Die Benediktinerabtei Michaelbeuern verwahrt in seinem Archiv die Todesanzeige bzw. den Informationsbrief zum Ableben von Abt Theobald II. Reitwinkler. Michaelbeuern pflegte mit Aldersbach eine Gebetsgemeinschaft und kam so in den Besitz dieses bemerkenswerten historischen Dokuments, das neben Informationen zum Leben und Wirken des bedeutenden Aldersbacher Prälaten auch eine hier einmalig überlieferte Ansicht des Klosters aus besagtem Jahr enthält. Hubert Kalhammer stieß in einer Publikation Edgar Krausens über Totenroteln im Allgemeinen auf die für die Aldersbacher Geschichte bedeutende Quelle und publizierte in den Ostbairischen Grenzmarken nachfolgende Zusammenfassung (1976, Heft 21, 128-133). Der Brief wurde mit einiger Sicherheit in der Aldersbacher Hausdruckerei hergestellt. Als Ergänzung füge ich eine vollständige Transkription des lateinischen Textes der Rotel und die Kupferstiche zur an. Zusammenstellung: Robert Klugseder.

Zur Transkription des lateinischsprachigen Rotelbriefes.




Abt Theobald II. Reitwinkler von Aldersbach (reg. 1745-1779). Sein Lebensbild nach der Totenrotel

von Hubert Kalhammer (†).

Die Personalgeschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Aldersbach ist noch ein ungeschriebenes Kapitel. Außer dem berühmten Abt und Humanisten Wolfgang Marius (reg. 1514-1544) und Abt Johannes IV. Dietmair (reg. 1587-1612) hat noch kein Abt dieses niederbayerischen Stifts in neuerer Zeit eine biographische Bearbeitung gefunden. Vor 200 Jahren, am 07.02.1779, starb der 45. Abt des Klosters, Theobald II. Reitwinkler (reg. 1745-1779). Das Lebensbild dieses Aldersbacher Rokokoprälaten umreißt seine Totenrotel in der 35 Foliobände umfassenden Rotelsammlung in der Benediktinerabtei Michaelbeuern im Salzburger Land. (-> 1)

Totenroteln, in denen die zu Gebetsgemeinschaften zusammengeschlossenen Klöster einander ihre Verstorbenen bekanntgaben, führen in der Forschung zur Personalgeschichte der alten Klöster eine stiefmütterliche Behandlung. Der Ansatz dafür mag in dem Grundsatz liegen: De mortuis nil nisi bene(-> 2) Fakten und Daten bleiben davon jedoch unberührt. Damit wird der Totenbrief so zuverlässig oder unzuverlässig wie jede andere Quelle auch. Die gedruckte Totenrotel für Abt Theobald II. zählt 38 Seiten im Format 30x21 cm. Der Verfasser des lateinischen Textes ist unbekannt, ebenso der Drucker und der Erscheinungsort. Neben fünf kleinen Kupferstichen enthält die Totenrotel auch einen bisher unbekannten Stich des Klosters Aldersbach. Auf dem von Rocaillen gerahmten Bild liegt im Vordergrund der Sensenmann am Boden auf einen Sarg gestützt, zu seinen Füßen der Abtstab und das umgestürzte Stundenglas, dahinter die umgefallene Mitra. Den Bildhintergrund bildet die Totalansicht des Klosters von Südwesten. Aus dem Abteitrakt rechts neben der Kirche schwebt die Taube mit dem Ölzweig als das Wappentier des Abtes zum Himmel empor. Der Schriftsatz auf allen Seiten wird von einem mit Muscheln besetzten Stabbündel umrandet.

Das Deckblatt enthält die wortreiche Grußadresse. Nach dem Kupferstich des Klosters auf der dritten Seite folgt auf der vierten Seite das Motto des Totenbriefes: „Dilectus deo et hominibus cuius memoria in benedictione est: similem illum fecit in gloria sanctorum“ (Eccli. 45). Die ersten drei Textseiten stellen die eigentliche Todesanzeige dar mit dem Namen und den Titeln des Verstorbenen. Sie bringen zugleich den Schmerz und die Trauer des Aldersbacher Konvents über das Ableben seines Abtes in überschwänglichen Worten zum Ausdruck. Auf den nächsten sechs Seiten zeichnet der Rotelschreiber den Lebensweg Reitwinklers von seiner Geburt bis zur Abtwahl.

Am 05.11.1705 wurde Martin Leopold Reitwinkler in Passau geboren. Seine Eltern werden als angesehene Leute bezeichnet („parentes nactus est honestissimos quidem, non tamen nobiles“). Der Beruf des Vaters wird in der Rotel nicht genannt. Als dem Jüngsten („inter fratres suos natu minimus“) galt ihm die besondere Liebe und Obsorge der Eltern. Diese knappen Angaben über Herkunft und Geburt lassen sich durch die Matrikelbücher der Dompfarrei St. Stephan in Passau ergänzen. (-> 3) Der Eintrag im Taufbuch lautet: „25. Huius (Novembris 1705) baptizatus est Martinus Leopoldus des Ehrsamen und Wolbeschaiden H: Johannis Georgii Winckhlreither Preumaisters zu Hackhlperg und Mariae Coniugis filius legitimus. Patrinus erat D: Severinus Rieder Bürger und Pöckh alhir bey dem Donauthor“. Schon als Braumeister von Hacklberg hatte der Vater am 21. 01.1693 in Untergriesbach geheiratet. Aus der rund fünfzehnjährigen Ehe gingen in den Jahren 1693-1705 acht Kinder hervor: vier Buben und vier Mädchen. Taufpaten aller Kinder war das Ehepaar Rieder. Bereits zwei Jahre nach seiner Geburt verlor der jüngste Reitwinkler seine Mutter am 08.10.1707. Sein Vater ertrank am 27.06.1734 im Alter von 72 Jahren bei einem Schiffsunglück an der Vilshofener Donaubrücke („Vilshovii allisa ponti navicula submersus“).

Über die schulische Laufbahn des jungen Reitwinkler gibt die Totenrotel genauere Auskunft. Das Studium der Humaniora absolvierte er bei den Jesuiten in Passau. Die Rotel schildert ihr als Musterschüler („ut inter comilitones continuo victor emineret“) und hebt besonders seine Verehrung der Gottesmutter auf dem Mariahilfberg hervor. Nach Abschluss der Schola inferioris ging Martin Leopold an das Lyzeum der Benediktiner in Freising und erlebte die „Geistliche Stadt“ in ihrer Glanzzeit unter Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing. Während des Philosophiestudiums bei den Söhnen des hl. Benedikt lernte Reitwinkler auch die Regel des hl. Ordensvaters schätzen und lieben. Es reiste in ihm der Entschluss zum Ordensleben. Warum er sich aber nach dem Abschluss seiner Studien im Jahre 1725 nicht einer Benediktinerabtei zuwandte, sondern bei den Zisterziensern in Aldersbach um das Ordenskleid bat, darüber schweigt der Totenbrief.

Abt Theobald I. Grad von Aldersbach (reg. 1705-1734) scheint den Novizen schnell ins Herz geschlossen zu haben. Die Totenrotel zieht die Eliasgeschichte (4 Kg 2,9) an, wenn sie über das vertraute Verhältnis beider Männer spricht, da doch der junge Mönch seinem Abt dem Namen nach und im Amt folgte („et nominis et muneris factus sit aemulator et successor gloriosissimus“). Am 21.11.1726, dem Fest Mariä Opferung, legte Frater Theobald seine feierliche Profess ab. Er galt bei seinem Abt und bei seinen Mitbrüdern als „religiosae vitae prototypon“. Damit sein Tugendleben jedoch kein wackeliges Gestell bleibe („ne virtus fulcro vacillaret“), schickte ihn Abt Theobald I. zum Studium der Theologie und der Rechtswissenschaften an die Universität nach Ingolstadt. Reitwinkler immatrikulierte sich dort am 30.10.1727 (-> 4). Das Datum der Priesterweihe, den 22.09.1731, nennt die Rotel nicht. Ihr erscheint die feierliche Primiz des Neupriesters am 21.10.1731, dem Fest der hl. Ursula als der dritten Patronin des Klosters Aldersbach, bedeutsamer. Nachdem P. Theobald ein ganzes Jahr lang den Dienst des Sakristans versehen hatte, wurde er Professor für Theologie an der Hauslehranstalt in Aldersbach. Dieses Hausstudium war von Abt Malachias Niederhofer (reg. 1669-1683) eingerichtet worden für die Kleriker des Klosters. Die Schule wurde aber auch von anderen Klöstern der Umgebung beschickt. Dieses Amt versah P. Theobald über mehrere Jahre („per plures annos“). Dann zwang ihn eine schwere Krankheit, die nicht näher bezeichnet wird, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Zur Genesung schickte ihn Abt Paul Genzger (reg. 1734-1745) in die Klosterpfarrei Kößlarn. „Et ecce! Quae vita dulcedo et spes nostra est, B. V. MARIA Köstlarii beneficiis clara, aegro sanitatem restituit“. Nun widmete er sich voll Feuereifer der Wallfahrtsseelsorge.

Im Juli 1738 wechselte P. Theobald abermals sein Wirkungsfeld. Die Zisterzienserinnen in Seligenthal bei Landshut, die seit 1581 von Aldersbach aus betreut wurden, brauchten ihn als Beichtvater und Wirtschafter („tum conscientiarum tum rerum oeconomicarum providuo gubernatore“). Dort verbrachte er die schwere Zeit des Österreichischen Erbfolgekrieges. Seinem diplomatischen Geschick verdankten es die Ordensfrauen, dass sie und ihr Kloster vor größeren Schäden bewahrt blieben. Die Hauschronik von Seligenthal weiß zu berichten, dass P. Theobald sich darum gekümmert habe, den 60 Nonnen im Jahre 1742 im Oppenriederschen Haus in der unteren Altstadt (Eckhaus Altstadt-Herrengasse, Gärtnerei Rößl) Unterschlupf zu verschaffen (-> 5).

„Im Jahre 1745, als dem Lande wieder der goldene Friede beschert war, kehrte die Taube des Theobald mit dem grünenden Ölzweig im Schnabel nach Aldersbach zurück“. Mit diesen Worten, die auf das Wappen des neuen Abtes Bezug nehmen, leitet der Rotelschreiber über auf das Wirken Theobald Reitwinklers als 45. Abt des Klosters Aldersbach. Er gliedert es in drei Abschnitte und schildert den Abt als „magnum Oeconomum“, als „magnum pro decore Domus Dei Zelatorem“ und als „magnum litterarum Fautorem et Statorem“.

Am 15.10.1745 hatte Abt Paulus seine Resignation beim Geistlichen Rat in München eingereicht. Als Begründung führte er die „außerordtentliche Kriegs-Ungemache“ an (-> 6). Abt Hieronymus Held (reg. 1741-1773) von Ebrach unterstützte als Pater immediatus des Klosters Aldersbach das Resignationsgesuch, „damit das durch ausserordtentlich ertragene Kriegs-Last ohnehin äusserst erschöpfte Closter durch lange Zuwarth nit in grössere Uncosten verfahle“. Die Chronik von Seligenthal bemerkt noch, dass Abt Paulus „auf vieles Zudringen und einige Cabalen einiger seiner Conventualen“ resigniert habe.

Dem Wahlbericht der beiden churfürstlichen Wahlkommissare Josef Clemens Maria Bernabey und Max Freiherr von Ginsheim ist zu entnehmen, dass die Wahl am 25.10.1745 reibungslos über die Bühne lief und dass die 32 wahlberechtigten Mönche bereits im ersten Wahlgang ihre Entscheidung trafen. Sie wählten „P. Theobaldum bishero gewesten Beichtvatter in Sellingthall“ zu ihrem neuen Abt. Es hat den Anschein, als wäre P. Theobald der einzige Kandidat gewesen, da die Wahlkommissiare schon vor der Wahl „vor den erforderlichen guten Aigenschafften des Neoelecti satsamben Unterricht bekommen haten“, so dass sie unverzüglich den churfürstlichen Wahlkonsens erteilen konnten. Am 08.11.1745 stellte der Generalabt in Citeaux, Andochius Pernot, die Wahlbestätigung aus. Gleichzeitig wurde der neue Abt von Aldersbach mit dem Amt des Generalvikars für die bayerischen Zisterzienser betraut. Die Abtsweihe erfolgte erst am Dreifaltigkeitssonntag des kommenden Jahres, am 05.06. 1746 anlässlich des über vier Tage lang gefeierten 600jährigen Jubelfestes des Klosters Aldersbach. Die feierliche Infulation nahm der Generalvikar der Oberdeutschen Zisterzienserkongregation und Vaterabt von Aldersbach, Abt Hieronymus Held von Ebrach, vor unter Assistenz der Abte Stephan Mayr von Fürstenzell und Aemilian Holzer von Asbach. P. Michael von Mannstorff beschreibt in seiner Festschrift, wie der „solenne Infulations-Act ... unter mehrmahligen Trompeten- und Paucken-Schall, auch Beystimmung anderer Musicalischen Instrumenten, mit verdoppeltem Chor, und öffterer Lösung der zimlich grossen Pöller, auf das feyerlichste vollendet worden“ und wie das innere Hofzimmer, in dem das Festmahl eingenommen wurde, „mit unterschidlichen gemahlenen auf hoch denselben alludirend- oder aggratulirenden Symbolis, Ehren-Porten, Emblematibus und anderen Carminibus, so vil möglich ware, ausgezieret“. Nach der Vesper und der Lauretanischen Litanei, die „bey Ausgesetzem Venerabili mit Trompeten und Paucken feyerlichst abgesungen“, wurde dem neuinfulierten Prälaten und seinen Gästen „zu einer Diversion eine durchaus Musicalische Opera in dem Hof-Saal Theatraliter producirt“ (-> 7). So festlich die Infulation des Aldersbacher Rokokoprälaten auch abgelaufen sein mag, mit der abtlichen Würde hatte Abt Theobald eine schwere Bürde übernommen.

Nach Auskunft der Totenrotel war das Kloster vom Krieg kläglich zugerichtet („facies Alderspachii belli calamitatibus misere deformata“). Aus dem Inventarverzeichnis, das anlässlich der Neuwahl angefertigt wurde, geht hervor, dass der Schuldenstand des Klosters 50.250 Gulden betrug (-> 8). Durch sparsames und umsichtiges Wirtschaften konnte der neue Abt die Schulden in kurzer Zeit tilgen. Bereits drei Jahre später war das Kloster schon wieder in der Lage, seinen Besitz- und Herrschaftsbereich durch den Ankauf des Sitzes Amsham zu erweitern (-> 9).

Abt Theobald nahm die wirtschaftliche Leitung zunächst fest in seine eigenen Hände und kümmerte sich persönlich um alle Bereiche, angefangen von Küche und Keller, über das Brauhaus und die Werkstätten bis hin zum landwirtschaftlichen Betrieb auf den Feldern und in den Ställen. Die Totenrotel rühmt seine umsichtige Wirtschaftsführung („prudentia oeconomica“), aber auch seine unverwüstliche Schaffenskraft („laboris patientia“). Von früh bis spät gönnte er sich keine Ruhe, die Wirtschaftsbücher kontrollierte er im Detail („provolvit ad apices“). Bis um Mitternacht saß er über den Büchern, zur Matutin um vier Uhr morgens aber erschien er gewissenhaft im Chor.

Abt Reitwinkler erwies sich aber nicht nur als tüchtiger und umsichtiger Wirtschafter, der sein Kloster nach den Wirren des Österreichischen Erbfolgekrieges sehr schnell wieder in die Höhe brachte, sondern als tatkräftiger und kunstsinniger Bauherr. Seine Bautätigkeit wollte er nicht als breitspuriges Auftrumpfen verstanden wissen, sondern als Verherrlichung Gottes. Die Totenrotel lässt ihm höchstes Lob angedeihen, wenn sie sagt, seine Neubauten, seine umfangreichen Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten würden ihn zum zweiten Gründer des Klosters machen („aedificia ... eumque fundatorem domus Alderspacensis secundum proclamant“). Sie zählt dann eine ganze Reihe von Baumaßnahmen auf, die unter Abt Theobald durchgeführt wurden, so den Seminarneubau („quod e fundamentis recenter excitavit“) beim Eingang zum Kloster zusammen mit den sich anschließenden Werkstätten („cum officinis contiguis“). Neben der Neugestaltung der Bibliothek und des Refektoriums wurden alle Gästezimmer und die Zellen der Mönche renoviert und verbessert. Verwaltung und Abtei hätten Abt Theobald ihren Glanz zu verdanken. Aber auch die Patres des Klosters, die auf den Pfarreien wirkten, erfuhren die tatkräftige Hilfe ihres Abtes, „ut confratibus commoda esset habitatio in parochiis“. So ließ Abt Theobald drei Pfarrhöfe neu erbauen (Neuhofen, Nöham, Schönau). Erwähnung findet auch der Bau des Eiskellers im Kloster („cellam crustis glacialibus adservandis adcommodam non levi pretio effodi et durissimo lapide muniri fecit“) und die Erweiterung und Ausstattung der Ställe („etiam pecoribus prospexit de stabulis amplis et marmoreo apparatu instructis“).

Die Kirchen und Kapellen des Klosters waren dem Abt ganz besonders angelegen. So ließ er die Portenkapelle zu Ehren der schmerzhaften Muttergottes neu erbauen (1767), die Fassade und den Turm der Klosterkirche ausbauen (1755) und mit einem neuen Geläute ausstatten, nachdem er schon zum 600jährigen Klosterjubiläum die Altäre mit neuen Stuckmarmorantependien und die Kirche mit einem farbigen Pflaster („ex versicolore marmore pavimentum“) hatte ausstatten lassen. Auch die Neuanschaffung des Chorgestühls und des Thronsessels in der Abteikirche, die Einrichtung des Kapitelsaales, der Sakristei und der Krankenkapelle werden in der Totenrotel angeführt. Die Türme der Wallfahrtskirchen Sammarei (1779) und Weng wurden unter Abt Theobald II. ausgebaut („turres altius sublatae et nitide exornatae“). Für den Hochaltar der Abteikirche wurden die großen Silberleuchter angeschafft, ebenso vergoldete Kelche und besonders eine große Monstranz „unacum conopaeo serico, auro argentoque praefulgido“. Auch eine große Anzahl kostbarer Ornate und Meßgewänder wurden unter Abt Theobald angefertigt.

Ein weites Programm seines Kunstschaffens umreißt die knappe Andeutung der Rotel: „nullaque ex nostris ecclesiis parochialibus fuit, quam non aut Ara noviter erecta, sacris calicibus et vestibus vel aliis, quae fidelium pietatem accenderent, non ornaverat“. Als Beispiel dafür sei nur die künstlerische Ausgestaltung und Ausstattung der Wallfahrtskirche von Sammarei angeführt. 1764 ließ Abt Theobald die reichgeschnitzte und mit Intarsien geschmückte Bestuhlung für die Wallfahrtskirche anfertigen, ebenso die Stuckmensen für die Altäre. 1772 beschaffte er wohl in der Werkstatt Deutschmanns einen neuen Gnadenaltar. Der alte Gnadenaltar von Jakob Bendl wurde in die Kapelle nach Martinstödling transferiert. Ein mit Emailschmelzarbeit verzierter Rokokokelch mit den Initialen FTAA („Frater Theobaldus Abbas Alderspacensis“) gehört heute zu den Pretiosen der Wallfahrtskirche. Im Jahre 1771 hatte ihn der Herr Prälat der Muttergottes gestiftet (-> 10). Weitere Zeugnisse seines Kunstschaffens ließen sich nennen für fast alle Kirchen, die einst von Aldersbach aus betreut wurden.

Ein weiterer Abschnitt der Rotel spricht die Förderung und die Pflege der Wissenschaften in Aldersbach während der Regierungszeit Abt Theobalds II. an. Mit der von ihm auf das schönste erbauten Bibliothek wollte er in erster Linie nicht einen Repräsentationsraum schaffen, sondern eine Rüstkammer des Geistes. Werke aus allen Wissenszweigen wurden unter Abt Theobald eingestellt. Die wissenschaftliche Ausbildung des Ordensnachwuchses war großgeschrieben. Fast ausnahmslos schickte er die Kleriker des Klosters zum Studium an die verschiedenen Universitäten. Aber auch die Pflege des Hausstudiums förderte der Abt. An den schriftlichen Prüfungen und den öffentlichen Disputationen, die mehrmals im Jahr abgehalten wurden in Aldersbach, beteiligte er sich nicht als Zuschauer und Zuhörer, sondern als Examinator. Noch als Siebzigjähriger entschloss er sich zur Einführung einer neuen Studienordnung an der Hausanstalt. Neben den philosophischen und theologischen Fächern wurde nun auch Kirchenrecht, Geschichte, Exegese und die alten Sprachen während des Hausstudiums eingeführt. Zusammenfassend meint die Totenrotel: „Ita scientias promovit, ita coluit, ut musis Alderspacensibus aeterno in honore habendus sit“.

Breiten Raum verwendet der Rotelschreiber noch auf die Darstellung der Tugenden seines verstorbenen Abtes. Angefangen von seinem Frömmigkeitsleben („religio erga Deum et sanctos suos“) beschreibt der Katalog seine caritas, seine discretio, seine patientia, seine mansuetudo und humilitas. Dabei wird auch erzählt, dass Abt Theobald bis in seine alten Tage hinein jedes Jahr zu Fuß zur Muttergottes nach Sammarei gepilgert sei. Von seiner Einstellung zur Armut heißt es: „Pauperrimus sibi, ditissimus et liberalissimus erga pauperes“. Besonders großzügig zeigte er sich zu den Grundholden des Klosters („multa florenorum millia iis remisit“). Sein gewinnendes Wesen machte den leutseligen Herrn bei Armen und Reichen beliebt.

Diese menschlichen Qualitäten ihres Abt-Weisers wussten auch die Nonnen von Seligenthal zu schätzen, da sie in ihren Nachruf für Abt Theobald schrieben: Er „machte uns verschiedene Verehrungen an Wildprät, Wehrmuthwein etc. und schafte jährlich jeder Klosterfrau zur Celebrirung ihres Namenstags eine Maaß Wein an, da wir für alles dieses nichts als bethen konnten (-> 11).

Daneben weiß die Totenrotel aber auch das Bild eines gestrengen Klostervorstandes zu zeichnen, der stets darauf achtete, dass das Chorgebet pünktlich und gewissenhaft abgehalten wurde und dass alle im Kloster anwesenden Mönche daran teilnahmen. Von seiner Sorge um den Klosternachwuchs wird hervorgehoben, dass er mehr als sechzig Einkleidungen vorgenommen habe („ut ultra sexaginta in S. ordinem susceperit sacroque religionis habitu induerit).

Von seiner 33jährigen Tätigkeit als Generalvikar und Visitator der bayerischen Zisterzienserprovinz wird gesagt, dass er an 18 Abt- bzw. Abtissinnenwahlen meist als Wahlvorstand teilgenommen habe und zahlreiche Visitationen („quas plurimas suscepit“) durchgeführt habe.

Im letzten Abschnitt berichtet die Rotel noch von der Todeskrankheit und vom Sterben des Abtes. Nachdem er am 21.11.1776 noch in voller Frische sein goldenes Professjubiläum gefeiert hatte, habe man gehofft, in einem noch großartigeren Fest in wenigen Jahren sein goldenes Priesterjubiläum feiern zu können. Bald stellten sich jedoch heftige Fußschmerzen und ein Steinleiden ein („Acutissimi pedum et calculi dolores Patrem nostrum invaserunt“). Als ihn Ende Januar 1779 ein Katarrh („catarrhus“) befiel, kündete sich das nahe Ende an. Am 03.02. feierte er zum letzten Mal die hl. Messe. Die nächsten Tage verbrachte er bald im Lehnstuhl, bald im Bett. Am 05.02. bezeichnete der Arzt den Zustand seines Patienten als sehr bedenklich. Im Beisein des ganzen Konventes empfing Abt Theobald die Sakramente der Kirche. Da er den Tod nahen fühlte, traf er Anordnungen für sein Begräbnis. Er bat, dass sein Leichnam einige Stunden in der Hauskapelle und dann drei Tage im Kapitelsaal aufgebahrt werden möge. Begraben wollte er zu Füßen seines Vorgängers Abt Theobald I. sein da er sich für unwürdig erachtete, an seiner Seite bestattet zu werden („indignum se reputans, qui eidem a latere cubaret“).

Als er am 06.02. um elf Uhr nachts die Glocke schlagen hörte, sprach er laut und allen Umstehenden vernehmlich: „In einer Stunde werde ich von euch scheidens“. Bei vollem Bewusstsein und mit Anspannung aller Kräfte, die ihm seine Todeskrankheit noch gelassen hatte, begann um zwölf Uhr nachts sein Todeskampf („coepit agonizare“). Gegen halb ein Uhr – es war der Sonntag Sexagesima – am 07.02.1779 war Abt Theobald II. Reitwinkler tot. Als Todesursache führt die Rotel an: „ex catarrho suffocativo et Peripneumonia Notha“.

Ein Kupferstich, auf dem ein Genius eine Rolle mit einem Epigraph hält, beschließt die Lebensbeschreibung des Abtes. Die Buchstaben des Chronogramms ergeben das Jahr 1779: „sIste, qVI transIs pIe VIator, laCet hIC MagnVs TheobaLDVs II. merito dicendus Fundator Alderspachii secundus Praesul.




Anmerkungen:

  1. 1. Benediktinerabtei Michaelbeuern, Totenrotel-Sammlung, Bd. 30, Nr. 273.
  2. 2. Edgar Krausen, Totenrotel-Sammlungen bayerischer Klöster und Stifte, in: Archivalische Zeitschrift 60 (1964) 11 ff.
  3. 3. Passau, Dompfarrei St. Stephan, Taufen 1668-1716, Bd. III, fol. 336; Sterbe-Register, Bd. III, S. 64.
  4. 5. Götz von Pölnitz, Die Matrikel der Ludwig-Maximilians-Universität Ingolstadt-Landshut-München, München 1937/ 41, Bd. 3, 1. Halbband, Sp. 3.
  5. 6. Kloster Seligenthal in Landshut, Chronik 2, S. 38. — Theo Herzog, Landshuter Häuserchronik, Neustadt/ Aisch 1957, 166.
  6. 7. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Klosterliteralien Aldersbach 67 (Elektionsakten).
  7. 8. Michael Mannstorff, Epitome Chronicorum Alderspacensium, Stadt am Hof 1746, 45 ff.
  8. 9. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Klosterurkunden Aldersbach 1620.
  9. 10. Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Klosterliteralien Aldersbach 73a, fol. 139.
  10. 11. Kloster Seligenthal in Landshut, Chronik 2, S. 140 f.