• Vorbemerkungen
  • P. Alan Stelzer
  • P. Stephan Wiest
  • P. Amadeus Primbs
  • P. Balduin Wurzer
  • Abt Bonifaz Hiltbrand
  • Abt Johannes Dietmair
  • Abt Bartholomäus Madauer
  • Abt Wolfgang Marius
  • P. Ignaz Brait (SJ)
  • Sebastian Winkelhofer
  • Die Brüder Hell

Vorbemerkungen

Das Kloster Aldersbach hat in seiner Geschichte zahlreiche gelehrte Mönche hervorgebracht und an der Klosterschule begabte Schüler gefördert. Nachfolgende "Schlaglichter" können somit nur eine kleine Auswahl an herausragenden Persönlichkeiten vorstellen.

Von Abt Malachias Niderhofer (reg.1669-83) ist bekannt, dass er die höheren Studien im Kloster förderte, er selbst war im Wintersemester 1638 an der medizinischen Fakultät in Ingolstadt inskribiert. Man kann allerdings davon ausgehen, dass die Bestrebungen um eine bessere Ausbildung des Klosternachwuchses bereits deutlich früher, spätestens jedoch unter Abt Johannes VI. Dietmair (reg. 1587-1612), Doktor der Philosophie und Theologie, ihren Anfang genommen hatten. Während seines Abbatiats lassen sich 13 Mönche als Studierende an der Universität Ingolstadt nachweisen. Unter den vorausgehenden Äbten Michael Kirchberger (reg. 1612-35) und Matthäus Gschwendt (reg. 1635-51) studierten von 1616-18 sieben Mönche in Dillingen und von 1621-46 neun in Ingolstadt. Zudem war zu dieser Zeit P. Andreas Sember († 11.01.1640), ein Professe des Tiroler Zisterzienserklosters Stams, der während des 30jährigen Krieges vermutlich als Flüchtling in Aldersbach weilte, von 1638-39 als Professor für Philosophie tätig. Wenige Jahre später wirkte P. Bonifaz Hiltbrand († 1689), Sohn des langjährigen Klosterarztes und Passauer Hofmedikus Dr. Kaspar Hiltbrand, als Professor für Theologie und Kirchenrecht in Aldersbach. Als späterer Abt von Gotteszell (reg. 1658-89) führte Bonifaz auch dort höhere Studien ein. Im Sommersemester 1646 hatte Hiltbrand zusammen mit P. Candidus Mändl († 1695) und P. Raimund Edelmann Theologie und Kirchenrecht in Ingolstadt studiert.

Über die Organisation bzw. Ausprägung der hausinternen Lehranstalt ist wenig bekannt. Eine Beschreibung des Klosterchronisten P. Michael Mannstorffs lässt darauf schließen, dass man sich spätestens seit Abt Niderhofer am jesuitischen Bildungssystem orientierte und die höheren Studien in Lyzeum (Philosophie) und Hochschule (Theologie) aufteilte. Sicher hatte diese Lehranstalt nur vorbereiteten Charakter für ein eventuell anschließendes und verkürztes Universitätsstudium. Die Erlangung eines akademischen Grades war in Aldersbach hingegen sicher nicht möglich. So lassen sich im 18. Jahrhundert zahlreiche Mönche nachweisen, die v.a. in Ingolstadt studierten. In den Mönchskatalogen finden sich auch regelmäßig Professoren, die im Kloster lehrten. Der Bau des Seminargebäudes (heutiges Rathaus) um das Jahr 1767 lässt erkennen, dass diese höhere Ausbildungsstätte eine dauerhafte Einrichtung war.

Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahr 1773 waren Aldersbacher Mönche auch als Professoren an der Landesuniversität Ingolstadt (-> Balduin Wurzer, Stephan Wiest und Amadeus Primbs) sowie an den Gymnasien in Burghausen und Landshut tätig. Die Lebens­beschreibungen von Wiest und Primbs verdeutlichen, wie umstritten die Lehrtätigkeit der Zisterzienser in Ingolstadt war und wie die Lehrenden besonders von Mitgliedern des Benedik­tiner­ordens angefeindet worden waren. Das führte soweit, dass Primbs wegen der Unterstellung, den Illuminaten Nahe zu stehen, seine Lehrtätigkeit aufgeben musste. Zwei Beispiele für erfolgreiche Klosterschüler aus Aldersbach (-> Ignaz Brait, Sebastian Winkelhofer) runden die Übersicht ab.

Die nachfolgenden Informationen sind zum Teil der "Allgemeinen Deutschen Biographie" aus den 1890er Jahren entnommen. Einen aktuellen Stand der Forschung bietet Laetitia Boehm, Winfried Müller, Wolfgang J. Smolka und Helmut Zedelmaier (Hg.): Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bd. 1: Ingolstadt-Landshut 1472-1826, München 1998.

P. Alan Stelzer

Rektor und Professor an dem königl. bayer. Gymnasium in Straubing; geboren den 12. September 1773 in dem Dorf Waibling, eine halbe Stunde von dem Markt Pilsting, im Landgerichtsbezirk Landau, im Unterdonaukreis. Seine Eltern, gemeine Bauersleute, ließen diesem ihren einzigen Sohn den ersten Unterricht in der Religion, im Lesen und Schreiben so sorgfältig in der Schule des genannten Marktes erteilen, dass der Knabe nie am Abend von der Schule zurückkam, ohne dem Vater oder der Mutter, welche beide fertiglesen konnten, genaue Rechenschaft über die Vollendung seiner Aufgabe abgelegt zu haben. Durch eine, öfter von den Eltern erhaltene, kleine Zufriedenheitsbezeugung, die Sache recht gemacht zu haben, wuchs allgemach die Lernbegierde in den Knaben so sehr, dass er auf die Frage, was er werde, nichts Anderes mehr antwortete, als „ein Herr," d. i. ein Geistlicher. Der Vater, der selbst gern sich den Wissenschaften gewidmet hätte, wenn ihn nicht die dürftigen Umstände und der frühe Tod seines Vaters abgehalten hätten, betrachtete dies als einen Wink der Vorsehung Gottes und gab sich alle nur mögliche Mühe, dem Sohn zum Studieren zu verhelfen. Der damalige Marktschullehrer fällte auch ein sehr günstiges Urteil über die aufgeweckten Fähigkeiten des Zöglings, und so wagte es der alte Stelzer, den damaligen Herrn Supernumerarkaplan Joh. Bapt. Aichbichler zu bitten, den Knaben in den Anfangsgründen der lateinischen Sprache Unterricht zu geben.

Obgleich dieser Unterricht nur vier Monate dauerte und durch verschiedene Verrichtungen des Lehrers unterbrochen wurde, so bahnte er doch den Weg, dass der Zögling in die damalige öffentliche kleinere Real- und lateinische Vorbereitungsklasse zu Straubing eintreten konnte. Nur bangte es den Eltern, wie sie den Sohn in einem fremden Orte ernähren würden. Zur Bezahlung des Kostgeldes reichte das wenige eigene Vermögen nicht hin, und die Einkünfte des Soldgutes warfen kümmerlich ab, was erforderlich war, einem Studierenden nur die höchst notwendigen Bücher und Kleidungsstücke zu verschaffen. Zwar zeichneten sich die Bewohner Straubings von jeher in Unterstützung dürftiger Studenten durch Darreichung der Kost und anderer Geldgaben im höchsten Grade aus; allein der Vater wagte es teils aus Furcht, andern Menschen lästig fallen zu müssen, teils auch aus einer natürlichen Schüchternheit, nicht um Kosttage für seinen Sohn zu bitten. Nur in einem einzigen Bürgershaus, in welchem er mit der Hausfrau sehr nahe verwandt war, entdeckte er sein Anliegen und seine Bitte und glaubte schon gewonnenes Spiel zu haben, als ihm ein Kosttag in der Woche bewilligt wurde. Für die übrigen Tage wurde ihm durch die gewichtigen Empfehlungen des sel. Benefiziaten von Irlbach, Joseph Holzhauser, geholfen, der sowohl durch mühevollen Unterricht der Jugend, als auch durch tätige Unterstützung der leidenden Menschheit, ungeachtet seines sehr schmalen Einkommens, sich so viele Verdienste in seiner Gegend gesammelt hat.

Wenn es nun gleich bestimmt war, dass Stelzer an der Hand der Wohltätigkeit die Studienbahn antreten musste, so waren doch alle Hindernisse, die, zur selben zu kommen, im Wege lagen, glücklich gehoben, und am 2. November 1784 kam er an die Studienanstalt in Straubing; wo er, gleichsam in eine neue Welt versetzt, in großer Angst und Furcht lebte, zwar fleißig studierte und betete, aber aus Schüchternheit selten mit jemand sprach. War gleich der Fortgang im ersten Jahre sehr gut, so besserte er sich doch in der Folge um ein Bedeutendes, und erhielt sich, während des Gymnasialkurses, unter 26-30 Mitschülern immer am dritten und vierten Platze. Hierzu trug auch der in den Herbstferien des Jahres 1785 genossene, gründliche Vakanzunterricht des Herrn Peter Ränkl, jetzigen Benefiziaten in Harlanden, Dekanats Kehlheim und damaligen Supernumerarkaplan in Pilsting, wie auch der, während des Studienjahres 1786 vom Herrn Albert Lukas, Benediktiner aus dem Reichsstifte St. Emmeram und damaligen Pfarrer in Harting, Dekanat Regensburg, erhaltene häusliche Unterricht sehr viel bei. Die Lehrer, deren öffentlichen Unterricht Stelzer genoss und unter deren Leitung er sich während seiner Studienjahre bildete, waren in den damaligen drei Real- und lateinischen Vorbereitungsklassen Herr Joseph Kellner, regensburg. geistlicher Rat und jetziger Pfarrer zu Pfaffenmünster bei Straubing; in der Grammatik und Syntax Herr Joseph Maria Mayer, Benediktiner aus Oberalteich, z. Z. privatisierend in Bogen; in der ersten und zweiten Rhetorik Herr Maximilian Arnold, Benediktiner aus Oberalteich und nunmehriger Pfarrer in Aiterhofen bei Straubing; in der Logik zuerst der sel. Cölestin Engl, Benediktiner aus Priefling; und nach Verlauf von drei Monaten, da dieser zum Lehramt der Physik verwendet wurde, Hr. Gregor Gimpel, Benediktiner aus Wessobrunn.

Der vortreffliche Fortgang, den Stelzer im Jahre 1792 in der Logik machte, (er behauptete fast in allen philosophischen und mathematischen Fächern den ersten und zweiten Platz) und der immerwährende Privatunterricht, den er, um sich selbst seine Kost und seinen übrigen Unterhalt zu verdienen, von der Syntaxe an gegeben, erregten den entscheidenden Entschluss, sich ganz den Wissenschaften zu widmen, und um nicht aufs Neue wieder mit Nahrungssorgen kämpfen zu müssen, sich in ein Kloster, wo vorzüglich die Literatur ihre Pflege fand, zu begeben. Die Wahl für das Zisterzienserkloster Aldersbach, im Landgerichtsbezirke Vilshofen im Unterdonaukreise, bestimmte den Umstand, dass er einem in Straubing studierenden Bruder des Professors dieses Klosters, des sel. Amadeus Primbs instruierte. Im Anfange des Monats November 1792 erfolgte nach absolvierter Logik vom damaligen Abt in Aldersbach, Otto Doringer, die Aufnahme ins Kloster, und den 25. November trat Stelzer das Probejahr an, nach dessen Vollendung er wegen noch nicht erreichtem 21. Jahre die feierlichen Ordensgelübde noch nicht ablegen, sondern erst den 21. September 1794 sich öffentlich zu dem genannten Orden und Kloster unter dem Namen Alanus bekennen konnte. Nun studierte er wieder zwei Jahre hindurch Philosophie und vorzüglich Mathematik unter dem eben genannten Professor Amadeus Primbs und legte alljährlich in Gegenwart mehrerer Gelehrten aus den benachbarten Klöstern Oberalteich, Niederalteich, Metten, Asbach und St. Salvator in sogenannten Disputationen Proben der gemachten Fortschritte mit allgemeinem Lobe, vorzüglich aber mit aller Zufriedenheit des obbemeldten Abtes, ab; der, selbst der Sache kundig, in früheren Jahren Professor der Philosophie und Theologie im Kloster war und in seinem Greisenalter immer noch selbst argumentierte. Nach Vollendung der theologischen Studien wurde Stelzer den 24. März 1798, nachdem 6 Wochen vorher sein Vater verblich, und in diesem Leben die höchste Freude, wie er sie nannte, nicht mehr genoss, den Sohn am Altare opfern zu sehen, in Passau zum Priester geweiht, und erhielt nicht nur zugleich auch die Ordinariatsapprobation zur Ausübung der praktischen Seelensorge, sondern übte auch diese als Vikar der Pfarrei Aldersbach, dann nebenbei als Ordinarprediger in dem Klosterstifte vom Monat Mai 1798 bis zu dem Monate März 1800 „mit thätigen Fleiß, Eifer und aller Zufriedenheit seiner Vorgesetzten" aus. Neben der Pfarrvikarstelle und dem Predigeramte stand er auch dem Klosterseminar als Inspektor vor und unterrichtete die Zöglinge dieser Pflanzschule, deren Anzahl sich jährlich über 30 belief, und die von dem Kloster unentgeltlich Kost, Wohnung und einige neue Kleidungsstücke erhielten, vom November des Jahres 1798 in den Anfangsgründen der deutschen und lateinischen Sprache, in Religion, Geschichte und Geographie mit so glücklichem Erfolge, dass die zum Studieren Geeigneteren auf dem öffentlichen vaterländischen Studienanstalten zu Burghausen, München und Straubing ausgezeichnete Fortgänge machten, die weniger Befähigten aber zum Bürgerstande übertraten.

Im November des Jahres 1801 wurde Stelzer zum Professor der Philosophie und Mathematik für die jüngeren Geistlichen seines Klosters befördert, endete das Studienjahr 1802 mit der gewöhnlich öffentlichen (vielleicht auch zu Aldersbach letzten) Disputation aus dem ersten Theile des philosophischen und mathematischen Kurses. Im folgenden Jahr 1805 den 1. April erfolgte die allgemeine Klosteraufhebung. Professor Stelzer lehrte seinen Mitbrüdern noch das ganze Jahr den zweiten Kursus der Philosophie und Mathematik, als wäre gar keine Umgestaltung der Dinge vorgegangen und brachte in den von diesem Berufsgeschäfte freien Stunden, als von den (damals kurfürstlichen) Kloster-Aufhebungskommissar aufgestellter und in eidliche Pflicht genommener Bibliothekar, die geschmackvolle und bedeutende Handbibliothek des zu Landshut im Jahre 1802 verstorbenen Siegfrid Greindl *), 20jährigen Gymnasialprofessors und Zisterziensers von Aldersbach, in den Katalog und in die gehörigen Reihen der schätzbaren allgemeinen Klosterbibliothek. Zugleich bekleidete er auch im nämlichen Jahre die Stelle eines von der höchsten Stelle ernannten Schulinspektors in den zum Landgerichtsbezirke Vilshofen gehörigen 4 Ortschaften Aidenbach, Amsham, Unteriglbach und Wolfakirchen, und brachte es dahin, dass in Aidenbach, sowie zu Unteriglbach die Feyertagsschule errichtet und der deutsche Kirchengesang eingeführt wurde.

Noch im nämlichen Jahre 1803 erhielt er den 10. Dezember vom Generalschul- und Studiendirektorium das höchste Dekret, dass ihm (Formalien) „in Rücksicht seines während der ihm gnädigst vertrauten Landschuleninspektion rühmlichst bezeugten Eifers für die gute Sache" die Stelle eines außerordentlichen Professors beim Schulhause zu Neuburg an der Donau mit Zusicherung eines Gehaltes von jährlichen 200 Gulden nebst Beibehaltung seiner ganzen ständischen Klosterpension gnädigst verliehen sei. So schwer es ihm fiel, sich von seinen Mitbrüdern zu trennen und sein Kloster Aldersbach zu verlassen, so war ihm diese Anstellung insofern willkommen, weil er dadurch die drückende Last des unverschuldeten Ruhestandes von sich wälzte und es ihm unmöglich war, länger die Verachtung zu ertragen, die die aus ihren Zellen verjagten Religiosen so allgemein traf, als seien sie jetzt erst recht fruges confumere nati. Die Lehrsparte, die ihm als außerordentlichen Professor zukam, war bayerische und deutsche Geschichte und Anthropologie, mit der Obliegenheit, im Erkrankungs- oder Verhinderungsfall eines Professors, in jedem Lehrgegenstand Aushilfe zu leisten. Schon den 18. September 1804 wurde ihm eine ordentliche Professur im königl. Gymnasium zu Straubing mit dem systematischen Jahresgehalte zu 700 Gulden provisorisch zuerkannt. Dieses Provisorium wurde am 26. August 1805 gnädigst aufgehoben und die Anstellung als definitiv erklärt.

In größter Zufriedenheit verlebte er hier unter verschiedenem Wechsel der Klassen und Lehrgegenstände 6 Jahre, nahm seine verwitwete alte Mutter nach Straubing und nichts glich der inneren Freude, die er bei dem Gedanken fühlte, dass er seiner Mutter doch einigermaßen das so viele Gute zu vergelten im Stande sei, das ihm durch eine sorgfältige Erziehung und kummervolle Bemühung, ihn in den Studierjahren so viel möglich zu unterstützen, beide zärtliche Eltern erwiesen — als mit einem Male den 25. November 1810 der Auflösungswirbel das Straubinger Gymnasium verschlang und Professor Stelzer als Lehrer der philosophischen Vorbereitungswissenschaften und der Religion an das Gymnasium nach Landshut versetzt wurde. Daselbst erhielt er im Monate Juni 1813 das allerhöchste Dekret zur Leitung der Gymnasial-Rektoratsgeschäfte, die er schon seit dem Monate März des nämlichen Jahres geleitet: und bekleidete diesen letzteren Posten bis zum Schlusse des Monats Oktober, indem auch in Landshut die bisherigen vier Gymnasialklassen aufgehoben und auf zwei lateinische Vorbereitungsklassen und das Progymnasium (Rudiment), wie in Straubing beschränkt worden sind, und Prof. Stelzer als Lehrer der klassischen Literatur und der geschichtlichen Studien für die Syntax nach Amberg bestimmt wurde. Ungern ging er dahin. Die begründetsten Vorstellungen über seine missliche Lage rücksichtlich seiner Mutter, die er Altershalber in Straubing unter beinahe ganz fremden Menschen bei einer mäßigen Unterstützung von dem ohnehin kärglichen Professorengehalt in so einer Entfernung zurücklassen musste. Die dringendsten, mehrere Male wiederholten Bitten um allergnädigste Verleihung einer Pfarrei, damit er seine Mutter zu sich nehmen könne, konnten nach 18 am pädagogischen Pfluge gezogenen Jahren — wenn man die fünf Lehramtsjahre im Kloster dazu rechnet — nicht sogleich erhört werden. Es wurde ihm zuerst den 11. November 1816, die von der Bürgerschaft in Straubing fundierte und an das dortige Progymnasium anzuschließende Gymnasialklasse — Grammatik — allergnädigst übertragen; dann am 20. Oktober 1817 die Professur der neuerrichteten Mittelgymnasialklasse, nebst der Führung der Rektoratsgeschäfte, und endlich am 6. November 1818 die Professur der Obergymnasialklasse mit Beibehaltung des Rektorats.

Seine Schriften:

  • Übersicht der Professoren, welche seit Aufhebung der Jesuiten, bis zur Auflösung der Gymnasialanstalt zu Straubing, d. i. von 1773 excl. bis 1810 incl. gelehrt haben. Abgedruckt im königl. baier. Straubinger Intelligenzblatt für das Jahr 1811. Stück 34. 35. 38. 39.
  • Jahresbericht von der königlichen Studienanstalt zu Landshut, bekannt gemacht am Tage der öffentlichen Preiseaustheilung den 30. August 1813.
  • Rede, gehalten bey der Preiseaustheilung an der Studienanstalt zu Landshut, den 30. August 1813. Abgedruckt im königl. baier. Landshuter Wochenblatt. Stück 36.
  • Nekrolog des Stephan Wiest, ehemaligen Professors an der baierischen Landesuniversität und Zisterziensers zu Aldersbach. Abgedruckt in Felders neuen Magazine. 161 Jahrg. 38 Heft. S. 348.
  • Theoretisch=praktische Anleitung zur deutschen Dichtkunst zum öffentlichen und Privatunterricht. Straubing 1818.



Einen Einblick in die Organisation der Real- und Lateinschule in Aldersbach gibt Stelzer in einer Nachbetrachtung in einem Brief an das Passauer Ordinariat (1848):

„daß das gedachte Institut keineswegs ganz und gar nicht für Ordenskleriker bestimmt, sondern lediglich ein Seminarium gewesen ist, worin mehr als 30 arme Knaben jährlich von dem Kloster unentgeltlich Kost, Wohnung und am Palmsonntag einige neue Kleidungsstücke erhalten haben, und wie in anderen bedeutenden Klöstern, von einem Klostergeistlichen beaufsichtigt und dirigiert, wie auch in den Anfangsgründen der deutschen und lateinischen Sprache, in Religion, Geschichte und Geographie nach dem vor 48 Jahren bestandenen bayerischen Schulplane unterrichtet worden sind. Die zum Studieren geeigneten Zöglinge begaben sich nach drei Jahren auf öffentliche vaterländische Studienanstalten, entweder nach München, Landshut oder Straubing, die weniger Befähigten gingen wieder zu ihren Eltern zurück.“ (Huber 36, s.u.).



*) Siegfrid Greindl wurde den 8. Jänner 1751 zu Straubing geboren, trat den 13. November 1774 in den Zisterzienserorden zu Aldersbach und wurde den 12. Oktober 1776 Priester. Nach mehreren bei dem Inspektorat und Lehramte des Klosterseminars hingebrachten Jahren wurde er im Jahre 1781, da die bayerischen Klöster die Besetzung der Schulen übernahmen, zum Professor der Grammatik in Burghausen ernannt. Im Laufe des folgenden Jahres 1782 wurde ihm das Lehramt der II. Rhetorik und die Leitung der Gymnasial-Rektoratsgeschäfte übertragen. Diese Leitung verlor er aus Schikane im Jahre 1783 und erhielt sie wieder im Jahre 1796. Im Jahre 1799 wurde das Gymnasium in Burghausen gänzlich aufgelöst und dem Religiosen aus den Zisterzienserorden das Gymnasium in Landshut eingeräumt; und so kam Siegfrid Greindl als Lehrer der II. Rhetorik, Gymnasialrektor und Seminarinspektor nach Landshut. Im Drucke erschien von ihm: Trauerrede auf den hochwürdigen etc. Gregorius 11., des Stiftes zu Ranshofen würdigsten Prälaten. 1784.




Quelle: Weitzenegger, Franz Joseph: "Stelzer, Alan", in: Gelehrten- und Schriftsteller-Lexikon der deutschen katholischen Geistlichkeit Bd. 2, Landshut 1820, 396-404.

Weiterführende Literatur: Huber, Alfons: Alanus Matthäus Stelzer (1773-1858)- Zisterzienser, Professor und Studien-Rektor am Gymnasium Straubing, in: Jahresbericht des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung, 82. Jahrgang 1980, Straubing 1981, 31-66




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieAlan (Matthäus) Stelzer, * Waibling, Pfarrei Pilsting, 12.09.1773, Profess 21.09.1794, Ordination 24.09.1798, Vikar an St. Peter (1799-1800) und Inspektor des Klosterseminars, Professor in Neuburg a.D., 1809 in Straubing, 1810 in Landshut, 1813 in Amberg, 1816 in Straubing, 1823 Stadtpfarrer in Landau a.I., Dekan und bischöflich Geistlicher Rat, † 27.04.1858
Wirkungszeitraum1794 bis 1803
Zusatzinformationen aus den Jahreskatalogen (1735-1803)
NameAlanus (Matthaeus) Stelzer
Funktionen1793: Novize | 1800: Seminarrektor und Präses der Rosenkranz-Erzbruderschaft | 1802: Philosophie- und Mathematikprofessor im Kloster | 1803: Doktor phil., Klosterprofessor und Bibliothekar [Kalender 1793-95 Geburtsjahr 1773]
GeburtsortWaibling
Geburtstag12.09.1771
Profess21.09.1794
Primiz15.04.1798

P. Stephan Wiest

Katholischer Theologe, geboren zu Teisbach in Niederbaiern am 7. März 1748, † am 10. April 1797. Er trat 1767 in das Cistercienser-Kloster Aldersbach in Niederbaiern ein und legte 1768 die Ordensgelübde ab. Die höheren Studien absolvirte er zum Theil im Kloster und vollendete sie an der Universität Ingolstadt; später war er als Professor der Philosophie und Mathematik in seinem Kloster thätig, bis er im Jahre 1781 als Professor der Dogmatik, Patrologie und theologischen Litteraturgeschichte nach Ingolstadt berufen wurde, an Stelle Sailer's, der 1780—81 diesen zweiten Lehrstuhl der Dogmatik eingenommen hatte. Zugleich verlieh ihm die theologische Facultät die theologische Doctorwürde; er erhielt auch den Titel eines kurfürstlichen geistlichen Raths. Im Studienjahre 1787-88 war er Rector der Universität. Nach einer dreizehnjährigen ausge­zeich­neten Lehrthätigkeit an dieser Universität legte er im Jahre 1794 seine Professur nieder und kehrte in sein Kloster zurück, in welchem er auch starb.

Wiest begann seine litterarische Thätigkeit in der Zeit seiner philosophischen Lehrthätigkeit im Kloster mit zwei Schriften philosophischen Inhalts: „Initia philosophiae purioris cum positionibus mathematicis“ (Ratisbonae 1776); und: „Positiones theoretico-practicae ex philosophia et mathesi“ (Ratisbonae 1779). Den Anfang seines theologischen Lehramts bezeichnen die beiden kleineren Schriften: „Positiones ex theologia dogmatica“ (Eustadii 1781); und: „Dissertatio de moderatione theologica“ (Eustadii 1782). Zugleich begann er aber auch mit der Ausarbeitung seines großen dogmatischen Hauptwerkes, der in den Jahren 1782—89 in sechs Bänden veröffentlichten „Institutiones theologicae“. (Tomus I: Praecognita in theologiam revelatam, quae complectuntur specimen encyolopaediae ac methodologiae theologicae (Eustadii 1782). Tomus II und III: Theologia dogmatica generalis, oder Demonstratio religionis christianae und Demonstratio religionis catholicae (Eustadii 1786). Tomus IV—VI: Theologia dogmatica specialis, und zwar: Tomus IV: Demonstratio dogmatum catholicorum in specie de Deo in se considerato (Ingolstadii 1788); Tomus V und VI: Demonstratio dogmatum catholicorum in specie de Deo salutis nostrae auctore (Ingolstadii 1789). Die drei ersten Bände gab W. selbst noch in einer „editio secunda aucta et emendata“ heraus, Ingolstadt 1788—1790. Eine inhaltlich unveränderte 2. Auflage der drei folgenden Bände ließ der Verleger 1797—1801 folgen, ebenso 1801 noch eine 3. Auflage des 1. Bandes).

Dieses Werk sichert seinem Verfasser einen ehrenvollen Platz in der Geschichte der katholischen Dogmatik. Seine Bedeutung liegt in dem großen Reichthum an positivem und historischem Material, während über dem Bestreben, die Theologie von überflüssigen scholastischen Fragen zu erleichtern und dadurch zu vereinfachen, die speculative Seite überhaupt allerdings etwas zu kurz kommt; aber der Mangel an speculativer Tiefe wird bei Wiest, wie Karl Werner mit Recht urtheilt, „durch eine reiche Fülle litterarhistorischer Erudition aufgewogen, die sein Werk für jeden späteren Leser zu einer Fundgrube von Belehrungen, namentlich über Leistungen auf dem Gebiete der damaligen Theologie macht“. Die einzelnen Unterabtheilungen zerfallen überall in eine Sectio historico-litteraria, eine Sectio dogmatica (die positive Darstellung), und eine Sectio polemica, wozu in der speciellen Dogmatik noch jeweils eine Sectio practica kommt, über die moralische Anwendung der betreffenden dogmatischen Lehre. Im Interesse der Studirenden und auf mehrseitiges Verlangen verfaßte Wiest nach dem größeren Werk die kürzer gefaßten „Institutiones theologiae dogmaticae in usum academicum“ in 2 Bänden (I: Theologia dogmatica generalis; II: Theologia dogmatica specialis), (Ingolstadt 1791), welche noch zweimal neu herausgegeben wurden (Landshut 1817 und 1825). Neben der Arbeit an den Institutiones verfaßte Wiest in denselben Jahren einige kleinere akademische Schriften: „De iustitia Dei punitiva contra quaedam asserta cl. Eberhardi et Steinbartii aliorumque diss.“ (Ingolstadii 1787); „Oratio de necessario scientiae et pietatis nexu“ (Ingolstadii 1788); und die vier Programme „de Wolfgango Mario Abbate Alderspacensi“ (Ingolstadii 1788, 89, 92). Sodann führte Wiest den in der 1. Auflage des 1. Bandes der Institutiones enthaltenen kurzen Abriß der theologischen Litteraturgeschichte (die 2. Auflage enthält denselben mit Rücksicht auf das vorbereitete besondere Werk nicht mehr) in einem besonderen Lehrbuch weiter aus: „Introductio in historiam theologiae revelatae potissimum catholicae“ (Ingolstadii 1794). Auch dieses Werk zeigt in hervorragender Weise die litterarhistorische Gelehrsamkeit seines Verfassers und behält dadurch, wenigstens was die Darstellung der theologischen Litteratur des 16.—18. Jahrhunderts betrifft, einen bleibenden Werth. Sein letztes Werk, mit dem er sich vom Lehramt und von seinen akademischen Zuhörern verabschiedete (die Vorrede ist datirt: Scripsi Ingolstadii ipsa die discessus mei XVI. Cal. Decembris 1794), sind die „Institutiones Patrologiae in usum academicum“ (Ingolstadii 1795) [im Jahr 1900 von Friedrich Lauchert herausgegegen, siehe Bibliographiedatenbank].

Durch den streng positiven Charakter seiner Theologie und durch seine ausgedehnte und solide Gelehrsamkeit ist Stephan Wiest jedenfalls einer der bedeutendsten katholischen Theologen Deutschlands im 18. Jahrhundert.




Quelle: Jakob Lauchert: "Wiest, Stephan", in: Allgemeine Deutsche Biographie 42 (1897), 440-442. Online: www.deutsche-biographie.de

Ergänzungen: Wiests Vater Markus war Brunnmeister, Kastenstreicher und Hofwirt in der Herrschaft Teisbach (bei Dingolfing). "Hand in Hand mit der Kritik an der Scholaslik und der Öffnung gegenüber Christian Wolff, Alexander Golllieb Baumgarten u.a. trat in diesen Werken die Hinwendung zur historischen Theologie im Sinne der 'loci theologici' im Rahmen einer 'theologia positiva' hinzu. Zur mathematischen Methode trat die historische. Im 2. Teil der 'Institutiones' von 1782 legte er eine Geschichte der Theol. vor, die er in der 'Inroductio lineraria' von 1794 weiterführte, nach Mattbias Joseph Scheeben die einzige zusammenfassende Darstellung der Theologiegeschichte jener Zeit, wobei er chronologisch verfuhr und sich mit dem eigenen Urteil zurückhielt. Bei universeller Belesenheit bewies Wiest dennoch systematische Kraft und spekulatives Bemühen, so dass sein Werk bei aller historischen Ausrichtung zu einer Symbiose von geschichtlich und systematisch orientierter Theologie führte. Während Wiest für Philosophie und Religionsgeschichte überwiegend protestantisehe Autoren heranzog, gab er in Fragen des theoligischen Systems und bei der Darlegung der Geschichte der Theologie katholischen Theologen den Vorzug. Nicht immer nahm er in den Augen konservativer Kreise entschieden genug Stellung, was zu Unrecht zu Zweifeln an seiner Rechtgläubigkeit führte. Der ihm vorgeworfene Eklektizismus in der Auswahl der angeführten Autoren gründete letztlich in seinem inhaltlichen, nicht primär historischen Anliegen. In der Betonung der historischen Dimension und der einschlägigen Disziplinen entsprach er den Bemühungen um eine Reform des Studiums an der Universität lngolstadt. Auseinandersetzungen mit dem Exjesuiten Benedikt Stattler konnte er sich ebensowenig entziehen wie den Angriffen des Benediktiners Wolfgang Frölich. Wiest, ein tiefgläubiger und irenischem Denken verpflichteter Vertreter der gemüßigten Aufklürung, zählt unstreitig zu den herausragendsten Theologen der beiden letzten Jahrzehnte der Universität Ingolstadt. (Vgl. Hofmann, Siegfried: "Wiest, Stephan", in: Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München, 480-481, siehe Vorbemerkungen)

Weiterführende Literatur ist in der Bibliographiedatenbank zu finden.

Die Werke Wiests stehen zum Teil in der Digitalisatsammlung zur Verfügung (Seitenende, bei den Druckwerken).




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieStephan (Franz Adam) Wiest, * Teisbach 07.03.1748, Profess 28.10.1768, Ordination 19.09.1772, Sekretär der Ordensprovinz, Bibliothekar und Professor der Philosophie und Theologie im Kloster (1774-81), Professor der Dogmatik und Patrologie an der Universität Ingolstadt (1788-94) und Rektor (1788), kurfürstlich geistlicher Rat, † 10.04.1797
Wirkungszeitraum1768 bis 1797
ZusatzinformationenSchrieb 43 Werke über Philosophie, Theologie, Patristik und Exegese. Vgl. | Studien und Mitteilungen aus dem Benediktiner- und Zisterzienserorden Jahrg. 21, S. 285 | 1772-73 Theologie- und Jura-Student, 1781 Dr. theol. h.c., 1781 Professor der Dogmatik, Patrologie und theolog. Literärgeschichte, 1783-84 und 1788-89 Dekan der Theolog. Fakultät, 1788 Rektor
Externer Linkhttp://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Wiest,_Stephan
Zusatzinformationen aus den Jahreskatalogen (1735-1803)
NameStephanus Wiest
Funktionen1766: Novize | 1780: Provinzsekretär, Theologieprofessor im Kloster und Bibliothekar | 1784-94: Doktor der Theologie und Theologieprofessor an der Universität Ingolstadt | 1788: Rector magnificus an der Universität Ingolstadt | 1795: Doktor der Theologie und Professor emeritus
GeburtsortTeisbach
Geburtstag07.03.1748
Profess28.10.1768
Primiz11.10.1722

P. Amadeus Primbs

Amadeus (Aloys Lorenz) Primbs (Prims) wurde am 27.04.1761 als Sohn des Bauers Johann Georg und seiner Frau Maria Primbs in Unterbogen getauft. Über seine schulische Ausbildung ist nichts bekannt. Seine Profess im Kloster Aldersbach legte Amadeus am 11.11.1782 ab, zum Priester geweiht wurde er am 22.09.1787. Primbs verstarb am 14.10.1798 in Aldersbach. Laut Mönchskataloge der Jahre 1784-88 hatte er in diesem Zeitraum noch keine besondere Funktion inne. In den Katalogen der Jahre 1789-90 wird Primbs als Physik-, 1793 als Theologieprofessor im Kloster bezeichnet. Am 16.08.1790 erschien seine gedruckte und noch heute lesenswerte Dissertation "Sätze aus der Philosophie und Mathematik zur öffentlichen Prüfung ausgesetzt von P. Amadeus Primbs, Professor der Philosophie, beantwortet von Fr. Otto Dummer, Fr. Coelestin Frey, Professen und Fr. Anton Suesbauer, Fr. Joseph Brunmayr, Novizen in dem befreyten Cistercienserstifte Aldersbach" (93 Seiten, in der Digitalisatsammlung vorhanden (Seitenende, bei den Druckwerken).

"Schon in Aldersbach soll Primbs 'sehr anstössige und gefährliche' Grundsätze vertreten haben. Dennoch erhielt er am 13.03.1793 als Nachfolger für den erkrankten Heribert von Grafenstein die Professur für Logik, Metaphysik und Philosophie an der Universität Ingolstadt. ... Abt Otto Doringer hatte der Berufung von Primbs zugestimmt, weil sein zunächst für die Professur vorgesehener Konventuale Gregor Vital wegen sittlicher Verfehlungen für ein öffentliches Lehramt nicht mehr in Betracht kam. ... Primbs wurde bereits am 12.06.1794 auf kurfürstlichen Befehl wegen 'frecher religions-widrig-und ärgerlicher Grundsätze' entlassen. Die Ursachen, die zu diesem Schritt führten, sind nicht mehr exakt festzustellen. Vermutlich wurde Primbs der Mitgliedschaft im Illuminatenorden verdächtigt" (Jahn, C.: "Primbs, Amadeus", in: Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München, 319, siehe Vorbemerkungen).

Jahn führt weiter aus, dass Primbs nach seiner Rückkehr nach Aldersbach aller Ämter entbunden wurde und seine Proteste dagegen erfolglos blieben. Der Mönchskatalog des Jahres 1795 bezeichnet ihn jedoch als Doktor der Theologie, Professor emeritus, Mathematikprofessor im Kloster und Präses der Rosenkranz-Erzbruderschaft. Die beiden letztgenannten Ämter waren sehr angesehene Tätigkeiten im Kloster, von einer "Bestrafung" Primbs kann also keine Rede sein.




Die Disziplinarfälle der Mönche Gregorius Vital, Amadeus Primbs, Marianus Andlinger, Georgius Reimer, Raymundus Fränzl und Xaverius Fischer der Jahre 1794-97 (in Bearbeitung).




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieAmadeus (Franz) Primbs, * Unterbogen 27.04.1761, Profess 11.11.1782, Ordination 22.09.1787, Professor der Physik, Mathematik und Theologie im Kloster und Professor der Philosophie in Ingolstadt, † 14.10.1798
Wirkungszeitraum1782 bis 1798
ZusatzinformationenDie Untersuchungen im Kloster besonders die dasigen Religiosen P. Amadeus Primbs, Marian Andlinger, Reim, Fränzl, Fischer, 1794-97, BayHStA Fasc. 12 Nr. 50 und Kommissionsakt: Die Untersuchung im Kloster Aldersbach (Marian Andlinger etc.), 2 Vol. (geheftete Akten, 1794) BayHStA Fasc. 12 Nr. 51 | 1786-87 Physik, 1793 Bacc. und Mag. phil., Lic. theol., 1793 Dr. phil., 1793 Professor der Philosophie in Ingolstadt 1786 213-5408 | Die BSB besitzt etliche Dissertationsschriften mit einem Besitzeintrag von Primbs.
Zusatzinformationen aus den Jahreskatalogen (1735-1803)
NameAmadeus Primbs
Funktionen1789-90: Physikprofessor im Kloster | 1793: Theologieprofessor im Kloster | 1794: Logik-, Methaphorik- und prakt. Philosophieprofessor an der Universität Ingolstadt | 1795: Doktor der Theologie, Professor emeritus, Mathematikprofessor im Kloster, Präses der Rosenkranz-Erzbruderschaft
GeburtsortUnterbogen
Geburtstag27.04.1761
Profess11.11.1782
Primiz14.10.1787

P. Balduin Wurzer

Katholischer Theologe, geboren am 25. December 1738 (so nach Meusel's Angabe; Träger gibt als Geburtsjahr 1740 an, ohne näheres Datum) zu Kelheim in Niederbaiern, † im Januar 1809. Wurzer erhielt seine Gymnasialbildung in Regensburg und Landshut, absolvirte das Studium der Philosophie an der Universität zu Ingolstadt und trat dann im Kloster Aldersbach in Niederbaiern in den Cistercienser-Orden ein. Nach vollendetem Studium der Theologie empfing er die Priesterweihe und wurde nachher in seinem Kloster als Professor verwendet. Durch Decret vom 7. April 1775 wurde er als Professor der Moral und der Kirchengeschichte an die Universität Ingolstadt berufen, wo er im darauf folgenden Wintersemester seine Vorlesungen eröffnete. Gleichzeitig wurde er Doctor der Theologie und kurfürstlich bairischer geistlicher Rath, im folgenden Jahre auch Protonotarius apostolicus und fürstbischöflich Freisingischer geistlicher Rath. Schon nach zweijähriger Lehrthätigkeit an der Universität wurde er aber im Jahre 1777 zu Beginn der Herbstferien von seinen Oberen in das Kloster zurückberufen. Später war er Beichtvater des Cistercienser-Nonnenklosters Seligenthal bei Landshut, bis zur Säcularisation der Klöster, worauf er sich wieder nach Aldersbach zurückzog für den Rest seines Lebens.

Vor seiner Berufung nach Ingolstadt verfaßte Wurzer zwei Lehrbücher zunächst für den Gebrauch der Lehranstalten seines Ordens: „Philosophia regularis s. systema problematicum de philosophia in asceteriis regularibus tradenda“ (Ratisbonae 1769); sodann: „Prodromus isagogicus historico-critico-literarius in theologiam eclecticam“ (Ratisbonae 1773), eine allgemeine Einleitung in die Dogmatik, welche zugleich die Ansichten des Verfassers über die richtige Methode auseinandersetzt; ähnlich seinem Ordensgenossen Wiest, der ihm übrigens an positiver Gelehrsamkeit wie in der richtigen Maßhaltung überlegen ist, will er die Behandlung der Dogmatik vereinfachen, von dem nach seiner Ansicht Ueberflüssigen entlasten, und vor allem von den Fesseln der scholastischen Methode, gegen die er leidenschaftlich polemisirt, befreien; mit dem Namen theologia eclectica bezeichnet er die nach seiner Methode betriebene, weil sich dieselbe eben an keine Schule binden, sondern von allen Schulen nur das Beste nehmen und sich im übrigen nur an die Quellen des Glaubens und an die katholischen Principien halten wolle.

Als Professor in Ingolstadt ließ Wurzer zuerst ein kurzgefaßtes Lehrbuch der Moral erscheinen: „Specimen theologiae moralis christianae methodo acroamatica elucubravit P. B. Wurzer“ (Ingolstadii 1775), das nach denselben Grundsätzen ausgearbeitet ist, die er im „Prodromus isagogicus“ zunächst für die Dogmatik auseinandergesetzt hatte. Seine anderen litterarischen Arbeiten aus diesen Jahren seines akademischen Lehramtes gehören dem Gebiete der baierischen Kirchengeschichte an; es sind dies die Abhandlung: „De statu religionis christianae in Bavaria, ab exordio praetensae Reformationisusque ad Pacem Westphalicam“, von der jedoch nur die zwei ersten Abschnitte, bis 1555 reichend, als Dissertationen gedruckt erschienen sind (Periodus I. ab anno 1517 usque ad a. 1545, Ingolstadii 1776; Periodus II. ab anno 1545 usque ad annum 1555, Ingolstadii 1777). und die kleine Streitschrift: „Rationes dubitandi de Synodo Nuenhaimensi, sub Tassilone Bajoariae duce celebrata, quam nuper ex codice Weltenburgensi eruit et conjecturis illustravit Hermannus Scholliner“ (Augustae Tiberii 1777; vgl. über diese Controverse Hefele's Conciliengeschichte, Bd. III, 2. Aufl., S. 608). Aus den folgenden Jahren liegen von Wurzer keine weiteren literarischen Arbeiten vor. Briefe Wurzer's an Steigenberger aus den Jahren 1778—1786 bewahrt die Münchener Hof- und Staatsbibliothek im Manuscript, Cod. germ. Mon. 2712 [BSB Cgm 2712].




Quelle: Jakob Lauchert: "Wurzer, Balduin", in: Allgemeine Deutsche Biographie 44 (1898), 366-367. Online: www.deutsche-biographie.de

Ergänzungen: Schon zu Beginn der Säkularisation war Wurzer „nach dem Attestato medico durch einen Schlagfluß dergestalten befallen worden, dass dessen ganze linke Seite faßt aller Bewegung und Empfindung beraubt ist; ja diese Krankheit ohngedacht aller in- et externe angewandten stärkenden Mitteln und mineralischen Bädern bis daher noch nicht gehoben werden konnte.“ Der Gelehrte starb am 3. Januar 1809 als Kommorant in Aldersbach und wurde im Friedhof St. Peter beigesetzt.

P. Balduin war auch ein Musiker und ein begabter Komponist. Im Verzeichnis "Repertorium universale Chori Alderspacensis", das nach der Aufhebung des Klosters 1803 zusammengestellt wurde, sind folgende Werke des Komponisten verzeichnet: sieben Missa brevis, eine Missa da Requiem, vier Litaneien zu Ehren des hl. Johann Nepomuk, ein Miserere, zwei Veni Sancte Spiritus ger. und acht Sinfonien. Erhalten sind lediglich eine Sinfonie und das Requiem (vgl. Robert Klugseder: Musikgeschichte Aldersbach).

Wurzers Vater Franz Anton war Stadtbräu in Kelheim. Er zählte in Ingolstadt zur Reformpartei und trat für eine Neuordnung des theol. Studiums ein; die Dogmatik sollte gekürzt, Bibelkunde und Kirchengeschichte sollten stärker berücksichtigt werden. Er geriet dadurch in Gegensatz zur exjesuitischen Fraktion. Ungeachtet seiner wissenschaftlichen Verdienste (vgl. Müller, Winfried: "Wurzer, Balduin", in: Biographisches Lexikon der Ludwig-Maximilians-Universität München, 490, siehe Vorbemerkungen)

Die wissenschaftlichen Werke Wurzers stehen zum Teil in der Digitalisatsammlung zur Verfügung (Seitenende, bei den Druckwerken).




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieBalduin (Anton) Wurzer, Dr. theol., * Kelheim 25.12.1738, Profess 13.11.1757, Ordination 18.03.1763, Apostolischer Protonotar, kurfürstlich geheimer Rat und fürstbischöflicher freising'scher geistlicher Rat, Bibliothekar, Professor der Philosophie und Theologie im Kloster, Professor der Moral und Kirchengeschichte an der Universität Ingolstadt (1775-77) und Beichtvater in Seligenthal (1780-94), † 03.01.1809 als Kommorant in Aldersbach
Wirkungszeitraum1757 bis 1803
Zusatzinformationen1775 Physik. Mag. phil., Bacc. und Lic. theol., Dr. Theol. und Dr. phil., 1775 Professor der Moraltheologie und der Kirchengeschichte
Externer Linkhttp://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Wurzer,_Balduin
Zusatzinformationen aus den Jahreskatalogen (1735-1803)
NameBalduinus Wurzer
Funktionen1761: Novize | 1766-72: Bibliohekar | 1769: Philosophieprofessor im Kloster | 1770-72: Theologieprofessor im Kloster | 1780-94: Beichvater in Seligenthal | 1784: Doktor der Theologie | 1795: Doktor der Theologie, Professor emeritus und Apost. Protonotar | 1800-03: Doktor der Theologie | 1800: Apost. Protonotar und Kirchenrat von Freising
GeburtsortKelheim
Geburtstag25.12.1738
Profess13.11.1757
Primiz17.04.1763

Abt Bonifaz Hiltbrand von Gotteszell

Nach Ludwig H. Krick wurde Bonifaz Hiltbrand im Jahr 1624 geboren und war Sohn des langjährigen Klosterarztes Dr. Kaspar Hiltbrand. Bonifaz legte im Jahr 1645 seine ewige Profess ab und wurde 1650 zum Priester geweiht. Zudem soll er von 1653-59 Vikar an St. Peter, zwei Jahre Pfarrer in Österreich und Beichtvater im Kloster Seligenthal gewesen sein, bevor er am 18.02.1658 zum Abt von Gotteszell erwählt wurde. Von Gerard Hörger, der von 1651-58 sowohl Abt von Aldersbach als auch von Gotteszell war, wissen wir, dass er Bonifaz bereits im März des Jahres 1654 nach Gotteszell entsandte und Ende April als Prior und Abtstellvertreter einsetzte. Somit konnte Hiltbrand nur von 1653 bis Februar 1654 als Vikar an St. Peter gewirkt haben. Diese Vermutung wird durch die Taufmatriken bestätigt: „Fr. Bonifacius Hiltprandus“ hat nach dem Taufeintrag zum 29.09.1653 eine Notiz hinterlassen, wonach er zu diesem Zeitpunkt als Vikar von St. Peter eingesetzt worden war. Seine erste Taufe fand am 29.11.1653 statt, die letzte am 05.01. Die folgenden Einträge ab März 1654 stammen bereits von einer anderen Hand.

In den Matrikeln der Universität Ingolstadt lässt sich Bonifaz im Jahr 1646 als Studierender der Theologie und des Kirchenrechts nachweisen. Durch die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges – die Flucht des Aldersbacher Konvents von ca. 1646-48 und die im Jahr 1649 in Aldersbach wütende Pest – kann man davon ausgehen, dass sich Bonifaz in diesen Jahren kaum im Kloster aufhielt. Damit erscheint das von Krick angegebene Jahr der Priesterweihe 1650 plausibel. Laut Klosterakten soll er in der anschließenden kurzen Zeitspanne bis zu seiner Tätigkeit als Vikar an St. Peter im Herbst 1653 Klosterprofessor, Beichtvater in Seligenthal, zwei Jahre Priester in Österreich und zudem ein Philosophie- und Theologiestudium in Wien absoviert haben. In den Matriken der dortigen Universität konnte Bonifaz bisher allerdings nicht nachgewiesen werden.

Wie eingangs erwähnt, identifiziert Krick den Vater von Bonifaz als den Klosterarzt Dr. Kaspar Hiltbrand. Der Mediziner hatte seinen Lebensmittelpunkt jedoch nicht in Aldersbach, sondern in der Domstadt Passau. Dort lässt er sich seit dem Jahr 1638 als Hofmedicus und Conciliarius (Berater) des Fürstbischofs und Erzherzogs Leopold Wilhelm von Habsburg, einem Bruder des Kaisers Ferdinand III., nachweisen. In den Matriken der Dompfarrei findet sich für den 13.11.1638 eine Notiz, die über seine (zweite) Ehe mit Anna von Lassin, Tochter des Mautners Wilhelm von Lassin, informiert. Aus dieser Ehe ging Kaspar (jun.) hervor (Taufe am 03.10.1642), der später die Nachfolge als Passauer Stadtarzt antrat. Nach dem Tod des Vaters († 10.12.1658) verfügte Abt Bonifaz über ein ansehnliches Vermögen. Urkundlich gesichert ist, dass ihm im Jahr 1659 ein Erbanteil von 1000 Gulden zugefallen war, den er je zur Hälfte seinem Professkloster und dem Kloster Gotteszell überließ. Im Aldersbacher Nekrolog findet sich zum Tod Dr. Hiltbrands folgender Eintrag: „Der berühmte Herr Kaspar Hiltbrant, Doktor der Medizin, 40 Jahre ordentlicher Arzt dieses Klosters, Vater unseres Mitbruders".

Bei dem am 08.04.1688 verstorbenen Christoph Hiltbrand, Doktor des Rechts, handelt es sich um den Bruder von Abt Bonifaz. Seine 1658 in Ingolstadt abgeschlossene Dissertation widmete er Bonifaz. Die Brüder Bonifaz und Christoph lassen sich in den Taufmatriken von Passau St. Stephan nicht nachweisen und scheinen der ersten Ehe von Kaspar (sen.) zuzuordnen zu sein. Somit ist fraglich, ob die Familie aus Passau stammte.

Es ist durchaus möglich, dass es sich bei dem Studenten Kaspar Hiltbrand aus Schlesien, der im Jahr 1585 an der Universität Wien eingeschrieben war, um den Großvater des späteren Abtes handelt.
In den Jahren 1629-32 lässt sich an der Wiener Universität zudem ein Adam Hiltbrand aus Passau nachweisen, der dort zuerst erfolgreich um die Anerkennung seiner zuvor an der Universität Bologna erlangten Promotion zum Doktor der Medizin und Philosopie ansuchte und sich 1632 ebenso erfolgreich um das Amt des "Magister Sanitatis" an der Medizinischen Fakultät bewarb. Dieser Epidemiearzt bzw. Stadtphysikus war ein kaiserlicher Beamter, der von der Medizinischen Fakultät gestellt bzw. bestimmt wurde. Dieses ungeliebte und lebensgefährliche Amt wurde meist an jüngere Ärzte vergeben. Adam führte es in Kriegszeiten aus, was ihm bereits kurze Zeit nach Übernahme das Leben kosten sollte. Er verstarb am 09.03.1636.
In der nächsten Generation der Familie suchte im Jahr 1656 "Franciscus Hilleprandt Passaviensis" ebenfalls an der Universität Wien um die Anerkennung seiner zuvor an der Universität Bologna erlangten Promotion zum Doktor der Medizin an. Hier könnte es sich um einen weiteren Bruder (oder nahen Verwandten) von Bonifaz handeln.

Abt Gerard Hörger informiert in seiner Gotteszeller Äbtechronik vom Wechsel Hiltbrands in das Bayerwaldkloster: Es „folgte der von mir [1654] dorthin abgesandte Ehrwürdige Pater Bonifacius Hiltprand, ein Professe aus dem Kloster Aldersbach, studierter Theologe und Kirchenrechtler, den ich auf Zeit als Prior mit der Verwaltung des weltlichen Besitzes einsetzte, und ihm zwei Priestermönche als Kuraten für die Seelsorge beigab [P. Benedikt Velder und P. Wilhelm Reiter]. Dieser im Namen und in der Tat Bonifacius hat bis zur heutigen Stunde alles wohlgetan, ein kluger und religiöser Mann, ein Mann, auf den ich ohne Bedenken nicht die Hälfte, sondern gleichsam die Gesamtheit der Last meiner Sorgen warf. … Nach meiner Resignation wurde in einem feierlichen und dem Kirchenrecht entsprechenden Vorgang der vorgenannte Herr Bonifacius zum Abt dieses Hauses [Gotteszell] gewählt, nachdem er zuvor vier volle Jahre lang als Prior mit der Verwaltung der geistlichen und weltlichen Dinge zum größten persönlichen Lob und zum Nutzen des Klosters gewirkt hatte. Die Wahl geschah unter meinem Vorsitz und der Assistenz des oben genannten Herrn Abts von Fürstenfeld. … So steht also heute der vorgenannte Herr Bonifacius dem Kloster Gotteszell vor und nutzt ihm. Möge ihm Gott, der größer ist als Alles, Gelingen und langes Leben schenken!“

„Abt Bonifaz 1658-89, ein ‚kluger und religiöser Mann‘, wie ihn Abt Gerhard bezeichnete, führte die Leitung seines Klosters im Geiste seines Mentors weiter. Selbst in der Erkenntnis der theologischen Wissenschaft auf einer hohen Stufe stehend vor seiner Abordnung nach Gotteszell versah er in Aldersbach das Amt eines Lehrers der Theologie und des Kirchenrechtes war eine seiner ersten Sorgen die Wiedereinführung eines höheren Schulunterrichts für seine Novizen. Zu diesem Zwecke berief er einen Franziskaner namens Winter als Lektor für die philosophischen Studien, der seine Lehrtätigkeit in Gotteszell nach dem Lichtmessfest 1659 aufnahm. Am 15. Juli 1660 konnte Bonifaz dann schon Abt Gerhard zu einer philosophischen Disputation einladen. Mit dem genannten Lektor kam es aber bald zu Zerwürfnissen und wurde derselbe am 25.08.1660 wieder entlassen. Bei seinem Abgange forderte er ein Honorar von 60 Gulden, das dem Abt Bonifaz zu hoch erschien und nur im Betrage von 12 Imperialen (Kronentalern) bewilligt wurde; auch verlangte Winter von einem Schüler die Aushändigung seiner Skripten, die der Abt, aber ohne Erfolg, verbat.“

„Seiner Missstimmung gab Bonifaz in einem Briefe nach Aldersbach mit den Worten Ausdruck: ‚von dem Franziskaner Winter befreie mich, o Herr!‘ Einige Jahre später verschrieb er sich einen Dominikanerpater mit Namen Albert Zenner als Professor. Auch mit diesem war er wieder nicht zufrieden; in einem Briefe vom Juli 1665 schickte er eine Zeichnung dieses Paters nach Aldersbach mit dem Beisatz: ‚von einem solchen Manne befreie mich, o Herr!‘ Er selbst beschäftigte sich in freien Stunden gerne mit literarischen Studien. So hat er als Prior nach einer Notiz des Abtes Gerhard diesem zu seinem Äbtekatalog wertvolle Beiträge aus dem Gotteszeller Archive geliefert.“

„Eine umfangreichere Arbeit war eine Übersetzung der Zisterzienser-Annalen des Ángel Manrique aus dem Lateinischen ins Deutsche, die er auf schon im Jahre 1660 gestellter Bitte der Äbtissin Maria Regina in Seligenthal zunächst für deren Kloster anfertigte. Den ersten Teil dieser Übersetzung – das ganze Werk umfasst fünf Bände – übersandte er im Jahre 1672. Den fünften Teil schickte er mit Schreiben vom 27.04.1689, wenige Tage vor seinem Tode, mit der Bitte, bei der Lesung der Annalen seiner zu gedenken und für ihn armen Sünder zu beten. Dieses Werk wurde später, im Jahr 1741, vom Kloster Gotteszell in Druck gegeben (bei Buchdrucker Zunnkehl in Regensburg).“

„Abt Bonifaz ließ sich auch die Hebung des religiösen Lebens angelegen sein; dies beweist die schon erwähnte Erwirkung eines Ablasses zum Feste der hl. Anna. Im Jahre 1666 erfolgte in Gotteszell die Einführung der festlichen Feier der unbefleckten Empfängnis Mariä. Bei den übrigen Klöstern seines Ordens stand er in hohem Ansehen, wie seine Abordnung im Jahr 1667 als Vertreter der bayerischen Provinz zu einem Generalkapitel des Zisterzienserordens beweist; regelmäßig wurde er bei Abtwahlen (so in Seligenthal und Aldersbach) als Wahlbeisitzer eingeladen. Seine Religiosen folgten seinen Anordnungen und Einrichtungen willig und gehorsam; im Jahre 1661 war er aber gezwungen, über einen Bruder Joachim die Karzerstrafe zu verhängen und erbat er sich in einem Briefe vom 20.05. in Aldersbach Rat, was mit diesem zu tun sei. Am 3. Mai 1670 konnte er dem seit langer Zeit verschollenen früheren Abt Christof, der für seinen Lebensabend sein altes Kloster wieder aufsuchte, die erbetene Zufluchtsstätte gewähren. In einem Briefe vom 25.01.1685, in welchem er dem Abt in Aldersbach nachträglich die gewohnten Neujahrsglückwünsche übermittelte, beklagte sich Abt Bonifaz, dass sich bei ihm die Altersgebrechen einstellen. Am 05.05.1689 ging er mit Tod ab, nachdem er über 31 Jahre in rühmlicher Weise und zum Wohle seines Klosters den Abtstab geführt hatte.“




Zusammenstellung: Robert Klugseder. Quellen: u.a. Eberl, Anton: Geschichte des ehemaligen Zisterzienserklosters Gotteszell im Bayerischen Wald, Deggendorf 1935. Erweiterte Neuauflage aus 2019, 181-182 und 69-71, Übersetzung der Äbtechronik von Georg Bauerschmitt.




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieBonifaz Hiltbrant, * 1624, Sohn des Passauer Hofmedicus Dr. Kaspar Hiltbrand, der 40 Jahre lang auch als Klosterarzt tätig war [NEK], Profess 1645, Ordination 1650, zwei Jahre Pfarrer in Österreich (?), Klosterprofessor für Theologie und Kirchenrecht, Beichtvater in Seligenthal, Vikar an St. Peter (1653-54), Prior in Gotteszell (29.04.1654), 18.02.1658 Abt in Gotteszell, † 05.05.1689
Wirkungszeitraum1645 bis 1657
Jahrgänge Kataloge1613-70 # 1653-17 # 1669-10
ZusatzinformationenBearbeiter und Herausgeber der deutschen Übersetzung der fünfbändigen Zisterzienserchronik von Ángel Manrique (Annales Cistercienses, Das ist, Cisterciensische, Oder Vielmehr Jährliche Kirchen-Geschichte Von Erbauung Cisterz, wie dieser Heil. Marianische Orden seinen Anfang und Aufnahm genommen, und was sich von Anno Christi Geburth 1098 ... biß 1212 des bemeldten Ordens im 115. Jahr denckwürdiges begeben, Regensburg 1739–40). | 1646 April Theologie- und Kirchenrecht-Student in Ingolstadt 1646 705–32: | Die angebliche Wahl zum Abt von Raitenhaslach und Bonifaz' Ablehnung der Wahl beruhen auf einem Übersetzungsfehler | Praenobilis dominus Casparus Hildbrandt Medicinae Doctor per .40. annos huius Monasterii medicus ordinarius. Confratris nostri parens [† 10.12.1658 in Passau, NEK am 11.12.]
Externer Linkhttp://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Hiltprant,_Bonifatius

Abt Johannes IV. Dietmair

Johann Dietmayr wurde um 1550 in Dießen am Ammersee als Sohn achtbarer Eltern geboren, die ihn an die Klosterschule der Abtei Fürstenfeld brachten. Mehr ist über seine Herkunft nicht bekannt. Nach der Priesterweihe sandte Abt Leonhard Treutwein den vielversprechenden Konventualen zum Studium an die Universität Ingolstadt (Abschluss 1577 mit Auszeichnung). Gerühmt wurden damals schon seine große Beredsamkeit und seine Kenntnis der hl. Schrift.

Nach Fürstenfeld zurückgekehrt, wurde Dietmayr von Abt Leonhard zum Professor an der Hauslehranstalt bestellt, aber noch im selben Jahr vom Regens des Ingolstädter Georgianums, Dr. Rudolf Clenkh, angefordert. Ob Abt Leonhard dem Ansinnen ensprochen hat, ist nicht sicher überliefert. Gewiss ist, dass Dietmayr 1578 wieder zu Hause war. 1579 nahm er an einer Disputation in Ingolstadt teil und wurde dafür zum Bakkalaureus der Theologie promoviert und zum Pfarrer des Liebfrauenmünsters, der Pfarr- und Universitätskirche, bestellt. da Abt Leonhard die Bestallung zum Pfarrer nur für kurze Zeit gestattete und nur unter der Bedingung, dass Dietmayr auch den „Cursus“ absolviere, kehrte dieser bald als Lizentiat der Theologie. und Magister liberalium artium wieder nach Aldersbach zurück. Zum Doktor der Philosophie war er schon 1577 promoviert worden.

1581 übernahm er die Leitung des Seminarium Religiosorum in Ingolstadt, eine Berufung als Prediger an die Stiftspropstei Ellwangen wies Abt Leonhard ab. 1583 ging er auf Befehl Herzog Wilhelms V. von Bayern als Prediger nach Parsberg in der Herrschaft Waldeck, um dort lutherische Einflüsse zurückzudrängen. Noch im selben Jahr wechselte er in gleicher Eigenschaft nach Straubing, von da 1584 nach Miesbach und Schliersee, 1585 wurde er Stadtprediger in Aichach und zu Beginn des Jahres 1586 von Herzog Wilhelm als Berater nach München gerufen.

Im Laufe des Sommers 1586 erbat sich Abt Andreas Haydecker vom Kloster Aldersbach, der sich aus Alters- und Gesundheitsgründen mit Resignationsabsichten trug, Dietmayr als Administrator, wodurch dieser unerwartet an die Spitze der Fürstenfelder Mutterabtei Aldersbach gestellt sah. Am 15. Oktober 1586 legte Abt Andreas, wie der spätere Abt Gerhard Hörger[1] (reg. 1651–1669) berichtet, sein Amt nieder und übergab die Verwaltung Johann Dietmayr, der nach Heydeckers Tod († 10. Aug. 1587), wohl Anfang 1588, vom Konvent einhellig zum Nachfolger gewählt wurde.

Die Lage der Abtei war bei Dietmayrs Regierungsantritt nicht ungünstig. Abt Andreas II. hatte sich bemüht, die Schäden, die sein Vorgänger Bartholomäus Madauer (reg. 1552–1577) durch schlechte Verwaltung angerichtet haben soll, zu beheben. Auch die Zahl der Mönche wuchs wieder, nachdem die Pest 1572 alle Konventualen bis auf einen und den Abt hinweggerafft haben soll.

Die erste Sorge des neuen Prälaten galt der Instandsetzung sämtlicher Klostergebäude, von denen manche baufällig waren. Das Langschiff der Stiftskirche ließ er durchgängig wölben; die am Eingang zum Klosterhof stehende St. Leonbardskapelle so gründlich restaurieren, dass man eher von einem Neubau sprechen kann. Das Richterhaus daneben und die Stallungen wurden vollständig umgebaut, außerdem dem Kloster zum Garten hin ein neuer Flügel angefügt; Bibliothek, Sakristei und Abteiwohnung wurden neu erstellt, schöner und größer als zuvor.

Für die Gottesdienste schaffte Abt Dietmayr mehrere Ornate in verschiedenen Farben an, dazu auch viele Meßgewänder. Die Altäre der Kirche erhielten damastene Antipendien. Ebenso erwarb er neue Kirchengeräte. Seine Hauptsorge galt jedoch der Ausbildung und Bildung der Mönche, deren begabteste er – wie es sein Abt Leonhard Treutwein in Fürstenfeld getan hatte – zum Studium nach Ingolstadt schickte. Der Chordienst musste pünktlich und genau verrichtet werden. Die Bibliothek wurde durch zahlreiche Werke vermehrt, die er zum Tteil selbst besorgte.

Auch bei der Vermehrung des Klostergutes hatte Abt Johann eine glückliche Hand. Am 31. Juli 1591 erwarb er einen größeren Hof in Aufheim, einen Monat später einen weiteren in Walchendorf. 1592 kam die Abtei in den Besitz von Gütern in Reisach. Eine wichtige Erwerbung war die Hofmark Abtshofen, die einst dem Stift Ebersberg gehört hatte, dann in den Besitz des Jesuitenkollegiums in München übergegangen. Dazu kamen noch die beiden Hofmarken in Thurm bei Frontenhausen und Piegendorf. Ende 1611 war das Stift schuldenfrei und hatte ein Vermögen von 116.750 fl. Einen Teil des Bargeldes (13.750 fl.) hatte der vorsichtige Abt nach Fürstenfeld in Verwahrung gebracht, weil er befürchtete, dass damals donauabwärts ziehende Kriegsvölker Aldersbach plündern könnten.

Nachdem am 7. Juli 1595 Abt Leonhard Treutwein von Fürstenfeld gestorben war, setzten die Fürstenfelder Konventualen ihren Vaterabt Dietmayr neben den Patres Johann Puel und Sebastian Thoma auf die Kandidatenliste, die man bei der Regierung in München einreichen musste. Doch Dietmayr verzichtete aus Rücksicht auf sein Kloster. Stattdessen bestellte ihn der in Fürstenfeld weilende Generalabt Edmond de la Croix von Cîteaux zum Generalkommissar und Visitator aller Zisterzienserklöster in Bayern und übertrug ihm die Vollmacht alle Äbte und Äbtissinnen dieser Provinz zu benedizieren. Die Regierung bestellte ihn zum ersten Landschaftsverordneten des Rentamts Landshut.

Diese vielfältige Inanspruchnahme hatte jedoch zur Folge, dass Abt Dietmayr manchen seiner Verpflichtungen nicht mehr selber nachkommen konnte. So konnte er 1605 beim Generalkapitel in Cîteaux nicht persönlich erscheinen, weshalb er den Großkellner der Abtei Raitenhaslach, Konrad Tachler, und den Fürstenfelder Subprior Sebastian Thoma als Vertreter der bayerischen Provinz delegierte; desgleichen Tachler wieder 1609. Die von Konrad Tachler dort vorzutragenden drei Punkte lassen erkennen, wie wichtig dem Aldersbacher Abt die Bewahrung der Ordensdisziplin und die Ordensprivilegien waren (Näheres bei Gloning, S. 327–328).

Da Abt Johann wegen seiner anderweitigen Verpflichtungen, vielleicht auch wegen Kränklichkeit, die Verwaltung seines Stiftes über den Kopf wuchs, betrieb er den Plan, sich einen Koadjutor an die Seite stellen zu lassen. Der Plan wurde von Vaterabt Hieronymus Hölein von Ebrach (reg. 1591—1615) und Herzog Maximilian I. gebilligt und am 19. Mai 1605 von der Mehrzahl des Konventes (13 Stimmen) der Kellermeister Michael Kirchberger zum Koadjutor gewählt. Da diese Regelung aber nicht alle Mönche zufriedenstellte, wurde das Vorgehen 1608 von dem 1607 vom Generalkapitel zum Visitator für Süddeutschland, die Schweiz, Böhmen und Polen bestellten Abt von Clerlieu, Jean Martin, untersucht und bestätigt.

Während der Versammlung der Landstände in München, an der er als Landschaftsverordner teilnahm, erkrankte Johann Dietmayr und starb am 22. Januar 1612 ebenda. Sein Leichnam wurde nach Aldersbach gebracht und vor dem St. Walburgisaltar an der Südseite der Stiftskirche bestattet.

Quelle: Dietmayr, Johann, in: Biographia Cisterciensis (Cistercian Biography), Version vom 8.11.2019, Online: www.zisterzienserlexikon.de/. Basierend auf Marian Gloning: Johann VI Dietmayr, Abt von Aldersbach (1588–1612), in: Cistercienser Chronik 18 (1906), 321–330.




P. Michael Mannstorf berichtet in seiner Chronik Folgendes über Dietmair:

Mittler Zeit hatte das Closter Fürstenfeld einen Religiosen, Nahmens Joannes Dietmayr, welcher durch seine Gelehrt- und Wohlredenheit sich grossen Ruhm erworben hatte. Der Ruff hievon kame auch nacher Alderspach, und er wurde ersuchet von Abbten Andrea die Administration des Closters zu übernehmen, welche er auch durch 2. Jahr so löblich geführet, daß er einhellig zum Abbten dises Closters erwählet worden. Joannes Dietmayr tratte die Regierung an Anno 1588. ware einer derer vortrefflichisten Prælaten, welcher dem Closter ewige Denckmahle hinterlassen; dann ausser seines Ruhm-würdigen Tugend-Wandels, wegen welchen er bey Geistlich- und Weltlichen hohen Häuptern beliebt und werth geschätzet ware, also zwar, daß er von dem General unseres Ordens, Edmundo a S. Cruce, den Gewalt eines Commissarii Generalis und Visitatoris über alle dises Ordens Clöster des gantzen Bayrlands überkommen, nicht weniger auch bey einer Löblichen Landschafft Rent-Ambts Landshut erster Commissarius erwählet, und hierin zu des Lands und Closters Nutzen höchst rühmlich gestanden ware, so suchte er auch das Closter in allem zu zieren und zu be reichen, er führte verschidene Gebäu, und mehrte jedannoch die Einkünfften. Den Kirchen-Schatz vermehrte er mit kostbahren Ornaten und Paramenten, deren einige annoch vorhanden. Die Bibliothec vermehrte er mit vortrefflichen Büchern, deren er die meisten hergeschaffet. Die Besitzungen des Closters vermehrte er durch Erkauffung derer Hofmarchen Abshoven, Thurn, Piegendorff, sambt verschidenen anderen Güthern. Joannes ware dem Closter sehr ersprießlich durch 25. Jahr, und hatte sich hierbey so wohl bey dem Heiligen Orden, als auch bey denen sammentlichen Lands-Ständen grosses Lob verdienet, weßwegen er auch um so hefftiger bethrauert wurde, als er Anno 1612. wehrendallgemeinen Land-Tag in München den 22. Jenner von diser Welt Urlaub genohmen. Sonderbar aber fielle diser Verlust dem Closter sehr empfindlich, in welches sein Leichnam mit grossen Spesen überbracht, und in der von ihme erbauten Capellen zur Erden bestattet worden ist.




Auch Abt Gerard Hörger schreibt in seiner Klostergeschichte über Dietmair:

Johannes Thiettmayr zu Aichen geborn, hat den Heyl. Cistercienser orden, in dem Closster Fürsstenfeldt ann: unnd also ihm verstanndt, Tugent, unnd wissenschafft zuegenommen, das Er war ein Mann, unnder den Mannern, deme Er zu seiner Zeit nit leichtlich ainer bevor thätte, auf der hochen schuel zu Ingolstatt ist Er von den vornembsten Doctoribus als Herrn Albrecht Hunger derzeit procancellarii: wie auch P. Gregorii de Valentia der Societet Jesu würdtig erkhenndt worden, der heilligen schrüfft licentiat zuwerden, welchen gradt Er auch aldort empfanngen, und nachmahls würdtig unnd nutzlich gebraucht, Er wär ein vortrefflicher Predtiger, der sich auf villen vornemmen Canzlen in sein: unnd hiesigem Closster, zu Aichen, Augspurg, und Minichen, derffte sechen: unnd zu seinem Ruemb der Zuehörer nutz und auferspauen hören lassen.

Welches dann ein ursach gewest, daß Ihme Abbt Anndre [Niderhofer] die Abbteylichen Würdten Anno .1586. den .15. Octobris wie auch oben angedeut freywillig resigniert, welche Er dann .2. Jahr als administrator so Loblich getragen, das Er nachmahls Anno .1588. durch ein ordentliche Wahl zu ein em praelathen dises Clossters alhier erwöhlt worden. Nit zubeschreiben ist, wie Lob: unnd nutzlich Er disem Closster im Geistlich: unnd Weltlichem vorgestanndten, sein lob unnd Namb were in dem ganntzen orden wie auch landt wol: unnd also bekhandt, das Er in dem gehaltenen Capitl zu Fürssten- feldt, inn welchem der Hochwürdtigiste Vatter Edmundus a Cruce Abbt, unnd General zu Cisterz vorgesessen, unnd die in dem ganntzen orden bekhandte Statuta Fürstenfeldensia gemacht worden, Er nit allein beigewohnt: sonnder auch den Titl Commissarii Generalis unnd in obern: unnd Nidern Bayrn Visitatoris neben dem Gewaldt alle Abbt und Abbtissinen zu Penedicirn empfangen, welchen Titl unnd Gewaldt Er nachmahls Threu unnd vleissig gebraucht. Er wär ein Ernsthaffter Mann, hielte nit allein in seinem Closster, sonnder auch in der ganntzen provinz ein strenge der Regel unnd Statuten geines, Disciplin, Unnder dennen bey der lob. Landtschafft in Payrn deputierten Renntambts Landtshuet were Er vor den Ersten vornembsten Commissarii zu grossem nutz des lanndts: unnd des Closters erwöhlt.

Deß Clossters ist Er billich zunenen, Gleichsamb der anndere Stüffter, in deme Er dasselbige in denn gebeyen, güettern, unnd dero Stüfft, Gilt, Traidtdiennst, merkhlicher staigerung, Khürchenschatz unnd annders mehrers als kheiner unnder allen seinen vorfahrern gemehrt; sein gefiehrtes gebey, hat Er Erstlich die Khürchen das Langhaus genant gewölben: die Khürchen aber, zu St. Lienhart gleichsamb auf ein neues, wie auch das ganntze Richterhaus, unnd den ganntzen Stockh biß zu dem gartten von Grundt auf Pauen lassen. Zum anndern hat Er auch denn ganntzen Stockh der Spiegelstuben, Bibliothec, alte Sagristey, wie auch entgegen die hofstuben, Abbtey, unnd Cammer gefiehrt. Den Khürchenschaz betr. hat Er dise ornäth; Erstlich den plab sameten mit Guldenem Grundt: Rauchmandl: dann die darzue gehörige Mössgwandt: Levithen Röckh mit gelbem Grundt: dann auch den gelb guldenen: und weis silberen ornath mit aller Zuegehör, wie Nitweniger von allen Farben: sonnderlich Weis, Roth, Glab, Grien Mößgwandt Levithen Röckh sambt allerlai antebentia zu allen Altärn von gethrukhtem domasst machen lassen, unnd annders mehr welches Khürze halber nit alhero gesezt worden.

Die Hofmarch unnd Güetter, die Er die Zeit seiner Regierung zu dem Closster erkhaufft, seint dise, Hofmarch Abshoven Anno .1610. von P. Jacobo Kheller, derzeit des Collegii der Societet Jesu in Minichen Rectori, Hofmarch zum Thurn unnd Piegendorf Anno .1611. von Herrn Ulrich Eckher von Khäpfing zu Piegendorf, unnd Thurn bey Frantzenhausen etc. Ainschichtige Güetter aber, seindt dise. Aufhaimb Anno .1591. Au bey Reispach anno .1592. Wollen dorf, das würthshaus: Paurnhof unnd Sölden alda Anno .1591.|. 72 Alß Er nur dem Closster in die .25. Jahr so Lob unnd nutzlich vor gestanndten, sich auch sowol bey dem orden; alß Lanndt: und lob. Lanndtschafft, hoch verdiennt gemacht.

Ist Er zu Minichen Anno .1612 in wehrenten allgemainen Lanndtag mit aller Weldt Traurigen in Gott seeligelich entschlaffen, sein leichnamb ist von Minichen aus durch Lanndtshuet, unnd anndere Stött unnd Märkht mit sehr khläglichem beglaidthellen ein: unnd aus leithen, aber nit ohnne grosse Spessa unnd uncossten bis alhero inn das Closster gefiehrt: mit Hertzens laidt von dem gantzen Convent: auch aller unnderthonen unnd benachbarten empfangen; unnd in seiner von ihme zu disem enndte erpauten Capeln [Portenkapelle] begraben worden, Amen.




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieJohannes (VI.) Dietmair, Dr. phil. et theol., * um 1550 in Diessen am Ammersee, Profess des Klosters Fürstenfeld, Administrator seit 15.10.1586, 10.08.1587 - † 22.01.1612 Abt, verstorben in München, begraben in der Portenkapelle
Wirkungszeitraum1596 bis 1612
Abt-Nr.37
Jahrgänge Kataloge1596-1
Zusatzinformationen1574 Mai: Dr. theol. in Ingolstadt 1574 996-13
Externer Linkhttp://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Dietmayr,_Johann

Abt Bartholomäus Madauer

Bartholomäus Madauer, Metzgerssohn aus der Aldersbacher Kloster­pfarrei Rotthalmünster, wurde um 1514 geboren. Eine Förderung Maudauers durch den späteren Abt Wolfgang Marius bereits in jungen Jahren ist mit einiger Sicherheit auszuschließen, da Marius nur bis 1514 als Pfarrvikar in Rotthalmünster wirkte. Der Novize Bartholomäus legte im Jahr 1534 die Profess im Kloster ab, unbekannt ist allderdings, wo er zuvor seine schulische Ausbildung erhalten hatte. Abt Marius soll den begabten Mönch zum Studium nach Heidelberg geschickt haben, in den Matrikeln der Universität lässt sich Madauer jedoch nicht nachweisen (auch nicht in Ingolstadt oder Wien). Aus den Chroniken Abt Gerhard Hörgers (reg. 1651-69) und P. Michael Mannstorffs († 1765) ist zu einem möglichen Studium ebenfalls nichts zu erfahren. Hörger formuliert eher allgemein, Bartholomäus habe die Wissenschaft der freien Künste erlernt, jedoch ohne konkrete Angabe, wo er sich dieses Wissen aneignete. Madauer tritt in der Wahlurkunde seines Vorgängers Johannes V. Zankher von Gumperting vom 16.10.1544 zum ersten Mal in Erscheinung, wo er als einer der neun Wahlberechtigten Mönche auftritt. Einen weiteren Hinweis liefert der Humanist, Poet und Geschichtsforscher Kaspar Brusch (Gasparius Bruschius), der sich mehrmals, vor allem aber im Jahr 1552, zu Studienzwecken im Kloster aufhielt. Lobend erwähnt der Forscher die Hilfe des gelehrten Mönches und „Maior-Cellae Praefectus" (Oberkellner) Bartholomäus Madauer. Wenige Wochen nach dem Zusammentreffen mit Bruschius starb Abt Johannes Zankher am 07.07.1552, wenige Tage später (11.07.) wurde Madauer zum 35. Abt von Aldersbach erwählt.

In der späteren Kloster­geschichts­schreibung findet das Abbatiat Madauers wenig Beachtung, seine Nähe zum Luthertum und die Resignation wegen Häresieverdachtes disqualifizierten ihn für eine umfangreichere Darstellung seiner durchaus beachtenswerten Regierung. Mannstorff hebt die hohe Gelehrsamkeit des Abtes hervor: „Ein gelehrter und in verschiedenen Wissenschaften wohl erfahrener Mann, auch durch seine Schriften bekannter Poet und vornehmer Mathematiker“. Caspar Brusch rühmte Madauer als herausragenden Mathematiker, Dichter, Astronomen, als talentierten Maler und hervorragenden Schachspieler. Bruschius widmete ihm auch ein Gedicht, in dem er unter anderem die gesellige Zeit, die er mit dem späteren Abt mit Trinken und Singen verbrachte, preist. Dass Madauer auch Sinn für Humor hatte, zeigt er in einem hämischen Vierzeiler auf den jungen Aldersbacher Mönch Sigismund, der sich aus religiösem Übereifer selbst kastrierte: „Sigismund wird man, sogar in allen möglichen Gegenden, feiern, ihn, der sich selbst die eigenen Hoden abgeschnitten. Es ist schon was, nach dem Himmelreich zu trachten – auf solche Weise freilich möchte ich nach dem Himmelreich lieber nicht trachten“. Madauers bekanntestes Vermächtnis ist seine selbst entworfene und hergestellte „Sonnenbecheruhr“, die heute im British Museum aufbewahrt wird.

Abt Hörger deutet in seiner Klosterchronik in einer kurzen Stellungnahme zur angeblichen Verschwendungssucht seines Vorgängers an, dass in Aldersbach jährlich der beachtliche Betrag von 45 Gulden für die hauseigene Kantorei ausgegeben wurde. Tatsächlich lässt sich dieser Betrag in den Rechnungsbüchern der Regierung Madauer unter der Rubrik „Hoffirer und Spilleut“ nachweisen. Da hier auch Ausgaben für auswärtige Chöre und Musiker angeführt werden, ist klar, dass das „Cantoreygeld“ ausschließlich für den Aldersbacher Chor vorgesehen war. Aus den Rechnungsbüchern geht auch hervor, dass auch Kantoreien und solistisch auftretende Musiker der benachbarten Klöster Niederalteich, Vornbach oder Reichersberg zur Unterhaltung des Abtes auftraten, unter ihnen der damalige Schulmeister von St. Nikola und berühmte Komponist Leonhard Paminger. Für die Volksmusikforschung interessant sind weitere Ausgabenvermerke, die zu den frühesten Nachweisen für die Bräuche des „Christkindlansingens“ und des „Sternsingens“ gerechnet werden können. So empfing Abt Bartholomäus im Januar 1564 die „Knechte im Bauhof so sie uns den Stern gesungen“. Bereits 1562 sind Zahlung an „etliche so das neu geborn Kindl angesungen haben“ nachweisbar.

Auch von musikhistorisch interessanten „Saufgelagen“ in Aldersbach, die um das Jahr 1570 stattfanden, berichtet Abt Hörger in seiner Klostergeschichte: „Der Wein macht fröhlich und einen guten Mut, unterdrückt aber den Geist und schwächt seine Kräfte. Dies war täglich und besonders an den Freitagen in der Klostertaverne zu sehen und zu hören, im Trinken, Tanzen, Singen und Springen und zwar dergestalt, dass auch die Geistlichen ihres geistlichen Standes und Ehre vergessend, sich auf dem offenen Tanzboden mit gleicher Üppig- und Sündigkeit haben sehen lassen.“ Die Erzählungen von diesem wilden Treiben drangen bis nach Salzburg vor und veranlassten Erzbischof Johann Jakob Kuen von Belasy, Abt Madauer einen ernsten Verweis und scharfen Befehl zu erteilen, dass „dergleichen unklösterliche Vermessenheiten und Untaten alsobalden abzustellen seien.“ Ungewöhnlich kritisch beurteilt Hörger nachfolgend das Verhalten Madauers: „dass allhier wenige Religiosen und eine schlechte Ordens-Disziplin gehalten worden ist, welches darum desto weniger verwundert, dieweil damals das Luthertum dessen Lehr und Gifft fasst das gannze Deutsch- als auch besonders unser Bayerland überzogen, vieler nicht allein weltlicher, sondern auch der geistlichen Herz und Gemüht vergiftet und an sich gezogen, welches vielleicht auch allhier geschechen, dann viel in dieser Meinung und Muthmaßung stehen, das gleich wie Bartholomäus, mit den Lutherischen durch Schreiben und anderem gar zuviel Gemeinschaft gehabt; also Er auch sich in deren Aneigungen suspekt und sehr verdächtig gemacht hat“.

1577 wurde Madauer abgesetzt und sein späterer Nachfolger Andreas Haydecker übernahm zunächst als Administrator die Klosterleitung. Der Altabt residierte in den Häusern des Klosters in Passau und später in Vilshofen, wo er am 25.08.1578 [im Nekrolog wird das Jahr 1579 angegeben] verstarb. Bestattet wurde Madauer in der erst von seinem zweiten Nachfolger Abt Johannes IV. Dietmair (reg. 1687-12) wiedererbauten Portenkapelle („negst der Khürchenthier“). [Abt Madauer erhielt 1566 die Erlaubnis zum Abbruch der mittelalterlichen Portenkirche. Ob die Abrissarbeiten und der Neubau bereits unter ihm begonnen hatten, ist nicht überliefert. Sicher ist allerdings die Fertigstellung unter Abt Dietmair. Wie auch immer, Madauer hatte eine gewisse Bedeutung für den Neubau, da unter den Prälaten nur er und Johannes IV. hier bestatteten worden waren.] Der Grabstein Madauers, der mit einiger Sicherheit in der Portenkapelle aufgestellt war, ist nicht erhalten, im „Aldersbacher Grabsteinbuch“ wird dieser jedoch beschrieben (mit Abbildung des Abtes und Nennung des Todesjahres 1578). Eine Gedenktafel an die Wahl Madauers im Jahr 1552 mit einer bildlichen Darstellung befindet sich heute im Kapellenumgang der Klosterkirche.

Zu den Bautätigkeiten Maudauers weiß Hörger zu berichten: „Gleich im ersten Jahr seiner Regierung hat Er als ein kunstliebender und guter Baumeister seinen Sinn und Gedanken auf das Bauen gelegt und sein Hand wirklich ausgestreckt, auch selbe niemals bis zu dem Ende seiner ihm anvertrauten Vorstehung abgezogen. Schlussendlich erwählte Er allzeit gute und wohlerfahrene Meister, als Zimmerman, Schreiner, Schlosser und andere etc. Ich glaube und setze ohne allen Zweifel, dass Er den ganzen Stock von der Priester Stuben oberhalb des Saales bis zu dem Regensburger Zimmer von oben, unten aber bis zu dem Noviziat meistens von Grund auf habe erbauet, oder doch gewisslich in einen ganz anderen und zwar dieser Form wie er sich an jetzt sehen lässt, gerichtet. Alle Zimmer mit schönen, zierlichen und kunstvollen von Schreiner Arbeit angezogenen Böden und Tafelwerk zieren. Alle Vorzimmer der Novizen- und Mönchszellen, des Wasser- und Regensburger Zimmers, das Langhaus der Kirche als auch endlich und vermutlich den ganzen Kreuzgang mit gutem weiß- und roten von Salzburg und Kelheim teuer und mühsam hergebrachten Marmorsteinen habe pflastern lassen. Auch den großen Weinkeller graben und machen lassen. So hat Er auch alle Zimmer mit schönen Kasten mit kunstvoller Schlosserarbeit versehen und mit Malerei geziert.“ Abt Bartholomäus ließ im Jahr 1566 auch den Chor der Peterskirche und die Abteilkapelle zu Ehren Philippus und Jakobus instandsetzen.

Abt Hörger fand durchaus auch lobende Worte für seinen Vorgänger, diese sollen den Abschluss der Lebensbeschreibung Madauers bilden: „Unter dem seligen und ehrwürdigen Gedächtnis Abt Wolfgangs in den heiligen Orden durch öffentliche Profession eingetreten und angenommen. In diesem Stand hat Er sich nicht allein um das geistliche Wesen eifrig, sondern auch und vor allem durch die Erlernung der Wissenschaft der freien Künste emsig angenommen. Sonderlich aber in der Mathematik und Sternschen Kunst hat er sich vollkommen und hoch berühmt gemacht. Dermaßen dann nicht allein die von Ihm gemacht und angegebenen mathematischen Instrumente, Sonnenuhren und anderes, sondern auch die in dieser Kunst in offenen Druck ausgegangene und unter seinem Namen dedizierten Bücher solches beweisen. Dieser Ruhm ist nicht ein wenig Ursache und Bewegung gewesen, dass nach dem Ableben Abt Zanckhers die Konventualen dieses Klosters und Gotteshauses bewegt worden, durch eine ordentliche Wahl Bartholomäus am 11. Juli 1552 zu einem Vorsteher zu erwählen.“ Hörger endet mit einer Ermahnung und dem Totengedächtnis an den verstorbenen Madauer: „Dass sowohl von der geistlichen als auch der weltlichen Obrigkeit der Befehl ergangen, Bartholomäus vor seinem Tod zur Strafe und Buße ernstlich und eifrig zu ermahnen. Er aber weder diesen Befehl noch Ermahnung erwartete, sondern ihn der Tod ergriffen und den Garaus gemacht habe. Wollen wir doch ein besseres Gedenken von ihm hoffen und halten und dem unergründlichen und unerforschlichen Urteil Gottes nicht vor- und eingreifen. Bartholomäus aber die ewige Ruhe und Auferstehung gewünscht haben“.

Zusammenstellung: Robert Klugseder

Weitergehende Informationen zur Rolle Madauers als Wissenschaftler und zur "Sonnenbecheruhr" stehen hier zur Verfügung.




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieBartholomäus Madauer, * (Rotthal-)münster, Profess 1534, urk. 1544-58, Oberkellner, 11.07.1552-1577 Abt (abgesetzt), † 25.08.1578 in Vilshofen
Wirkungszeitraum1534 bis 1578
Abt-Nr.35
Jahrgänge Kataloge1460_1543-91 # 1544-9 # 1558-1
Externer Linkhttp://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Madauer,_Bartholom%C3%A4us

Abt Wolfgang Marius

Marius war neben dem Benediktinerabt Angelus Rumpler von Formbach der bedeutendste Vertreter des Humanismus im niederbayer. Er besuchte die Lateinschule in Passau und trat 1489 als Novize in das Zisterzienserkloster Aldersbach ein (Profeß 1490). Sein Abt schickte ihn 1493 nach Empfang der Subdiakonatsweihe auf die Univ. Heidelberg. Das Studium schloß M. nach drei Jahren mit dem Grad eines Magister artium liberalium ab. Aus der Studienzeit rührte seine Freundschaft mit mehreren später auch zur Abtswürde gekommenen Ordensbrüdern her (u. a. Konrad Reuter von Kaisheim, Ulrich Molzner von Raitenhaslach). Vor seiner Rückkehr nach Aldersbach empfing Marius 1497 in Worms die Diakonatsweihe, der im selben Jahr die Priesterweihe in Passau folgte. Danach war er Pfarrvikar von St. Peter in Aldersbach, seit 1501 Prediger an der zum Kloster gehörigen Wallfahrtskirche Kößlarn und seit 1504 Pfarrvikar im nahen Markt Rotthalmünster. Aus dieser Zeit stammen die ersten lat. Hexameter, die nicht nur ein gemütvolles Herz, aufgeschlossen für die Schönheiten der Natur, offenbaren, sondern M. auch als schonungslosen Zeitkritiker ausweisen (Carmen de bello Norico – Landshuter Erbfolgekrieg 1504/05).

Geschätzt als Prediger, erwies sich Marius auch als fähiger Wirtschafter, der die bitteren Folgen des Krieges bald zu beseitigen wußte. So war es fast eine Selbstverständlichkeit, daß bei dem am 2.6.1514 anstehenden Wahlgang Marius zum Abt des Klosters gewählt wurde. Dreißig Jahre lang führte er die moralisch und wirtschaftlich heruntergekommene Zisterze mit Energie und Tatkraft wieder einer besseren Zukunft entgegen, obwohl die Zeitströmung dem Vorhaben zuwiderlief. Der Konvent von Aldersbach blieb von den Auswirkungen der Reformation nicht verschont. Mit Martin Luthers Angriffen auf den Ordensstand und das Klosterwesen setzte er sich in zwei theologischen Kontroversschriften auseinander. Maßvoll in der Polemik, gekennzeichnet durch sicheres historisches Urteilsvermögen, erweisen sie Marius als einen bedeutenden theologischen Gegner Luthers (S. Riezler). Der Verteidigung des Ordensstandes und seinem Bemühen um die Erhaltung der klösterlichen Disziplin galten 1534 eine Übersetzung der Regel des hl. Benedikt ins Deutsche sowie eine Einführung zu ihrem lat. Text.

Von Marius, den Caspar Bruschius als „versificator insignis“ bezeichnete, sind etwa 80 Gedichte aus den Jahren 1501 – ca. 1526 erhalten. Seine größte rein geistliche Dichtung schrieb er 1514, kurz bevor er zum Abt gewählt wurde. Es ist das Lied vom Leiden und Sterben Christi (Christi Fasciculus florido … digestus). Ein Jahr später gelangte es als einzige Schrift noch zu seinen Lebzeiten zum Druck. Mehr als eine Klostergeschichte im herkömmlichen Annalenstil schuf Marius mit den „Annales ecclesiae Alderspacensis“ (Clm 1012 und Clm 27.115), die er in die große Welt- und Kirchengeschichte einbettete. Johann Aventin aus Abensberg wußte den Abt zu schätzen; er widmete ihm eine Ode (Clm 1851). Als Testament des Abtes sind seine „Protestationes coram aliquibus ad hoc vocatis … morienti utiles“ zu bezeichnen, Glaubens- und Schuldbekenntnisse eines dem Tode entgegensehenden Menschen (Bayer. Hauptstaatsarchiv, StAL Rep. 44 Fasc. 3 Aldersbach).

Werke

  • Sammelband mit e. v. M. selbst getroffenen Auswahl v. Gedichten, 1501-26, Bayer. Staatsbibl. München (Clm 1851)
  • Votorum monasticorum Tutor, 1526 (Clm 2886)
  • In aliquot Lutherana paradoxa dialogus, 1528 (Clm 2874)
  • Sanct Benedicten-Regel, 1534 (Cgm 4616, Clm 2890)
  • Pontificum et Archipraesulum Laureacensis et Pataviensis ecclesiarum Cathalogus, = Gesch. d. Passauer Bischöfe v. Thomas Ebendorfer, überarb. u. erg., 1541 (Clm 1012)
  • Ann. ecclesiae Alderspacenses (Clm 1012), veröffentl. v. M. Hartig, in: Verhh. d. Hist. Ver. v. Niederbayern 42 f., 1906 f.



Quelle: Edgar Krausen, "Marius, Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), 218 f. Online: www.deutsche-biographie.de

Weiterführende Literatur ist in der Bibliographiedatenbank zu finden. Eine deutsche Übersetzung der Annales steht hier zur Verfügung.




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieWolfgang Mayr (Marius), * (Ober-)Dorfbach 18.10.1469, Profess 1490, Student in Heidelberg (1493), Mag. art. (1496), Ordination 02.09.1497, Vikar an St. Peter (1498-1501), Vikar in Kößlarn (1501), Prediger in Kößlarn (1503), Vikar in (Rotthal-)münster (1504-14), 02.06.1514 - † 11.10.1544 Abt
Wirkungszeitraum1491 bis 1544
Abt-Nr.33
Jahrgänge Kataloge1460_1543-58 # 1514-6
ZusatzinformationenLateinischer Dichter (Münchener Staatsbibl. Cl. 1851) und Verfasser einer Chronik des Klosters (Staatsbibl. Cl. 1012). Vgl. über ihn: Stephanus Wiest, De Wolfgango Mario, abate Aldersbacensi. Programma Ingolst. 1778, P. Marian Gloning, Aus der Gedichtsammlung des Abtes Marius von Aldersbach. (Studien und Mitteilungen aus der Geschichte des Benediktiner- und Zisterzienserordens, Jahrg. 1912, S 76 ff.), Nik. Paulus, Wolfgang Mayer, ein Zisterzienserabt des 16. Jahrhunderts. (Hist. Jahrbuch der Görres-Gesellschaft, Jahrg. 1894 S. 575-588 und Jahrg. 1899, S. 360), Allgemeine Deutsche Biographie Bd. 52 S. 270, Michael Hartig, Die Annales ecclesiae Aldersbaca. des Abtes Wolfgang Marius von Aldersbach (Verhandl. des Hist. Vereins für | Niederbayern Bd. 42 S. 1-112 und Bd. 43 S. 1-113.) |




Abt Marius von Aldersbach

von Willibald Hauer †

Die "grauen Mönche" der Zisterzienser wirkten von 1146 bis zur Säkularisation im Jahre 1803 in Aldersbach. Die Aldersbacher Mönche kultivierten das untere Vilstal, förderten Landwirtschaft und Gewerbe, schufen Kunstwerke von unermesslichem Wert und wurden bekannt durch die Pflege der Wissenschaften. "Es steht außer Zweifel, dass Aldersbach unter allen altbayerischen Zisterzen die einflussreichste, angesehenste und bedeutendste gewesen ist" (Josef Oswald). Unter den 47 Äbten, die das Kloster während seines Bestehens in mehr als 6 Jahrhunderten regierten, haben sich mehre als Wissenschaftler und Schriftsteller ausgezeichnet. Die "berühmteste und hervorragendste Gestalt des Aldersbacher Stiftes" ist aber sicher der 33. Abt Wolfgang Marius (1514-44). Dreißig Jahre lang stand er in der für Klöster schwierigen Reformationszeit an der Spitze der Abtei als "wirtschaftlicher und religiöser Reformer, als Freund und Förderer der Studien, als lateinischer Dichter und Geschichtsschreiber, als hochangesehener Vertreter des sogenannten "bayerischen Klosterhumanismus" (Josef Oswald in "Bayerische Kirchenfürsten", München 1964). Marius wurde am 18. Oktober 1469 zu Oberdorfbach in der heutigen Pfarrei Dorfbach, einer ehemaligen Hofmark des Grafen von Ortenburg, geboren. Er erhielt in der Taufe den Namen des Tagesheiligen, des Evangelisten Lukas. Von seinen Eltern berichtet er selbst, dass sie ehrbare Leute niederen Standes waren. Der Vater soll ein Flickschuster gewesen sein. Seinen Familiennamen Mayer er schreibt auch manchmal Mair oder Mayr vertauscht er nach Humanistenart später mit dem lateinischen Marius. Wegen seiner Begabung konnte er bereits vom 11. Lebensjahr an Schulen besuchen. Zuerst kam er an die Lateinschule nach Passau. Mit 21 Jahren, also im Jahre 1490, trat er als Novize in das Zisterzienserkloster Aldersbach ein, ein Jahr später legte er bereits die feierlichen Gelübde ab. Statt Lukas Mayr hieß er von jetzt an Frater Wolfgangus. Anscheinend klang ihm das zu wenig lateinisch, deshalb schrieb er selbst meist Bolfgangus. Abt Simon (1486-1501) schickte den hochbegabten Mönch nach Empfang der Subdiakonatsweihe zu Passau im Jahre 1493 auf die Universität Heidelberg. Dort erscheint er am 28. September 1493 immatrikuliert. In Heidelberg standen im 15. Jahrhundert die humanistischen Studien in besonderer Blüte. Außerdem gab es Beziehungen zwischen Aldersbach und dem Heidelberger Zisterzienserkolleg St. Jakob, das 1394 gegründet worden war. In diesem Kloster erhielt Marius Unterkunft. Nach einem dreijährigen Studium an der Universität erwarb sich Wolfgang Marius den angesehenen Grad eines Magisters artium liberalium = Meister der freien Künste. Er selbst führte wohl aus Bescheidenheit diesen akademischen Titel nie. Auf Wunsch seines Abtes Simon empfing Marius 1497 zu Worms die Diakonatsweihe. Dann kehrte er in seinen Konvent zurück. Am 22. Oktober desselben Jahres empfing er dann aus den Händen des Passauer Fürstbischofs Christoph Schachner die Priesterweihe. Acht Tage darauf, am 30. Oktober, feierte Marius zu Aldersbach seine Primiz. Nach sieben Jahren des Studiums wird nun der 28jährige Mönch in die praktische Seelsorge geschickt. Im März 1498 übernimmt Marius als Pfarrvikar die Klosterpfarrei St. Peter in Aldersbach. Gleichzeitig bestellt ihn Abt Simon zu seinem Hauskaplan und Privatsekretär.

Abt Simon starb am 11. September 1501 im Alter von 70 Jahren. Schon damals wollten einige Konventualen Wolfgang Marius zum Nachfolger wählen er war erst 31 Jahre alt. Sie konnten sich aber gegen den älteren und ehrgeizigen Pater Johannes Riemer, einen gebürtigen Osterhofener, nicht durchsetzen. Marius kam unter dem neuen Abt zunächst als Prediger an die Wallfahrtskirche Kößlarn und dann 1504 als Pfarrvikar nach Rotthalmünster. Im sogenannten "Landshuter Erbfolgekrieg", genannt auch der bayerisch-pfälzische Krieg (1504/06), wurde von Herzog Albrecht IV. ein aus 70 Mann bestehendes Strafkommando unter dem Befehl des Grafen Wolfgang von Ortenburg und Hieronymus Stauffer nach Rotthalmünster abgeschickt, weil die Bewohner kurpfälzisch, also gegen München eingestellt waren. Der Markt wurde radikal geplündert. Auch der Pfarrhof fiel der Plünderung zum Opfer, der ganze Viehbestand 17 Stück wurde geraubt.

Marius erwies sich bereits hier als guter Wirtschafter. Innerhalb kurzer Zeit erholte sich die Pfarrei von diesem schweren Schlag. Ein neuer Pfarrhof wurde bald gebaut. Abt Johannes IV. Riemer starb am 5. Mai 1514 zu Passau. Er hatte die Abtei wegen seiner Prunksucht in tiefe Schulden gestürzt. Die meiste Zeit lebte er außerhalb des Klosters, meist in dem zum Kloster gehörigen Haus in Passau, jetzt Steinweg 14. Interessant ist der von dem Passauer Bildhauer Jörg Gartner kunstvoll geformte Grabstein für diesen Abt Johann Riemer (gegenüber dem Grabstein von Marius). Neben der mächtigen fürstlichen Gestalt des Abtes kauert ein Hofnarr mit der Narrenkappe. Durch sein aufwendiges und herrisches Wesen war Abt Johannes IV. bei den Mönchen unbeliebt. Die Folge war auch eine Lockerung der klösterlichen Disziplin und Nachwuchsmangel.

Nur 13 Konventmitglieder hatten sich am 2. Juni 1514 zum Wahlkapitel versammelt. Pater Wolfgang wurde mit überwältigender Einmütigkeit-— er selbst schreibt: "satis concordi consensu" zum neuen Abt gewählt. Bei der Wahl war als Visitator Abt Johannes von Ebrach anwesend unter Assistenz von Abt Georg III. Wankhauser von Raitenhaslach (1506-42) und Abt Gregor Nadler von Fürstenzell (1512-21) und als weltlicher Vertreter Heinrich von Seiboldstorff. Der Visitator bestätigte sofort die Wahl, der Ordensgeneral gab am 16. November 1514 die Bestätigung. Der neue Abt übernahm die Klosterkasse mit 15 böhmischen Groschen an Bargeld und Schuldscheinen in Höhe von 1000 Dukaten. Nach drei Jahren waren die Schulden getilgt und die Einnahmen geordnet. Dann brachte Marius die vernachlässigten Gebäude in guten Stand und baute das Krankenhaus heutiges Anwesen Duschl das Dormitorium 1529 die Mühle und neue Stallungen. Er sorgte auch gewissenhaft für die inkorporierten Pfarreien. 1518 ließ er der Wallfahrtskirche Kößlarn die heutige kunstvolle Gestalt geben. P. Stephan Wiest (1748-97), Klosterbibliothekar von Aldersbach und später Universitätsprofessor in Ingolstadt bezeichnet in seiner Biographie Abt Marius als "den größten Wirtschafter in der Geschichte des Klosters Aldersbach".

Noch wichtiger war aber in dieser turbulenten Zeit der geistige Wiederaufbau des Klosters. Marius ging als vorbildlicher Mönch den anderen stets mit gutem Beispiel voran. Er beteiligte sich regelmäßig am Chorgebet und an den gemeinsamen Mahlzeiten. Er kümmerte sich um die Fortbildung der Novizen und schickte mehrere an die Universitäten Wien und Ingolstadt, seinen Lieblingsschüler Bartholomäus Madauer, einen Metzgerssohn von Rotthalmünster, nach Heidelberg. Madauer verstand sich in der Uhrmacherkunst, Malerei, im Schachspielen, in der Astronomie und Mathematik, wirkte allerdings später als Abt von Aldersbach (1552-77) unglücklich und wurde abgesetzt.

Die Stürme der Reformationszeit gingen zwar an der Abtei Aldersbach nicht spurlos vorüber, aber es war das Verdienst von Abt Wolfgang, dass Aldersbach weit besser diese Zeiten überstand als die meisten anderen Klöster. Drei Mitglieder des Konvents verließen für immer das Kloster: Jakob Hinttermair (nach Ungarn), Johann Sager und Sigmund Lebol 1539. Die aufrührerischen Bauern unter Führung des Mesners von Egglham Pankratz Schneider, wollten auch Aldersbach plündern. Marius konnte die Brandschatzung durch Zahlung von 1200 Dukaten verhindern Pangratz Schneider wurde 1525 auf herzoglichen Befehl in Beutelsbach hingerichtet.

Auf Bitten der bayerischen Herzöge wurde Abt Marius in die Zahl der Visitatoren aufgenommen, so durch eine Bulle von Papst Leo X. 1521 und von Papst Hadrian VI. 1522 und 1523. Bereits 1517 erscheint Abt Wolfgang in Fürstenfeld zur Visitation. Er war Begleiter des Bischofs von Passau Ernst von Bayern auf der Synode von Mühldorf 1522 und auf dem Pastoralkonzil in Salzburg 1537.

Ungemein produktiv zeigte sich Marius als Schriftsteller und Dichter. Viele seiner Werke, die er mit eigener Hand zu Papier oder zu Pergament gebracht hat, sind in den Besitz der Bayerischen Staatsbibliothek in München übergegangen. Die bedeutendsten davon sind drei geschichtliche Abhandlungen. "De bello Norico" berichtet in lateinischen Versen vom bereits erwähnten Landshuter Erbfolgekrieg. Beachtenswert ist auch eine Überarbeitung und Ergänzung der Passauer Bischofschronik des Wiener Historikers Thomas Ebendorfer.

Die kostbarste und umfangreichste Handschrift von Wolfgang Marius ist zweifellos der Codex lat. 1012. Es handelt sich um die "Annales ecclesiae Alderspacensis". In 67 Kapiteln wird eine kritische Geschichte des Klosters geboten von seiner Gründung im 12. Jahrhundert bis zum Jahre 1542. Marius wertet dabei Urkunden und Schriften der Klosterbibliothek aus und bringt interessante Beziehungen zur Landesund Kirchengeschichte. Zu Beginn des Prologs und der Annales finden sich zwei gefällige kolorierte Initialen. Abt Gerard Hörger (1651-69, gest. am 9. Oktober 1669) hat die Annales teilweise ins Deutsche übersetzt und bis zum Jahre 1635 fortgeführt, Michael von Mannstorff, auch ein Klosterbibliothekar, brachte einen Auszug der Annales in seinem "Epitome chronicorum Alderspacensium" Stadtamhof 1746. Michael Hartig veröffentlichte die Annales des Marius 1906 im 42. Band der Verhandlungen des historischen Vereins von Niederbayern.

Der zur Humanistenrunde des Passauer Fürstbischofs Wolfgang von Salm zählende Caspar Bruschius (gest. 1559) bezeichnete Marius als einen "versificator insignis", einen ausgezeichneten Versemacher. Auch andere humanistische Freunde rühmen die Dichtkunst des Aldersbacher Abtes, der im guten klassischen Latein seine Gedichte verfasste. Bereits 1526 hat er zahlreiche seiner Poeme in einem umfangreichen Band zusammengeschrieben. Die meisten seiner Gedichte haben religiösen Inhalt. Sie besingen Geburt, Leben und Leiden Jesu Christi, die Gottesmutter Maria, verschiedene Heilige. Oft sind es auch Gelegenheitsdichtungen für Freunde und Zeitgenossen anlässlich einer Abtwahl oder eines Todesfalles. P. Marian Gloning OCist. hat in der Quartalschrift "Studien und Mitteilungen des Benediktinerordens und seiner Zweige" 1912 eine Abhandlung über die "Gedichtsammlung des Abtes Marius von Aldersbach" geschrieben. Ausführlich berichtet auch Prof. Josef Oswald im 7. Band der "Ostbairischen Grenzmarken" (1965) über diese Gedichte. Erwähnenswert sind dann noch zwei lange lateinische Apologien (1526 und 1528) gegen die Lehre Luthers, außerdem eine Übersetzung und Erklärung der Regel des hl. Benedikt (1534) in deutscher Sprache, wohl für die Konventbrüder abgefasst.

Abt Marius erhielt immer wieder neue geistige Anregungen in einem erlauchten und großen Freundeskreis. In steter Korrespondenz stand er mit dem berühmten Benediktinerabt Angelus Rumpler von Vornbach (1501 bis 1513). Beide sandten sich ihre Schriften zur Begutachtung zu, meist mit poetischen Grüßen versehen. Mit dem Zisterzienserabt Konrad Reuter von Kaisheim bei Donauwörth (gest. 1540) verband ihn seit seiner Heidelberger Studienzeit eine innige Freundschaft bis zum Lebensende. Dem kunstverständigen Abt Aegid Reitmayr (gest. 1527) vom Benediktinerkloster Asbach sowie dem gelehrten Abt Ulrich Motzner (gest. 1506) des Zisterzienserklosters Raitenhaslach widmete er mehrere Gedichte. In Briefwechsel stand er auch mit dem bekannten theologischen Schriftsteller Abt Wolfgang Seidel von Tegernsee (1492 bis 1562), der als junger Mann mit Marius in Rotthalmünster in Verbindung gekommen war.

Unter den weltlichen Humanisten der damaligen Zeit finden wir als Freunde des Abtes Marius neben dem bereits erwähnten Caspar Bruschius auch den "Vater der bayerischen Geschichte" Johannes Aventinus (1477-1534), dann auch den Wiener Juristen und Professor für Poetik Philipp Gundelius (1493-1567), außerdem Johann Hirspeck einen Heidelberger Studienkollegen und späteren Schulmeister von Pfarrkirchen Thomas Johannes Rosenbusch, bayerischen Kanzler in Landshut, die Humanisten Scopegius und Johannes Larus und viele andere.

Abt Wolfgang Marius sicher einer der größten Humanisten in Niederbayern starb nach einem jahrelangen schmerzvollen Steinleiden am 14. Oktober 1544 im Alter von 75 Jahren. Auf sein Grabmal in der Aldersbacher Klosterkirche schrieb man die von ihm verfasste lateinische Inschrift: "Abbas Bolfgangus Marius post fata sub isto Marmore computrui, et vermibus esca fui. Munera viventi tua, que mihi sponte dedisti, Defuncto requiem, da, mea Christe salus." Einer seiner Mönche übersetzte diese Inschrift so: "Wolfgangus Marius bestattet hier zu Erden, Muss unter diesem Stein ein 'Speis' der Würmer werden. O Gott! Wieviel hast Du dem Lebenden gegeben, Gib dem Verstorbenen ein ruhig neues Leben." Der Grabstein ist aus rotem Marmor, 2,40 m hoch und 1,20 m breit und befindet sich an der Nordseite im Kapellenkranz. Abt Marius ist stehend im faltenreichen Ordenskleid mit einem Birett auf dem Haupt abgebildet. In der rechten Hand hält er das Regelbuch und in der linken den Abtstab mit dem Sudarium. In den unteren Ecken sind zwei Wappenschilde ersichtlich, das eine das Wappen des Klosters Aldersbach, das andere mit den Monogramm des Abtes (V. M.). Im Bayerischen Staatsarchiv existieren auch noch zwei Grabinschriften für Marius von dem Humanisten Caspar Bruschius.

Das alles zeigt, dass Wolfgang Marius nicht bloß ein hochgebildeter, sondern auch ein sehr angesehener Mann seiner Zeit gewesen ist. Er sollte in unserer schnelllebigen Zeit nicht vergessen werden. Es wäre durchaus der Überlegung wert, ob man nicht der neuen modernen Schule von Aldersbach den Namen dieses bedeutendsten Abtes von Aldersbach und dieses großen Niederbayern geben sollte.




Quelle: Willibald Hauer: Vor 500 Jahren wurde Marius von Aldersbach geboren, in: Heimatglocken (PNP) Nr. 20, 1969.

P. Ignaz Brait (Klosterschüler)

Ignaz Brait, Sohn des Aldersbacher Klosterrichters Caspar Brait, besuchte zuerst die Klosterschule in Aldersbach, bevor ihn sein Vater 1649 zur Ausbildung an das Jesuitengymnasium Burghausen schickte. Ignaz wurde am 08.02.1640 an der Pfarrkirche St. Peter getauft. Der fürsorgende Vater wollte seinen Sohn vermutlich vor der Pestepidemie in Aldersbach schützen, die laut einer von P. Candidus Mändl eingetragen Notiz in den Sterbematrikeln von St. Peter im Jahr 1649 110 Todesopfer forderte. In Burghausen lässt sich Ignaz in der Zeit von 1649-55 als Mitwirkender an Schul­theater­aufführungen nachweisen, 1655 dann als Rhetor am Gymnasium Ingolstadt. Gleichzeitig war er seit Oktober 1654 als Rhetorik-Student an der dortigen Universität inskribiert. Bereits als Sechzehnjähriger schloss der hochbegabte Ignaz im Jahr 1656 das Studium als Student der Mathematik und Philosophie mit einer "Disputatio logica de denominationibus logicis earumque partibus" ab. Nachweisbar in Erscheinung tritt Brait erst wieder im Jahr 1700 als Rektor des Jesuitenkollegs in Hall in Tirol. Vermutlich über­zeugte ihn sein Betreuer Professor P. Matthias Ram SJ in den Jesuitenorden einzutreten. Ram selbst stammte aus Hall, dies mag der Grund gewesen sein, warum Brait später nach Tirol wechselte. Die in Ingolstadt gedruckte Disputatio enthält zu Beginn einen eindrucksvollen Kupferstich, auf dem der Autor abgebildet ist. Die in lateinischer und französischer Sprache abgefasste Arbeit enthält u.a. ein Lobgedicht (Poème panégyrique) zu Ehren von Baron Ludwig Bernhard von Closen auf Haidenburg und Hinterholzen. Ludwig Bernhard, der zu dieser Zeit auch in Ingolstadt studierte, kannte Brait vielleicht schon aus Aldersbach. Nach dem Tod seines tyrannischen Bruders Franz im Jahr 1673 trat Ludwig das Erbe in Haidenburg an. Er starb am 15.02.1680.

Ein Digitalisat der Disputatio steht hier zur Verfügung.




Quelle: Robert Klugseder: Tagebuchaufzeichnungen des Barockprälaten Engelbert Vischer von Aldersbach, in: Passauer Jahrbuch 63 (2021), Anm. 26




Sebastian Winkelhofer (Klosterschüler)

Katholischer Theologe, geboren zu Munzing [bei Bad Höhenstadt, Gem. Fürstenzell, im Taufbuch "Winkhlhofer" geschrieben] im Bistum Passau am 18. Januar 1743, † in München am 18. November 1806. Den Schulunterricht empfing er im Kloster Aldersbach, später im Gymnasium zu Landshut. Am 31. October 1759 trat er zu Landsberg in das Noviziat der Jesuiten ein. Nach zwei Jahren wurde er zum Studium der Philosophie, sowie der griechischen und hebräischen Sprache nach Ingolstadt gesandt. Nach Vollendung dieses dreijährigen Studiums wurde er zwei Jahre in Dillingen, ein Jahr in Ellwangen und ein Jahr in München als Gymnasiallehrer verwendet. 1768 kam er zum zweiten Mal an die Universität Ingolstadt, um während vier Jahren Theologie zu studiren. Mit Eifer betrieb er hier besonders das Studium des Hebräischen, überhaupt das Bibelstudium, auch das Studium der griechischen Väter. 1772 empfing er die Priesterweihe. 1773 übernahm er nach der Aufhebung des Ordens das Amt eines Präses und Exhortators bei der bürgerlichen Congregation S. Mariae de victoria in Ingolstadt. In dieser Zeit beginnt das innige Freundschaftsverhältniß Winkelhofers mit dem damals in Ingolstadt studierenden Johann Michael Sailer, das bis zu Winkelhofers Tod dauerte. Nachdem Winkelhofer zunächst aushilfsweise auch gepredigt hatte, wurde er im Jahre 1775 ordentlicher Prediger an der untern Stadtpfarrkirche zu St. Moriz in Ingolstadt. Damit war er in das seiner eigentümlichen Begabung angemessene Arbeitsfeld eingetreten, auf dem er fortan ununterbrochen bis an seinen Tod so erfolgreich und segensreich wirken sollte.

Einen während der Jahre seiner Wirksamkeit in Ingolstadt an ihn ergangenen Ruf als Domprediger nach Augsburg lehnte er ab. Dagegen siedelte er mit dem Anfang des Jahres 1789 nach Neuburg an der Donau über, wo er am 18. Januar in der Hofkirche seine erste Predigt hielt. Hier wirkte er bis Anfang 1794, da er als Prediger an die St. Michaels-Hofkirche nach München berufen wurde. An allen drei Orten seiner Wirksamkeit hatte er das Hauptgewicht in seinem Predigtamte darauf gelegt, die Geschichte Jesu Christi in fortlaufenden Predigten zu behandeln. Wie Sailer berichtet, hatte er in Ingolstadt über dieselbe 282, in Neuburg 124 Predigten gehalten; in München aber trug er sie in 494 Predigten vor, bis er im Jahre 1803 am ersten Sonntag nach Ostern, den 8. April, damit zu Ende kam. Am 22. Mai 1803 begann er die Geschichte und Briefe der Apostel in gleicher Weise fortlaufend homiletisch zu behandeln, bis mit der 107. Predigt dieses Zyklus, die er am 2. November 1806 hielt, sein irdisches Tagewerk unerwartet zu Ende war. Wenige Tage daraus, am 8. November, wurde er am Altare krank, während er die Messe las, und diese letzte Krankheit führte rasch sein Ende herbei.

Die Erinnerungsschrift Sailers über Winkelhofer ist das schönste Denkmal ihrer Freundschaft und ehrt beide gleich sehr. Als die Grundzüge von Winkelhofers Charakter schildert Sailer die „Lauterkeit. Stille, Einfalt, Liebe, Zuversicht, Milde, Demut". Sein Gemüt hatte „den schönen Charakter der lauteren Liebe, das heißt, den Charakter, dass es war — offen zum Lernen, stille zum Prüfen, kindlich zum Glauben, rein zum Hoffen, treu zum Lieben, liebend zum Geben, freudig zum Erfreuen, tapfer zum Handeln, muthig zum Dulden, groß zum Entbehren, selig in Ergebung“. Wie er als Mensch war, und in welcher Weise jedes bedrängte und bedrückte Gemüt bei ihm Trost und Ausrichtung fand, das hat Sailer geschildert, besonders wie er es selbst erfuhr, als er nach seiner ungerechten Entlassung in Dillingen am 6. November 1794 in München bei Winkelhofer eintraf. Sein Leben stand in vollkommener Harmonie mit seinem Beruf; und wie sehr er mit dem letzteren verwachsen war, sagt Sailer mit den Worten: „Sein ganzes Leben war entweder Predigt, oder Stimmung dazu, entweder Verkündung des göttlichen Wortes, oder Vorbereitung dazu". Wie gewissenhaft er es nicht nur mit der inhaltlichen Vorbereitung seiner Predigt nahm, sondern wie er auch die deutsche Sprache „mit einem philosophischen Auge" studirte, um sich immer mehr einen klaren und natürlichen Ausdruck zu eigen zu machen, schildert ebenfalls Sailer, der langjährige vertrauteste Genosse seines Lebens und seiner Studien. „Der Eine ewige Text seiner Predigten" sagt Sailer, „war und blieb Christus“. Der Charakter seiner Predigtweise, wie ihn derselbe Sailer in seiner Denkschrift am schönsten darstellt und durch Beispiele belegt, war einfach, klar und wahr, ohne Ziererei und Künstelei, nicht aus dem nüchternen Verstande, sondern aus dem warmen, gläubigen Herzen kommend: „Sein Herz predigte, durch den Verstand, im Worte.“ Litterarischen Moden und Zeitströmungen machte er keine Zugeständnisse; mitten unter der Herrschaft der seichten rationalistischen Aufklärung machte er seine Kanzel weder zum Tummelplatz für die Meinungen der herrschenden Philosophie, noch für religiöse Neuerungsgelüste, sondern trug unverändert und unbeirrt die alte Wahrheit des Evangeliums vor. Seinem Wirken fehlte es auch nicht an Segen und Erfolg. Er predigte immer vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft. Der Tod des einfachen Priesters rief in München eine allgemeine Teilnahme hervor bei Vornehmen und Geringen, die in ihm ihren geistigen Wohlthäter verehrten. Seine Stelle hat Winkelhofer, obwol nicht als Gelehrter in der Litteratur glänzend, neben Sailer unter den ehrwürdigen Männern, die auch in der Periode des Rationalismus in der katholischen Kirche Deutschlands ein lebendiges und warmes katholisches Christenthum wach erhalten haben.

Aus Winkelhofers Nachlaß gab Sailer mehrere Bände von dessen Predigten heraus, zuerst die „Reden über die Bergpredigt unsers Herrn Jesu Christi“ (München 1809, 2. Aufl. 1812). Es folgten mehrere Sammlungen „Vermischte Predigten“, zusammen sieben Bände, die zum Theil auch specielle Titel haben („Predigten über die Apostelgeschichte“; „Predigten auf die Feste der seligsten Jungfrau Maria und der übrigen Heiligen"; u. a., München 1814—36), die ersten Bände ebenfalls von Sailer, die folgenden von Niederer herausgegeben. Anderes erschien noch außerhalb dieser Sammlung: „Zusammenhängende Predigten über die christliche Gerechtigkeit“, 6 Bünde (München 1833—42). „Zusammenhängende Predigten über das ganze apostolische Glaubensbekenntniß“, 3 Bände (Regensburg 1839—41). „Anleitung zum himmlischen Vaterlande“, herausgegeben von Hauber (4. Aufl. München 1830). „Fest- und Gelegenheitspredigten“ (Augsburg 1846).




Quelle: Jakob Lauchert: "Winkelhofer, Sebastian", in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), 432-434. Online: www.deutsche-biographie.de




Die Brüder Hell

in Vorbereitung




Biographische Informationen der Mönchsdatenbank
BiographieBonifaz (Ignaz) Hell, Kornmesserssohn von Landshut, * 31.07.1666. Fr., Profess 1686, Kleriker, entlief 1691 von Ingolstadt zu den Lutheranern nach Ulm, studierte in Leipzig Medizin, lebte mit einer Protestantin Bertha als Arzt in Leipzig, schwur endlich am 14.05.1741 (50 Jahre nach seinem Abfall) in die Hände des kaiserlichen Kaplans zu Leipzig die Häresie ab, kehrte in das Kloster Aldersbach zurück, † 28.11.1749 [Tagebücher Vischer abweichend]
Wirkungszeitraum1686 bis 1749
Jahrgänge Kataloge1691-43
Zusatzinformationen1688 Dezember: Theologie-Student in Ingolstadt 1688 1209-16 | 1690 Wintersemester: Student in Leipzig