• Vorbemerkungen
  • Prälatur
  • Bibliothek
  • Rekreationssaal
    und Oratorium
  • Fürstensaal
    ("Salomonsaal")
  • Speisesäle
    ("Modlersäle")
  • Gästetrakt
  • Kreuzgang
    und Kapitelsaal
  • Refektorium
    und Küche
  • Keller

Vorbemerkungen


Die Klostergebäude, wie sie heute zu sehen sind, entstanden seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Die Arbeiten nahmen unter Abt Engelbert Vischer (reg. 1683-1705) mit dem Bau des Ost- und Südosttraktes ihren Anfang. Abt Theobald I. Grad (reg. 1705-1734) schloss diesen Bauabschnitt ab, ließ von ca. 1718-1720 die Klosterkirche und in den folgenden Jahren die Abtei (heute Pfarrhof) und den Westflügel (Gästehaus mit Sälen, darunter der neue Weinkeller) neu erbauen. Auch der Südtrakt mit Refektorium und "neuer" Bibliothek ist das Werk dieses Abtes. Seinem Nachfolger Abt Paulus Genzger (reg. 1734-1745) oblag es, verschiedene Wirt­schafts­bauten (Brauhaus, Stampf- und Sägemühle, Pfisterei und Kastnerei) in den Jahren 1734-1736 neu erbauen oder instandsetzen zu lassen (u.a. mit dem Baumeister Joseph Wolf von Stadt­amhof). Die Ausstattung der Prälatur und der Fest- und Speisesäle mit Fresken und Stuckaturen, der Klosterkirche mit weiteren Einrichtungsgegenständen (u.a. Kanzel, Chorgestühl und Orgel) sowie die Neu­gestaltung der Westfassade der Kirche und des Turms erfolgten unter Theobald II. (1745-1779). Reitwinkler ließ um 1760 zudem die Bibliothek mit einem neuen Schrankwerk und Freskomalerei ausstatten.

Ein wichtiges Detail zur Baugeschichte des barocken Klostergebäudes liefert ein kurzer Bericht zur Grundsteinlegung des Osttraktes (Sakristei, Kapitelsaal, Winterchor, „alte“ Bibliothek und Teile des Dormitoriums), den Abt Vischer für Dienstag, 11. Mai 1700 in sein Tagebuch eintrug:
Den .11. huius wurde der Erststain gelegt zu dem Closster Pau. Dise Solemnitet hat verrichtet Herr Guillelmus Praelat zu Gotteszell. Den anderen hat gelegt Herr Baro Notthafft Pfleger zu Mattikhofen etc. den 3ten legte Herr Goder von Walxing. Hospites praesentes erant. P. Guardian mit ainem Socio von Vilßhofen. Herr Mauttner, Preüverwalter, Gerichtsschreiber von Vilßhofen. Pfahrer von Uttigkhofen. Hannß Georg Moser. Carlon. Schikhler.
Die feierliche Zeremonie der Grundsteinlegung zelebrierte Abt Wilhelm I. Pertl des Tochterklosters Gotteszell, der den ersten Stein legte. Baron Franz Joseph Freiherr Nothaft von Weißenstein, Pfleger von Mattighofen, legte den zweiten und Johannes Bernhard Goder von Kriestorf auf Walchsing den dritten. Als Gäste waren anwesend P. Guardian und ein Mitbruder aus dem Kapuzinerkloster Vilshofen, Hans Wolfgang Kretzlinger, Mautner (Zöllner), Gregor Reisacher, Brauverwalter und Johann Gallus Emblinger, Gerichtsschreiber von Vilshofen, Johann Wolfgang Gregg, Pfarrer von Uttigkofen, Hans Georg Moser, Herr Schickler und der Baumeister Carlo Antonio Carlone.

Abt Vischer beauftrage also den Architekten Carlo Antonio Carlone mit dem Neu- bzw. Umbau der östlichen Klostertrakte. Die Vorgeschichte und der Verlauf der Bauarbeiten lassen sich anhand eines umfangreichen Briefwechsels zwischen den Aldersbacher Äbten und der kurfürstlichen bzw. kaiserlichen Administration in München nachvollziehen. Das Kloster nahm ein staatliches Kirchenbaudarlehen auf, um die umfangreichen Bauarbeiten finanziell schultern zu können. Abt Engelbert adressierte seine Schreiben an den bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel. Für die Zeit zwischen 1703 und Anfang 1706 sind allerdings keine Briefe erhalten. Das Fehlen lässt sich auch durch die politischen Rahmenbedingungen erklären: Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) unterlagen die französischen und bayerischen Truppen in der Schlacht bei Höchstädt (1704) den Alliierten unter Führung der Habsburger. Der Kurfürst flüchtete nach Belgien, Bayern wurde von 1705-1715 unter kaiserliche Administration gestellt. Die repressiven Methoden der Belagerer, die zu einer Verarmung der Bevölkerung und in der Folge zu Hungersnöten führte, mündeten bekanntlich in der Bayerischen Volkserhebung der Jahre 1705 und 1706. Man kann davon ausgehen, dass zu dieser Zeit die Bauarbeiten nur eingeschränkt fortgesetzt werden konnten. Auch Vischers Nachfolger Abt Theobald I. Grad erwies sich als talentierter Wirtschafter und Bauherr. Er konnte nicht nur die Erneuerung des Konvents abschließen, sondern auch die Neugestaltung der Klosterkirche in Angriff nehmen. Theobalds Schreiben in Bausachen an die Administration in München waren nun jedoch an den Habsburgerkaiser Joseph I. und, nach dessen Tod im Jahr 1711, an Kaiser Karl VI. adressiert.

Die Klostergebäude liegen an der Südseite der Kirche um einen rechteckigen Kreuzgang. An der Südecke des Ostflügels springt gegen Osten ein langer Trakt vor, an den Westflügel schließt sich nördlich, über die Kirchenfassade vorspringend, die Abtei an, südlich die Brauerei. Sämtliche Trakte sind dreigeschossig, in der Fassadenbildung gleichmäßig behandelt. Die Gliederung beschränkt sich auf einfache Fensterumrahmung mit Ohren und Geschoßbänder. Der Westflügel des Konventes und der Abteitrakt haben im Erdgeschoß offene rundbogige Arkadengänge gegen den äußeren Klosterhof zu.

Der größte Teil der Klostergebäude befand sich seit 1811 im Besitz der Familie von Aretin, die hier seitdem eine Brauerei betreiben. Die Konventgebäude dienten in den Obergeschossen bis zum 2. Weltkrieg hauptsächlich Wohnzwecken für die in der Brauerei und im Gutshof beschäftigten Leute. In den Räumlichkeiten des Erdgeschosses befanden sich Büros, Werkstätten und Lagerräume. Während des 2. Weltkrieges wurde der überwiegende Teil des Klosters als Kriegsgefangenenlager genutzt. Nach Ende des Krieges waren im gesamten Klosterbereich Flüchtlinge untergebracht. Mit dem Wirtschaftsaufschwung in den 50er Jahren zogen diese dann nach und nach aus, so dass die Gebäude leerstanden und zusehends dem Verfall preisgegeben waren.

Nachdem bereits in früheren Jahren immer wieder Versuche zur Rettung des Hauses scheiterten, bahnten sich seit 1977 mehrere Möglichkeiten an. Eine "Akademie für Denkmalpflege" einzurichten war ebenso ernsthaft im Gespräch wie der Ausbau für museale Zwecke. Weiterhin gab es Verhandlungen mit einem weltweiten Industrieunternehmen, welches in Aldersbach eine Aus- und Weiterbildungsstätte errichten wollte. Seit dem Jahre 1981 versuchte man, einen "Kulturkreis Kloster Aldersbach" ins Leben zu rufen. Als sich dann die konkrete Ausicht abzeichnete, dass das Kloster wieder von Mönchen aus dem Zisterzienserorden besiedelt werden könnte, wurde am 11. Februar 1983 der "Förderkreis Kloster Aldersbach e. V" etabliert.

Durch die Gründung des Förderkreises auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Josef Kiermaier und der Schenkung der Gebäude durch die Familie von Aretin konnte die Sanierung der ehemaligen Klostergebäude in Angriff genommen werden. Am 2. Mai 1983 startete man mit den Sanierungs- und Entrümplungsarbeiten, die mit viel Eigeninitiative und Hilfe des Staates, aber auch vieler anderer Zuschussgeber durchgeführt werden konnten. 1986 fand in den Räumlichkeiten die bedeutende Ausstellung zum 300. Todestag von Cosmas Damian Asam statt. Am 16. September 1987 konnte die sog. "Bildungsstätte Kloster Aldersbach" eröffnet werden. Das Haus wurde fortan mit 20 Doppel- und zwei Einzelzimmer sowie mit drei Vortragssälen für Fortbildungskurse des Arbeitsamtes, für Schulungen, Einkehr- und Studientage genutzt. Der Versuch, die Klostergebäude wieder mit mönchischem Leben zu erfüllen, scheiterte allerdings.

Nach einer erneuten Sanierung und Modernisierung wird die ehemalige Bildungsstätte heute als Hotel und Restaurant betrieben ("das asam").

Die südlichen Gebäudeteile ab dem "Bräustüberltrakt" (ehemaliges Klostergästehaus, Refektorium und Küche, ehemaliges Brauhaus und Brauerei) sind seit 2021 Eigentum der Gemeinde Aldersbach. Zuvor wurden Teile des ehemaligen Gäste- und Brauhauses für die Landesausstellung "Bier in Bayern" (2016) saniert, um diese Räume als Ausstellungsflächen nutzen zu können. 2021 eröffnet hier ein dauerhaftes "Biermuseum".

Als Grundlage für die Beschreibung der Konventbauten diente die diesbzgl. Publikation von Felix Mader in den "Kunstdenkmälern von Niederbayern" (Bd. 14, Bezirksamt Vilshofen, München 1920). Die Inhalte wurden, wenn notwendig, aktualisiert und korrigiert. Die Informationen zur Geschichte der Konventbauten nach der Säkularisation gehen auf den Artikel "Das Zisterzienserkloster Aldersbach" von Hubert Kalhammer zurück (in: Robert Klugseder: 850 Jahre Zisterzienserkloster Aldersbach, Vilshofen 1996, 23-25".

Prälatur (Abtshaus)


Im ersten Obergeschoß des Nordflügels befanden sich die Wohnräume des Abtes (jetzt Pfarrhof).
Ein Zimmer mit zwei Fensterachsen, die Decke schmücken schöne Rokokostuckaturen. In der Mitte ein Stuckrelief aus der Apostelgeschichte 10, 13: Petrus sieht das Tuch mit den reinen und unreinen Tieren herabschweben (occide et manduca). Die Umrahmung des Deckenspiegels zeigt Mittelmedaillons, die die die vier Jahreszeiten darstellen. Weitere Allegorien befinden sich in den Eckmedaillons: Orgel, Bäume usw.

Im sog. "Roten Salon" (Saal) an der Nordwestecke, mit drei zu zwei Fensterachsen. Die Decke ist reich und geschmackvoll stuckiert. Die Stuckaturen wurden offensichtlich 1746 oder 1747 ausgeführt. Damals arbeitete der Stuckateur Johann Baptist Modler aus Kößlarn in Aldersbach, wie aus einem Baumanuale des Klosters Fürstenzell hervorgeht. Von ihm stammt jedenfalls nicht nur die Saaldecke, sondern auch die Decke des vorausgehenden Zimmers. Die Mitte der Decke nimmt ein stuckiertes Medaillon ein: An einem Studiertisch sitzt ein Zisterzienser, daneben ein Bienenkorb. Die vier Mittelmedaillons der Umrahmung stellen die vier Jahreszeiten mit landschaftlichen Szenerien dar. Der Dekor verwendet barock empfundenes Muschelwerk mit Drachen und Schwänen, auch Springbrunnen. An der Südwestecke Portal zur anstoßenden Privatkapelle des Abtes mit Stuckumrahmung. In der Bekrönung das Auge Gottes: DEUS OMNIA VIDET (Gott sieht alles) und zwei Putten.

In dem Saal ist ein Schrank mit dem Wappen des Abtes Bartholomäus Madauer erhalten, bezeichnet mit "1559". Der zweigeschossige Schrank ist eine schöne Renaissancearbeit. Die Türen des Untergeschosses beleben rundbogige Felder, mit Rustika umrahmt, in denselben Groteskenintarsien. Das Obergeschoss gliedern ionische Pilaster. Die Türen beleben wieder Grotesken in Einlegearbeit. Die Bekrönung ist durchbrochen geschnitzt; in der Mitte Wappenkartusche, flankiert von Sirenen, deren Fischschwänze in Laubwerk auslaufen. Der Meister verwendete verschiedene Holzarten.

Die Kapelle an der Südwestecke des Traktes ist ein kleiner quadratischer Kapellraum mit Kreuzgewölbe. Die Ausschmückung wurde ausschließlich dem Maler überlassen. Die Malereien stammen wie die in der Sakristei und in der Sakramentskapelle sicher von Johann Jakob Zeiler, der 1746 die Gemälde in Fürstenzell vollendet hatte. Von Fürstenzell her wurde er nach Aldersbach berufen. Am Gewölbe ist die hl. Dreifaltigkeit mit Engeln dargestellt, umrahmt von Muschelwerk in blaugrauen und gelbbraunen Tönen. An der Ostwand ist eine Türe imitiert, darüber Aufsatz mit Putten, die Weihrauchfass und Schiffchen halten. Die übrigen Wände zeigen neben den Fenstern Vasenmotive, gelb auf blaugrauem Hintergrund. Die Malerei ist dekorativ sehr wirksam. Die dreiteilige Türe an der Nordseite ist geschweift geschlossen. Sie hat zum Teil Glasfüllungen. Die Holzteile sind mit Intarsien geschmückt. Der Altar ist nicht erhalten.

Im zweiten Obergeschoß befanden sich Gastzimmer. Hier zwei Zimmer mit stuckierten Decken. 1. In der Mitte Sonne. Den Deckenspiegel umrahmt Muschelwerk mit Eck- und Mittelkartuschen. Die Eckkartuschen springen obeliskenförmig vor. – 2. Ecksaal. Die Stuckierung ist nächstverwandt mit den Stuckaturen einiger Zimmer der neuen Residenz in Passau, die Modler um 1768 ausführte. Das vom Gesims ausgehende Rocaillewerk greift tief in den Deckenspiegel ein, wie in mehreren Zimmern der Passauer Residenz. Mit dem Muschelwerk verbinden sich kleine Blumen- und Strauchmotive.

Die Fenster des Erdgeschosses gegen Norden haben Eisengitter mit je einer formenreichen Blume. – Den Stiegenaufgang schließt ein gutes Spätrokokogitter.

Die Prälatur bzw. der Pfarrhof wurde in den Jahren 1993-1996 generalsaniert

Bibliothek


Der Bibliotheksaal liegt über dem Refektorium. Das exakte Baudatum dieses Klostertraktes ist unbekannt, es ist jedoch in das Abbatiat von Theobald I. Grad (reg. 1705-1734) zu datieren. Der Augustinerchorherr und Chronist Eusebius Amort berichtet im Parnassus Boicus (1736) davon, dass Abt Theobald I. den neuen Bibliotheksaal mit ziehrlichen Kästen und vielen Büchern ausstatten ließ. Eine Aldersbacher Archivalie aus dem Jahr 1738 beschreibt dieses damals neu hergestellte Schrankwerk aus Eichenholz detaillierter. Danach bestand es aus drei Ebenen und ruhte auf 18 Säulen. Die beiden oberen Ebenen waren durch vier Treppen zugänglich. Im Saal waren zudem zwei mathematische Globen aufgestellt.

P. Johann Lackner aus dem Kloster Niederaltaich berichtet in seiner Trauerrede zu Abt Theobald II. Reitwinklers Begräbnis im Jahr 1779 vom "Büchersaal, welchen Er mit fröhlichen Unkosten gebauet, und mit kostbaresten Büchern reichlich versehen hat". Theobald II. ließ den Saal zwar nicht neu erbauen, aber mit einem neuen Schrankwerk und den Decken- und Wandfresken ausstatten. Der Künstler des Deckenfreskos, Matthäus Günther, datiert sein Werk mit dem Jahr 1760.

Das auf drei Seiten aufgestellte neue Hauptschrankwerk bestand aus vier Ebenen. Die Hauptgalerie wurde von sechs geschnitzten Figuren und sechs Säulen gestützt, die zweite und dritte Galerie von je sechs einfacheren Säulen. Als Abschluss der obersten Galerie waren sechs Figuren von „Kindeln“ (Engeln?) und sechs Vasen angebracht. In der Mitte des Raumes befand sich ein verzierter Schrank aus edlem Holz mit zwölf Türen und einem Schreibpult. Der Handschriftenbestand war in vier separaten Bücherstellen untergebracht, die mit aufwändig geschnitztem Laubwerk verziert waren. Das vermutlich von Joseph Deutschmann geschaffene Aldersbacher Schrankwerk ist nicht erhalten. Den letzten Hinweis auf das Vorhandensein in Aldersbach liefert eine Schätzung des Wertes für den geplanten Verkauf im Jahr 1808.

Der Bibliotheksaal ist ein hoher Raum, der die beiden Obergeschosse umfasst, mit Spiegeldecke und fünf Fensterachsen. Die Fenster durchlaufen die beiden Geschosse. Die Decke nimmt ein Fresko ein, das vom "besten Asamschüler" Matthäus Günther signiert wurde. Das in weichen, duftigen Tönen gemalte Bild zeigt im Mittelpunkt die hl. Dreifaltigkeit in perspektivischer Kuppelarchitektur. Ringsum reihen sich Gruppen, welche die geistlichen und weltlichen Wissenschaften darstellen. Östlich scharen sich um den Parnass die Musen als Vertreterinnen der profanen Wissenschaften und Künste, westlich um die Ecclesia Vertreter der Theologie. Südlich sieht man die christlichen Vertreter der Naturwissenschaften, nördlich erscheinen die Vertreter der christlichen Mystik.

*Im Mittelpunkt steht die Heiligste Dreifaltigkeit. Von ihr geht der Lichtstrahl zu einem Spiegel, den die „Ecclesia“ (eine die Kirche darstellende Frau) hält. Von hier setzt sich der Strahl fort zu Bernhard von Clairvaux, der im Kampf gegen die Häretiker Blitze schleudert. Bernhard vertrat die mystische Theologie. Neben Bernhard sind die ersten Äbte von Citeaux zu erkennen: Robert von Molesme, Alberich und Stephan Harding. Der im Buch lesende Zisterzienser ist Anselm von Heisterbach. Unter den Häretikern befinden sich Abälard, Arnold von Brescia und Gilbert von Porreta. Im Westteil des Deckenfreskos geht der Strahl vom Heiligen Geist über den Spiegel zur Darstellung der heiligen Eucharistie und zum Kirchenlehrer Thomas von Aquin als Vertreter der spekulativen Theologie. Neben Thomas stehen unter anderem folgende Heilige: Augustinus, Benedikt, Bonaventura, Ignatius von Loyola, Bruno, Otto von Freising, Joachim von Fiore, Ivo von Chartres, Laurentius von Brindisi, Gerhoch von Reichersberg, Anselm von Canterbury, Petrus Damiani und Johannes Duns Scotus. Auf der Ostseite schreitet Pallas Athene mit den Geleitpersonen Philosophie und Historie auf den Parnass, wo Apollo mit einer Lyra wartet. Auf dem Gipfel lässt Pegasus als Vertreter der Dichtkunst durch seinen Hufschlag die Quelle Hippukrene entspringen. Vor dem Musenberg befinden sich die Allegorien der septem artes liberales (Sieben freien Künste): Malerei, Bildhauerei, Architektur, Musik, Geometrie, Astronomie und Arithmetik. Im Süden erkennt man Albertus Magnus mit Vertretern der Naturwissenschaften: In der Mitte in antiker Kleidung und mit zwei Globen Anatolius, der Begründer der Schule für aristotelische Philosophie in Alexandria. Beda Venerabilis für die Astronomie, der Mönch Theophilus als Patron der Bildhauer mit einer Skulptur. Dann der antike Philosoph und Mathematiker Archimedes mit Fernrohr und Himmelsglobus. Der Mönch und Historiker Einhart und der Musikgelehrte Guido von Arezzo. Rechts betreten die beiden Ärztebrüder und Märtyrer Cosmas und Damian in orientalischer Tracht die Bühne. Als Attribute tragen sie Heilkräuter und Tiegel für Medizin und Pharmazie* (* Autor der Detailbeschreibung: † Pfarrer Willibald Hauer).

Die Handschriften und wertvollen Drucke der Sammlung kamen 1803 an die Hofbibliothek in München, weitere Bestände nach Straubing und Landshut. Die Aldersbacher Bibliothek soll um das Jahr 1750 20.000 und bei der Säkularisation 1803 deutlich mehr als 30.000 Bände umfasst haben.

Der Saal war zur Zeit Felix Maders als Kapelle eingerichtet. Der damals hier aufgestellte Altar ist eine Barockschöpfung aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Zwei Säulen tragen den hohen Aufzug, den ein Segmentgiebel schließt. Seitenfiguren St. Peter und Paul aus der Rokokozeit. Die übrigen Figuren waren neueren Datums. Der Altar stammt aus Walchsing. Holzfigur St. Joseph, das Jesuskind mit beiden Armen tragend. Spätrokokoschöpfung. H. 1,50 m. Der Verbleib des Ausstattung ist unbekannt. Heute wird der Bibliothekssaal als Veranstaltungs­räumlichkeit (Konzerte, Vorträge, Hochzeiten etc.) genutzt.

Das Deckenfresko wurde 1970 (zum Brauereijubiläum), 1985 und für die Landesausstellung 2016 saniert.

Rekreationssaal und Oratorium


Der Rekreationssaal liegt an der östlichen Stirnseite des vorspringenden Südostflügels im Obergeschoß. Die Bestimmung des Raumes ist auf Wenings Klosterbild festgelegt, die Mönche verbrachten hier ihre knapp bemessene Freizeit am Abend vor der Komplet z.B. für gemeinsames Musizieren oder für Spiele. Der Saal hat vier zu drei Fensterachsen. Flachdecke. Die Stuckaturen der Decke gehören der Zeit des Abtes Engelbert Vischer (1683-1705) an, und zwar wurden sie um bzw. nach 1700 ausgeführt. Drei Spiegelfelder werden von Akanthusranken mit Putten umgeben. Die Hohlkehle beleben Putten in den Mittelachsen und Eckmuscheln. Die Flügeltüre hat einen stuckierten Aufsatz; zwei Putten halten das Wappen des Klosters und des Abtes Engelbert, Fruchtbündel flankieren die Komposition. Die Stuckaturen weisen auf die in Passau tätige Carlonegruppe. Der Verbleib eines ehemals hier stehenden großen Tonofens, braun glasiert und um 1730 entstanden, ist nicht bekannt.

Im ersten Obergeschoss des Osttraktes befindet sich oberhalb der Sakristei und direkt neben der Südempore des Chores ein kleiner Gebetsraum (Oratorium) mit Fenster in den Chor. An den Wänden Fresken mit religiösen Texten vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Fürstensaal ("Salomonsaal")


Im zweiten Obergeschoß des Westtraktes befindet sich der Fürstensaal, auch Salomon- oder Festsaal genannt. Er hat sechs Fensterachsen und ein hohes Spiegelgewölbe. Die Wände sind heute schmucklos. Das Gewölbe zeigt reiche Bemalung aus der Zeit um 1730. Das stark zerstörte Hauptgemälde wurde in den Jahren 1999-2005 restauriert. Die größten Schäden entstanden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zum einen durch Wassereintritt aus dem darüberliegenden, undichten Dach, zum anderen durch mutwillige Zerstörung bei der Verwendung des Saales als Turnhalle.

Das Fresko zeigt, wie Salomon vom Thron steigt, seiner Mutter entgegengeht und die Königin von Saba empfängt. Ringsum folgen in Kartuschen zahlreiche Szenen aus dem Leben Salomons: Salbung zum König, Bau des Palastes, Bau des Tempels in Jerusalem, Einweihung desselben, Abfassung des Hohen Liedes, Opferung eines Stieres, die Bundeslade, das sog. "Salomonische Urteil" usw. Interessant auch die Darstellung in der Nordostecke mit den Musikinstrumenten und dem "Schattenwesen": "Pulvis et umbra summus", nur Staub und Schatten sind wir. Vergänglich wie zum Beispiel die Musik und die bildenden Künste ist auch das Leben des Menschen. Dargestellt sind u.a. eine Bratsche, eine Farbmischpalette, ein Kartenspiel, Notenblätter, zwei Kronen und ein Zepter, eine Laute, ein Ritterhelm, eine Trompete, eine Harfe und vermutlich eine Klarinette. Die Malereien sind dekorativer Art. Der Saal diente zur Klosterzeit sowohl für repräsentative Zwecke als auch für Theater- und Musikaufführungen, so wurde hier im Jahr 1746 anlässlich des 600-Jahrjubiläums des Klosters das Musikdramatische Werk "Palladis de Marte vindiciae" aufgeführt. Heute wird der Saal als Veranstaltungs­räumlichkeit v.a. bei Konzerten genutzt.

Speisesäle ("Modlersäle")


Der an die Abtei anstoßende Westflügel des Klosters enthielt die Repräsentationsräume. Das Stiegenhaus ist wie in der Abtei einfach gebildet: eine zweiarmige Podesttreppe, in der Tonne überwölbt. Im ersten Obergeschoß befinden sich zwei Speisezimmer ("Modlersäle") für Abt und Gäste sowie das sog. "Jagdzimmer".

Erstes Speisezimmer (für den Abt): Der Raum hat drei Fensterachsen und eine Flachdecke. Flügeltüren mit Rechteckfeldern. Die Stuckierung gehört der Zeit um 1750 an. Sie stammt sicher von Johann Baptist Modler. In der Mitte der Decke stuckiertes Ovalrelief, das hl. Abendmahl darstellend, umgeben von Muschelwerk, Ähren und Weintrauben, bekrönt von den Gesetzestafeln. Die Umrahmung des Deckenspiegels beschränkt den Dekor im Wesentlichen auf Eck- und Mittelmedaillons. Die Eckmedaillons enthalten landschaftliche Szenerien in Stuck, die vier Jahreszeiten darstellend. Über den beiden Türen befinden sich stuckierte Supraporten: 1. Ein Rabe bringt dem Einsiedler Paulus für seinen Gast ein zweites Brot – 2. Ein Vogel bringt einem Mönch einen Fisch, damit er das Fastengebot einhalten könne. Die Stuckaturen sind gelb getönt, auf Rosagrund, die Reliefs farbig gefasst.

Zweites Speisezimmer (für Gäste): Der Raum hat zwei Fensterachsen und eine Flachdecke. Die Ausstattung ist gleichzeitig mit dem vorbeschriebenen Zimmer und vom gleichen Meister. In der Mitte der Decke großes Stuckrelief in Rocailleumrahmung: Daniel in der Löwengrube wird durch den Propheten Habakuk gespeist. Den Deckenspiegel umrahmt eine Muschelwerkkomposition mit Eckkartuschen, in denselben ein Salamander, Reiherbeitze, Wildbret und Schnecken. Über den Türen befinden sich auch hier stuckierte figürliche Supraporten. 1. Samson, der im Rachen eines erlegten Löwen einen Bienenschwarm mit Honig fand (Vom Fresser ging Speise aus, von starker Süßigkeit.) – 2. Ignatius von Antiochien, den Löwen vorgeworfen. (Ich bin ein Weizenkorn Christi und muss durch der Bestie Zähne zermalmt werden, um als reines Brod befunden zu werden.) Die Bedeutung der Reliefs ist durch Spruchbänder mit den vorstehenden Texten erläutert. Die Stuckaturen stehen auch hier in Gelb auf Rosafond, die Reliefs sind farbig behandelt. Die derbe Bemalung durch Andreas Math betont die Mängel der Reliefs und verwischt ihre Feinheiten.

Besondere Räume im Gästetrakt


Das sogenannte "Jagdzimmer" befindet sich im ersten Obergeschoss über dem heutigen Bräustüberl. Die Decke ist schmucklos. Die Wände zeigen Spätrokokomalereien um 1760. Sie sind in Felder geteilt, in denselben befinden sich Kartuschen mit Landschaftsdarstellungen. Über den Türen Gehänge. Hinter dem Ofen ist ein pfeiferauchender alter Mann gemalt. Tönung in rosa, gelb, grün und grau.

An der Südseite des zweiten Obergeschosses befand sich vermutlich die Kapelle des Gästehauses. An der Decke eine ansehnliche Wandmalerei mit der Darstellung der "Visitatio Mariae" (Mariä Heimsuchung), der Besuch der schwangeren Maria bei ihrer Cousine Elisabeth. Am Dach des Hauses ist die zweite Aldersbacher "Klosterschwalbe" zu erkennen. In Anspielung auf die Darstellung der Geburt Jesu im Hauptfresko der Klosterkirche, in der die eigentliche "Klosterschwalbe" am Dach des bethlehemitischen Stalls platziert ist. Darunter ist stark verblasst und deplatziert ein Kopf eines Mannes zu sehen.

Kreuzgang und Kapitelsaal


Die vier Flügel sind mit gratigen Kreuzgewölben überwölbt. Über die Grate ziehen sich stuckierte Leisten, im Scheitel jedes Joches eine stuckierte Rosette. Die Fenster sind rundbogig. An den Ostflügel schließt sich der Kapitelsaal an. Er springt mäßig über den Flügel nach Osten aus. Der rechteckige Raum hat drei Joche; Tonne mit Stichkappen, mit Rahmenwerk stuckiert. Der Altar ist nicht erhalten.

Im Kreuzgang sind folgende Gedenk- bzw. Grabplatten erhalten. Im Südflügel: 1. Unbekannter Klosterrichter aus dem späten 17. Jahrhundert. Rotmarmorplatte, oben das Wappen, darunter die nicht mehr lesbare Inschrift in Lorbeerkranz (Höhe: 1,30 m). – 2. Anna Elisabeth, Ehefrau des Hofrichters Johann Joachim Habenthal, 1. Dezember 1657. Unter der Inschrift Ehewappen, roter Marmor (Höhe: 1 m). – 3. Alram von Rottau, Stifter der "Rottauerkapelle" außerhalb des Kapitelsaals, † 1345, mit Familienwappen. Dieser Stein aus rotem Marmor ist, wie viele mittelalterliche Gedenk- und Grabplatten aus Aldersbach, eine Kopie einer älteren Vorlage und vermutlich zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstanden. – 4. Klosterrichter Dr. Sebastian Frueauf, † 1555, Roter Marmor. Unter der teilweise zerstörten Inschrift das Wappen (Höhe: 1 m). Eine Gedenkplatte für die Töchter Frueaufs befand sich früher an der Friedhofskirche St. Peter. – 5. Ähnlicher abgetretener Stein der gleichen Zeit mit kleinem Ehewappen, Inschrift nicht mehr lesbar.

Im Nordflügel: 6. Rotmarmorplatte mit Wappen der Rottauer, 13. Jahrhundert, ohne Inschrift (Höhe: 1,90 m, Breite: 0,90 m). – 7. Graf Gebhard von Hirschberg, schenkte dem Kloster im Jahre 1292 das Patronatsrecht auf die Pfarrei Taja (in Niederösterreich, wurde später gegen Egglham getauscht). Unter der Inschrift das Wappen der Hirschberger in Rundblende. Die Steinkopie aus rotem Marmor gehört ebenfalls der Frühzeit des 17. Jahrhunderts an (Höhe: 1,40 m). – 8. Baron Dietmar von Ayst (Aistersheim in Oberösterreich) mit Wappen, † 1304 (Höhe: 2 m, Breite 0,85 m). – 9. Dietrich und Agnes Penzhauser, † 1362, mit dem Familienwappen, roter Marmor (Höhe: 1,90 m). – 10. Wilhelm Waller zu Wildthurn († 1422) und seine Voreltern, unter der Inschrift das Wappen, roter Marmor (Höhe: 1,90 m). – 11. Gerhard Schauer von Mettenhausen († um 1344), roter Marmor (Höhe: 1,40 m). – 12. Gedenkplatte für die in der Rottauerkapelle bestatteten Familienmitglieder (17. Jahrhundert). Kalksteinplatte, oben bescheidenes Flachornament (zur Zeit nicht im Kreuzgang zu sehen).

Im Ostflügel: 13. Rotmarmorgrabplatte mit Umschrift in gotischen Majuskeln: ANNO . DNI . M . CCC° . XLI . AN . SAND . SIXTEN . TAG . STARB . DER . STRENG . RITTER. HERR - ALBRECHT . CLOSNER . ZV . ARNSTORF . [HIE BEGRABEN VND SEIN BRVDER] . HERR . ULRICH . VO . CLOSN . DEN . GOT . GENAD. Im Feld Konturenbildnis des Ritters mit Fahne († 1341, Höhe: 2,5 m, Breite: 1,40 m). – 14. Ritter Heinrich Tuschl von Söldenau, der das Kloster freizügig beschenkte, mit Wappen, roter Marmor (Höhe: 1,9 m).

Refektorium und Küche


Das Refektorium befindet sich im Erdgeschoß des Südflügels. Die Gemälde am Tonnengewölbe "Speisung der Fünftausend" und "Christus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen" sind übertüncht. Der Raum wird heute als Festsaal des Bräustüberls genutzt. Die Klosterküche befand sich im nördlichen Teil des heutigen Bräustüberls.

Keller


Vorratskeller gehörten mit Sicherheit von Beginn an zum Bestand der ca. zwischen 1160 und 1220 entstandenen Klostergebäude. Üblicherweise befand sich ein großer Keller in Halbgeschossbauweise im Westtrakt des Konvents. In den archivalischen Quellen lassen sich zum ersten Mal in Rechnungsbüchern der 1450er Jahre ein Wein- und Bierkeller an dieser Position nachweisen. Aber bereits 1323 bzw. 1326 werden der kleine Keller des Abtes und der in der Pforte erwähnt. Von Abt Bartholomäus Madauer (1552-1570) wissen wir, dass er den großen Weinkeller (wieder-)erbauen hat lassen. Im Rahmen des Neubaus des Konvents (ca. 1700-1734) wurde der große Weinkeller an die heutige Position unterhalb des Westtraktes verlegt (unterhalb des Restaurants "das asam"). Der Eingang zum Keller befindet sich hinter der rechten Fassadenmauer am Kirchenportal. Der unterirdische Raum ist zweigeteilt, wobei der südliche Abschnitt heute nicht mehr zugänglich ist (aufgeschüttet). Der kleinere Keller der ehemaligen Klosterküche befindet sich heute unter dem Bräustüberl. Der Eiskeller des Klosters (der Brauerei?) wird im Jahr 1780 erwähnt (Sanierung), bestand aber bereits vorher. Wann die Bierkeller südlich des Brauhauses erstmals in den angrenzenden Berg hinein getrieben wurden, ist nicht überliefert, vermutlich geschah dies spätestens im 18. Jahrhundert. Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wurden die Brauereikelleranlangen deutlich erweitert. Wie auch das Brauhaus sind die nicht mehr genutzten Bierkeller heute Eigentum der Gemeinde Aldersbach.