Kurtzer Bericht Von dem Closter Alderspach, in Unter-Bayern


Transkription der Klostergeschichte aus Mannsdorff, Michael: Epitome Chronicorum Alders­pacensium. Oder Kurtzer Auszug Aus denen Geschichts-Büchern Des nunmehro 600. Jahr beständig unter dem Heil und befreyten Cisterzer-Orden stehenden Closters Alderspach, Stadt am Hof (Regensburg) 1746.


P. Michael Freiherr von Mannstorff war Mönch im Zisterzienserkloster Aldersbach. Geboren am 21. Juni 1710 in Daxberg (Oberösterreich), Profess 29.09.1733, Ordination 18.09.1734, gestorben am 28.09.1765. Mannstorff war Administrator der Wallfahrtskirche Sammarei, Beichtvater im Frauenkloster Seligenthal (Landshut), Bibliothekar in Aldersbach und Sekretär der Ordensprovinz, in dieser Funktion auch Teilnehmer an einem Generalkapitel in Cîteaux. Seine Eltern stifteten um das Jahr 1738 die Loretokapelle in Aldersbach.

Mannstorffs Kurzfassung der Klostergeschichte basiert auf den Chroniken der Äbte Wolfgang Marius (reg. 1514-1544) und Gerhard Hörger (reg. 1651-1669) sowie auf eigenen Erhebungen für die darauffolgende Zeit bis 1746. In diesem Jahr feierte man in Aldersbach das 600-Jahrjubiläum der Klostergründung. Zu diesem Anlass publizierte Mannstorff diese Kurzchronik, eine detaillierte Beschreibung der Festivitäten und einen Abdruck der gehaltenen Festpredigen. Ein Teil des autographen Druckmanuskripts (Festbeschreibung) wird heute im Bestand des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München aufbewahrt (Kloster Aldersbach Archivalien vorl. Nr. 516).




Von der Gründung

Alderspach / oder wie Aventius hat Allerspach (in Latein Alderspacum vel Alderspachum) welches von dem vorbey flüssenden Bach seinen Nahmen geschöffet haben mag, in einer sehr angenehmen Ebne des so genanten Vils-Thals, eine Meil Weegs von der an dem Donaustrohm ligenden Stadt Vilshoven, allwo sich der Vils-Fluß, ins gemein, die Vilß, so von hier eine halbe Stund weit Mitternächtiger Seiths vorbey flüsset, mit der Donau verbundet, entlegen, solle der Wohn-Sitz einer alten Adelichen Familia derer Herren, oder wie einige wollen, Graffen von Alderspach, und zwar auf der nächst anstossenden Anhöhe, welche noch heut zu Tag der Schloß-Berg benahmset ist, derenselben Schloß gewesen seyn gleichwie noch einige Mauren vorhanden. Von disem Adelichen Geschlecht werden angerühmet Bernardus, und zwey dessen Söhne Rudbertus und Calochus, welche Aventinus und mit ihme mehr andere, für die erste Stüffter dises Closters halten, schreibende, daß Anno tausend und fünffzig das Orth Alderspach in ein Closter Regulirter Chor-Herren des Heiligen Augustini verwandlet worden seye durch Freygebigkeit obbenandter Bernardi, Rudberti und Calochi. Die Wort welche in dem fünfften Buch der Bayrischen Jahr-Geschichten, pag 552. von Aventino hierüber angeführet werden, seynd dise: Propter Vilsi fluenta Bernardus, filii ejus, Rudbertus & Calochus Allerspach Aurelianis Mystis dicant. Ob aber dises wahrscheinlicher seyn solle, als daß dises Closter von Ottone Bischoffen zu Bamberg gestüfftet worden seye, bleibet dem vernüfftigen Leser überlassen frey zu beurtheilen.

Was letzteres glaubwürdig machet, ist daß, obbemeldt Babenbergischer Bischoff, Herr Graff Otto, in seinem Stüfftungs-Brieff selbst anziehet, dise Kirchen des Orths (Alderspach genannt) zu stüfften angefangen zu haben. Die Wort lauten also: Ecclesiam, quam nos in loco Alderspach dicto fundare cepimus. Welches dessen Nachfolger bestättigten, da insonderheit Joannes, und auch Berencho, in einigen Gnaden-Brieffen Alderspach eine vortreffliche Pflantze der Babenbergischen Kirchen nennten. Nicht weniger bekräfftiget es Regenbertus oder Reginbertus Bischoff zu Passau, welcher in einem Gnaden Brieff de anno 1139. gewisse Vertauschungen bestättigend folgende Wort gebrauchte: per interventum Fundatoris vestri, Domini videlicet, & Patris nostri Venerabilis Ottonis Babenbergensis Episcopi pia recordationis: daß ist, durch Fürbitt Eures Stüffter, nemblich des Herrn und Ehrwürdigen Vatters Ottonis Bambergischen Bischoffs seeligem Gedächtnuß. Da nun die Stüfftung dises Closters so wohl Diæces als nähe halber denen Bischöffen zu Passau kaum hätte können, noch sollen unbekannt bleiben, ob angezogene Wort aber sich nicht verificirten, wann dem Vorgeben anderer nach solche Stüfftung von Bernardo und dessen Söhnen Rudberto und Calocho herrühren solte, so ist und bleibet glaubwürdig, daß nach angezogenen so wohl Passauischen Bambergischen Gezeugnuß, der hl. Otto dises Nahmens erster, der Reihe nach aber achter Bischoff zu Bamberg, für den ersten und wahren Stüffter dises Closters könne, und solle gehalten werden. Zumahlen auch unsere Jahr-Geschichten und sammentliche Documenten von erwehnten Bernardo und Calocho nichts, von einem Rudberto aber de Alderspach nur so vil melden, daß diser eines derer 4. Ligenden Gütern, woraus Alderspach insgesambt bestanden seyn mag, durch Tausch an sich gebracht, und zu Bamberg in Gegenwarth des Römischen Königs, und viller Fürsten dem Closter Alderspach geschencket habe, wovon die Urkunden in ermelten Bamberg und in Passau auffbehalten seyen.

Derer übrigen 3. Gütern hatte eines besessen Alramus de Chambe, Vogt des Closters St. Margarithae in Osterhoven, welcher solches auf Ansuchen des hl. Ottonis gegen einen anderen Gut, in Kluendorff gelegen, vertauschet hat. Das andere wurde ebenfalls mittels eines Tausch in Gegenwart Reinberti Passauischen Bischoffs an das Closter gebracht. Das dritte ward von Rapotone Graffen zu Ortunberg (Orthenburg) um ein anderes Gut in Eckenheim [Egglham] eingetauscht, und dem Closter gewidmet. Woraus nun klar erhellet, daß die obbemelte, und für die Stüffter gehaltene Bernardus, Rudbertus, und Calochus von disem Orth wenig besessen haben, oder daß durch Kriegs-Flammen so wohl erstere Stüfftung, als andere deren Besitzungen gäntzlich zernichtet, und ausgelöschet worden seyen. Allein war dises letztere behaupten will, kan leicht auch des jenigen sich bereden lassen, was aus dem Nahmen Adalogeropagum welchen Aventius lib. 1. fol. 47. Alderspach zueygnet, vermög des Etymon zu schlüssen wäre, daß es nemblich von Adalogerione seinen Anfang genommen habe, und folglich eine der ältesten Colonien in Bayern seye und villeicht eben jene Vogtey, von welcher in alten Schrifften öffters Meldung geschihet, wie Aventinus loc. cit. bezeiget. Wir wollen uns aber in puren Muthmassungen nicht aufhalten, sondern dem jenigen Platz geben, was einen Grund zu haben befunden wird; nemblich, das Otto für den wahren und ersten Stüffter des Closters zu erkennen seye. Ist auch das Gegentheil von etwelchen entweters nur geschrieben oder gemuthmasset, niemahlen aber erwisen worden, dises jedoch wird nicht widersprochen, daß etwann obbemeldte Herren Bernardus, Rudbertus, und Calochus zu diser Stüfftung verhülfflich gewesen, und hiemit unter die Zahl besonderer Gutthäter gerechnet zu werden verdienet haben, obwohlen auch hievon nichts gewisses bekannt, sondern glaublich ist, daß dise drey Männer, welche Aventinus zu dem 11ten Sæculo rechnet, bey Errichtung diser Stüfftung nicht im Leben gewesen, und was oben von einem Rudberto de Alderspach gesagt worden, einem Jüngeren aus disen Geschlecht beyzumessen seye, welcher laut verschiedenen Actis in das zwölffte Sæculum nachzuzehlen ist, in welchem unsere Stüfftung ihren Anfang genommen, und nach Gezeugnuß der Jahr-Schrifften oder Chronic unseres Abbtens Wolffgangi Marii ungefehr um das tausend ein hundert und zwanzigste Jahr die erste Wurtzlen gefasset hat.

Die Regulirte Chorherren des hl. Augustini, welche bey Aventino Mystæ Aureliani, Augustiner-Priester genennet werden, so um selbige Zeit in Bayern schon verschidene Stüffter innen hatten, wurden vor anderen würdig geachtet die erstere Früchten diser neuen Pflantzung zu geniessen, es waren aber dise weilen das Stüfftungs-Werck erst auf dem Weeg zur Richtigkeit ware, sehr wenig und konnten die damahlige Canonici, ungeacht des Beytrags anderer Gutthäter, wegen Bau, und anderen Ausgaben kümmerlich unterhalten werden. Wessentwegen Ascuinus, oder wie einige wollen, Asvvinus, damahliger Probst sich gedrungen sahe die Vollführung angefangener Stüfftung zu betreiben, kame auch darum bey Ottone supplicando ein, so wohl die Bedürfftigkeiten des damahligen als die Ersprießligkeit des ins künfftig verhofften Flor-Stands, so fern solche Stüfftung ihre vollkommne Richtigkeit erreichen wurde, mit aller Bescheidenheit vorstellend.

Entzwischen begnadete auch Leopoldus (Heiliger) Marggraff in Oesterreich, dises Closter mit einem Brieff, in Krafft wessen denen Canonicis der Jährliche Zinß, welchen sie vor ihren Wein-Garten bey Crems zu geben schuldig waren, gäntzlich geschänckt und aufgehebt ware, welchem frommen Beyspihl des Vatters auch Luitpoldus dessen Sohn und Nachfolger ein gleiches gethan hat. Otto aber der hl. Bischoff die billiche Vorstellung und Bitte Ascuini erwegend liesse sich gefallen nach zwölff bereits errichteten Clöstern auch dises dreyzehende in gehörigen Stand zu bringen, vermehrte die Stüfftung und setzte mittels eines solennen Instruments (dessen Jnnhalt in unserer Chronic wird mitgetheilet werden, entzwischen aber bey Hundio in metrop. Salisb. tom. 2. pag. 39. zu finden ist) die Canonicos unter der Regul des hl. Augustini allhier ein bestättigte so wohl die Würde Ascuini, den er einen Probsten nennte, als auch die Freyheit künfftighin in Abgang dessen einen zu erwählen. Solcher Einsetzungs-Brieff wurde gefertiget zu Bamberg, in Gegenwart des Dom-Capituls und anderer Vornehmen des Adels Anno 1139. Auf solche Weis bescheinte die Glücks-Sonne das errichtete Closter Alderspach, worüber die Canonici grosse Freud und Hoffnung zu schöpffen hatten, aber gar bald erschiene wiederum ein schwartze Trauer-Wolcke; dann eben dises tausend ein hundert und neun und dreyßigste Jahr ware es, da der hl. Bischoff und Stüffter Otto nach löblichistund heilsam durch 37. Jahr verwalteten Bambergischen Bistums: nach Ruhm-würdigist und mit villen Wunder-Wercken vertrettenen Apostolat in Pomern: nach gestüffteten noch zweyen anderen, theils gestüfftet theils restaurirten aber, wie Reverendissimus Anselmus Mailler Abbas Ensdorffensis in seinem Mundi miraculo S. Ottone bezeuget, mehr als 25. Clöstern, ohne der Prioraten und anderen Stüfftungen. Kurtz: nach heiligund Wunder-würdigen Lebens-Lauff von 70. Jahren zur ewigen Belohnung auß disem Zeitlichen abgefordert worden, letzt-gemelten Author nach, den 30. Junii in der Fruhe um 1. Uhr. Zweyffels ohne von dem hl. Apostel Fürsten Petro, deme zu Ehren er Alderspach gewidmet, zu gleicher Glory der Heiligen eingeladen, um wie ein hl. Paulus die ihme aufbehaltene Cron der Gerechtigkeit von dem gerechten Richter zu empfangen. Was grosses Leyd-Wesen aber diser zeitliche Hintritt Ascuino dem Probsten und denen Seinigen verursachet habe, lasset sich einigermassen einbilden, indeme zwar das Stüfftungs-Werck mittls obbemelten solennen Instruments in disen Jahr noch seine Richtigkeit erreichet, nicht aber den würcklichen Genuß hiervon in verhoffter Vollkommenheit so bald hat erlangen können. Ja es wurden auch um solche Zeit verschidene Clöster hefftig angefochten, und ihrer Privilegien und Freyheiten halber machtig bestritten, welches dann Alcuino neuen Kummer verursachte, weilen zu beförchten stunde, es möchte das Baumlein in seiner Blühe ersticket, oder bey annoch zarten Wurtzln außgerissen werden, wessenthalhen er vor gut erachtete wider derley Anstoß sich fürzusehen, und bey dem Bischoffen zu Passau um Schutz anzuhalten, dessen sich auch Regenbertus damahliger Bischoff nicht weigerte, sondern auf gethanes Ansuchen Ascuini einen Bestättigungs-Brieff ertheilte, Krafft dessen allen denen jenigen der Bahn angedrohet wurde, welche sich erkühneten, Alderspach in der von Ottone Bambergischen Bischoff gemachten Stüfftung zu stöhren oder zu beunruhigen. Den Innhalt dises Gnaden Brieffs behalten wir gleich anderen Privilegiis in unserer Chronic vor, kan aber auch bey Hundio loc. cit. pag. 40. gefunden werden.

Nun lassen wir die Canonicos in ihrer Ruhe, und wenden uns ein wenig zu dem damahls erst 41. Jahr alten Cistercienser Orden, dessen glücklichen Anfang der hl. Robertus Abbt zu Molismus anno 1098. gemacht hat, da er, und mit ihme 22. Mönich sich einstimmig entschlossen ein strengeres, und der Regul des hl. Benedicti allen puncten nach gleichförmiges Institut zu halten, zu disem Ende begaben sie sich von Molismo hinweg in eine Wildnuß, nemblich in einen Wald in dem Bistum Langres. Welcher wegen allda sich sammlenden Regen-Wasser, und Bächen von denen Frantzosen Cisteaux, Lateinisch Cistercium genannt wurde. An disen Orth baueten sie mit Bewilligung und Gutheissen Hugonis Ertz-Bischoffs zu Lion, und Odonis Hertzogs in Burgund, ein Closter, lebten allda auf daß genauiste nach, der beschlossenen strengen Regels-Erfüllung des hl. Vatters Benedicti, worinnen sie auch der Weit zu einem Wunder, Geistlichen aber zu einen Muster geworden seynd. Wovon wir ein mehreres Kürtze halber übergehen, und den etwann begierigen Leser auf Chrisostom. Henriquez Hortensem anweisen. Nur disesmeldende, daß mit Cistercio eine heylsamme Quelle oder Ursprung viller herrlichen Flüsse gemacht worden. Den Eyffer Roberti unterstützte und continuirte dessen Nachfolger Albericus, disem aber folgte in gleicher Heiligkeit Stephanus dritter Abbt dises Closters Cisterz und gantzen Ordens, welchen Gott auf unaussprechliche Weis begnadete, als nach vor geschehener Offenbahrung Bernardus mit einer Gesellschafft von 30. Persohnen, worunter seine Bruder, Verwante, und andere Vornehme sich befanden, anno 1113. nacher Cisterz gekommen, und von dem hl. Abbten Stephano das Ordens-Kleyd erbetten haben. Denen noch mehrere folgten, also zwar, daß eben dises Jahr das Closter Firmitas, und anno 1114. das Closter Pontiniac erbauet wurden. Dann bey solchem Zufluß konte es anderst nicht geschehen, als daß obbemeldte Brun Quelle sich ausgieste; Bernardus ebenfalls wurde mit noch einigen Mönchen ein neues Closter zu erbauen abgeschicket anno 1115. welches heut zu Tag noch das berühmte 3te Cisterzer Closter Clairvaux oder Claravallis ist. Von darauß wurde der Ruff so wohl von Bernardo als dem gesambten hl. Cisterzer Orden durch die weite Welt außgebreitet; dermassen, daß unter dem hl. Abbt Bernardo allein 700. Mönche gestanden. Der hl. Orden aber anno 1133. schon hundert zehlete. Die Wunder-Werck, Gelehrsamund Frommkeit, welche in dem Herrn Abbten Bernardo Gott der Allmächtige erscheinen liesse, machten ihne bey Päbsten, Kaysern, Königen und Fürsten, ja auch bey Abwesenden beliebt. Bey Päbsten zwar, wie von Honorio II. Innocentio II. und Eugenio III. welcher ein Discipul des hl. Bernardi ware, genugsam erwisen werden kan. ex vita lib. 2. Von Kaysern wollen wir nur melden wie Conradus III. Bernardum geliebt und geehrt habe, auf dessen Einrathen er schon vormahls mit Lothario II. damahligen Kayser sich verglichen, nachmahls aber selbst Kayser, einstens zu Speyer den hl. Abbten von der Kirchen biß in das Gast-Hauß mit grosser Ehrerbiethigkeit geführet, ja ein andersmahl zu Franckfurt verschiedene Krancke mit eigner Hand dem hl. Mann zugeführet, und ihnen die Gesundheit erlanget hat. Da es dann geschehen, daß, weilen der Ruff deren Wunderen, welche Bernardus allda durch Göttliche Gnad würckte, durch die gantze Gegend erschallte, ein solche Menge deren Menschen herzu lieffe, daß es einstens unmöglich schine den Anlauff und Gewalt diser Leuth zu hemmen, um aus der Kirchen kommen zu können; bewundere O Leser ! die Liebe und Ehrerbithigkeit Conradi. Er nihmt den hl. Mann in seine Armb, und tragt ihn aus der Kirch heraus. Wer schlüsset nicht aus disem etwas besonders? ja Conradus ware geneigt in allem Bernardo zu wolfahren, deßwegen er den hl. Cisterzer-Orden sonders hochachtete, und außzubreiten gedachte; wie er dann noch vor Erlangung Kayserlicher Würde das anno 1126. gestüfftete Closter Ebrach durch seine Freygebigkeit zu herrlichem Ansehen brachte, es aber bey disem nicht bewenden liesse, sondern noch ferneres dem hl. Orden vergönnte, worzu sich eine gute Gelegenheit ereignete, als die obgemeldte Canonici Augustiniani, welche Anfangs in Alderspach eingesetzet worden, entweders allzugeringer Einkünfften, oder anderer Ursachen halber dises Orth zu verlassen nöthig befunden.

Die Sorg und Eyffer Conradi aus Lieb gegen den hl. Bernardum ware dahin gerichtet, die Cisterzer-Ordens-Männer hiehero zu bringen, derowegen hielte er an bey Egilberto Bischoffen zu Bamberg welcher des hl. Ottonis Nachfolger, ware, und Zweyffels ohne ebenfalls Bernardo dem damahl so geprisenen Wunder-Mann sonderbahr zugethan gewesen, er möchte in bemeldten Orth die in dem hl. Claravalischen Abbten glantzende Cisterzer-Observanz einzuführen geruhen, welches Egilbertus um so leichter bewilligte, in Betrachtung, wie groß der hl. Stüffter Otto eben disen hl. Abbten Bernardum und dessen Orden geachtet habe, deme zu Lieb er in einem Jahr, nemblich anno 1132. zwey berühmte Clöster Heylsbrunn, und Langheim gestüfftet hatte, villeicht noch mehrere zu stüfften gedenckend, nachdem es die Lebens-Jahre und Mitteln gestattet hätten. Mit einem Wort: ja Egilbertus bestimmte, daß Alderspach von dem hl. Cisterzer-Orden solte besetzet, und durch disen das Lob Gottes zu ewigen Zeiten beförderet werden. Welches auch geschahe in dem Jahr tausend ein hundert sechs und viertzig, da aus dem schon gemeldten Closter Ebrach einige Religiosen und Lay-Brüder, sambt einem verordneten Abbten, auf Gutheissen Regenberti Passauischen Bischoffs, anhero geschicket, und den 2ten Tag des Heu-Monaths von disem Orth im Nahmen des Herrn ist Besitz genohmen worden. Die Regulirte Chor-Herren aber zohen nach Reichersperg, welches Stüfft nach Gezeugnuß Adelzreiters schon in dem Tausend und fünff und achtzigsten Jahr florirte. Ob sie nun allda geblieben, oder von daraus nacher Suben ( wie einige wollen) gekommen seyen, lassen wir anderen über nachzuforschen.

Dise Veränderung der Jnnhaber des Closters Alderspach hat in Versen angemercket der treffliche Poët Abbt Wolffgangus Marius, von welchem in Catalogo Abbatum Meldung geschehen wird. Die Vers aber seynd folgende: Sustulit Ecclesiam nostram Dignissimus Otto Babenbergensis Praesul sub origine prima Tunc licet exiguo censu vel jure refectam Praeposito Asquino Fundator credidit, atque Ad Superos anno sanctus migravit eodem. Canonici paucis sedem tenuere diebus, Secedunt moniti: mox coepta ubi templa relinquunt, Ordo subintravit Bernardi, clarus in orbe : Qui tunc per mundum primo surgebat ab ortu, Virtutum & radios late spargebat in omnes. Otto von Babenberg hat unsre Kirch erbauet / Und wie sie damahl war Ascuino anvertrauet. Doch eben selbes Jahr / gieng in die Ewigkeit Otto der Stüffter ab. Hinnach in kurtzer Zeit Verliessen ihren Bau die Herren Augustiner / Hingegen zohen ein die Patres Bernardiner. Dann wegen Tugend-Glantz ist diser neue Orden / Zu selben Zeiten schon sehr hoch geachtet worden. Bey also geänderten Jnnhabern und eingeführtanderen Orden, wurden auch neue Patronen dises Gottes-Hauses erwählet, nemblich die übergebenedeyte Jungfrau und Mutter Gottes, und nach diser der Heilige Joannes Bapt. und hl. Ursula, deren ansehnliche Reliquien allhier aufbehalten, und verehret werden; doch wird nicht in Vergessenheit gestellet, daß solches Gottes-Hauß dem hl. Apostel-Fürsten Petro errichtet ware, darumen dessen Fest mit besonderer Solemnität begangen wird, und beede hl. Aposteln Petrus und Paulus in herrlichen Statuen auf dem Hoch-Altar vorgestellet werden, welche zu verehren an deren Fest-Tag ein und andere Procession mit dem Creutz-Fahn anhero zu kommen pfleget.




Abt Sigfried (1146-1182)

Glücklichen Anfang des nunmehrigen Cistercienser-Closters hat gemacht Sifridus, oder wie einige schreiben, Sigfridus, welcher von Adamo damahligen ersten Abbten zu Ebrach mit einigen Religiosen und Lay-Brüderen bises Orth zu besetzen, und selbigen als Abbt vorzustehen bestimmet, und abgeordnet ware. Ob nun die Zahl derer ihme mitgegebenen in Zwölffen, wie es Cisterz in Besetzung neuer Closter zu thun pflegte, oder in wenigere bestanden seye, ist nicht zuverlässig bekandt, glaublich ist, daß die Zahl der Religiosen nach Maß der gemehrten Guther werde angewachsen seyn. Gleichwie aber Non minor est virtus, quam quaerere, parta tueri. Alte Güther nicht verliehren / Heißt sehr klug die Obsorg führen. So liesse sich Sifridus nebst Vesthaltung der Cisterzer-Ordens-Observanz gleich Anfangs angelegen seyn, sich und die Seinige in dem jenigen, was sie allhier besitzten, sicher zu stellen; wessentwegen er dann den Päbstlichen Stuhl selbsten, als den Mächtigisten, um derley Bestättigung und Schutz ansuchte, auch hierinfalls gnädigist erhört wurde, und einen Gnaden-Brieff erlangte, Krafft dessen Eugenius der III. dises Nahmens nicht nur alle unsere Besitzungen bestättigte, sondern auch dises Closter in Apostolischen Schutz zu nehmen erklärte, gegeben Anno 1147. Idus Augusti, Indict. 10. welches bey Hundio in addit. Tom. 2. pag. 40. kan besehen werden. Sifridus nun in so hohem Schutz, gleichwie er ein Mann von grosser Gottsförchtigkeit und besonderen Gaaben ware, führte die Regierung dises Closters mit Behutund Wachtsamkeit glücklich fort biß in das 37ste Jahr, nach welchem er endlich in grossem Alter voll der Verdiensten sehr Trostreich an dem Fest-Tag der unbefleckten Empfängnuß Maria zu Gott abgegangen Anno 1182. Seine Verdiensten und Lebens-Wandel machen uns einen besonderen Grad ewiger Belohnung muthmassen.




Abt Eberhard (1183-1199)

Die ihme in Abbteylicher Würde nachgefolgte Vorsteher dises Closters seynd folgende, worvon wir nur kurtze Meldung thun wollen, ein mehreres weiter verschiebende: Eberhardus, der Nachfolger Sifridi und anderter Cistercienser-Abbt zu Alderspach, von Frommund Gelehrtheit berühmt, stunde dem Closter biß in die 16. Jahr löblichist vor, verfochte stattlich die Rechten und Freyheiten des Closters, vermehrte solche durch Erlangung verschidener Privilegien, so wohl von Päbstlichen Stuhl als von Friderico Römischen Kayser, und nachmahls von Philippo Römischen König, von Leopoldo Hertzogen in Oesterreich, von Ottone dem Anderten dises Nahmens Bischoffen zu Bamberg, etc. Der Jnnhalt diser Privilegien wird in unserer Chronic mitgetheilet werden. Nach also ersprießlich vertrettener Abbteylicher Würde verliesse endlichen Eberhardus dises Zeitliche Anno 1199. den 23. Augusti, und wurde neben Sifridum begraben.




Abt Ludwig (1199-1220)

Ludovicus dritter Abbt des Cistercienser-Closters Alderspach, folgte Eberhardo in Abbteylicher Würde und Sitten nach, so wohl in Geistlichals Weltlichen Wissenschafften sehr erfahren, erlangte von Innocentio den III. Pabsten dises Nahmens ein gantz sonderbahres Privilegium, welches bey Hundio zu ersehen. Ein anderes von dem Kayser Otto dem IV. dises Nahmens. Bewahrte und vermehrte des Closters Besitzungen; stunde also sehr nutzlich vor durch 17. Jahr, nach welchen er endlich zur Ewigkeit abgeschiden den 12. Tag des Monaths April Anno 1216.




Abt Nicolaus (1221-1232)

Disem folgte Nicolaus vierdter Abbt, ein frommer vernünfftiger und mit vilen Tugendund Verdiensten gezierter Mann, ware auch dem Closter sehr nutzlich. Es seynd ihme von Ludovico Hertzogen in Bayrn mit einem solennen Donations-Brieff alle Zehende, welche zu dem Schloß Uremmering, unweit Landau, gehörten, gnädigist anhero verlihen worden Anno 1224. welche Schanckung Otho, Ludovici Sohn, nicht nur bestättigte, sondern noch darüber alle Zehende seiner Getrayd-Kästen in Landau und Deckendorff dem Closter schenckte, und hierüber ein solennes Instrument errichtete Anno 1231. welches aber leyder nur zu seinen Zeiten Bestand gehabt. Zu Zeiten dises Hertzogs Ottonis ist das Closter, welches vorhero in Kayserlichen Schutz genommen ward, unter nähere Schutz-Herren, die Hertzogen von Bayrn nemlich, gerathen. Nicolaus aber nach verschidenen mehreren dem Closter præstirten Gutthaten, beschlosse seinen Lebens-Lauff Anno 1232. am Fest des hl. Martyrers Lamberti den 17. Septembris, nachdem er durch 17. Jahr denen Seinigen Ruhm-würdigist vorgestanden.




Abt Anselm (1232-1239)

Sein Nachfolger ware Anshelmus, wurde nach Absterben Nicolai zur Abbteylichen Würde erhoben, bekame von Rudigero Bischoffen zu Passau Anno 1237. ein Privilegium, Krafft welchen die zu unserer Nothwendigkeit erforderliche Victualien und andere Waaren ohne Mauth durchgelassen werden solten. Ansonsten mag Anshelmus ein unruhige Regierung gehabt haben, weilen damahls eine Spaltung zwischen Friderico dem anderten diß Nahmens Römichen Kayser, und Gregorio IX. dem Pabsten, nicht weniger auch zwischen Othone Hertzogen in Bayrn, und Friderico Hertzogen in Oesterreich grosse Zwistigkeiten entstanden, deren üble Folgerungen denen Closteren Vormbach und Lambach, welches letztere in Ober-Oestetreich an dem Traun-Fluß liget, traurige Denckmahl hinterlassen haben, ist auch ausser allen Zweiffel, daß Alderspach bey solchen Verwirrungen viles werde gelitten haben. Ja den Abbten selbst muste es frühzeitig verliehren, dann nach 6. Jahren, welche Anshelmus dem Closter vorgestanden, starbe er Anno 1239.




Abt Theoderich I. (1239-1253)

Dessen Nachfolger ware Theodoricus, oder wie einige schreiben, Dietrich (Dietricus) wurde erwählet im Jahr 1239. hatte das Glück, Alderspach mit dem ersten Saeculo prangen zu sehen, und erhielte in eben selbigem 1246. Jahr ein grosse Gutthat für dises Closter, als Eberhardus dises Nahmens anderter, der Reihe nach aber 33ster Bischoff, oder 24ster Ertz-Bischoff zu Saltzburg (dessen Lob und Ruhm bey denen Historicis, sonderlich bey Hundio Tom. 1. pag. 8. bey Hansizio Germ. Sac. Tom. 2. und mehr anderen weitläuffig zu ersehen ist) ein halb Pfund Saltzes jährlich, welches um oder vor Pfingsten von Hällein biß Alderspach zu liefferen ist, gnädigist mit Beystimmung des gantzen Dom-Capitels verwilliget, welche Freygebigkeit mit einem solennen Donations-Brieff bekräfftiget, noch biß heuntigen Tag uns zum Guten kommet. Theodoricus aber 7. Jahr darnach, nemlich Anno 1253. verliesse die Abbteyliche Würde einem anderen.




Abt Albert I. (1253-1258)

Diser ware Albertus, vorhin Prior in dem Cistercienser-Closter Raitenhaßlach an der Saltza unweit Burghausen, ein Mann von grossem Lob, und dem Closter sehr nutzlich. Erhielte von Henrico Hertzogen in Bayrn ein Privilegium, Krafft welchen unser Closter von der Mauth oder Zohl in Vilshoven gäntzlich und in allem befreyet und ledig gesprochen wird, gegeben Anno 1256. Folgendes Jahr 1257. bekame er von Pabsten Alexandro dem IV. dises Nahmens einen Bestättigungs-Brieff über das Gotts-Hauß zu Nidern-Obernhausen, welches von Rudigero Bischoffen zu Passau anhero geschenckt worden. Verschaffte auch vil andere Nutzbarkeiten dem Closter, wessentwegen sehr zu bedauren ware, daß gemeldter Abbt Albertus so zeitlich, nach kaum erstreckten 5. Jahren den Weeg der Ewigkeit antretten muste, dann er Anno 1258. starbe, und seinen Vorfahrer zum Nachfolger hatte:




Abt Theoderich II. (1258-1277)

Theodoricus, welcher vorhin schon 13. Jahr dem Closter vorgestanden, wurde widerum zu diser Würde erhoben, oder vilmehr beruffen. Bald darauf, nach ungefehr 4. Jahren, stüfftete, oder vilmehr brachte zu Stand sein gestüfftes Closter Ludovicus Severus Hertzog in Bayrn, welches zu besetzen dann Theodoricus einige Mönch und Conversen oder Lay-Brüder abschickte, und ihnen Anshelmum, damahligen Kellermeister zum Abbten bestimmte. Der Nahmen besagten Closters ist: Fürstenfeld an dem Amber-Fluß. Im folgenden Jahr 1264. bekame er von Henrico dem 13. dises Nahmens Hertzogen in Bayrn das Privilegium, Krafft welchem das Closter in Gerichts-Händeln oder Güthers-Geschäfften nirgends als nur in Landau zu erscheinen hätte. Nicht weniger erhielte er im Jahr 1273. von Petro dem 42sten Bischoff zu Passau eben derley Freyheits-Brieff, wie oben Anshelmus von Rudigero Anno 1237. überkommen hatte. Zwey Jahr hinnach, nemlich Anno 1275. wurde das Closter Fürstenzell, 2. Meil von hier entlegen, gestüfftet, dessen Anfänger Hertvvicus ein Dom-Herr von Passau, der Vollender und Gehülff aber Henricus Hertzog in Bayrn ware; besetzet jedoch wurde es von Alderspach, indeme schon Anno 1271. einige Mönch von hier abgeschicket worden, welche durch rühmlichen Lebens-Wandel und frommes Beyspihl manche aus der Welt an sich gezogen, folgends sich bald verstärcket haben. Ob nun Theodoricus in allem disem glückseelig ware, so mangelte es selben auch nicht an grossen Sorgen und Kummer, sonderbahr wegen jenen verderblichen Kriegs-Zeiten, welche er wehrend seiner Abbteylichen Würde mit sambt dem Land erfahren muste. Als anno 1257. Othocarus König in Böheim über Passau in Bayern eingefallen, und dise Revier mit seinem Kriegs-Heer überzogen, willens die Herschafften Neuburg, Schärding, und Ried für Oesterreich, dessen er damahls Hertzog ware, zu behaupten; welches aber nicht gelunge, sondern ein Fridens-Schluß darzwischen kame, welcher doch nicht lang dauerte, indeme Othocarus anno 1266. mit denen Bischöffen von Passau, und Saltzburg eine Bindnuß errichtend auf ein neues in Bayern einfielle, und jenseiths der Donnau biß Regenspurg mit Feuer und Schwerd wüttete, gleichwie es entgegen Henricus Hertzog in Bayern gethan, welcher sich den 3. Novembris der Stadt Passau mittels Verrätherey bemächtiget, selbige guten Theils mit Feuer verwüstet, und sambt der gantzen Revier der Wutt und Plünderung überlassen, wordurch grosser Schaden geschehen, und ville Orth des Bistums dem Feuer und Raub zu Theil worden. Daß nun bey solchen Unruhen Abbt Theodoricus nicht wenigen Kummer werde ausgestanden haben, ist leicht zu erachten; nichts destoweniger erstreckte er seine Regierung das andertemahl biß in das 19. Jahr, da er selbe sambt dem Leben beschlosse, anno 1277.




Abt Albert II. (1277-1280)

Es folgte nach ihme. Albertus, welcher bißhero das Ambt eines Keller-Meisters vertretten, wurde zur Abbteylichen Würde erhoben, die er aber nach 3. Jahren selbst freywillig ablegte, sich in das Closter Fürsten-Zell begabe, und allda das Ambt eines Prioris über sich nahme, welches er auch seine gantze Lebens-Zeit hindurch versehen hat.




Abt Heinrich I. (1280-1295)

Jn Alderspach aber folgte ihme Henricus, welcher aus dem Closter Ebrach, worvon oben Meldung geschehen ist, zur Abbteylichen Würde erwählet worden, weilen damahls unter hiesigen Religiosen solche Frommkeit und Demuth ware, daß keiner sich so hoher Würden fähig achtete, folglich sie zu Nutz des Closters lieber einen außwärtigen berühmten Mann zu beruffen gedachten. Diser nun ware Henricus, gelehrt, vorsichtig, und seiner Vernunfft wegen zu allem geschickt, und tauglich, tratte dise Stelle an anno 1280. zu grossem Nutzen des Closters. Vermehrte die Jährliche Einkünfften, und erkauffte verschidene Güter; ware auch so beliebt bey Auswärtigen, daß sich ville Gutthäter hervor gethan, und das Closter mit nicht wenigern Freyheiten beschencket haben. Gebehardus Graff von Hirschberg, und Leopoldus von Chunring schenckten dem Closter das Pfarr-Lehens-Recht, oder Jus Patronatus, auf Teya in Unter-Oesterreich, welches aber nach der Zeit vertauschet worden, wie wir unten melden wollen Henricus Hertzog in Bayern, von welchem oben Meldung geschehen, beschenckte uns mit grossen Freyheits-Brieffen, welche nachmahls von desselben Söhnen Ottone, Ludoco, und Stephano bestättiget worden. Otto Hertzog in Bayern, Henrici Nachfolger, befreyete uns von allen Mauthen im gantzen Bayerland. Bernardus, und Henricus Graffen von Schaumberg, deren Schloß unweit Efferding, einem Städtl in Ober-Oesterreich, entlegen ist, erklärten uns Mauth-frey in Aschau an der Donau, so ein Marck-Flecken ist nicht weit von besagtem Schloß. Die Hertzogen von Oesterreich bestättigten, und vermehrten unsere Privilegien in ihren Districten um ein merckliches. Ein gewisser Herr, Henricus von Pfolling, übergabe unserem Closter sein Gut, Droßlach genannt, doch mit disem Bedingnuß, daß allda zwey Priester unseres Ordens eingesetzet werden und Gott dienen solten, biß mit anwachsenden Einkünfften mehrere nachfolgen könnten. Welches dann der Ursprung ware des heutiges Tags bekanten Closters Gottes-Zell, indeme Henricus damahliger Bischoff zu Regenspurg solche Schanckung nicht nur guthiesse, sondern die Zehende von Rudmarsfelden und Geyerstal darzu gabe, den Orth nach Cistercienser-Form befreyt erklärte, und Cellam-DEI, das ist, GottesZell nennte, allwo ein Convent Cistercienser-Ordens errichtet seyn solle, welche Stüfftung Otto Hertzog in Bayern nachmahls bekräfftiget, und also befördert hatte, daß auf dessen Anhalten das Schloß in Rudmarsfelden abgebrochen, und die Steine zu besagtem Closters-Bau übertragen, und verwendet worden. Zu geschweigen anderer grossen und nahmhafften Gutthaten, welche in Ansehung der Verdiensten Henrici Abbtens, und damahliger Geistligen disem Closter zugewachsen seyn; worvon in unserer Chronic ein mehreres umbständlich gemeldet wird. Unterdessen hat es auch an Creutz und Widerwärthigkeit nicht gemanglet, Henricus wurde mit Kranckheit überfallen, und sehr beschweret, es wurden alle Mittl aufgesucht, und grosse Unkosten darauf gewendet, ihne herzustellen, er selbst bemühete sich denen berühmteren Medicis auf weit entlegene Orth, ja biß Paris in Franckreich nachzureisen, konnte aber dem Tod nicht entrissen werden, sondern muste endlich den 26. Septembris anno 1295. nachdeme er etwas über 15. Jahr dem Closter rühmlichst vorgestanden, die allgemeine Schuld der Natur bezahlen, und wurde nächst seinen Vorfahrern in dem Capitul-Orth begraben, mit diser Jnschrifft: Abbas Henricus jacet hic, virtutis amicus, O pie Nate DEI, loca confer ei requiei. Heinrich der Tugend-Freund liget in der Erden / O Gott laß ewiglich die Ruhe zu Theil ihm werden.




Abt Hugo (1295-1308)

Nach disem wurde zum Abbten dises Closters ausersehen und erwählet Hugo, welcher durch 10. Jahr dem Closter Willering, unseres Ordens, in Ober-Oesterreich eine Meil ober Lintz an der Donau, hinnach durch andere 10. Jahr dem Closter Fürsten-Zell als Abbt vorgestanden, (welches letztere gewisser ist) wurde von dannen durch einhellige Stimmen zur hiesi gen Abbtey beruffen, die er angetretten den 8. Novembris obbemeldten Jahrs 1295.; an seine Stelle aber wurde von denen hiesigen einer, Diemo mit Nahmen, als Abbt dem Closter Fürsten-Zell gegeben. Mit Hugone nun ware Alderspach sehr wohl versehen, als welcher ein Mann von grosser Vernunfft und Erfahrenheit, sonderbahr aber von sehr grosser Sanfftmuth ware, weßwegen er bey grossen Herren angenehm, und zu Schlichtung wichtiger Geschäfften zum besten tauglich erfunden worden ist, wie er dann von Othone und Stephano Hertzogen in Bayern das Jus Patronatus, oder Pfarr-Lehens-Recht über Geyrstal erlanget hat, welches Conradus Bischoff und das Dom-Capitul zu Regenspurg mittels eines Brieffs de dato 27. Augusti 1299. gut erkennet, und ratificirt haben. Nicht weniger hatte Hugo erhalten, daß Arnoldus und auch dessen Nachfolger Berencho, Bischöffe zu Bamberg dem Closter erlaubten, das Vieh in dem Hart, welcher damahls der Nort-Wald hiesse, zu weyden; ja es vermögte gemeldter Abbs bey Hertzogen Stephano so vil, daß diser laut eines anno 1307. gegeben Brieffs, all-die jenige Ungelengenheit abgeschaffet hat, welche unserem Closter durch die Jäger und Falckner zum öfftern ware gemacht worden. Ein mehreres von Hugone zu melden, so ware er der Urheber einen dem Closter höchst-nutzlichen Wasser-Leitung, mittelst welcher das Brunn-Wasser von Gumprechting eine viertl-Stund weit herein geführet worden. Er leitete den Bach durch einen Gewölbten Gang unter dem Hoff durch. Er umgabe einen grossen Theil des Closters mit Mauern; die wegen Aelter eingefallene St. Petri Kirchen nächst hiesiger Hoffmarck, welche heutiges Tags die Pfarr ist, richtete er widerum auf; unseren Kirchen-Schatz zierte er mit einem silbernen 5. March schwären Crucifix anno 1302 welches Chunradus ein hiesiger Mönch künstlich verfertiget hatte, mit diser Jnschrifft unten: Ista Crucis forma vivendi sit tibi norma, Hanc Hugo donavit, sed Chunradus fabricavit. Die Bildnuß unseres Lebens betrachte Tag und Nacht / Hugo hat sie gegeben / Chunradus hats gemacht. Die Bibliothec vermehrte er mit kostbahren Manuscripten, welche an noch aufzuweisen seyn. Kurtz, Hugo unterliesse nichts dem Closter nutzlich zu seyn, darumen er sich auch nach Cisterz zum General-Capitul begabe, von welchem da er zuruck kehrete, und seinen Weeg über das zu selbiger Zeit berühmte Cistercienser-Closter Heyl-Brunn nahme erkranckte er daselbst, und gab endlich den 16. Octobris seinen Geist auf in das ewige Leben, da ihme diser Heyls-Brunn geworden fons aquae salientis in vitam aeternam, Joan. 4. v. 14. ein Brunn des Wassers, so da springet in das ewige Leben; nachdeme er biß anno 1308 folglich in das 13. Jahr das Ambt eines Vorstehers löblichist vertretten hatte.

Er hatte aber auch unter sich grosse Eyfferer für die Ordens-Satzungen, welche, als einsmahls Hertzog Stephanus sambt seiner Gemahlin Juditha mit ansehnlichem Gefolg beyderley Geschlechts in die Kirchen gekommen, lieber die schon angefangene Meß und Chor-Gesang unterbrechen, als die Gegenwarth des Weiber-Volcks gestatten wolten, vor denen sie flogen und sich im Closter verbargen, welches denen Frembden anfänglich mißfielle, nach erfahrner Ursach aber zur Auferbauung diente. Mit der Zeit ist auf Genehmhaltung des Päbstlichen Stuhls auch dem Weiblichem Geschlecht der Eingang in unsere Kirch, um dem Gottes-Dienst beyzuwohnen, erlaubet worden, zu welchem Ende jedoch bey denen meisten Clostern eine Kirchen nächst der Porten für das Volck erbauet worden ist.




Abt Konrad I. (1308-1330)

Nach dem Todt Hugonis folgte in Abbteylicher Würde, aus hiesigem Gremio, Conradus, welcher am Fest-Tag des hl. Martini dise Stelle angetretten, ware ein Mann von ungemeiner Gelehrtheit, und scharffsinnigen Verstand, auch grosser Erfahrenheit im zeitlichen Weesen. Derohalben er auch dem Closter in allem sehr nutzlich gewesen, also zwar, daß unter ihme das Closter so wohl dem Geistlichen (wegen frommund Gottsförchtigen Männern) als dem Zeitlichen nach (wegen sehr vermehrten Guthern, Besitzungen und Rechten) in solchen Flor gestigen, als es niemahl vorhin gewesen. Unter ihme wurde das Gotts-Hauß mit 2. Capellen und einer Uhr, der Chor mit einem grossen auf Pergament geschriebenen Gradual-Buch, die Sacristey mit Silber-Geräth, die Bibliothec mit kostbahren Büchern, und das Closter selbst mit vilen Privilegiis versehen, welche er theils von denen Hertzogen in Bayrn, theils von Bischöffen, theils auch vom Pabstlichen Stuhl erhalten, deren Jnnhalt unserer Cronick vorbehalten ist. Conradus richtete auch die schadhaffte Gebäu des Closters widerum auf, infonderheit baute er auch das alte Kirchlein Unser Lieben Frauen zu Weng, welches unweit des Closters gegen Occident auf einer angenehmen Ebne liget, und von denen Herren von Weng, deren Guth allda ware, schon im 12. Sæculo fast in gleicher Zeit mit dem Closter seinen Ursprung genommen zu haben nicht ohne Grund geglaubt wird, immassen findig ist, daß der Altar daselbst um das Jahr 1134. erbauet, und von erst-gemeldter Adelicher Familie mit einer Stüfftung versehen worden; weilen nun vermutlich viles Volck dahin seine Andacht truge, gleichwie noch heunt zu Tag beschihet, so brachte es Conradus in eine bessere Form, bey welcher es aber auch nicht bleibe, sondern wurde endlichen zu einer Kirchen, wovon anderstwo Meldung geschehen wird. Nicht weniger bekame auch Gottszell, worvon oben Meldung geschehen, eine neue Gestalt, dann es biß damahls nur einen Probsten gehabt, Anno 1320. aber zu einer Abbtey gemacht, und mit einem Abbten versehen worden, diser ware Perchtoldus, welcher durch vile Jahr daselbst als Probst vorgestanden, endlichen aber allhier in Alderspach durch formliche Wahl in Bey seyn etlicher Herren Prælaten zum Abbten des Closters Gotteszell ernennet worden am St. Georgen-Tag.

An eben disem Fest-Tag nach Verlauf dreyer Jahren, ereignete sich, daß Agnes Königin von Hungarn sehr erzörnt mit vilen Bedrohungen von Alderspach abreißte; dann nachdem sie sich in Begleitung einer grossen Hof-Staat durch 3. Täg hier verweylet, aber sehen muste, daß man ihres mithabenden Weiber-Volcks halber den offentlichen Gottes-Dienst, das läuten der Glocken, und andere Kirchen-Ceremonien unterliesse, die Altär abdeckte, und sich so vil möglich vor ihnen versteckte, ande sie sich hierdurch sehr beleydiget, solches villeicht für eine Unbescheidenheit oder Undanck ausdeutende, indeme sie dem Closter vor wenig Jahren, nemlich Anno 1320. ein Privilegium, oder Bestättigungs-Brieff der Zehenden in Landau und Deckendorff ertheilet hatte. Allein Conradus, welcher behertzt genug ware, widersetzte: die Königin möchte sich über den frommen Eyffer derer Ordens-Männer zu keinem Unwillen bewegt seyn lassen, oder aber glauben, daß es sicherer scheine, in ihre Ungnad, als in die KirchenStraff und Zorn des Päbstlichen Stuhls zu verfallen. Die Königin blibe auf dise Wort bey dem vorigen Unwillen und Zorn, reisete auch mit vilen Droh-Worten von hier ab, doch ist von dem angedroheten Ubel nichts erfolget. Hingegen hatte Alderspach vil andere Ungemach und Last zu erdulden wegen schädlichen Kriegs Feuer, so um selbige Zeiten in Bayern wüttete; es muste Alderspach das Städtlein Vilshoven mit einer Mauer zu umgeben den grösten Theil beytragen, es muste die beschwärlichste und kostbahriste Quartier ertragen, es muste, um vor feindlichen Anfall beschützet zu werden, sich viles kosten lassen, und hierdurch gar in Schulden gerathen, welches Conrado um so schmertzlicher sielle, je embsiger er sich um des Closters Aufnahm bestrebte, welches er und seine 2. Vorfahrer in solchen Flor brachten, daß es denen Umligenden nicht wenig in die Augen geleuchtet, wie Bernardus damahliger Abbt des uralten Closters Nideraltaich wurde haben bezeugen können. Gleichwie aber der unbescheidene Todt keinen verschonet, so nahme er auch disen dem Closter durch 20. Jahr höchst rühmlich und nutzlich vorgestandenen Abbten Conradum hinweg am Grundonnerstag Anno 1330.




Abt Heinrich II. (1330-1336)

Hinnach verstrichen 7. Wochen, biß endlichen zur Wahl geschritten, und beruffen wurde Henricus Abbt zu Fürstenzell, welcher 3. Jahr allda löblich vorgestanden. Diser tratte allhier die Abbteyliche Würde an den 25. May, erlebte aber die beschwärlichiste Kriegs-Zeiten, Theurung, Vieh-Fall, Erpressungen und Unruhen, dergestalten, daß es unmöglich sielle sich zu erschwingen, ob schon er dem Closter getreulich und mit grosser Obsorg vorstunde, auch von Hertzogen Henrico ein und anderes sehr nutzliches Privilegium überkommen hatte. Solche verwirrtund betrübte Zeiten mögen seinen Tod beforderet haben, welcher ihn nach 6. Jahren unserem Closter entrissen am Vor-Abend S. Bartholomæi.




Abt Christian (1336-1338)

Es folgte ihme in Abbteylicher Würde Christianus, so damahls Kellermeister ware, wurde durch einhellige Stimmen zum Abbten erwählet am St. Lucas Tag, ein Mann von grossen Verstand und viler Erfahrenheit, er löschte den grösten Theil der Schulden wiederum aus, zierte die Abbtey mit einer Capellen, welche zu Ehren derer hl. Aposteln Philippi und Jacobi Alphæi eingeweyhet worden, den Chor mit neuen Chor-Stühlen, und das Closter mit ansehnlichen Privilegiis, alles dises gabe zu mehrerem grosse Hoffnung, dise aber verlosche auf einmahl da Christianus, nach dem er kaum 2 Jahr disem Closter vorgestanden, den 27. Julii seinen Geist aufgabe Anno 1338.




Abt Ulrich (1338-1340) und Abt Herold (1340-1343)

Hierauf wurde Ulricus erwählet, und von Alberto Abbten zu Ebrach confirmirt, blibe aber bey diser Würde nur 2. Jahr, nach deren Verlauff er solche einem anderen überliesse, diser ware Heroldus, welcher die Abbtey angetretten den 10. Augusti, hatte vorhin durch 3. Jahr verschidene derer grösseren Aembter des Closters vertretten; woraus zu schliessen, daß er ein erfahner aber auch sehr betagter Mann gewesen. Während seiner Abbteylichen Verwaltung ist dem Closter von Kayser Ludovico dem IV. das Pfarr-Lehens-Recht über Rotthalmünster verlyhen worden Anno 1343. in welchem Jahr auch Heroldus bey grossem Alter und Leibs-Schwachheit sich nacher Passau begeben, bey denen Medicis Hülf suchend, muste aber sterben den 17. Octobris bemeldten Jahrs der Leichnam wurde sodann hiehero überbracht, und gebührend zur Erden bestattet.




Abt Konrad II. (1343-1361)

Nach disem wurde durch einhellige Wahl zum Abbten ernennet Conradus dises Nahmens anderter, übernahme solche Würde am Fest des hl. Damasi anno 1343. ein Politer, und sonderlich bey Hertzogen Stephano sehr angenehmund beliebter Mann, welcher auch desselben Hertzoglichen Printzen aus der Tauff gehoben, und mit einem Præsent von Gold beschencket hat. Unter ihme beschlosse sich das anderte Saeculum des allhier eingeführten Cisterzer-Ordens. Drey Jahr hinnach, nemlich anno 1349. traffe er einen Tausch, und begehrte von Godefrido Bischoffen zu Passau die Pfarr Schönau, gegen der erträglichen aber allzuweit entlegenen Probstey Theya in Oesterreich, auch erlangte er von ermelden Bischoff die Confirmation über die Pfarr zu Rotthalmünster anno 1351. in welchm Jahr unsere Kirchen mit grossem Heiligthumen bereichet wurde, da zwey Edle Frauen, nemlich Ahamerin (oder von Aheim) und Kornhauffin einen Armb der Heiligen Jungfrau und Martyrerin Ursula, und 6. Häupter aus deren Gesellschafft, nebst villen anderen herrlichen Reliquien, von Cölln mit sich brachten und anhero schenckten. Es wurde auch das Dormitorium, oder Wohnund Schlaff-Hauß deren Religiosen unter disem Abbten innerhalb 3. Jahren in guten Stand gebracht. Die von Hugone erbaute Wasser-Leitung wurde erneueret, und mehr anderes schaffte Conradus mit grosser Freygebigkeit an, und ware Zeit seiner 17. Jährigen Regierung im grossem Ausehen, welche er den 28. Jenner anno 1361. sambt dem Leben beschlossen.




Abt Liebhart Milt (1361-1367)

Sein Nachfolger ware Liebhardus, welcher den 12. Mertzen gemeldten Jahrs erwählet ware, hatte grosse Strittigkeiten zu erdulden von dem damahligem KellerMeister dises Closters, (dessen Nahmen Henricus) dann sich diser hefftig der Wahl widersetzte, und das Closter durch einen 5. Jährigen Streitt in nicht geringe Unkosten brachte, also zwar, daß es nöthig ware Schulden zu machen, und ville Güther zu verpfänden. Solch-verwirrter Zeiten ungeachtet unterliesse Liebhardus nicht für das Closter zu sorgen, sondern erhielte von Urbano dem V. dises Nahmens Pabsten, von Alberto, und von Stephano Hertzogen in Bayern verschiedene Privilegia, oder Bestättigungs-Brieff. Doch ist das Closter um selbe Zeiten schlecht gestanden, und gar geschwind dasjenige verschwunden, was die Vorfahrer durch ihren Fleiß zugesetzet hatten.




Abt Heinrich III. (1367-1371)

Liebhardus bey solchen Umständen erledigte die Abbtey anno 1367., und überliesse sie einem anderen, welcher gewesen Henricus ebenfalls Keller-Meister, ware einmüthig den 1. Julij obbemeldten Jahrs zum Abbten erwählet, welche Stelle er auch wohl und sehr wachtsam versehen. Zu seiner Zeit geschahe es, nemlich 1371, daß der gesambte Cisterzer-Orden, um grossen Ublen vorzukommen, in dem GeneralCapitul beschlossen, daß in allen dises Ordens Clöstern die Marianische Tag-Zeiten nicht mehr von jeglichem insonderheit, sondern solenniter im Chor stehend sollen abgebettet werden; welches auch biß auf dise Stund noch beobachtet wird. Alderspach ware um selbe Zeit sehr erarmet, und muste Henricus, um der Noth abzuhelffen, es bey denen vorigen Schulden lassen; welches ihme villeicht so beschwerlich gefallen, daß er sich der Abbteylichen Würde freywillig begeben anno 1372. Es wurde ihme seinen Meriten gemäß nicht nur eine gebührende Vorsehung gemacht, sondern auch die freye Wahl gelassen, in welchem Orth er seine Ruhe pflegen wolte.




Abt Nicolaus II. (1371-1395)

Hingegen übernahme seine Stelle Nicolaus, ein gelehrter Mann, welcher auch nicht nur für das eigene, sondern eben so wohl für andere Closter Sorg truge, und die in dem Orden verordnete Vtsitationen kein Jahr unterliesse; und obschon das Closter mit grossem Schulden-Last beleget ware, unterliesse er doch ein kostbahres Gedächtnuß, einen silbernen und mit Edel-Gesteinen besetzten PontificalStab; er erhielte auch nahmhaffte Privilegien von dem Päbstlichem Stuhl, obsonderlich die Incorporation unserer Pfarren mit dem Closter. Nicht weniger hatte er das Glück, von Henrico Johannstorffer de Guteneck, 8. Höff, welche disem vorhin verkaufft waren, geschenckter zuruck zu bekommen, mit Bedingung jedoch eines Jahr-Tags, welcher richtig gehalten wird. Um selbige Zeiten exercirte man noch das alte Recht, so wir in dem Marckt Aitenbach hatten, nemlich die Händlen und Gerichts-Sachen zwischen unseren Unterthanen daselbst, durch Abordnung des hiesigen Richters, welcher in Versamlung der Burger und anderen, die der hiesige Abbt dahin beruffen hatte, die Sach vernehmen muste, durch Gerichtlichen Ausspruch abzumachen. Gleichwie solches anno 1391. hiesiger Profess P. Christianus, als Judex publicus daselbst exerciret hat, in einem Handel zwischen Liebhard Harder von Wüffling, und Johann Chörndl, am Tag St. Blasii.

Ansonsten hatte Nicolaus auch einen Benefactorem an dem berühmten Herrn und Ritter Tuschel, von Saldenau, Urhebern des CollegiatStüffts in Vilshoven, und mehr anderer frommer Stüfftungen, welcher dann auch hier einen Jahr-Tag gestüfftet, und ist die Gedächtnuß dessen in Marmor eingegraben, sein Grabmahl aber in der Stüfft-Kirchen zu Vilshoven zu sehen. Solche und andere Gutthäter waren unserem Closter sehr nothwendig, welches durch vorige Zeiten sehr geschwachet, und mit Schulden beladen, noch darüber gezwungen ware nicht wenige Güther zu verpfänden. Dises dann eben so wohl als das hohe Alter mag Nicolaum beweget haben die Regierung abzulegen; obwohlen er erst anno 1407. in die Ewigkeit abgeschiden. Es hat aber auch die Zahl derer Religiosen also abgenohmen, das anstatt 50. welche täglich in dem Refectorio abzuspeisen waren, nur fünffe übergeblieben.




Abt Andreas I. (1395-1398)

Bey solchen Umständen nun wurde zur Abbtey beruffen Andreas, damahliger belobter Abbt des Closters Gottes-Zell; welcher um das Jahr 1395. dise Stelle angetretten, aber zu erdulden gehabt hat, daß ihme Hertzog Albrecht einen Weltlichen Vogten an die Seithe jetzte, welcher zwar ein Jahr vorhero schon hierzu bestellet ware, in welchem Abbt Nicolaus sich der Regierung begeben hatte; der Nahmen war Shermer von Märcklkhoven. Es konte sich aber das Closter kaum erschwingen, und nach Verlauff ungefehr dreyer Jahren muste Andreas, welcher bey grossen Alter war, dises Zeitliche gäntzlich verlassen den 25. September 1398.




Abt Heinrich IV. (1398-1408)

Gleich darauf wurde aus denen hiesigen erwählet Henricus, welcher durch 10. Jahr dem Closter löblich vorstunde, erlangte warend-diser Zeit die Bestättigung unserer Freyheiten anno 1404. löste einige versetzte Guther wiederum an sich, konte aber auch nicht das Closter in die Höhe bringen, weilen es durch vorige Jahr allzusehr darniedergedrucket worden; er beschlosse endlich seinen Lebens-Lauff den 2. December 1408.




Abt Heinrich V. (1408-1422)

Jhme folgte abermahl ein Henricus, welcher den letztem Tag des gemeldten Monahts, nemlich S. Sylvestri, erwählet worden, hatte sich in diser Würde wenig Lob erworben; dann, obschon unter ihme ein und anderes hergestellet etwelche verpfändete Zinsen wiederum eingelöset, der Glocken-Thurn erbauet, die Kir chen mit einer Orgel gezieret, und etwelche andere kleine Gebäude aufgeführet worden, so ist doch anderer Seiths dem Closter nicht wohl vorgesehen gewesen, indeme von gemeldtem Henrico villes Geld ohne Nutzen verreiset, nicht wenige Zeit darmit ausser des Closters verzehret, Gelder aufgenohmen, Güther auf ein neues verpfändet, manche mit Schaden verkaufft, und das Closter in sehr bedauerlichen Stand gebracht worden.




Abt Jakob (1422-1431)

Allein nach 14. Jahren solcher Regierung, wurde die Abbteyliche Würde auf einen anderen übertragen, und ist hierzu erwählet worden Jacobus, welcher damahls des Closters Habschafften in Oesterreich besorgte, übernahme solche Ehren-Stelle den 4. Juli anno 1422. Weilen aber entzwischen von vorgemeldter nachtheiliger Regierung der Ruff nacher Hoff gekommen, so verordnete man auf Befehl Hertzogens Joannis alsobald 2. Adeliche Männer, nemlich Herrn Georg Aichberger von Saldenau, und Wilhelmum Fraunberger von Weiting, welche unserem Abbten Jacobo als Gehülffen zugegeben blieben, biß nach 3. Jahren solches unnöthig zu seyn erkant wurde. Der Schulden-Last wolte jedoch nicht minder werden, dann, obschon einige Güther ausgelöset, so wurden doch andere wiederum verpfändet; hingegen seynd verschidene Gebäude wiederum zu recht gebracht worden. Auch hat Jacobus von Hertzogen Hainrich ein sehr nutzliche Bestättigung derer vorhin von dem Hauß Bayern unserem Closter verliehenen Privilegien erhatten; nach verflossenen 9. Jahren aber wurde er durch den Todt der zeitlichen Sorg entlediget dem 28. Februar anno 1431.




Abt Gotthard (1431-1434)

Es folgte ihme Godehardus, ein frommer, gelehrter und zu diser Würde tauglicher Mann, nach Ordens-Gewohnheit erwählet, hatte das Unglück, daß er gleich Anfangs seiner Regierung mit einem abscheulichem Aussatz behafftet wurde, da er nun nach drey Jahren von solchem zu genesen keine Hoffnung fahe, deutete er es für eine Göttliche Anordnung aus, welche ihn von diser Würde abfordern wolte, begabe sich also freywillig der Abbtey, und nahme verlieb mit einer kleinem Unterhaltung in einem zum Closter gehörigem Hauß, allwo er sein Leben ruhig endete.




Abt Johannes I. Landauer (1434-1442)

Nach solch-erfolgter Resignation wurde bald zu neuer Wahl geschritten, in welcher als Commissarius Generalis Abbt Joannes vom Heiligen Creutz præsidirte, in Beyseyn des Abtens von Fürstenzell, welcher seinen Capellan mit sich hatte, und noch zweyer Abbten, von Engelszell, und Gotteszell. Da nun die Stimmen deren Wählenden nich recht gehen wolten, wurde ihnen vom Praeside zum Oberhaupt gegeben und ernennet wider alles Vermuthen Joannes, obgemeldter Capellan von Fürstenzell, welcher in dise Abbteyliche Ehren-Stelle eingetretten den 6. Maji anno 1434. ware dem Closter zu weniger oder keiner Ehr. Dann unter, oder vilmehr durch ihme sowohl das Geistliche, als Zeitliche Weesen grossen Schaden, und Abnahm gelir ten hat; darumen es gut ware, daß er sich der Abbteylichen Würde begab, die er doch in die 8. Jahr getragen hatte; nach deren Ablegung kehrte er zuruck, wo er her kommen, und brachte alldort seine übrige Lebens-Täg zu.




Abt Johannes II. Püetl (1442-1448)

Hingegen wurde allhier zum Abbten erwählet anno 1442. Joannes, aus hiesigem Gremio, am Tag des Heiligen Felix, ein verständiger und wachtsamer Mann, welcher das Closter wahrhafftig beglückseeligte. Jndeme das durch 80. Jahr daurende trübe Gewolck der Betrangnussen sich zu verziehen und eine ersprießliche Sonne wiederum zu scheinen begunte. Post Nubila Phaebus. Auf der finstren Wolcken-Dicke / Folgen helle Sonnen-Blicke. Er ware vorhin über unseren Weingart-Hoff bey Crems bestellet: weßwegen er auch nachmahls dem Closter mittelst des Wein-Verschleiß sehr wohl zu Hülff gekommen ist. Er löste ville verpfändete Guther und Zinsen wiederum ein; führte verschidene nutzliche Gebau, verbesserte das Würthschaffts-Weesen, welches er sonderlich sich angelegen seyn liesse, um dem erarmten Closter wiederum aufzuhelffen, wie auch geschehen ist; da er aber einstens von einigen benachbarten Orthen einer Neuigkeit halber angeklagt worden, verantwortete er sich bey Hertzogen Heinrich mit so vernünfftiger Beredsamkeit, daß ihme nicht nur Recht zu erkennet, sondern Lob beygeleget, und fester Schutz versprochen worden. Er wohnte auch der Kirchen-Versamlung zu Basel bey, allwo er die Bischöffliche Insignia. als Inful, Staab, Ring, Pectoral, &c. sambt dem Gewalt und anhengenden Rechten erhalten anno 1444. Und weilen solches ohne Unkosten nicht geschehen könte, bediente er sich einer guten Gelegenheit hierzu. Es hatte ein Passauischer Burger, Völckl genandt, das Closter durch einige Zeit sehr belästiget, und aus Wucher vilfältig geplaget, diser wurde aber bey erwehntem Concilio Basileensi von unserem Abbten Joanne angeklagt, überzeuget, und von dem sammentlichen Kirchen-Rath zu Abthuung und Gutmachung der Unkosten und Schaden condemniret; welches Geld dann Joanni, wie oben erwehnet worden, sehr wohl zustatten gekommen ist. Er erlangte auch für die sammentliche Religiosen des Closters ein Privilegium, und wurde noch mehrere deren erworben haben, wann ihn nicht der Todt im sibenden Jahr seiner Regierung hinweg gerissen hatte, nemlich dem 10. Mertzen anno 1448. Doch hatte er 2. Jahr vorhero den Trost, das dritte Sæculum des Cisterciensischen Alderspachs zu begehen.




Abt Johannes III. Plüer (1448-1463)

Auf ihne folgte wiederum ein Joannes, ein verständiger, und dem Closter höchst nutzlicher Mann, kame mit Henrico Abbten von Ebrach hiehero und wurde auf dessen Einrathen zu hiesigem Vorsteher erwählet, zu grossem Vortheil des Closters, dessen er gleichsam ein anderter Stüffter, oder Erneuerer konte genennet werden. Er tratte dise Stelle an den 10. April anno 1448. und nachdeme er so wohl in Beistlichem, als Zeitlichem grossen Nutzen geschafft und ein herrliches Beyspihl eines eyffrigen Vorstehers gegeben hatte, wurde er mit einer Kranckheit belästiget welche ihne dem Todt überliefferte den 14. September anno 1463. im sechzehendem Jahr seiner Regierung.




Abt Vitus (1463-1466)

Zu welcher nach ihme gelanget Vitus, so damahls des Closters Güther in Oesterreich besorgte und schon zimliches Alter auf sich hatte, wurde erwählet den 9. Octobris anno 1463. Ein frommer, sorgfältiger, und zu diser Würde geschickter Mann, muste gleich bey seiner Regierung an Hertzogen Ludovicum, welcher damahls mit Krieg beschäfftiget ware, 1000. Ducaten Kriegs-Steuer erlegen, mithin nothwendig einige Schulden machen. Er wurde aber seines Alters halber gar bald mit einem Schlag Fluß berühret, und ferners vorzustehen verhinderet, weßwegen er nacher Ebrach schickte, willens in die Hände dasigen Abbtens, als Patris immediati, seine Würde zu resigniren; verschiede aber, bevor selbiger ankame, den 4. May anno 1466.




Abt Georg (1466-1486)

Da nun bald darauf Burchardus Abbt zu Ebrach allhier angekommen, schritte man den 9. May zur neuen Wahl, mit welcher betroffen wurde Georgius, damahls Supprior, Infirmarius, und Pfarrer zu St Peter, ein Mann von grossem Lob, welcher seiner gottsförchtigen Aufführung halber Zeit seiner Abbteylichen Regierung heuffigen Seegen und Glück hatte. Das Geistliche Weesen besorgte er mittelst guten Beyspihl, indeme er seinen Untergebenen, in Beobachtung der Regel-Satzungen selbst der erste vorgienge; den Chor und Gottes-Dienst vor allem liebte, und beförderte, den Kirchen-Schatz vermehrte er: zwey andere Gottes-Häuser umgabe er mit Mauren, und liesse sich zu Beförderung der Ehre Gottes keine Kosten schröcken. Nichtminder bezeugte er seine Embsigkeit in Besorgung des Zeitlichen; verschiedene nothwendigund nutzliche Gebäude errichtete er von Grund auf, andere brachte er zu Standen; verpfändete Güther, Zinsen, und dergleichen löste er ein, und erkauffte noch neue darüber; kurtz, in dem vor ungefehr 24. Jahren erarmeten Closter Alderspach schiene ein Uberfluß zu seyn. Endlichen nach 20. Jahren weniger drey Monathen wurde Georgius mit einer Kranckheit behafftet, welche abzuleinen er sich nacher Passau zu denen Medicis verfügte, aber von dem Todt nicht hat errettet werden können, deme er daselbst zu Theil worden den 27. Januarii anno 1486. Der entseelte Cörper wurde hiehero gebracht, in Mitte der Kirchen vor dem Hoh-Altar begraben, und mit einem ansehnlichem Marmor versiglet.




Abt Simon (1486-1501)

Darauf begab es sich, daß, weilen die Anherokunfft des Præsidis Electionis, welches der Herr Prælat von Ebrach zu seyn pfleget, sich verzögerte, Hertzog Georgius aber das Closter bald wiederum mit einem steher wolte versehen wissen; die Wahl den 2. Mertzen obgemeldten Jahrs, in Beyseyn zweyer Aebbte, von Fürstenzell, und Raitenhaßlach, nebst anwesenden Hertzoglichen Commissarien vorgenohmen wurde, in welcher zur Abbteylichen Würde beruffen war. Simon, ein vormahls in Priorat, und anderen Aembtern wohl erfahrner Mann, welcher zwar weilen die Wahl gemeldter massen vorgenohmen worden, die Confirmation so leicht nicht erhalten könte, doch ist dieselbe endlichen erfolget, und über dises auch ein allgemeiner Gewalt des Ordens disem Abbten Simoni ertheilet worden, alle unsere Ordens-Clöster in Bayern zu visitiren, welches er nicht ohne Frucht und Nutzen derselben fleißig verrichtet hat. Dem eignem Closter war er sehr ersprießlich, er vermehrte die Kirchen-Ornamenten, und verschaffte auch verschidenes Silber-Geschier; er löste den verpfändeten Marcktflecken Rudmarsfelden wiederum ein liesse den Fisch-Teuch graben in Scheffbach, zu grossem Nutzen des Closters, und mehr anderes veranstaltete er sehr tauglich.

Zu seiner Zeit begabe sich etwas verwunderliches : Ein frembder Unterthan, Nahmens Johannes Groß genandt, dem Herrn von Fraunberg zugehörig, hatte einen Alderspachischen Unterthan um eines Grund-Stucks wegen bestritten; die Sach kame auf eine Gerichtliche Commission an, bey welcher nebst anderen auch gedachter Herr Georgius von Fraunberg erschiene, dessen Unterthan nun Johannes Groß, legte einen Eyd ab, daß solches Grund-Stuck sein wäre, er sielle aber auch in Angesicht aller Anwesenden, da er es kaum gesagt, todt zur Erden, worüber grosses Schröcken entstanden, und der Alderspachische Unterthan bey voriger Possession verblieben ist; geschehen in Haydendorff anno 1488. Ansonsten manglete es unserem Abbten Simoni nicht an widerwärtigen Zufallen; es wurden grosse Steuern von dem Lands-Fürsten ausgeschrieben: die Jahr waren wenig fruchtbar: und siellen andere wichtige Ausgaben vor. Endlich kame auch zu seinem grossen Alter eine Kranckheit, welche ihn, nachdeme er jedoch mit denen Heiligen Sacramenten versehen worden, seiner Sinnen beraubte, biß er seinen Geist aufgabe den 11. September anno 1501. Seine Grabstatt wurde mit einem herrlichem Marmor bedecket, er selbst aber mit einem Elogio von Wolffgango Mario beehret, welches hier anzufügen der Raum nicht verstattet, ein kürtzeres aber, so in Stein eingehauen, lautet also: Anno Milleno quingenteno quoque primo Septembrisque die undena venerabilis Abbas Simon grandaevus mortales deserit auras, Membris hoc gelidis sub Christi pace sepultus, Cui Christus requiem donet pius ipse perennem. Das ist Als über tausend Jahr fünfhundert und nur eines Septembers eylffter Tag / war eines trüben Scheines. Verschide Simon Abbt / nachdem er sehr eraltet / Sein Leichnam ruhet hier / erblasset und erkaltet. Des Fridens Ewigkeit woll ihme Christus geben / Damit in Ruh und Freud er möge glücklich leben.




Abt Johannes IV. Riemer (1501-1514)

Nach disem wurde den 4. October darauf zu neuer Wahl geschritten, und durch dise getroffen Joannes, aus Vilshoven gebürtig, ein Mann von grosser Statur, welcher auf denen Pfarreyen mehr als 20. Jahr exponirt gewesen, wobey er sich villeicht mehr Ruhm als bey der Abbtey erworben, stunde dem Closter vor biß anno 1514. nicht ohne grossem Schaden; doch ist unter ihm von Pabsten Julio II. ein sehr günstiges Privilegium dem Closter verliehen worden, insonderheit Geyerstal betreffend. Ansonsten aber muste diser Abbt im 3ten Jahr seiner Regierung nicht ohne Leyd-Weesen mitansehen die Verwüstung und Schäden, so das Bayerland auszustehen hatte weigen Zwistigkeiten derer Hertzoge; wie dann auch Hertzog Albrecht, deme das luntere Bayern zugehörte, nächst an dem Closter auf der so genandten Stainpeunt-Wisen seine Gezellt aufgeschlagen, und bey drey tägigen Lager allen Haber des Closters aufzehren gemacht hat; zu geschweigen anderer Unckosten, so das Closter ertragen muste, daß also ein sorgfältiger Hauß-Vatter, mit geziemmender Sparsamkeit sehr nutzlich gewesen wäre. Entzwischen stige Abbt Joannes zu grossem Alter, befande sich auch öffters kranckflicht, wessentwegen er sich in obgedachtem 1514. Jahr den 3. May nacher Passau verfügte, und allda den anderten Tag darauf unversehens in die Ewigkeit abgieng. Nachdeme er über sidentzig Jahr des Alters, 12. und ein halbes in Abbteylicher Würde zuruckgeleget hatte, man begrabte ihn allhier unter einen ansehnlichen Grab-Stein, so er bey Leb-Zeiten sich selst verfertigen liesse.




Abt Wolfgang Marius (1514-1544)

Nach Verlauff eines Monaths wurde wiederum zur Wahl geschritten, und in Beyseyn Joannis Abbtens von Ebrach als Præsidis, nebst Georgio von Raitenhaßlach, und Gregorio von Fürstenzell assistirenden Aebbten durch einhellige Stimmen erwählet Wolffgangus Marius, von welchem oben schon Meldung geschehen, tratte dise Würde an den 2. Junij bemeldtem 1514. Jahrs, bey der er sich einen unsterblichen Ruhm erworben, und das Closter durch 30. Jahr mit gröstem Nutzen regieret hat. Er ware ein frommer, gelehrter, und durch Glückund Unglücksfäll bewehrter Mann, anno 1504. wurde er Pfarrer zu Rotthalmünster bestellet, um durch seine Beredsamkeit die Ehre und Andacht zur Mutter Gottes in Kößlärn zu befördern, allda muste er vil leyden durch die Kriegs-Völcker, indeme zwischen denen Hertzogen in Bayern gewaltige Zwistigkeiten waren, und von Hertzogs Albrechts-Trouppen ein Bataillon unter Commando Wolffgangi Graffens von Ortenburg, und Hieronymi Stauffers nacher gedachten Rotthalmünster abgeschicket worden, welche disen Marckflecken gäntzlich und rein geplündert, auch Wolffgango alles hinweg genohmen haben. Wie rühmlich aber Wolffgangus selbige Pfarr versehen habe, erscheinet ausdeme, weilen er von daraus zur Abbtey beruffen wurde, allwo er an Paarschafft mehr nicht dann 15. Böhmische Grossen fandte. Den nicht geringen Schulden-Last, welcher durch mehr als 10. Jahr gehäuffet worden, weltzte er innerhalb 3. Jahren von dem Closter ab, die meiste verpfändete Güther löste er wiederum ein, andere verlohrne, oder vernachläßigte Zinsen und Einkünfften brachte er wiederum in Gang; er wurde auch genöthiget, das durch ville Jahr her Gebaus halber schlecht besorgte Closter an villen Orthen zu verbesseren, an anderen gar neu zu bauen. Er bauete das innere Convent-Hauß welches vorhin nur von Holtz einem Bauern-Hauß ähnlich ware, er bauete das Dormitorium, oder Schlaff-Hauß derer Religiosen, welches schon durch 40. Jahr inund auswendig mit Spreitzen unterstützet ware, und jedem eingehenden den Fall drohete, also, daß bey etwann entstehenden Sturm-Wind keiner seines Lebens sicher darinnen schlaffen konte; er bauete das Krancken-Hauß, und mehr andere Gebäu und Dachungen reparirte er aufs beste in sehr wenig Zeit, neben denen groß und schweren Anlagen die das Closter ertragen muste.

Zugeschweigen, wie theuer es gekostet, um nicht der Wuth und Raub derer Ketzerischen Bauern zu unterliegen, von welchem Ubel sich diß Closter um tausend 2. hundert Ducaten loß kauffen muste; dann die Ketzerey Lutheri, welche zu dises Abbtens Zeiten wie eine Pest zu grassiren anfienge, sehr grosses Ubel auch der Geistlichkeit androhete, massen nicht wenig Clöster solches erfahren. Und dises mag Wolffgangum bewogen haben, 2 Bücher wider desen Irrthum zu schreiben, worinnen er die jenige Religions-Puncten, so heutiges Tags von denen Ketzern bestritten werden, vollständig bewehret, und schutzet. Ansonsten hat er auch andere Wercke mit grossem Fleiß und zierlicher Redens-Arth herausgegeben, oder wenigstens uns schrifftlich hinterlassen; worunter die Jahr-Schrifften, oder Chronic unseres Closters, welche Bruschius zu rühmen weiß; nicht weniger eine Chronic derer Ertz-Bischöffen von Lorch, und Bischöffen zu Passau, wohl werth zu schätzen seyn; sonderlich seynd angenehm zu lesen seine Poemata, unter welchen er in 5. Büchern die seiner Zeit entstandene Kriegs-Flammen und deren Folgen in einer Gattung Versen, die Mann Heroica nennet, trefflich beschrieben, andere Sinn Lob, und Grab-Schrifften in zierlich-gebundener Rede seynd sehr ville von ihme zu sehen, und nicht ohne Lust zu lesen. Kurtz zu sagen: Wolffgangus gabe seine Gelehrt und Fähigkeit zu allen einem Vorsteher wohl anstehenden Dingen, mit Werck und Feder zu erkennen, jenes denen damahls Gegenwärtigen, dises aber denen Nachkömlingen zu Nutzen. Entzwischen nahete sich das Ende seiner Lebens-Tage, deren er 75. Jahr zehlete, gebohren Anno 1469. Mit dem Ordens-Kleyd angethan Anno 1489. Zum Abbten, wie oben gemeldtet worden erwählet Anno 1514. Jm tausend fünff hundert vier und viertzigsten Jahr aber den 11. Octobris verliesse er sambt allen Zeitlichen auch dise Würde, zu grossem Leydwesen des gantzen Alderspachs; daß er aber nicht in Vergessenheit des Tods gelehet habe, erhellet aus der von ihme selbst für sich gemachten Grab-Schrifft, welche nebst seiner Bildnuß in Marmor eingehauen also lautet: Abbas Wolffgangus Marius post sata sub isto Marmore computrui, & vermibus esca fui. Munera viventi tua qui mihi sponte dedisti, Defuncto requiem da, mea Christe salus. Das ist: Wolffgangus Marius bestattet hier zur Erden / Muß unter disem Stein ein Speiß der Würmer werden. O Gott! wie vil haft du dem Lebenden gegeben, Gib dem Verstorbenen ein ruhig neues Leben. Ein anderes Epitaphium setzte disem hinzu Bartholomaeus Madauer, welches aber, gleich wie mehr andere ihme gemachte Elogia hier anzufügen der Raum ermanglet.




Abt Johannes V. Zankher (1544-1552)

Disem so belobten Abbten Wolffgango folgte Joannes, welcher seiner Beredsamkeit halber der Pfarr Rotthalmünster mit grossem Lob und Eyffer vorstunde; von wannen er durch einhellige Stimmen derer Wählenden zur Abbteylichen Würde erhoben worden den 26. Novembris Anno 1544. Es præsedirte bey solcher Wahl im Nahmen des Abbtens von Ebrach, Herr Laurentius Abbt von Fürstenzell. Joannes aber beschlosse die Jahr seiner Regierung, da man sich von seinem Fleiß und Sorgfalt zu Conservirung und Wachsthum des Closters die beste Hoffnung machte; dann nach acht Jahren wurde er mit einem hitzigem Fieber befallen, und durch den Todt hinweg gerissen. Doch hatte er in disen wenig Jahren vil nutzliches dem Closter præstiret, er führte ein und anderes nöthiges Gebäu, brachte verschidene Güther herzu, und vermehrte also die Jährliche Einkünfften, besorgte aber nicht weniger das schon würcklich besitzende, damit er das durch Wolffgangum, seinem Vorfahrer, in Flor gebrachte Closter bey solchem fest erhaltete, welches, wie schon oben gemeldet worden, eben so vil ist, als Güther mit Güthern vermehren; er wurde Zweyffels ohne auch dises nicht wenigers als andere præstiret haben, wann er eben so lange Zeit hierzu genossen hätte. Muste aber sterben dem .Junii 1552. nachdeme er dem Closter das vierte Sæculum enden, und das fünffte unter Göttlichem Schutz anfangen mitgeholffen.




Abt Bartholomäus Madauer (1552-1577)

Sein Nachfolger in Abbteylicher Würde ware mittelst ordentlicher Wahl Bartholomaeus Madauer genandt, ein gelehrter, und in verschidenen Wissenschafften wohl erfahrner Mann, auch durch seine Schrifften bekandter Poët, und fürnehmer Mathematicus, tratte dise Stelle an den 11. Julii 1552. bey welcher er 25. Jahr hindurch unterschiedliche Gebäu führte, übrigens das Closter weder zu grösserem Flor brachte, noch bey dem alten erhielte. Die Zahl deren Religiosen ware klein, dann nachdeme an der grassirenden Pest 9. gestorben, ware ein eintziger übrig, welcher das gantze Closter verwaltete. Bald darauf aber fande man zu Erhaltung des Closters nöthig einen tauglichen Administratorem zu suchen, und wurde hierzu P. Andreas Haydecker Ober-Bursier des Closters Kaysersheim anhero beruffen; Bartholomaeus hingegen der Abbteylichen Sorgen erlediget. Anno 1577. Diser begabe sich nacher Passau, und von dar endlichen nacher Vilshoven, allwo er auch im folgendem Jahr gestorben, allhier aber begraben worden Anno 1578.




Abt Andreas Haydecker (1579-1586)

Entzwischen hatte obgemeldter Administrator alles Lob erworben, und die Gemüther also gewonnen, daß er bey ereigneter neuer Wahl einhellig zur Abbtey beruffen wurde. Andreas übernahme solche Stelle Anno 1579. verweilte nicht Religiosen aufzunehmen, auch deren einige ad Studia nacher Ingolstadt zu schicken, damit das Closter widerum mit tauglichen Leuthen besetzet wurde. Für die Kirchen sorgte er ebenfalls, und liesse verschidene Paramenten verfertigen, nebst einem silbernen Stab, Rauch Vaß und Lavor, etc. Das zeitliche Weesen des Closters liesse er nicht ausser Acht, er wurde auch bey der Löblichen Landschafft wohl angesehen, und bey der Regirung Landshut Verordneter erwählet, und zwar Erster welche Stelle aber er über 3. Jahr nicht begleitet, sondern weilen er täglich alter und schwächer worden, sambt dem Last der Abbteylichen Würde von sich geleget hat anno 1586. den 15. Octobris.




Abt Johannes VI. Dietmayr (1588-1612)

Mittler Zeit hatte das Closter Fürstenfeld einen Religiosen, Nahmens Joannes Dietmayr, welcher durch seine Gelehrt- und Wohlredenheit sich grossen Ruhm erworben hatte. Der Ruff hievon kame auch nacher Alderspach, und er wurde ersuchet von Abbten Andrea die Administration des Closters zu übernehmen, welche er auch durch 2. Jahr so löblich geführet, daß er einhellig zum Abbten dises Closters erwählet worden. Joannes Dietmayr tratte die Regierung an Anno 1588. ware einer derer vortrefflichisten Prælaten, welcher dem Closter ewige Denckmahle hinterlassen; dann ausser seines Ruhm-würdigen Tugend-Wandels, wegen welchen er bey Geistlich- und Weltlichen hohen Häuptern beliebt und werth geschätzet ware, also zwar, daß er von dem General unseres Ordens, Edmundo a S. Cruce, den Gewalt eines Commissarii Generalis und Visitatoris über alle dises Ordens Clöster des gantzen Bayrlands überkommen, nicht weniger auch bey einer Löblichen Landschafft Rent-Ambts Landshut erster Commissarius erwählet, und hierin zu des Lands und Closters Nutzen höchst rühmlich gestanden ware, so suchte er auch das Closter in allem zu zieren und zu be reichen, er führte verschidene Gebäu, und mehrte jedannoch die Einkünfften. Den Kirchen-Schatz vermehrte er mit kostbahren Ornaten und Paramenten, deren einige annoch vorhanden. Die Bibliothec vermehrte er mit vortrefflichen Büchern, deren er die meisten hergeschaffet. Die Besitzungen des Closters vermehrte er durch Erkauffung derer Hofmarchen Abshoven, Thurn, Piegendorff, sambt verschidenen anderen Güthern. Joannes ware dem Closter sehr ersprießlich durch 25. Jahr, und hatte sich hierbey so wohl bey dem Heiligen Orden, als auch bey denen sammentlichen Lands-Ständen grosses Lob verdienet, weßwegen er auch um so hefftiger bethrauert wurde, als er Anno 1612. wehrendallgemeinen Land-Tag in München den 22. Jenner von diser Welt Urlaub genohmen. Sonderbar aber fielle diser Verlust dem Closter sehr empfindlich, in welches sein Leichnam mit grossen Spesen überbracht, und in der von ihme erbauten Capellen zur Erden bestattet worden ist.




Abt Michael Kirchberger (1612-1635)

In die erledigte Abbtey tratte alsdann ein: Michael Kürchberger, welcher schon Anno 1665. auf Begehren Abbtens Joannis und des Convents, mit Consens hoher Geistlich und Weltlicher Obrigkeiten, und Beyseyn derer Commissarien deroselben, zum Coadjutorem und künfftigen Nachfolger den 19. May mittels ordentlicher Wahl erkhisen und ernennet worden, ware von vilen an ihme leuchtenden Tugenden sehr berühmt. Wie nutzund löblich er dem Closter vorgestanden, ist aus folgenden: abzunehmen: vor allem suchte er die Beförderung der Ehre Gottes, deßwegen er den Chor der Kirchen von Grund auf neu erbauen, mit Altar und gehörigen Stühlen versehen, und mit kostbahren Silber-Stucken zieren lassen; dann die grosse Brust-Stuck S. Urbani, S. Ursulae, S. Eugenia, die er von geschlagenen Silber verfertigen liesse, nebst 8. anderen mit Reliquien grosser Heiligen Gottes angefüllt, und Kunstreich eben so wohl, als kostbahr gezierten Altären, sonderbahr aber die schwäre 14. March und 8. Loth wagende Monstranzen, und unterschiedliche kostbahre Kelch seynd dessen genugsame Gezeugnussen, zu geschweigen anderer besonderer Denckmahlen, welche er in diesem Gottes-Hauß unterlassen. Was er aber der übergebenedeyten Gottes-Gebahrerin præstiret, erscheinet aus deme, daß er nicht nur das schöne Mutter-Gottes-Bild, welches heutiges Tags auf dem Hoh-Altar stehet, von Bildhauer-Arbeit verfertigen liesse, sondern auch die Bruderschafft des Heiligen Rosenkrantzes zu viller tausend Seelen Trost und Nutzen einführte:

Er erbaute Anno 1629. die Kirchen zu Samarey, welcher Gnaden-Orth villfältig bekandt ist und seinen Ursprung also genohmen hat. Es ware in einer höltzernen Capellen die Bildnuß der Mutter Gottes von einigen zwar verehret, von dem nächst anliegenden Bauern-Guth aber schlecht besorget, und geachtet worden, einstens Anno 1619. entstunde allda eine Feuers-Brunst, welsche nicht nur gedachtes Bauern-Guth, sambt daran gelegenen Mühl, und anderen Hütten eingeäscheret, sondern auch den an der Capell hart anstehenden Apffel-Baum ergrieffen, dergestalten, daß nicht nur die Aeste hievon brennend auf das Tächlein gefallen, sondern auch die Wurtzeln biß unter das Fundament hinein gebrunnen, doch ist hierdurch nicht das geringste an gemeldter Capellen verletzet worden, sondern der verbrandt geschienene Apffel-Baum brachte folgendes Jahr eine Frucht von ausserordentlichem Geschmack, wovon man Jhro Durchlaucht damahlicher Hertzogin Elisabethæ seeligen Gedenkens eine Verehrung machte, mit Bitten, bey Hertzogen Maximiliano auszuwürcken, daß über offtgemeldte höltzerne Capellen, welche so wunderbarlich von der Flammen-Wuth befreyt geblieben ware, eine Kirche erbauet werden dörffte. Welches auch, jedoch erst nach nicht wenig Jahren gestattet worden ist, welches dann Abbt Michael (zumahlen der Grund unter Alderspach gehörig) mit grossem Eyffer ins Werck setzte, und eine herrliche Kirche erbaute, worinnen gedachte Capellen biß heutigen Tag von häuffigen Wallfahrtern, und umliegenden Pfarren mit Processionen besuchet, und von grossen Wunder-Wercken, und Gnaden berühmet wird, worvon eine Beschreibung in Druck zu haben ist. Noch in vill anderen Wercken hat bemeldter Abbt seinen Eyffer gegen die Mutter Gottes zu erkennen gegeben. Er vergasse aber anbey nicht das Zeitliche Weesen des Closters zu besorgen, welches er mercklich vermehrte, die Hoffmarch, Schmiedorff, und mehr andere Guther erkauffte, mithin das Jährliche Einkommen vergrösserte.

Obwohlen zu seiner Zeit die schädlich und verderbliche Kriegs-Troublen das Closter in grosse Unkosten gebracht haben, bey welchen Umstanden etwelche Conventer, nemblich: Fürstenfeld, Niderschönenfeld, und Seeligenthal sich anhero geflüchtet, und zimlich lang aufgehalten haben, biß sie endlich wegen Schwedischen Einfahl sich noch weiters zu flüchten genöthiget sahen. Eben dise verderbliche Kriegs-Zeiten verursachten dem so sorgfältigen Vorsteher grosses Leyd und Kummer, weßwegen dann Abbt Michael sich sehr abgemattet, und entkräfftet fande, und die Abbteyliche Würde durch ordentliche Resignation ablegte, im dritten Monath darauf aber, von einem Schlag-Fluß getroffen die Welt gar verliesse den 8. Octobris anno 1635. ungezweyfflet glücklich, indeme er täglich sich hierzu bereitete, auch selbigen Tag noch die Heilige Meß gelesen hatte, ja er liesse sich etwelche Jahr vorhero eine leinerne Kutten zur Begräbnuß vorbereiten, und verlangte seinen Leichnam einstens nicht wie eines Prælatens, sondern mit diser Kutten angethan zu werden, welches auch geschehen.




Abt Matthäus Gschwendt (1635-1651)

Unterdessen ware bey erfolgter seiner Resignation den 15. Julij Anno 1635. zu neuer Wahl geschritten, und erwählet worden Matthaeus Gschwendt, damahliger Prior, übernahme disen Last zur Zeit, da das Kriegs-Feuer auch disen unteren Theil des Bayer-Lands ergrieffen hatte. Es kame so weit, daß Matthæus Abbt, sambt denen Religiosen das Closter zu verlassen, und die Flucht zu nehmen genöthiget waren, und dauerte dise Abwesenheit bey zwey Jahr; ein eintziger, Nahmens Robertus Daiser, welcher das Ambt eines Castners auf sich hatte, wagte sich nicht ohne Lebens-Gefahr, in der Nähe zu bleiben, muste auch öfftermahl bey Einfahl deren Feinden in die nächste Waldungen fliehen, und sich verbergen. Jn was elenden Stand entzwischen das Closter gerathen seye, lasser sich erachten, indeme es der Freyheit, und Muthwillen derer Soldaten offen und überlassen gewesen, wie dann bald Schwedisch-bald Frantzösisch bald Kayserliche Troupen solches bezogen; wordurch nicht nur alles aufgezehret, und hinweg genohmen, sondern auch Aecker, Wisen, und Unterthanen in Erbarmungs-würdigen Stand gesetzet worden Nach verloffenen ungefehr 2. Jahren bezogen zwar die Religiosen das Closter wiederum, hatten aber kaum die genugsame Lebens-Mittel. Derowegen sie auch an die Löblichen Herren Stände in Ober-Oesterreich um einige Hülff birtlich einzulangen nöthig fanden, welche gar ergäblich gewesen seyn mag, indeme Herr Abbt Matthæus Closter zimlichermassen wiederum hergestellet, auch etliche Hoffmarchen, benandtlich: Mamming, und Gottfriding, Rating, Voitshoven, und mehr andere ligende Güther erkauffet; folglich die Besitzungen des Closters vermehret hat. Bey also in etwas erhollten Umständen hatte er auch die Freude zu genüssen, das 5te Sæculum des Cisterciensischen Alderspachs zu begehen; hieraf aber im 5ten Jahr beschlosse er sein Kummerund Mühevolles Leben den 1. Februar Annno 1651. Ein besonderer Verehrer ware er der Mutter Gottes in Samarey, allwo er einstens Capellan gewesen, ist auch bey dasigen Gnaden-Bild bettend abgebildet zu sehen.




Abt Gerhard Hörger (1651-1669)

In der Abbtey folgte ihme durch ordentliche Wahl Gerardus Hörger, welcher dem Closter Gotteszell als Abbt vorstunde, wurde anhero zu seinem Professions-Orth beruffen, und zum hiesigen Abbten erwählet; welche Stelle er am Fest-Tag des hl. Joseph in obgemeldten Jahr angetretten, und in diser sich grosses Lob erworben hat. Er nutzte dem Heiligen Orden nicht nur durch Handhabung der Regularen Observanz, sondern er bekame auch von Seiner Churfürstlichen Durchlaucht Hertzog Ferdinand Maria, das von dem Orden abgerissene Closter Walderbach in der Oberen Pfaltz wiederum zuruck welches dann alsobald mit Religiosen von hieraus besetzet wurde. Bey grossen Herren ware er sehr wohl angesehen, und fast bey jederman, sonderbahr bey denen Unterthanen, seiner Gutthätigkeit halben, die er ihnen als durch Krieg erschöpften angedeyen liesse sehr beliebt: er führte verschiedene theils angefangene, theils neue Gebäude und erstreckte seine löbliche Regierung des Closters biß in die 18 Jahr, nach deren Verlauf er solche sambt allen Zeitlichen verliesse den 9. October 1669. sein Grabmahl wurde mit Marmor bedecket, welcher nebst der Kirchen-Thür zu sehen.




Abt Malachias Niderhofer (1669-1683)

Die erledigte Stelle aber wurde widerum besetzet, und durch gehörige Wahl zum Vorsteher erwählet Malachias Niderhofer, welcher die Abbtey betretten den 24. Novembris Anno 1669. ware ein Liebhaber derer Gelehrten, wolte derohalben zur Gelehrtheit auch anderen verhülfflich seyn, er führte in dem Closter ein doppeltes Studium ein, nemlich, daß sowohl die Philosophia, als Theologia, von gelehrten Männern solte tradiret werden, welch-löblicher Gedancken biß heutigen Tag in seiner Würckung bestehet, und dem Closter nicht wenig im Geistlich und Weltlichen genutzet hat. Er unterhielte auch andere auf Universitäten mit hülffreicher Hand zu Prosequirung ihrer Studien; er führte manche nutzliche Gebäude, zierte die Kirchen und Sacrystey mit Paramenten; vermehrte die Bibliothec mit Büchern, und ware dem Closter sehr nutzlich welchem er durch gantze 13 Jahr vorgestanden. Im vierzehenden aber, nemlich Anno 1683. den 12. Jenner gienge er mit Todt ab und wurde unter einen herrlichen Marmor begraben, worauf er bettend eingehauen zu sehen ist.




Abt Engelbert Vischer (1683-1705)

Bald darauf wurde durch formliche Wahl zur Abbtey beruffen Engelbertus Fischer, ein Mann von grossem Verstand und Beredsamkeit, übernahme dise Würde den 21 Februarij obgemeldten 1683. Jahrs ware auch dem Ansehen nach hierzu gebohren, und bey damahligen Bischoffen zu Passau Cardinalen sehr wohl angesehen. Er beförderte die Studia, und hatte auch gelehrte Leuth unter sich, die er vor anderen liebte, seine eigene Schrifften geben zu erkennen, wie wohl beredt und vernünfftig er gewesen seye. Er führte verschidene nutzliche und löbliche Gebäude, so wohl zu Nutz des Convents, als derer Expositorum; die Observanz derer Ordens Statuten besorgte er nicht nur in hiesigem, sondern als Vicarius Generalis auch in anderen Clöstern des Bayer-Lands, und Oberen Pfaltz; nicht weniger auch das oeconomicum, worinnen er durch seine Belesung vil Nutzen geschaffet. Nach ungefehr 22 Jahren aber legte er die Burd der Regierung freywillig von sich, und gleichwie er ein Verehrer der Mutter Gottes ware, brachte er seine letzte Jahre in Samarey zu, bezeugte auch seinen Marianischen Eyffer mittelst eines Tractats, oder Beschreibung von dasigem Gnaden-Orth, so er sub anagramatico nomine in Druck gegeben. Anno 1724. beschlosse er allda seinen Lebens-Lauff, der Leichnam wurde hieher gebracht, und gebührend zur Erden bestattet.




Abt Theobald I. Grad (1705-1734)

Unterdessen ware ihme in Abbteylicher Würde Anno 1705. durch Canonische Wahl gefolget Theobaldus Grader übernahme die Abbtey den 21. Octobris gemeldten Jahrs, welche er auch durch seine Ruhm würdige Regierung gezieret, und das Closter in solchen Flor gebracht hat, als vorhin niemahls gewesen. Die Beobachtung der Ordens-Statuten befördertund handhabte er durch sein eigenes Beyspihl, und gienge hierinfahls allen vor, als ein Muster eines rechtgeschaffenen Religiosen, ein gleiches trachtete er auch in anderen Clöstern unseres Ordens, welche er als Vicarius Generalis zu visitiren hatte, gantz vätterlich zu besorgen. Die Ehre Gottes befördert er mit grossem Eyffer, wie aus unserem dermahligen Gottes-Hauß erscheinet, welches er in dise Form gebracht, und gar ansehnlich ausgezieret hat; das Hochwürdige Guth verehrte er mit einer besonders hierzu erbauten Capellen; die Andacht zur Mutter Gottes beförderte er auf all-mögliche Weiß, derowegen auch die sonsten bey Unserer Lieben Frauen in Weng eingeführte Rosenkrantz-Brudeschafft umb mehreres Platz und Solemnitäts willen in die Closters-Kirchen transferirt worden ist. Er beförderte die Erbauung des Gottes-Hauses zu Frauentödling, wo durch die Andacht zu dasigem Marianischen Gnaden-Bild biß heutigen Tag zugenohmen; die GnadenOerther zu Kößlärn, und Samarey brachte er noch mehrers empor, theils durch dahin bestellte eyffrige Marianische Seelsogeund Beicht-Vätter, theils auch durch verschidene vom Päbstlichen Stuhl erworbene GnadenBrieff und Indulgenzen. Andere so wohl dem Closter angehörige, als auswärtige frembde, und weit entlegene Gottes-Häuser beschenckte er mit Paramenten, oder anderen Kirchen-Geräth, sonderbahr aber zierte er hiesige Kirche und Sacrystey mit kostbaren Paramenten, Kelchen, und anderen Silber-Stucken, und kunstreichen Wercken; den Glocken-Thurn behengte er mit einem kostbaren, und wohl erschallenden Geläut; die Music-Chor besetzte er mit guten Orgel-Wercken, und was immer zur Ehre Gottes erfordert ware, wurde ohne Scheu eines Unkostens beygeschaffet. Ansonsten führte er verschidene Gebäu, vermehrte die Bibliothec mit vilund kostbaren Büchern, und gleichwie er selbst von grosser Belesung ware, so unterhielte er auch die Studia sehr sorgfältig so wohl im Closter, als auch durch Abschickung derer Religiosen nacher Ingolstadt. Vile offentliche Defensiones, oder ihme dedicirte Theses unterstützte er mit grosser Freygebigkeit; Studenten in grosser Anzahl unterhielte er auf verschidenen Schulen, um selbe zum Geistlichen Stand, wie es denen meisten gelungen, zu beförderen.

Gar viles wäre von seiner Gutthätigkeit zu melden, durch welche aber sein Nahmen ohne dem genugsam ausgebreitet worden ist; dann was ihme bey Löbliche Landschafft die Stelle eines Verordnetens ertruge, wurde gemeiniglich in die Hände der Armen verstecket, welche ihn sehr häuffig angeloffen, und einen milden Vatter erfahren hatten. Bey also rühmlichen Lebens-Wandel, ware Theobaldus so wohl bey dem Durchlauchtigsten Lands-Fürsten, als auch bey Geistlichen und Weltlichen Stands-Persohnen in grossem Ansehen. Endlich nach erlebter Professions-Widerhollung, und biß in das 29ste Jahr erstreckter Regierung hatte er das Unglück durch Feuer sehr beschädiget zu werden, wovon auch der Todt seinen Ursprung genohmen, welchen er mit gröster Gelassenheit erwartet, und sich hierzu nicht nur durch gedultige Ubertragung unaussprechlicher Schmertzen, sondern auch durch in Gegenwart des Convents empfangene Heilige Sacramenten auferbaulichist vorbereitet, bald darauf aber Gottseelig seinen Geist aufgegeben hat zwischen 5. und 6. Uhr Abends vor Septuagesima, da man das letzte Mahl Alleluja zu singen pfleget Anno 1734. Sein Leichnam wurde in Mitte der Kirchen, deren er ein anderter Urheber konte genennet werden, mit grossem Leydwesen des häuffig-anwesenden Volcks zur Erden bestattet, und von Seiner Hochwürden und Gnaden Herrn Prælaten zu Fürstenzell, welchen er noch bey Leben-Zeiten lang vorhero hierzu ersucht hatte, unter gewöhnlichen Ceremonien eingeseegnet. Die Gottes-Dienste wurden nachmahls zu unterschidenen Tägen in Pontificalibus gehalten, und dem letzten oder 30sten eine Leich-Predig beygefüget, welche folgends durch den Druck bekandt worden.




Abt Paul Genzger (1734-1745)

Bey nun bald darauf angestelter Wahl wurde per majora zur Abbtey beruffen Paulus Genzger, erwählet den 29. Mertzen obgemeldten 1734. Jahrs; ware vorhin in verschidenen Aembtern gebrauchet, als Professor, Prior, Pfarrer, endlichen nacher Seeligthal als Beicht-Vatter bestellet, von wannen er zur Abbtey beruffen worden, bey welcher er für das Oeconomicum grosse Sorg truge. Die Studia hielte er in aufrechten Stand, schickte zu disem Ende zwey Religiosen nacher Prag, welche aber beede frühzeitig gestorben seyn; die Bibliothec vermehrte er mit nicht wenigen Büchern, welche er sich angeschafft hatte; die Sacristey bereichte er mit ein und anderen Ornat, die Kirchen zierte er durch kostbare Fassung derer 2. Heil Leiber Feliciani und Claræ, deren letzterer erst unter ihme hiehero gekommen ist. Er führte auch etwelche grosse, und kostbahre Gebäu, benantlich das Bräu-Hauß, Kastnerey, Mühl, Bauhof etc. Er legte den ersten Stein zu der von seinem Vorfahrer intentionirten und auf Spesen eines Oesterreichischen Cavaliers aufgeführten Lauretanischen Capellen, in welche er das überkommene Marianische Gnaden-Bild solemnissime introduciren liesse, verschaffte auch, daß allda von denen Haußgenossenen bey erster Meß täglich der Rosenkrantz gebettet werden solte, und mehr anderes zur Ehre Gottes hatte er verordnet. Er wurde Anno 1738. zum General-Capitul nacher Cisterz eingeladen, allwohin er sich auch begeben, und von des Ordens General wohl angesehen gewesen, welcher ihme in verschidenen Sachen an die Hand gegangen; seine Regierung aber blibe von Unruhen nicht befreyet.

Es fangte Anno 1741. der schädliche Krieg an, welcher gar bald dem Closter sehr empfindliche Wunden versetzet hatte, worvon ein ganzer Tractat zu schreiben wäre; dann zu geschweigen, das 2. mahl das Haupt-Quartier, und folglich etliche 1000. Mann mit Officiers und deren Anhang von hieraus zu verpflegen, auch andere kostbare gantze Winter-Quartier zu ertragen waren, so muste das Closter nebst Ansehung des Ruin viler Unterthanen annoch grosse Contributionen an paaren Geld præstiren, welche, und mehr andere Verdrüßlichkeiten gedachtem Abbten also zu Hertzen drungen, das er besser fande der Abbteylichen Sorgen frey zu seyn, resignirte also die Abbteyliche Würde in die Hände des dermahligen Hochwürdigen und Gnädigen Herrn Prælatens zu Ebrach, welcher als Pater Immediatus, und zugleich Vicarius Generalis totius sup. Germaniæ dises Closter visitirte, und bey darauf erfolgter Wahl præsidirte. Entzwischen begabe sich Abbt Paulus nacher Samarey, allwo er auch den 20. Februar des jetzt lauffenden Jahrs nach empfangenen Heiligen Sacramenten im Herrn entschlaffen.




Abt Theobald II. Reitwinkler (1745-1779)

Nach obgemeldter Resignation aber wurde den 25. Octobris verflossenen Jahrs die neue Wahl angeordnet, und durch allgemeine Beystimmung zum Oberhaupt erwählet Theobaldus, der Anderte dises Nahmens, Reitvvingler genandt, aus Passauischen District gebürtig, in Philosophisch und Theologischer Wissenschafft (deren letztere er 2. mahlen tradirt hatte) rühmlich ist versirter, mithin sowohl an Gelehrtheit als Religions-Eyffer jedem bevorgehender Hochwürdigund Gnädiger Herr Herr, von deme seith kurtzer Zeit seiner Regierung fast eben so vil als von seinigen Vorfahreren zu beschreiben wäre. Die Ehre Gottes fürs erste wurde beförderet, da ein künstliche Hand die Capellen des Hochwürdigen Guths angenehm ausmahlen muste, die Sacristey, die Hoffoder Abbtey-Capellen musten mit gleicher Kunst gezieret werden. Die seith Theobaldo dem ersten unausgeführt gebliebene Ornamenten der Sacristey-Kästen kamen nun zu ihrer Vollkommenheit; die Kirchen wurde nicht nur mit einem kostbaren und Gold-reichen Ornat versehen, sondern mehrmahlen mit einem kostbar-gefasten heiligem Leib bereichet; das Lauretanische Gnaden-Bild mit 2. kostbaren in Hertz-Form elaborirten Lampen beehret; der Kirchen-Schatz aufs reiniste erneueret, und um viles vermehret, theils mit geschlagenem Silber, theils mit kostbarer Stikerey pragend gemacht. Beynebens nicht nur die Abbtey, sambt denen durch obgemeldte Kriegs-Unruhen sehr übel zugerichteten Gast-Zimmern, sondern auch das Gantze Closter von unten biß oben in bessere Gestalt gebracht, das Oeconomicum betreffend, wurde der befundene Abgang an Lebens-Mitteln, Bräu-Wesen, Mayrschafft, und Bau-Materialien in möglichster Eyle ersetzet, Getrayd, Pferd, und anderes Vieh beygeschaffet, und aller Noth gesteuret, ungeachtet viler abzuführenden Schulden, und Lands-Fürstlichen Anforderungen.

Noch mehr anderes wäre anzuführen, so aber weiters verschoben wird, genug seye, daß Alderspach nunmehro, da es kaum eine wenige Ruhe geniesset, gantz erneueret, sich getrösten könne, nicht nur seinen Flor zu erhalten, sondern in selbigem immerdar aufzuneh men, gleichwie es seith seinen geringen Anfang bey abwechßlendem Glückund Unglücksfällen wunderbahrlich beschützet, und durch mitwürckenden Fleiß klug und fürsichtiger Vorsteher zu bißherigem Wachsthum beforderet worden ist. Dann obwohlen weder an Gebäuden, Meublen, Domestiquen, und allenthalber Aufführung etwas der Weltnach prächtiges allhier zu finden ist, so kann doch dises Closter nebst deme, daß es der Anständigkeit gemäß zu Gnüge versehen, sich verschidener Praerogativen rühmen, und zwar, daß es nicht nur dem Päbstlichem Stuhl immediate unterworffen, sondern von mehr als 30. Päbsten mit vilerley, und darunter auch höchst-wichtigen Gnaden-Brieffen begabet worden. Römische Kayser hatten solches in ihren Schutz genohmen, und wider erlittenen ungerechtsamen Gewalt mächtig beschirmet, wie aus denen hierüber ertheilten Privilegiis zu ersehen, biß endlichen solche Schutz-Tragung hiesige Lands Fürsten, und zum ersten Otto Hertzog in Bayern über sich genohmen, welcher sambt seinen Durchleuchtigsten Nachfolgern die milde Gnaden Hand öffters mit Privilegien dargereichet haben, deren mancher Würckung einzig zu wünschen übrig. Des mächtigsten Gnaden-Schutzes aber rühmet sich Alderspach von MARIA der übergebenedeyten Gottes-Gebährerin und Schutz-Frauen des gantzen Cisterzer-Ordens, als welche nicht nur in der Closters-Kirchen als Patrona Primaria mit grossem Vertrauen verehret wird, sondern auch auf 4. dem Closter incorporirten Orthen, als nemlich in Weng, in Kößlarn, in Tödling, in Samarey, und wohl mehreren, ihre Wundervole Gnaden-Hülff dem häuffig zulauffenden Volck mildiglichst ertheilet, worvon mehrere Beschreibung theils in Atlante Mariano, theils anderwärtig herausgegeben worden.

Annebenst hat sich Alderspach zu rühmen eines ansehnlichen Schatzes Heiliger Reliquien, deren Erzehlung und Benennung insonderheit einen grösseren Platz erforderete; nur von denen fürnehmeren Meldung zu thun, so befindet sich allhier ein zimlich grosser Particul des Heiligen Creutzes, welcher mit kostbarer Fassung umgeben, im Hoch-Altar aufbehalten, ein anderer aber ebenfalls von solcher Grösse in dem Creutz-Altar verwahret wird; ansonsten seynd vor anderen merckwürdig, ein Theil des Unterkleyds, oder Hembds Unserer Lieben Frauen, welches auf dem Frauen-Altar unter kostbarer Stickerey bewahret ist: die kostbar gefaste, und mit Edl-Gestein gezierte Gebeine derer Heiligen Leiber S. Feliciani Mart. S. Valerii Mart. S. Claræ Virg. & Mart. S. Benedictæ Virg. & Mart. welche ihre Ruhstatt mittelst solemner Intronisation auf 4. Seithen-Altären genohmen; über dises befinden sich allhier eine Menge authentischer Reliquien derer führnehmsten Heiligen Gottes, von welchen nur die grössere zu melden, folgende seynd: 1. Zahn des hl. Johannis Bapt. Das Haupt des hl. Pabsts Urbani Mart. 1. Armb der hl. Jungfrau und Martyrerin Ursula. Etliche Häupter aus deroselben Gesellschafft. 1. Theil des Armbs St. Roberti Abbatis, und vile andere in 8. hierzu verferdigten Altärlein verwahrt, und gezierte grosse Gebeine, mit beygesetzten Nähmen derer Heiligen welche alle hieher zu setzen der Raum nicht fasset, sondern in die ausführlichere Beschreibung verschoben wird, in welcher auch von denen hier befindlichen Marmorstteinenen Monumentis, und Sepulturis Nobilium Meldung zu thuen übrig bleibet, damit anjetzo die Schrancken eines Compendii nicht überschritten seyen, nur dises scheiner noch würdig angefüget zu werden, daß, gleichwie Alderspach laut bißheriger Erzehlung, viler fürtrefflichen Vorsteher sich rühmet, also auch vile gelehrte Männer zehlen könte, durch deren Fleiß und Sorg die Nachkömmlinge sich des grossen Schatzes der Bibliothec zu erfreuen haben, indeme Alderspach nicht nur bey 30.000 Volumina, sondern hierunter auch rare und kostbare Manuscripti in grosser Anzahl aufzuweisen hat.

Welcher nützliche Reichthum eintzig nach Gott der Gelehrtheit derer Vorsteher, und ihnen untergebener gelehrter Religiosen beyzumessen, denen die Lieb zur Wissenschafft eine Sorg um den gehörigen Werckzeug eingeflösset hat. Und hiermit seye diser kurtze Außzug aus unserer Chronic beschlossen, wormit dem Leser einigen Vorbericht zu geben, die erfreuliche, und solemne Begehung des Sechsten Sæculi veranlasset hat, welche Fests-Begängnuß ebenfalls in Kürtze beschreiben noch einen Platz verdienet, nicht zwar in der Absicht, als ob man anderwärtigen derley Festivitäten ein gleiches gethan zu haben prallen wolle, sondern eintzig, um auch denen Abwesendund weiters Entlegenen unsere billig unverbergliche Freude über so langwürdige Erhaltung mitzutheilen. Sie bestunde in folgenden ...