durch die im Hause Stadtplatz 36 einige richtete Militärbäckerei hergestellt; die Bäckerswitwe Föckerer erhielt, weil sie während der Zeit ihr Gewerbe nicht betreiben konnte, vom Magistrat Entschädigung. Dieser musste überhaupt armen Bürgern bei Anschaffung von Holz, Licht und dergleichen unter die Arme greifen und aber auch verschiedene allgemeine Ausgaben, z. B. — die für Wachskerzen in den Offizierswohnungen mit etwa 500 Gulden weitere 500 Gulden wurden den Untertanen des Pfleggerichts aufgebürdet — bestreiten. Dazu kamen die nicht bloß anstandshalber zu machenden Verehrungen".

Aus dem königlichen Hauptquartier Allerspach in Bayern den 7. May

Wiennerisches Diarium vom 12.05.1742


Nachdeme der Herr General Stentsch auf einem jedoch ungegründeten Allarm einer ankommenden feindlichen Ubermacht / um nicht plötzlich überfallen zu werden / mit der Garnison aus München den 29. passato ab- und fortgezogen, haben des commandirenden Herrn General-Feld-Marschalln Grafen von Khevenhüller Excellens um ein solches zu redressiren / den Herrn General-Feld-Marschall-Leutenanten Baron von Bernklau mit der herausgezogenen Garnison sogleich wiederumen, davor rucken lassen / und ist auch gedachte Haupt- und Residentz-Stadt München den 6. huius folgender Gestalten wieder eingenommen worden: Es hat nemlich vorbemeldeter Herr General Baron von Bernklau ohngeachtet einer sehr halsstärrig vorgefundenen Gegenwehr die Isar in Angesicht einer grossen Menge Schützen / so continuirlich gefeuert / passiret / und bey dieser Gelegenheit es auch einigen das Leben gekostet. Alsdann ist die Infanterie mit grosser Mühe und Beschwärlichkeit / auch unter unaufhörlichem Feuer / so obige Schützen auf selbige gemacht / an das Schwabinger-Thor gekommen. Und ob man schon die Stadt alsdann mit Sturm hätte erobern können / so wurde jedoch solches allzu viel Mannschaft gekostet haben / in welcher Betracht der Herr General Bernklau in eine Capitulation sich einzulassen bewogen worden. Bey dieser Gelegenheit haben die Königliche Truppen sich mehrmalen ungemein tapfer gehalten / und darbey der Herr General-Wacht-Meister / Graf Leopold Palfy / die Obriste Puebla, Lüzen / und Mentzel / der Obrist-Leutenant von Geyersperg / und Marquis del Campo, Major von Saint André, Trenck / und überhaupt alle anwesend geweste Officiers sich besonders hervor gethan. Zwischen Todt- und Blessierten werden an Infanterie / Banduren / Husarn / und Croaten ungefehr 40 Mann seyn. Der Hauptmann Spangen von Alt-Königsegg todt / 2 Leutenants von eben diesem Regiment / und ein anderer von Walsegg seynd blessieret worden. Die Grenadiers und Zimmerleute haben sich ebenfalls wohl verhalten / dann ohngeachtet der Feind beständig gefeuret / so haben sie doch die abgetragene Joch an der Isar wieder hergestellet / seynd auch über den Gatter eingestiegen / um denselben auf der andern Seiten aufzusperren.

Fernerer Bericht aus dem Feld Lager bey Pleintling von dem mit dem Feind vorgegangenen Scharmützel vom 29. May

Wienerisches Diarium Extra-Blatt vom 06.06.1742


Demnach dem Feind der Lust angekommen mit einem starken Detaschement von seiner Armee das von uns besetzte / an der Donau Nordseits liegende Schloß Hilgersperg zu überfallen / dann sich der am Fuß befindlichen Donau Brucken zu bemächtigen / hat selber gehoffet / in dieser Unternehmung so eher zu reussiren / als die Besatzung gedachten Schlosses sowol in lauter Croaten / als auch die weiters vorwerts unter Commando des Herrn General Feld Wachtmeister Baron von Helffreich gestandene Mannschaft eben von dieser Nation gewesen / mithin der Feind selbe als ein unregulirtes Volk nicht achtend / sein Heyl versuchet: es hat ihme aber sehr mißlungen / dann sobald ob berührte Königliche Truppen die feindliche Bewegung wahrgenommen / und der Anmarsche auch erfolget / haben sich solche unter Commando vorerwehnten Herrn Baron von Helffreich gestandene Croaten in behörige Positur gesetzet / das an dieselbe gekommene Französische regulirte Feuer standhaft ausgehalten / sodann ihre Salven entgegen gegeben / und zumalen diese Leute schon in der Jugend zum Feuer Gewehr und Sabel gewohnet / so ist auch geschehen / daß ihre entgegen gegebene Salve wohl angebracht worden / und die Kuglen denen feindlichen Truppen meistens an die Brust eingeschlagen / selbe folgsam andurch so mehrers in Unordnung gestürtzet / als sie Croaten nach dem Feuer geben mit auf die Achsel Werffung des Ober Gewehrs den Säbel zur Hand genommen / und ohneschrocken auf den Feind loß gegangen seynd / denselben zersprenget / und in die Flucht getrieben haben: das Erdreich ist meistens in Defiléen , Gebürgen / und Waldungen bestanden: von denen Franzosen haben sehr wenig / ausser denen sich etwa verschloffenen / Quartier bekommen: die feindliche entleibte Körper seynd verschiedentlich auf denen Strassen / in Wäldern und Gebüschen jämmerlich zerhauet / und in starker Anzahl / unter diesen auch / wie man aus denen eingebrachten Kleideren / und Beut Sachen abgenommen / viele Officiers vor findig gewesen ; den eigentlichen Numerum ihrer Tod und Blessirten kan man bey solcher Beschaffenheit nicht wissen: der Französische commandirende General Duc d’Harcourt sowol / als der Bayrische Feld Marschall Graf Törring seynd bey der Expedition selbsten zugegen gewesen. Das würkliche Schargiren hat in der Mittag Stund angefangen / da bald darauf der Feind in Unordnung gebracht / hierzu aber nicht wenig durch den Ausfall / welchen der im Schloß Hilgersperg stehende Obrist Leutenant von Benzony in einem Thal gemacht / contribuiret / und also der Feind zerstreuet worden. Das Verfolgen deren Croaten hat bis in die spate Nacht gedauret / wo man noch hin und her eintzele Schuß gehöret / und was sich nicht hat salviren können / das Leben eingebüsset / auch wo immer der Sabel angebracht werden mögen / es denen Köpfen gegolten. Der Uberrest hat sich mit dem Harcourt und Törring auf das præcipitanteste in das Lager retiriret / welche die hinter sich über einen Morast geworfene Brucken gleich haben abwerfen und ruiniren lassen / dann sonsten die Croaten den Feind gar bis in sein Lager verfolget hätten. Es wird bestättiget / daß dieses feindliche Detaschement aus allen Grenadier Compagnien von der Armee / auch sammentlichen Piqueteren / und 5. Mann von jeder Compagnie / dann 3000. Pferden bestanden. Bey dieser Action haben sich der Herr General Feld Wachtmeister Baron von Helffreich / und Herr Obriste Miensky nicht allein in der tapfermütigen Anführung ohnvergleichlich wohl gehalten / sondern auch schon vorhinein in Machung deren gehörigen Bewegungen ihre Klugheit erwiesen. Es seynd auch 5. Stücke eroberet worden ; und wann sowol das Erdreich verstattet hätte / daß die daraus postirte Cavallerie agiren können / als auch die zweyte Donau Brucken wäre verfertiget gewesen / so dörfte sicherlich geschehen seyn / daß kein Mann mehr hätte zuruk kommen sollen. Wir haben dabey 8. Todte / und 52. Blessirte bekommen.

Feld Lager bey Vilshofen in Bayern 1. Juny

Den 28. hörete man noch immer / das auch die andere Nacht hindurch ein und andere Musqueten Schuß / so die den in die Wälder versprengten Feind verfolgende Croaten thaten. Den 29. in der Fruhe wurde die grosse Donau Brucken in dem Dorf Plaintling angefangen zu schlagen / welche auch durch den in höchsten Dienst unermüdeten und wohlerfahrnen Brucken Hauptmann Hr. Eschenauer um 9. Uhr zu jedermanns Verwunderung / und seinem besonderen Lob zu Stand gebracht / und darauf so gleich an den Tete du Pont zu arbeiten angefangen. Die Bericht von dem Feind waren / wie daß selber die Brucken nach der gestrigen Action abzubrechen / und dadurch denen Unserigen den Zugang zu seinen Lager völlig zu sperren willens ware. Bey Plainting hat der Feind einige Materialien zu einer Brucken zusamm geführet / woran er auch bereits zu schlagen angefangen / und hatte selber nicht nur allein einen namhaften Succurs bereits erhalten / sondern erwartet noch in wenig Tägen 11. Battaillons. Den 30. in der Fruhe recognoscirten Seine Excellenz der Commandirende Herr General-Feld-Marschall wiederumen den Posto von Winzer / und befahle zugleich die herumgelegene viele feindl. Todte einzuscharren: es liesse sich aber vom Feind kein Mann sehen / ungeachtet man ihme bis an das Lager ritte. Die Deserteurs berichten / wie daß der Feind in der vorigen Action / so letzthin vorgewesen / von dem Marschall Hertzog d’Harcourt und Graf v. Thörring seye commandirt gewesen: das Commando wäre bestanden in 22. Granadiers Compagnien und 16. Esquadronen / und ware der Verlust / wie bereits gemeldet / groß / absonderlich an der Anzahl deren Blessirten ; die Consternation aber noch grösser / indeme die sogenannte unüberwindliche Granadiers von irregulirten Truppen / unserer tapferen Croaten / denen man ihres Wol verhaltens halber grosses Lob beymessen kan / seynd geschlagen worden / und man hat Nachricht / daß auf etl. Meil Wegs todt und blessirte Frantzosen anzutreffen waren. Den 31. in der fruhe höreten die Vor Posten in des Feindes Lager zu Pferde blasen und die Trommeln rühren / wessentwegen man glaubte / es wurde sich selber von neuen an uns reiben wollen / doch ware solches nur eine Gasconade. Man halt vor sicher / daß unsere Armee morgen die Donau passiren werde und ist zur Erleuchterung heut fruhe alle schwere und unötige Bagage / Marode und Weiber nach Passau zuruk geschicket worden / es haben auch schon heut einige Regiment. das neue Lager jenseits der Donau zu beziehen angefangen.

Kloster St. Salvator

Bittbrief des Abtes Joseph von Silbermann an den wittelsbacher Kaiser Karl VII. vom 04.01.1745 (Haus, Hof und Staatsarchiv Wien, StK Große Korrespondenz 220-1)


Aller durchleichtigister, grossmächtigister, unyberwindlichister Römischer Kayser, aller-genädigister Herr, Herr.

Euer kayserliche Mayestät erindern sich allergnädigst, wasgestalten allerhöchst deroselben kurz verwichen, als Euer kayserliche Mayestät sich in Vilshofen befunden, meine aller underthänigiste Aufwarttung gemacht, und mitls yberreichter Suplication nit allein meines anvertrauten Closters alhir zu St. Salvator sowohl noch von Zeiten dess vorigen Spänischen Successions-Krieg, die selbiges in Angesicht der dortmahls kayserlich feindlichen Trouppen zu Staub und Aschen verbrent worden, als widerumben novissime bey disen gegenwärtlig-anhaltenden Kriegs-Flamen durch die beschechene Blinderungen an hinweggenommen Getreyd, Vich, dan Haus- und Baumans Vahrnussen, dessgleichen mitls Erpressung unerfindlicher Brandtschäzungen, und ander unsäglichen Geld-Exactionen, die alle in zinsbare Capitalien erwachsen, und sich bereits auf 23000 Gulden erstreckhen, alle erlittene Calamiteten, und schon yber 30000 Gulden sich belaufende Damnificirungen, wehemittigist vorgestelt: Sondern, und weillen dises in der aussersten Decadence, ja bis zur gänzlichen Dissolution schmerzenlichiste darniederligende Clösterl (: welches ohne deme schon vorgetragner massen unter allen Clöstern in ganzen Land notabiliter das ärmste und geringste ist, indem es nur in 9 Religiosen bestehet, und dessen jährlich gewisse, so wohl an Geld als andern zu Geld angeschlagnen Naturalien anfählige Intraden mehr nit dan 962 Gulden 22 Kreuzer 2 Denare ertragen :) sich ex propriis ferners nit aufzuhelfen weis, zu dessen wider Empor-Bringung umb Conferirung seiner nächsten vacirenden Pfarr in subsidium aller diemittigist gebetten. Zumahlen sich aber die vorgetragne Calamiteten, und die Ellend dises unglickhseligen Clösterls hersider widerumben merckhlichen vermehret, indem bald nach Euer kayserlichen Mäyestät Abreis von Vilshofen anhero blos und alleing in das Closter eine Postirung von 50 bis 60 Man ausgesezt: und als dises auf Annächerung österreichischer Trouppen, so circiter in 1000 Man von Cavalerie und Infanterie nebst 2 mitgefürhrten Canonen bestanden, und Mitwoch den 23. verwichennen Monaths Decembri angeruckht, ihre Postirung verlassen, nit allein das Closter und nächstsituirten Mayrhof geblindert, sondern mich selbsten gefänglichen hinwenckh nacher Fürstenzell, Neuburg, Schärding, und endlichen gar zum österreichischen Haubtquartier nacher St. Mörthen einen Graf Tättenbachische Schlas durch ganzer 9 Täg quasi in triumphum herumb geschlepet: auch ehunder nit entlassen, bis mich schrüfftlichen obligirt, yber die wider noviter entlehnte- und würckhlich erlegte 500 Gulden noch 100 Ducatn nachzutragen, zusammen 925 Gulden guettzumachen, nichts zu meldn, was an verschidenen Honorarium, umb die Sach zuverringern, indem anfangs eine weitt grössere Summa an mich praetendiert worden, erloffen: und zwar haubtsächlichen von darumben, weillen man mir imputirt, ich hätte ersagte Postirung anhero erbetten.

Solchemnach habe Euer käyserliche Mayestät dise neuerlichen Fatalitetem abermahlen allergehorsambist verstellen, und mein unterthanngistes Petitum wegen mildrichister Conferirung einer nächst vacirenden Pfarr solcher gestalten widerhalten wollen, damit man die wiewohlen wenig: iedoch zur Selenheyl in Beichtstüell und Vortragung diss Wortt Gottes sonderbar bey den nächstentlegenen luterischen Marckht Orthenburg in Unterrichtung der von denen häuffig-kommend catholischen Ehehalten, beständig- höchstbedürfftigen Geistliche unterhalten könne, zu welch aller gnädigsten Erhör, dan perpetuirlich allerhöchsten Hulden und Genaden mich und lesterhaltnem[?] armes Closter aller diemiettig-gehorsambst empfehl, allstätts verharrend sub dato Closter St. Salvator den 4. Jenner 1745.

Euer kaiserliche Mayerstät etc. allerunterthänig-gehorsambster Iosephus abbas manu propria.

Bittschreiben Abt Paulus Genzgers an Kurfürst Max III. Joseph wegen Erstattung kriegs­bedingter Kosten (1745)

In Bearbeitung

Quelle: BayHStA KAAA 78 (vormals KAA 514)

RELATION

Die von denen Königlich-Hungarisch-Böheimischen Truppen einge­nommen­en Stadt Vilshofen in Bayern

Wienerisches Diarium vom 03.04.1745


Den 31. erst-abgewichenen Monats ist von der in Bayern stehenden königlichen Armee der General-Feld-Wachtmeister Freyherr von Andlau mit der erfreulichen Nachricht unter Vorreitung 4 blasenden Postillionen alhier eingetroffen / daß von dem gedachter Armee Commandirenden Herrn Generalen Grafen von Bathyani die mit feindlichen Truppen stark besetzt-geweste Stadt Vilshofen den 28sten ejusdem glüklich erobert worden. Der eigentliche Verlauf dieser unternommenen Entreprise bestehet in folgenden: Daß / nachdeme man von Seiten vorbesagter in Bayern befindlichen Armee mit denen Kriegs-Operationen vor Heuer wiederum den Anfang zu machen entschlossen / bemeldter Commandirender Herr General Bathyani den 21. pass. ohngeachtet der dazumalen noch angehaltenen rauch- und stürmischen Witterung / auch wegen des eingefallenen häuffigen Regens / schwär zu practiciren gewester Strassen in 3. Colonen über Passau / Scharding / und Braunau den Inn passiret / sofort gegen den Feind vorgeruket / gleich Anfangs aber den Herrn Generalen Baron von Trips mit seinem unterhabenden- und dem Baronaischen Husaren-Regiment voraus in die Gegend Pfarrkirchen detaschiret hat / um die darinnen belegene feindliche Garnison zu coupiren; welches dan auch soweit geglüket / daß der General Trips die feindliche Vor-Truppen bey Trieftärn attaquiret / einige ihrer Husaren niedergemachet / und den Uberrest nach erwehntes Pfarrkirchen zu retiriren genöhtiget / worinnen die Besatzung in 600 Köpfe bestunde / und ob zwar selbe anfänglich stark heraus feurete / ergriffe Sie jedoch bald darauf die Flucht / als unsere Husaren mit dem Säbel in der Faust den Angrif gewaget / welche auch in Ersehung dessen denen Flüchtigen eilfertigst nachgejaget / und viele derenselben niedergehauen / dann einen Hauptmann / so die Infanterie commandirte / nebst 3 Ober-Officiers / und über 200 an Unter-Officiers / und Gemeinen gefangen bekommen. Bey welcher Affaire mehr angeführter Herr General-Feld-Wachtmeister von Trips sich besonders distinquirte. Nachdeme nun der seine Laage halber wichtige Posto Pfarrkirchen unserer Seits mit Truppen hinlänglich versehen / und zu dessen Soutenirung alle Dispositiones angekehret wurden / liesse der Commandirende Herr General Graf Bathyani wiederholten General-Feld-Wachtmeister von Trips nacher Arnstorf vorruken / um Mine zu machen / als ob man der feindlichen Garnison zu Vilshofen die retraite an die Isar zu übenehmen willens wäre. Inzwischen marschirte der General-Feld-Marschall-Leutenant Baron von Bernklau mit seiner Colone den 23. gegen Grießbach / griffe hertzhaft an / und obgleich der feindliche Commandant daselbst / sich zur Gegenwehr gesetzet / ist er dannoch folgenden Tags durch die hinein geworffene Bomben sich samt der in 3 Officiers und 106 Mann bestandenen Garnison auf Discretion zu ergeben gezwungen worden; hierauf nahme Tripps den weiteren Marsche mit sammentlichen Hussaren und 400 Warasdinern auf Eichendorf um Vilshofen desto enger eingeschlossen zu halten / und selben die Communication abzuschneiden / wo immittelst auch der commandirende Herr General mit dem übrigen Corpo auf jetzt besagtes Vilshoffen anruckete / und liesse nach vorhero zur förmlichen Attaque gemachten Veranstaltungen den 28. Nachmittags um 2 Uhr dortige Garnison durch des Lobkowitzischen Regiments-Rittmeistern Herrn Grafen Caraccioli ordentlich aufforderen / dieweilen aber der darin geweste Commandant General du Caffat zur Ubergab sich keiner dings bequemen wolte / sondern den Ort zu vertheidigen entschlossen ware / wurde aus der schon in allen Batterien aufgeführten Artillerie hinein zu spielen angefangen / zugleich das ausserhalb der Stadt sehr stark befestigte Bräu-Haus in Brand gesteket / folgbar auch von beeden Seiten / als auf dem rechten Flügel durch den Herrn General-Feld-Marschall-Leutenant Grafen von Broune / so die Bannatische Croaten zur Avant-Garde hatte / dann auf dem linken Flügel durch den ebenfältigen Herrn Genera-Feld-Marschall-Leutenant Baron von Bernklau / welcher die Warasdiner voraus gehabt / wie ingleichen über der Vilz durch den Herrn General-Wachtmeister Baron von Schmertzing gegen der Stadt die Attaque vorgenommen / auch solche durch dieser Herren Generalen / wie nicht minder des Eingangs benannten Herrn General-Feld-Wachtmeister Freyherrn von Andlau / so die Gränadiers commandirte / erwiesene Tapferkeit / und kluge Anführung dergestalten glüklich prosequiret / daß nicht allein Officiers und Gemeine mit ausserordentlichem Mut und Standhaftigkeit die auf allerhand Art befestigte / und mit darhinter gestanden feindlichen Truppen wol-besetzte Pallisaden daselbst überstigen / sondern auch mit gleichem Success an die Stadt-Thöre avancirten / und selbige einzuhauen anfiengen / worauf endlichen der Feind / wiewol zu spat / angesehen die Unserige mit Gewalt in die Stadt eindringeten / Chamada schlagete / es ware also für die Garnison / worunter 2 gantze Hessische Regimenter / als jenes des Königs / und das vom Printzen George, samt Fahnen / und Stuken begriffen / kein anderes Mittel übrig / als sich sammentlich auf Discretion zu ergeben / und das Gewehr zu streken. Die mit voller Wuht eingedrungene irregulirte Truppen jedoch seynd ohngeachtet aller von dem Commandirenden Herrn Generalen angewendeten Mühe weder mit guten / noch mit Droh-Worten / ja dem gebrauchten Ernst selbsten gleich Anfangs nicht abzubringen / und zu bändigen gewesen / daß selbe von einer Massacre, worinnen biß 300. Mann von ihnen in der ersten Furie umgebracht worden / sich hätten abhalten lassen / wordurch sie vornemlich wegen Burghausen / welchen Namen sie während dieser Begebenheit, öfters ausgeruffen / die Rache ausüben wollen / alwo nemlich ihnen Bayerischer Seits mit den üblen Beyspiel vorgegangen worden / da wider den Innhalt der damals geschlossenen Capitulation etliche hundert ihriger Lands-Leuten / so bey der feindlichen Eroberung sothaner Stadt Burghausen in Kriegs-Gefangenschaft gerahten / und sich schon ergeben gehabt / gegen alle Kriegs-Regul und Gebrauch von denen Bayern unbarmhertziger Weise getödtet worden seynd.

Die Zahl derer zu Vilshofen überkommenen feindlichen Kriegs-Gefangenen / desgleichen / was an Artillerie / Munition / Proviant und sonstigen Gerähtschaften eroberet worden / ist zur Zeit noch eigentlich nicht bekannt / indeme man mit der ordentlichen Beschreibung eines und des anderen bey Abschickung gegenwärtiger Nachricht annoch beschäftiget gewesen / so viel ist hingegen verläßlich wissend / daß nebst vorberührten 2 Hessischen Regimentern 700 Commandirte von Bayrischen Völkern / dann etwelche Husaren-Compagnien / in Summa also über 3000 Köpf gefangen worden.

Was übrigens eine nicht geringe Verwunderung hiebey verdienet / ist / daß erstlich unangesehen / des so schlechten Wetters / und wo die Wässer sich allenthalben ergossen / auch Wege und Strassen fast unwandelbar gemachet worden / von dene ausmarschirten Truppen kein Mann sich verloffen / oder zurukgeblieben / sondern alles mit grösten Eifer und Muht den Marsch gantz unverdrossen fortgesetzet / auch die Artillerie selbsten ohne einig-erlittenen Schaden fortgebracht worden. Andertens aber bey der Anruk- und Bestürmung durch das vom Feind aus groß- und kleinen Geschütz sehr stark-gemachte Feuer von denen Unsrigen an Todt- und Blessirten zusammen mehr nicht / dann etwas über 20 Mann (unter welch letzteren der Herr General-Feld-Marschall-Leutenant Graf von Broune / jedoch leicht in dem oberen Schenkel verwundet sich befindet) gezehlet werden.

Drittens man auch allererst bey Anlaufung an die Pallisaden noch hinter selbigen eine förmliche Brust-Wehr von Feind besetzter angetroffen / deme ungeachtet die Granadiers gedachte Pallisaden sowol als das Parapet mit ungemeiner Hertzhaftigkeit überstiegen haben / und endlich.

Viertens dieser Sturm bey helllichten Tag unternommen worden / so eben die Feind in die gröste Bestürtzung und Confusion gebracht / indem er sich niemahlens hätte beyfallen lassen / daß den nemlichen Tag als der Commandirende Herr General Graf Bathyani mit seinen Truppen davor geruket / er die Stadt mit Sturm anzugreiffen unternehmen solte / ein solches ist aber um so nöhtiger gewesen. Gestalten der Feind / wie er selbsten ausgesaget / die folgende Nacht auf denen dazu in Bereitschaft gehaltenen Schiffen sich fortzumachen entschlossen gewesen.

Der indessen mehrmalen voraus detachirte Herr General-Wachtmeister Baron von Trips hat die angefangene beglükte Progressen weiters fortgesetzet / und durch seine vorsichtige Anstalten es dahin gebracht / daß die Feinde bereits auch aus Landau / Plätling / Dinklfingen / und Eggenfelden zu weichen / und sich aufwärts zu ziehen veranlasset worden. Man ist nun von den ferneren Erfolg die umständlichere Nachrichten zu vernehmen gewärtig.

Bildgalerie Vilshofen (Situation 1742 und Belagerung 1745)


Karten / Skizzen des Österreichischen Staatsarchivs (Kriegsarchiv, © Robert Klugseder, CC BY-SA 4.0).





Devotionsbild Buchenöd (heute Friedhofskapelle Aidenbach)

Gott dem Allmächtigen und der seeligsten Jungfrau Maria zur Ehre und Danksagung hat die Markgemeinde Aidenbach wegen glücklich überstandenen Gefahren im Jahr 1742 diese Tafel verlobt, und wurde im Jahre 1838 wieder erneuert.


Devotionsbild Aidenbach

Bildlegende: 1. Markt Aidenbach, 2. Kapelle Buchenöd, 3. Karling mit Kapelle, 4. Kloster Aldersbach, 5. Schönerting, 6. Aldersbach mit Pfarrkirche St. Peter, 7. Aldersbach Klostermaierhof Schwaig, 8. Walchsing mit Kirche, 9. Kriestorf mit Kirche, 10. Weng mit Kapelle, 11. Gumperting, 12. Gunzing, 13. Heft mit Kapelle, 14. Fouragierplatz, 15. Unterhandlungen der Aidenbacher Bürger mit den österreichischen Besatzern. Bild: © Nikolaus Arndt / Wolfgang Vierling.

Devotionsbild Prämonstratenserkloster Osterhofen 1742

Exvoto 1742. Misericordia matris. Quia non sumus consumpti. Renoviert: 1894 Jakob Segl.
Das Kloster Osterhofen entging durch Zahlung von 600 Gulden Kontribution an den Habsburger Generalfeld-Wachtmeister Bärnklau einer Brandschatzung durch die Sachsen-Gotha-Dragoner, die hier am 30. und 31.01.1742 einen Rasttag einlegten. Die Dragoner zogen am 31.01. weiter in die Niederalteicher Pfarrei Thundorf und forderten vom reichen Benediktinerkloster weitere 10.000 Gulden Kontribution. Als Dank für die Errettung stiftete der Konvent von Osterhofen für die Liebfrauenkapelle das hier vorgestellte Devotionsbild. Die Österreicher kamen allerdings im August und November desselben Jahres wieder zurück und errichteten hier für eine gewisse Zeit ihr Hauptlager. Die Datierung der Entstehung des Bildes mit dem Jahr 1742 ist allerdings in Frage zu stellen, da u.a. die Städte Deggendorf und Vilshofen sowie das Schloss Winzer in Flammen dargestellt werden, obwohl diese erst deutlich später belagert bzw. zerstört wurden (27.05.1743, 26.03.1745 bzw. 01.11.1744). Vermutlich ist das Devotionsbild wie die vergleichbare Darstellung des "Bayrischen Krieges" von J.G. Kaiser eine Zusammenfassung der Gescheh­nisse über einen längeren Zeitraum hinweg (1742-45).


Devotionsbild Osterhofen 1742

Großformat

Bildlegende: 1. Kloster Osterhofen, 2. Gnadenkapelle [Liebfrauenkapelle] auf dem Hof, 3. Stadt Osterhofen, 4. Künzing, 5. Pleinting, 6. Vilshofen, 7. Hilgartsberg, 8. Hofkirchen, 9. Neßlbach, 10. Kirchen Preuhaus und Schloss Winzer, 11. Pfara[?], 12. Hengersberg, 13. Aicha a.d.D., 14. Kloster Niederalteich, 15. Dondorf [Thundorf], 16. Seebach, 17. Deggendorf, 18. Abfourascherer [Ab-Fouragierer], 19. Tschaiken [bewaffnete Donauschiffe]. © Robert Klugseder (CC BY-SA 4.0).




Ein Vergleich des Osterhofener Devotionsbildes mit dem vermutlich etwas später entstandenen Gemälde "Bayrischer Krieg" des Vilshofener Malers J.G. Kaiser lässt vermuten, dass beide Werke vom selben Künstler geschaffen wurden.


Vergleich Devotionsbild 1742 und 'Bayrischer Krieg' von Kaiser

Im Devotionsbild sind bayerische Truppen und die vor dem Konventgebäude positionierte "Salva guardia" zu erkennen. Im Gemälde "Bayrischer Krieg" sind hingegen Habsburger Truppen zu sehen (ebenfalls mit einer "Salva guardia"). Bemerkenswert ist die unterschiedliche Darstellung der Westfassade des 1740 geweihten Kirchen­neubaus. Im Devotionsbild sind die mittelalterlichen Doppeltürme der Vorgängerkirche sichtbar, in "Bayrischer Krieg" bereits die heute noch erhaltene Westfassade mit nur einem Turm. Man kann davon ausgehen, dass die Doppelturmfassade so nie bestanden hatte, im Devotionsbild also lediglich ein Planungszustand zu sehen ist. Eine bisher unbekannte Darstellung der Ostseite des Klosters vom 12.11.1742 zeigt die Kirche ohne die mittelalterlichen Türme, dafür aber bereits mit dem erst wenig über das Kirchendach hinausragenden und zen­trierten Turm mit Pyramidendach (Kriegsarchiv des StA Wien, Lageskizze des Habsburger Feldlagers in der Nähe des Klosters). Im Gemälde „Bayrischer Krieg“ ist der Turmbau mit spätbarocker Haube bereits abgeschlossen.

Der Architekt und Bildhauer Joseph Matthias Götz, der wenige Jahre später (1755) für die Neugestaltung der Westfassade und des Turms der Aldersbacher Klosterkirche verantwortlich war, hatte sich vermutlich von Osterhofen inspirieren lassen, die Ausführungen ähneln sich deutlich. Auch die Darstellung der Vertreibung der Händler aus dem Tempel, die sich in beiden Kirchen unterhalb des Turmes am westlichen Kirchenportal befinden, zeigen eine inhaltliche Nähe.


Vergleich 'Vertreibung der Händler aus dem Tempel' Osterhofen und Aldersbach

Jesus vertreibt Händler und Käufer aus dem Tempel. Links: Cosmas Damian Asam (Osterhofen um 1732). Rechts: unbekannter Künstler (Aldersbach um 1755). Bild: © Robert Klugseder (CC BY-SA 4.0).

Bildgalerie Karten und Ansichten (Druck)


Lagekarten, Marschrouten und Skizzen von Ortsansichten, die von den Österreichern während der Truppen­bewegungen durch Niederbayern der Jahre 1742-45 angefertigt wurden. Für diese Drucke kamen überwiegend handschriftliche Zeichnungen als Vorlage zur Verwendung, die heute im Österreichischen Staatsarchiv (Kriegs­archiv) aufbewahrt werden. Quelle: Graphische Beilagen zum I.-VIII. Band des "Österreichischen Erbfolgekrieges 1740-48" (Die Kriege unter der Regierung der Kaiserin-Königin Maria Theresia), Wien 1896 bzw. Criste, Oscar und Porges, August (Hg.): Oesterreichischer Erbfolge-Krieg 1740-1748: nach den Feld-Acten und anderen authentischen Quellen Bd. 4 (Bayern), Wien 1900 (Download).




Die Stadt belagert und mit Sturm genommen am 28. März 1745

Bericht von Franz Seraph Scharrer (Chronik der Stadt Vilshofen).


Da Nachricht gekommen war, dass eine französische Armee zum Schutze des Kaisers und Kurfürsten Karl Albrecht heranmarschierte, setzten sich die österreichischen Truppen jenseits des Inns in Bewegung. Sie eroberten Pfarrkirchen, das Schloss Griesbach und zogen gegen Vilshofen, welches durch die Bayern wieder in etwas befestigt worden war, indem alte Schanzen repariert, Palisaden und spanische Reiter aufgerichtet, die Stadttore mit Eisen beschlagen und die Laufgräben vertieft wurden. Der in Vilshofen kommandierende General Chaffat hatte den feindlichen Truppen - größtenteils Warasdiner, Banater und Ungarn, und nur bei 300 Mann reguläre Soldaten - entgegenrücken wollen, ehe sie sich verstärkten. Er hatte 600 Pferde von den Hessen, welche bei Aunkirchen standen, dazu beordert, aber diese weigerten sich, indem sie nur Befehl hätten, bei der unmittelbaren Verteidigung Vilshofens mitzuwirken und so unterblieb der vorgehabte Auszug.

Am 26. März erschien der Feind vor Vilshofen; drei Obergenerale, Batthyany, Bernklau und Braun (Brown), werden genannt, außerdem muss sich noch ein Halbdutzend anderer Generale beim Belagerungskorps befunden haben. Aus dem erhellt zur Genüge, dass es doch mehrere Tausend Mann stark gewesen sei. Was die Garnison in der Stadt betrifft, ist von zwei Obersten die Rede, von einem Oberstlieutenant der bayerischen Leibgarde, vom Major des Freibataillons und von zwei Husarenrittmeistern. Mit Munition war sie nicht im Überfluss versehen.

Chaffat wurde von den Österreichern aufgefordert, den Platz zu übergeben, dessen aber er sich weigerte. Am 28. März nachmittags sind die Batterien der Feinde aufgepflanzt und wird das Feuer von der oberen Seite der Stadt her eröffnet. 1000 Hessen waren dort zur Verteidigung aufgestellt, aber sie verhielten sich sehr zaghaft, obwohl ihnen eine kleinere Macht gegenübergestanden wäre. Ein hessischer Oberst kam vor das Bett des kranken Generals Chaffat und meldete, das wegen Heftigkeit des Feuers der Posten nicht mehr behauptet werden könnte. Mittlerweile retirierten die Hessen schon und ihnen nach auf dem Fuße rückten die Warasdiner und Grenadiere gegen das obere Stadttor heran. Nachdem sie die Barrieren und Barrikaden niedergehauen hatten, schlugen sie in das Stadttor ein großes Loch und drangen ein, die Hessen hatten ihre Gewehre weggeworfen.

Der bettlägerige Chaffat erhielt eine aus 16 Mann bestehende Sicherheitswache, die aber mit Not ihn vor dem Tode schützt. Die Ungarn benahmen sich wie wütend, ein hessischer Offizier wurde an der Seite des österreichischen Generals Bernklau von ihnen niedergeschossen, General Braun, der abwehren wollte, verwundet. Die ganze Nacht dauerte das Feuer und die Massacre bis zum hellen Tage, so Chaffat. Die Leute, die geblieben sind, wurden gar nicht in das Totenbuch eingetragen. Buchner in seiner bayerischen Geschichte lässt auch einen großen Teil der Bürgerschaft durch die Feinde hinmorden; in den freilich lückenhaften Vilshofner Aufschreibungen findet sich davon keine Spur, aber auch nicht in den Sterbmatrikeln. Der Glaser Johann Kaspar Lutz erhielt „beim nächtlichen Übergang einen feindlichen Schuß, der ihm viele Schmerzen und Unkosten kausierte (verursachte).“ Dies meldet ein Akt in der Stadtregistratur. Sicher übertrieben ist Buchners weitere Angabe, als ob die ganze Besatzung hätte über die Klinge springen müssen; denn die Vilshofener Stadtrechnung spricht von Kriegsgefangenschaft derselben und gedenkt auch bayerischer und hessischer Soldaten, denen nach Einnahme der Stadt Brot, Fleisch usw. gereicht werden musste. Es bedarf nicht vielen Nachdenkens, um einzusehen, dass Angaben größerer Geschichtswerke durch Aufzeichnungen in den Registraturen oft kleinerer Orte verbessert oder berichtigt werden können. Ein Vilshofener Stadtschreiber vermochte gar wohl zu beachten und genauer zu wissen, was hier oder in der nächsten Umgebung vorfiel.

Die obere Vorstadt niedergebrannt, die Plünderung.

Schon bei Beginn der Kanonade ging das Bräu- und Gerichtshaus in Flammen auf. So nennt General Chaffat in seinem Berichte das gegenwärtige Rentamtsgebäude (Jahnallee 1). Vom Jahre 1740 liegt ein vom Geometer Haas angefertigter Stadtplan vor, welcher den Mittelbau an der Straße nebst den zwei gegen die Donau hinlaufenden Flügeln auch als kurfürstlichen Salz-, Bräu- und Gerichtshof bezeichnet. So erfahren wir denn, dass der landesfürstliche Pfleger wenigstens sein Amtslokal dort hatte.

In der inneren Stadt wurde durch die feindlichen Geschosse drei Häuser in Brand gesteckt, aber es wird das Feuer gelöscht. Unter jenen drei Häusern befand sich auch jenes, in welchem Chaffat krank lag. Aber vergeblich suchte ich nach Aufklärung, was für eines es war. In der oberen Vorstadt konnte man der Flammen nicht mehr Herr werden; weitaus der größte Teil derselben ward über Nacht eingeäschert. Klämpfls Angabe, in seinem Kinzinggau: „Der Feind verbrannte den oberen Teil der Vorstadt“ ist nicht zutreffend, indem Vilshofen zwei Vorstädte hat und dann von der oberen Vorstadt nicht bloß der obere Teil eine Beute der Flammen wurde.

Wir zählten 52 vom Feuer zerstörte Wohngebäude zusammen und könnten die Namen der damaligen und gegenwärtigen Besitzer insgesamt aufführen. Aber es ist leichter, die Häuser zu nennen, welche verschont blieben und diese sind: Obere Vorstadt 34, 32, 30 und aufwärts von diesen das ehemalige Hasenbauerngut (Sailer Mühldorfer, jetzt Schweiklbergstraße 14) und das an selbes anstoßende Haus, also nur solche auf der Höhe der Vorstadt; verschont blieben auch die Häuser in der „Gröppen“ bis auf das Plattner’sche (Kreppe 2), das Vogl-Haus (Kreppe 4) stand damals noch nicht. In wie weit Kloster und Kirche der Kapuziner beschädigt wurden, vermochten wir bis jetzt nicht zu ermitteln.

Der Fortsetzer des Tagebuches von dem inzwischen verstorbenen Marian Pusch weiß zum 28. März nur folgendes zu berichten: „Vilshofen in der Nacht mit Sturm genommen, heraussen alles verbrannt.“ Dass bei jener Zügellosigkeit der Soldateska auch geplündert wurde, verstände sich wohl von selbst. Es spricht aber auch die Stadtrechnung 1744/45 von der „dazumal der Bürgerschaft zugefügten schmerzlichsten Plünderung“. Diese Worte allein geben hinreichenden Beweis; überdies wird noch gelegentlich mehrerer Fälle von Plünderung gedacht, und eine noch viel größere Zahl derselben würde zu unserer Kenntnis gelangt sein, wenn nicht die Ratsprotokolle aus jener Zeit im schauerlichen Brand der inneren Stadt 1794 zu Verlust gegangen wären. Einigen Trost gewährte, dass schon zur Zeit, als Vilshofen diese schwerste aller Heimsuchungen empfinden musste, die Aussicht auf ein nahes Ende der Feindseligkeiten zwischen Bayern und Österreich bestand. „Um den anhoffenden baldigen lieben Frieden und um Abwendung fernerer Kriegsdrangsale ließ man (der Magistrat) bei den Herren Patres Kapuziner 10 heilige Messen lesen.

Der Friede zwischen Österreich und Bayern wurde auch wirklich am 22. April zu Füssen im Allgäu abgeschlossen. Unser unglücklicher Kurfürst, Kaiser Karl Albrecht, war gerade drei Monate vorher, am 20. Januar, aus diesem Leben geschieden in einem Alter von nur 45 Jahren. Er hinterließ einen einzigen Sohn, Maximilian III. oder der Gute, wie er von seinem Volke mit Recht genannt wurde. Gemäß dem Füssener Vertrag wird der junge Prinz in alle Länder seines Vaters eingesetzt, muss aber die pragmatische Sanktion anerkennen, nämlich dass Maria Theresia rechtmäßige Erbin aller österreichischer Länder ist. was eben sein Vater angestritten hatte. Die Veröffentlichung des Friedensschlusses erfolgte am 27. April. Am 3. Juli ließ der Rat, „um Gott dem Höchsten den schulddemütigsten Dank abzustatten, in allhiesiger Stift- und Stadtpfarrkirche ein heiliges Danksagungsamt abhalten.

In die eroberte Stadt hielt der oberstkommandierende General Batthyany mit den unterstehenden Truppen einen feierlichen Einzug. Es erschien der Magistrat vor demselben und machte ihm ein „Regal“ von allerhand Wildpret und Konfekt, „um Abwendung ferneren Brandes und Plünderung.“ Eine österreichische Besatzung blieb noch hier bis zum 16. Juni.

Dieser Krieg zerrüttete, wie noch keiner, den Wohlstand der Bürger und belastete in hohem Grad die städtische Finanz. Während der vier Jahre von 1742-1746 nahm die Kommune 28000 Gulden auf, auch noch in der nachfolgenden Zeit war sie gezwungen, um solche sich umzusehen, da die Ausgaben wuchsen und die Einnahmen stockten. Eine Menge Ausstände von Zinsen ihrer Aktivkapitalien, von Gilten und andern Reichnissen wird fort und fort verzeichnet, und das Guthaben von Interesse beim Staate im Betrag von etlichen tausend Gulden musste später ganz abgeschrieben werden- und gingen mit anderen Worten zu Verlust. 2000 Gulden hatte die Stadt zu dem hohen Zinsfuß von 6 Gulden geliehen erhalten - 5 Gulden waren übrigens damals nichts Seltenes - der Rat beeilte sich, selbe dem Gläubiger, einem Passauer Handelsherren, schon nach dem ersten Jahre zurückzubezahlen.

Wie schwer der Vermögensstand der Bürger geschädigt worden sei, mag die Tatsache bezeugen, dass innerhalb der nächsten 20 Friedensjahre allein neun Häuser an dem Stadtplatze auf die Gant gerieten, Nr. 2,4,6, 11, 14, 16, 23, 24 und 26. Mehrere derselben, wie auch solche in anderen Stadtteilen, waren Jahre lang unbemaiert und standen öde. Gleichfalls bei 20 Jahre ging es her, bis die abgebrannten Häuser der oberen Vorstadt alle aufgebaut wurden. Die zwei Häuser dieser Vorstadt Nr. 42 (Weber’sche Hafnerei) und Nr. 14 (jetzt Münchner Hof) sind, das eine 1751, das andere 1764 noch Brandstätten.

Ein anderer Beweis für die Verarmung der Bürger in Vilshofen war die Erlaubnis von Seite der Regierung, „ihnen, wenn sie es verlangen, Sammlungspatente auszustellen, gemäß welchen sie in den Städten und Märkten, dann auf dem Land und besonders bei den Gotteshäusern und milden Stiftungen Brandsteuer erbitten dürfen.

Auch wurde den Abgebrannten die noch vorhandenen Palisaden und die bei dem Bräuhause zu entratenden Floßhölzer verabreicht.

Als eine große Wohltäterin für die Stadt erwies sich Maria Theresia von Österreich; freilich war ihretwegen auch der Krieg ausgebrochen. Als sie auf ihrer Reise zur Kaiserwahl in Frankfurt Monat September 1745 hier durchkam, und ihr der Magistrat die traurige Lage der Stadt vorstellte, überwies sie demselben ein Geschenk von 1000 Dukaten, a 4 Gulden 15 Kreuzer, zusammen also 4250 Gulden Der Fortsetzer des Tagebuches von Marian Pusch und ihm nach Klämpfl schrieben irrig 1000 Gulden. Von den 1000 Dukaten wurden ungefähr drei Viertel unter die Bürgerschaft und die anderen Einwohner verteilt, das übrige aber der erschöpften Kammerkasse zugewendet.

Die landesfürstliche Regierung, gewährte der Stadt, wie nach dem Spanischen Erbfolgekrieg vor 30 Jahren, den Bierpfenning, dann auf einige Zeit den Nachlass jener 120 Gulden, welche die Kommune für die Ausübung des Stadtgerichts jährlich bezahlen musste, ferner den Bezug der Steuer, welche der Fiskus von dem aus der Stadt gebrachten Vermögen einzunehmen hatte.

Noch nach Jahren wurden vom Magistrate Gesuche gestellt, welche dahin zielten, der Ebbe in der Stadtkasse abzuhelfen - die Einkünfte zu vermehren, jedoch von der Regierung zurückgewiesen. So war eine Erhöhung des Pflasterzolls vorgeschlagen, dann die Erhebung einer Gebühr von dem auf der Donau ins Ausland geführten Getreide, von dem durch hiesiges Salzamt an Fremde verkauften Salz, von dem in den kurfürstlichen Bräuhäusern Kelheim und Schwarzach hergestellten weißen Bier. Diese Auflagen sollten dann an die Kommune Vilshofen abgeführt werden.

Allerunterthänigster Bericht, was sich zu Vilshofen zugetragen und wie sol­cher Ort schlechter Dingen wider meinen Willen und Anschlag mit stürm­ender Hand von den österreichischen Truppen ist erobert worden.

Bericht des bayerischen Generals Du Chaffat, von Scharrer aus dem Nachlass des Vilshofener Mautbeamten Hier­on­ymus Schmid herausgegen (Chronik Vilshofen).

Wie ich vernommen habe, daß die (österreichischen) Herrn Generale Batthyany, Bernklau und Trips teils von Schärding, teils von Passau den Innfluß passiert und mit ungefähr 2500 Mann bei Ortenburg und Salvator sich versammelt (haben), beinebens gesinnt seien, Pfarrkirchen, Griesbach und Vilshofen zu attaquiren (anzugreifen) und weil ich wohl versichert ward durch meine Spione, daß diese Generale nicht 300 Mann regulirte (abgerichtete) Truppen, bei sich hatten, sondern fast lauter Warasdiner (von der kroatischen Gränze), Bannater (von der ungarischen Gränze) und ungarische Husaren, so hatte ich die Resolution (Entschließung) gefaßt, diese Truppen den selben Tag attaquiren zu lassen; deßhalb ich sämmtliche Herrn Stabsoffiziere zu mir berufen und Kriegsrath gehalten, daß man nicht warten sollte, bis der Feind sich verstärkt, weil mir wohl bewußt war, daß die regulirten Truppen den andern Tag Abends zu ihnen stoßen sollten, also haben wir die Departition gemacht (die Anzahl bestimmt) von Allem, was marschiren soll, sowohl an Kavallerie als Infanterie.

Nachdem solches geschehen war, habe ich den beiden Herrn hessischen Obersten von Germann und Oeffelen sowohl als Herrn Oberstlieutenant von der Leibgarde, dem Major vom Freibataillon und den zwei Husarenrittmeistern anbefohlen, Alles marschfertig zu halten und die angewiesene Mannschaft zu kommandiren, um in einer Stunde aufbrechen zu können.

Obbemeldete Herrn Oberste habe ich gebeten, die Ordre an die 600 hessischen Pferde zu ertheilen, auf das Rendez-vous (Sammelplatz) bei Aunkirchen zu kommen und sich mit unsern Husaren und Dragonern und mit unserer Infanterie zu konjugiren (vereinigen). Hier aber hat schon der Gaul zu hinken angefangen; dann ich bekam zur Antwort, daß diese Kavallerie und Infanterie, welche an der Vils stand, Ordre habe, der Stadt Vilshofen zu sukkuriren (zu Hilfe zu kommen) und bis dahin auf meinen Befehl stehe, aber weiter als bis Vilshofen zu marschiren, müßten sie die Ordre vom hessischen General in Plattling abwarten. Worauf ich geantwortet habe: So sind alle meine Anstalten umsonst, denn der Feind marschirt heute früh noch nach Pfarrkirchen, ohne daß ich solches hindern kann, weil man aller Orten bei ihren (den hessischen) Truppen neue Befehle abwarten soll.

Doch da es bös (schlechtes Wetter) und Regenwetter war, haben wir gemuthmaßt, der Feind könnte ungefähr (vielleicht) die Attaque verschieben, also ist eine Staffette an den hessischen General zu Plattling abgeschickt worden und bin ich in der Hoffnung gestanden. in zwei Stunden eine Antwort zu bekommen, welche aber 19 Stunden ausgeblieben ist und noch dazu die Antwort war, daß er diese Truppen nicht weiter als bis Vilshofen könnte marschiren lassen ohne ausdrückliche Ordre von dem zu Landshut kommandirenden hessischen General. Also ist mein Konzept ganz und gar verrückt und Pfarrkirchen in die Flucht geschlagen (mein Vorhaben gegen Pfarrkirchen zu ziehen vereitelt) worden.

Zwei Tage darnach hat der Feind Griesbach kanonirt und bombardirt und der darin kommandirte Hauptmann Sailer den Ort in 24 Stunden übergeben; er hatte Mundprovision (Lebensmittelvorrath) auf 2 Monate, aber nicht mehr als 5-6000 Patronen zu verschießen, welche auch alle in kurzer Zeit verschossen wurden. Wie ich ihm vorgehalten, warum er in so kurzer Zeit so viele Patronen verschossen, da er doch in einer starken Mauer gesessen und bei 200-300 Schuß des Tages mit langsamerem Feuer hätte abwehren können, habe aber zur Antwort bekommen, daß sich seine Leute vom Feuern nicht abhalten lassen. Billig hätte er mehr Munition haben sollen, aber 5000 Patronen zu verschießen, ohne dem Feinde drei Mann zu blessiren, war mir zu viel. Mit mehr Munition habe ich ihn nicht versehen können, indem ich zu Vilshofen nur 10 Patronen auf den Mann nach Verschießung der Ordinari-Patronen hätte austheilen lassen können (weil nämlich die Belagerung würde länger gedauert haben).

Den 26. März 1745 ist die österreichische Generalität mit Kavallerie und Infanterie auf der Höhe von Vilshofen hinter dem Wald (wird wohl die bis 1804 bestandene städtische Waldung oberhalb des Lindahofs und Mühlböck, rechts und links von der Aidenbacher Straße, gemeint sein) angerückt und haben die Generale den Ort rekognoszirt (Augenschein eingenommen); am 27. ist für die Österreicher Verstärkung eingetroffen und wurde die Stadt infestirt (feindlich gegen sie vorgegangen).

Ich habe alsobald an allen Orten, wo es möglich gewesen, eine Kanone hinzustellen, auf den Feind kanoniren lassen, wovon er zimlich Abbruch gelitten. In der Nacht vom 27. auf den 28. hat der Feind angefangen, seine Batterien zu bauen, welche den 28. zwischen 3 und 4 Uhr Nachmittags zu 32 Stück und 4 Böllern in Stand gesetzt worden. Von unserer Seite haben wir den ganzen Tag auf den Feind kanonirt.

Bis ungefähr 4 Uhr schickte General Graf Batthyany den Rittmeister Graf Caraccioli, welcher die Warasdiner kommandirte, zu mir und ließ mich auffordern, die Stadt zu übergeben; er wolle mir und der Garnison eine ehrliche Kapitulation (annehmbare Bedingungen) zugestehen. Er hätte mich nicht wollen auffordern lassen, bis alle Batterien und Stücke im Stande wäre, und wenn ich daran zweifelte, so wolle er erlauben, daß ich einen oder zwei Offiziere hinausschicke, man werde ihnen alle Batterien zeigen und sie würden finden, daß alle Stücke und Kessel geladen seien und nur Feuer gegeben werden dürfe und wenn ich dieses nicht akzeptire (auf seinen Vorschlag nicht eingehe), soll schwerlich eine Kapitulation zu hoffen sein, indem er sich mit diesem schlechten (gering befestigten) Orte nicht lange aufhalten wollte, sondern es würde Alles in Brand aufgehen.

Worauf ich geantwortet: wenn die Stadt und Vorstadt in Brand aufgeht und man so gerne brennen thue, soll der Herr General wissen, daß ich eine schöne (ausreichende) Garnison habe, mit welcher ich mich in das weite Feld hinter meinen Tranchements (Verschanzungen) zurückziehen und noch lange halten werde. Und noch dazu würde der Herr General keine gute Meinung von mir haben, wenn ich den Ort übergeben sollte, ohne zuvor die Wirkung des Gottes Mars (der Kriegsgott bei den Römern) und seiner Musikanten (Kanonen) gesehen und gehört zu haben; deßwegen sei unnöthig einen Offizier zur Besichtigung hinauszuschicken.

Auf dieses hin verabschiedete sich Graf Caraccioli und ritt dem feindlichen Lager zu; kam aber nicht 500 Schritte von unsern Palissaden weg, als sämmtliche Batterien der Österreicher anfingen, aufs allerschärfste zu spielen und kreuzweis auf die Stadt und (obere) Vorstadt sowohl (die Batterien sind allem Anschein nach am Schweiklberg gestanden) als auf die Palissaden sich stark empfinden zu lassen. Dabei geschah ein remarkabler (merkwürdiger) Stückschuß, welcher einem hessischen Feldscherer den Arm wegriß, als er eben im großen Blockhaus (zur Vertheidigung errichtet) einen Soldaten verband, dem auch eine Stückkugel den Arm genommen hatte.

Die feindlichen Batterien steckten in kurzer Zeit das kurfürstliche Bräuhaus und Gerichtshaus (wie schon gemeldet, jetzt Rentamtsgebäude) in Brand, auch etliche Häuser in der Vorstadt und 2 bürgerliche Häuser (welche es sind, wissen wir nicht) in der Stadt und mein Quartier zugleich, auf welches 3 Haubizen hintereinander gefallen, habe aber durch meine Leute das Feuer löschen lassen. Die 2 Häuser in der Stadt sind durch Zimmerleute und Maurer (als geborne Feuerwehrmänner) auch glücklich gelöscht worden. Das groBe Gebäude vom Bräuhaus (es ist hier insbesondere an das noch stehende lange Flügelgebäude zu denken) und vom Gerichtshaus aber ist ohne alle Hilfe und Rettung in Flammen gerathen.

Worauf der Oberst von Oeffelen, welcher das Kommando in dem oberen Tranchement geführt hat, zu mir vors Bett gegangen, wo ich eben im heftigsten Fieber und Gliederschmerze gelegen, und hat mir präsentirt (die Meldung gemacht), daß der Feind im starken Marsch, die Palissaden zu attaquiren und es sei unmöglich, den Posten am Bräu- und Gerichtshaus zu behaupten, ich solle erlauben, daß der Major, so allda mit etlich hundert Mann kommandirt war, retiriren dürfe, es sei kein anderes Mittel vorhanden, die Leute könnten wegen des Feuers nicht mehr bestehen. Meine Antwort war Wenn das Feuer uns konträr (uns entgegen und zum Schaden) sei, so ist es ebenso für den Feind, also sollte der Oberst auf seinem Posten geblieben sein und den Major das stärkste Feuer haben unterhalten lassen, daß der Feind gehindert wäre, durch dasselbe zu marschiren. Hiegegen wendete er wieder die Unmöglichkeit ein, jenen Platz länger zu behaupten, beisetzend er glaube, daß der Major schon retirire. Ich sprach dem Obersten noch einmal zu, schnell zu gehen und Alles zu thun, damit er diesen Posten nicht, ohne dem Feind großen Abbruch zu thun, verlasse.

Fast im selben Augenblick trat der Major in mein Zimmer und brachte den Rapport, daß er mit seinen Leuten ohne Verlust eines Mannes (in die Stadt), hereingerückt, wiewohl die ungarischen Truppen sie auf dem Rücken verfolgt haben. Zugleich hätte das Feuer in der Vorstadt nicht weit vom Stadtthor viel Schaden kausirt (angerichtet), worauf ich den Obersten bat um Gottes Barmherzigkeit, er sollte sich auf seinen Posten begeben, die Leute würden sonst alle koupirt (abgeschnitten) und niedergemacht, er sollte den Oberstwachtmeister alsobald in der Vorstadt Posto fassen lassen, damit er sich von dem oberen Tranchement retiriren kann, denn ich sehe wohl, der Ort würde mit dem Degen in der Faust emportirt (genommen).

En fin Herr Oberst ging hinaus und postirte so viele Leute in der Vorstadt, als er sammeln konnte, denn die Feinde waren schon allda und retirirte mit seinen Leuten allgemach in die Stadt, doch mit ziemlich großer Schwierigkeit, wiewohl leider! (dies leider gilt der wenig tapferen Haltung der hessischen Truppen) die ganze Attaque nur durch 300 Warasdiner und anderthalb Kompagnien Grenadiere geschah. Die 1000 Mann starken Hessen zogen sich vor der kleinen Macht zurück, welche des obern Tranchements nicht allein sich bemächtigt, sondern auch unsere Leute bis an das Thor verfolgt haben. Der Feind haut die ersten 3 Batterien sammt den Barrikaden nieder, die Hessen werfen mehrentheils die Gewehre weg und laufen in die Häuser. Der Feind fängt an in das Thor zu hauen, und ist bereits ein 6689 Loch gemacht, daß ein Mann durch dasselbe schliefen kann.

Weil man mir berichtet hat, daß die hessischen Soldaten sich ihre Gewehre entledigt und in die Häuser geflohen, schickte ich nach dem Herrn Obersten und befahl: Er soll zur Generalität sich hinaus begeben und die Chamade (Zeichen durch Trommeln usw. daß man mit den Feind unterhandeln wolle) schlagen lassen, und eine möglichst gute Kapitulation zu Stande bringen, daß wir die Bagage salviren (retten) und die Leute der Garnison nicht als Kriegsgefangene, sondern als Kapitulanten unter der Bedingung, auf ein Jahr nicht wieder zu dienen, behandelt werden.

Als der Herr Oberst hinausgekommen, traf er den Herrn General Braun, der ihm alles Gute versprach, jedoch zugleich bedeutete, ei soll hurtig machen, in die Stadt zu kommen, es ginge sonst Alles zu Grunde, da die ungarischen Truppen sich nicht zwingen (nicht mehr unter Botmäßigkeit halten) ließen. Endlich ließ Herr Oberst von Oeffelen das Stadtthor öffnen, nachdem er zuvor einen Oberstlieutenant, einen Kapitän und einen Lieutenant (als Geißeln) an Herrn General Braun übergeben hatte. Mit General Braun drangen auch die Warasdiner und die Grenadiere zum Thor herein, General Braun wollte mit dem Degen abwehren, ist aber von seinen eigenen Leuten blessirt worden.

Da kam Herr Oberst zu mir mit Vermelden, es sei der Feind in der Stadt und er habe General Braun im Tumult verloren. Das Feuer und die Massakre ist alsobald in der ganzen Stadt angegangen und dauerte die ganze Nacht hindurch bis an den hellen Tag.

In dem Augenblick, als die ersten Warasdiner und Grenadiere die Stadt betraten, bewies genannter Graf Caraccioli die Höflichkeit für mich, drang durch das Feuer von beiden Seiten mit 14 Warasdiner und 6 Grenadieren bis zu meinem Quartiere, stellte die Grenadiere vor mein Zimmer und noch weitere zwei Schildwachen auf.

Der mehrere Theil unserer Offiziere salvirte sich in mein Quartier, in der Meinung allda Schutz zu finden. Welches aber bald sehr schlecht ausgefallen wäre, indem die Panduren die untere Wache zum dritten Male überrumpelten und bis zu den Grenadieren hinauf kamen, welche sie aber mit dem Bayonette zurückwiesen. Die Pan duren hatten vor, alle Offiziere niederzumachen.

Endlich kam Herr General von Bernklau selbst zu mir vor mein Bett. Nach einer ziemlich langen Unterredung wollte derselbe die hessischen Offiziere um meiner Sicherheit willen mit sich in sein Quartier nehmen. Wie Herr General auf die Gasse hinabkam, schossen die Ungarn einen hessischen Lieutenant an seiner Seite nieder so daß bemeldeter Herr General necessirt (genöthigt) gewesen, die hessischen Offiziere wieder in mein Zimmer hinaufzuschicken. Er ließ auch zugleich meine Wache verstärken, damit die Insolenzen (Gewaltthätigkeiten) der Ungarn unterwegen bleiben sollten, was auch erreicht wurde.

Bis nach Mitternacht ließ man die Kavallerie in die Stadt einmarschiren; dieselbe eskortirte unsere Offiziere und andere Gefangene zum Thor hinaus, damit solche aus der Gefahr kämen.

Nachher kam General Batthyany mit noch 6 anderen Generalen zu mir. Er schlug mir vor, ich sollte einen Ort im Reiche auswählen, wohin ich mich begeben wolle, er gestatte das auf meine Parole. Ich benannte Regensburg, wo ich bis zu meiner Genesung zu bleiben die Absicht hätte; es wurde mir auch erlaubt auf dem Gütlein meiner Frau in der Nähe von Ulm zeitweiligen Aufenthalt zu nehmen. Des andern Tages ließ er auch den Paß anfertigen mit dem Befehl, mir denselben nicht zu behändigen, bis er weitere Ordre von ihm selbst erhielte. Der Aufschub dauerte drei Wochen. Der kommandirende Offizier mußte aber auf Batthyanys Anschaffung im Passe eine Anderung vornehmen.

Es wurde mir nämlich darin verboten, die Stadt Regensburg zu betreten und befohlen, die Marschroute zu Vilshofen über die Donau und (waldeinwärts) nach Burglengenfeld und Eichstädt zu nehmen. Weil ich aber tödtlich krank war, schlug ich den rechten (geraden) Weg (am Donauufer) mit einer Eskorte von einem Korporal und 3 Mann nach Stadtamhof ein, denn über Berg und Thal hätte ich unfehlbar verderben müssen.

Das Verbot, Regensburg zu vermeiden, habe ich nicht übertreten, da ich Niemanden von meinen Leuten in die Stadt hinübergehen ließ, bis der Friede kundbar geworden. Indessen muß ich beständig Doktor und Barbierer zur Herstellung meiner Gesundheit gebrauchen; kann bis zur Stunde weder fahren noch reiten, nicht eine Viertelstunde sitzen, noch gehen.

Relation von Vilshofen vom 16.02.1743

Bericht des General-Wachtmeisters Baron von Roth über die Beschaffenheit und Befestigungen Vilshofens für den Fall einer Belagerung bzw. Einnahme der Stadt durch das österreichische Heer (Quelle: Haus, Hof und Staatsarchiv Wien, KA KPS LB K II c, 92 F). Teile des Habsburgerheeres lagerten zu dieser Zeit im benachbarten Ortenburg, und auch die Stadt Passau stand unter österreichischer Kontrolle. Die Informationen bildeten vermutlich die Grundlage für die erfolgreiche und rasche Okkupation Vilshofens im März 1745.


Von Passau bis Sampach zu reithen habe drey und ein halbe Stunde zugebracht, vom Sampach bis Vilshoffen eine starcke Stunde. Acht hundert Schritt zuewerths Vilshoffen muß man über eine kleine Bruckn den kleinen Fluß Wolfach, welcher ohnweith davon in die Donau fällt, passiren. Das aus der Donau in die Wolfach häuffig gestossene Eyß hatt verhindert zu probiren ob die Wolfach tieff. T?ach mahlen habn von der Brucken über die Vils in der Vorstadt den Weeg welcher von Allerspach kommet traversiren müßen. Man kan ringß herumb außerhalb der Mauern überall auch sowohl an der Vils als der Donau umb Vilshoffen zu Fuß passieren.

Vilshoffen hatt zwey Haupt Thör, das untere gegen Passau zu, das obere gegen Pleintling, ferner an der Donau zwey Wasser Thörle, das eine bey des Urbans Hauß, wird genandt das Bader Thörle, das undere bey dem Mauth Hauß, das Mauth Thörle.

Umb Vilshoffen ist eine zwar nicht dicke noch standhaffte, jedoch mit verschiedenen Pfeilern befestigte Mauer, man kan umb selbe auf einer Gallerie, welche aber nicht breuther als daß ein Mann commode darauf stehen und einanderer dabey passiren kan, umhern[?] Theils herumb gehen, außer an denen Orthen längst der Donau, wo die sechß Häußer auf die Stadt-Mauer gebauet seyn, und wo die Fenster koenen nur in einem Urbanischen Haus 8 mit Eysenen Gitter versehen, die übrigen aber ohne Gitter ans Wasser gehen, wie im Plan deutlich zu ersehen.

Hart an der Vils-Brucken ist ein durch die Stadt-Mauer durchbrochenes und auswerths angebautes Fleisch oder Schlacht-Haus, dieser Orth wäre mit einem Piquet wohl zu versichren.

Die Mauer hatt ferners vier Thürne, einen über dem untern Thor gegen die Vils-Brucken, einen über dem Obern-Thor gegen die Capuciner, und zwey Thürne wo die Vils in Donau fält.

Ferner seynd etliche Canale, so unten under der Stadt gehen, welche zu observien seyn.

Ein Commando Cavallerie von 100 Pferden könte bey künfftiger Besezung Vilshoffen mit Infanterie füglich in das von denen Capucinern an der Donau gegen Pleintling liegende Breuhauß untergebracht, und von dorten aus eine Feldwacht auf der Höche gegen Pleintling, die andere Feldwacht auf der Höche beym so genandten Sieben-Becken-Beindt, welche dem Weeg von Schrembsberg nach Walcksin und nach Oberndorff, ferner andererseiths der Vils den Weeg von Allerspach füglich observiren und entdecken kan, halten. Wann ein dritter Porten an der Wolffach-Bruckn könte gehalten werden, wärn es umbso bessers. Jedoch müßte so dann ein Porten von Infanterie auf die Höche im Capuciner-Garthen ebenfalls gesezet werden, welcher allenfalls die Cavallerie souteniren könnte.

Vilshoffen zahlt beyläuffig hundert Häußer, wäre also 1 Obristleuthnant mit 300 Mann genugsamb zur Besezung Vilshoffen, wie dann auch mit derlay Anzachl vorigen Winter Herr Obrist Wachtmeister Epple allda gestanden. Daß bisher aber wie vergeben worden, die Mortalite nicht zu starck in Vilshoffen geweßen, zeiget gegenwürtiger Extract aus dem authentischen Mortuario.

Weil bishero zu Sampach keren under[?] hinterwerths die Porten nur auf 10 Schritte um Dorffe[?] gestanden, und nichts deconvriren können, habe dieselbe avantagenser auf die Höhen umbgesezet.


Passau den 16. Februarii 1743.

Ganz gehorsambster Diner Baron von Roth, General-Wachtmeister.

Tafelgemälde "Bayrischer Krieg 1741-1745" von J.G. Kaiser (1701-71)

Der Vilshofener Maler schuf mit diesem herausragenden Zeitdokument eine detailgetreue Vogelschau der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Bayern und Österreich im Donauraum zwischen Vilshofen und Bogen. Im Mittelpunkt der Darstellung steht das Prämonstratenserkloster Osterhofen (Altenmarkt). Vergleiche dazu auch die verwandte Darstellung "Devotionsbild Osterhofen" aus 1742. Bild: Passauer Diözesansammlung (Inv-Nr. D 1), ausgestellt im © Oberhausmuseum Passau, Foto: Dionys Asenkerschbaumer.


Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

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Detailansichten

Quelle: Wikimedia Commons, Wolfgang Sauber (CC BY-SA 3.0)


Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Prämonstratenserkloster Osterhofen




Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Ungarische Husaren, vom Erzbischof Gabriel II. Hermanus von Patarcic von Kalocsa gestellte Freikompanie




Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Ungarische Husaren, Trinkgelage mit Einheimischen




Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Bayerische Soldaten




Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Verbrennung des Pferdes des Habsburger General-Feldmarschalls Prinz Karl von Lothringen in einem Stadl der Klosterhofmark Osterhofen (Bericht von Abt Marianus von Niederaltaich).


Den 26. [Mai 1743] kam in dem nächst dem Kloster zu Osterhofen liegenden Schmidbauern-Hof, worin des Prinzen Pferde und alle Stallequipage sich befunden, ein plötzliches Feuer aus, wodurch die 20 Pferde sammt allen Sätteln und Zeug erstickten und verbrannten. Das Kloster selbst stand in Gefahr, vom Feuer zerstört zu werden, hätte nicht die Generalität demselben durch die Löschmannschaft vorgebaut. Das größte Uebel war, daß man dem Feuer im Hofe nicht recht beikommen konnte, weil mehr als 50 Paar geladene Pistolen in den Kammern und Ställen aufgehängt waren, die durch das Feuer losgebrannt und viel Schäden verursacht haben. Der ganze Schaden wurde auf mehr als 50000 Gulden angeschlagen. Der Prinz war, obgleich der Schaden ganz ihn allein traf, sehr gelassen, und ließ sich das Löschen eifrigst angelegen sein. Uebrigens glaubt man, daß das Tobackrauchen im Stalle dieses Unglück herbeigeführt habe. Leider mußte Niederaltach den Reitzeug mit eilf Reitsätteln ergänzen.



Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Pleinting, zwei Schiffs- bzw. Ponton-Brücken über die Donau, die zweite über die Insel auf Höhe von Schloss Hilgartsberg. Im Vordergrund vermutlich das Dorf Zeitlarn.




Detail Gemälde Bayrischer Krieg von Käser 1748

Künzing, mit beschädigten Bauernhäusern

Quartiere der österreichisch-ungarischen Truppen in der Gegend zwischen Aldersbach und Pocking im Winter 1742/43

Dislocationsplan, erstellt von General-Quartiermeister und Oberst C. von Gramlich im Hauptquartier Ortenburg am 08.12.1742. Quelle: Staatsarchiv Wien Kriegsarchiv FA Bayern 1742.


Dislocation deren nachstehenden löblichen Regimentern Cavallerie und Infanterie, wie solche in eine Interims-Cantonirung in nachbenanten Orthschaften können verleget werden. Alß

Die löblichen Regimenter Houssaren

Griesbach, und nächstligenden Dörfern.

2 Regimenter Cavallerie, und darzu gehörige Herrn Pavoye et Preysing

Das Closter und Hofmark Allerspach [Aldersbach], Freindorff [Freundorf], Weng, Aittenbach [Aidenbach], Schwanheimb [Schwanham], Pruk [Langen/Kurzenbruck], Peitelspach [Beutelsbach], Ledering, Reinting [Rainding], Hohaus [Hochhaus] und die zwey Höff ohnweit St. Coloman.

Carl Lothringen

Affheim [Afham], Igelbach [Unteriglbach], Würting [Würding], Königbach, Steinkirchen.

Hildburgshausen

Dorfbach, die Höff von Förstell [Förstl], Haunsberger [Haunberg], Höbing [Hübing], Gebertsheimb [Göbertsham], Plosen [Blasen] und Refier.

Mercy

Groß- und Klein Steinbach, Berghoff [Berghof], Dirspach [Thiersbach] und die Gegend oder Einöden.

Stahremberg

Ausham, Loipertsheim [Loipertsham], Pfalser [Pfalsau], Closter und Hofmark Fürstenzell und die darzwischen ligenden einschichtigen Höf.

Prünne

Monzing [Munzing], Kemething [Kemating], die Höff zwischen Ausham gegen den Dorff Höherstadt [Bad Höhenstadt], exclusive Höherstadt.

Harrach

Höherstadt inclusive deren Höf biß Lögenstauf [?] und Saymühl [Strangmühle?], wie auch rechter Hand von Höherstadt die Höf und Einöden genannt im Grund.




Cavallerie

Scherr

Engertsheim [Engertsham], Wollheimb [Wallham], Fordobler-Hof, Asenheimb [Asenham], Wortmaring [Wartmanning] et Refier.

Zollern

Allinger [Euling] und Aichinger [Eiching] Höf, das Dorff Sulzbach et Refier, so in der Lista nicht annotiret seynd.

Bernes

Pomstätten [Pumstetten], Nider Scharding [Niederschärding], item das Closter und Hofmark Varnpach [Vornbach] und nächst ligende Höf rukwerts gegen Passau.

Cordona

Effing [Eholfing], Rorizam [Rottersham], Rottau, Ruedorft [Ruhstorf] et Refier.

Cohary

Rotthof und Refier bis in das Dorff Pocking inclusive.

Bathyani

Von Pocking in denen nächstligenden Dörffern und Baurenhöf biß in die Gegend ohnweith Riednburg [Riedenburg].


Signiert Hauptquartier Orttenburg den 8ten Decembris 1742

C. de Gramlich

Generalquartiermeister und Obrister




Karte Winterquartiere 1742-43

Quartiere der österreichisch-ungarischen Truppen in der Gegend zwischen Aldersbach und Pocking im Winter 1742/43.