Hochaltar

Der Hochaltar ist eine Schöpfung des Passauer Bildhauers Joseph Matthias Götz und wurde etwa von 1723-1725 errichtet. Götz berichtet in einem Brief an den Abt des Benediktinerstiftes Lambach vom 25.07.1723 davon, dass er den Wettstreit zum Bau des Hochaltars unter vielen Künstlern gewonnen hatte. Dem Brief, der im Stiftsarchiv Lambach erhalten ist, lag auch eine von Götz gezeichnete Skizze des Altars bei.

Der Hochaltar beherrscht das Kircheninnere als Schluss- und Brennpunkt. Die hochstrebende Anlage gliedert sich mit Feingefühl dem Chorraum ein. Der baldachinartige Aufbau ruht auf Gruppen von gewundenen Säulen bzw. Pilastern. Sie tragen ein bewegtes Gesims. Darüber ein geschweifter Aufzug, der durch eine Figurengruppe fast völlig verschleiert wird. Diese Figurengruppe gehört zum Glänzendsten, was die Rokokozeit bei ähnlichen Verhältnissen geschaffen hat. Dargestellt ist die hl. Dreifaltigkeit, umgeben von 88 Engeln, die mit höchster malerischer Bravour gruppiert sind. Der Altar ist in Holz geschnitzt und in hellen, warmen Marmortönen gefasst wie die ganze Inneneinrichtung.

Das Altarblatt wurde vom früheren Hochaltar übernommen. Es ist eine Schöpfung des Matthias Kager vom Jahre 1619. Dargestellt ist die Lactatio des hl. Bernhards, der in Ekstase vor Maria betet, darunter weitere Heilige, zumeist dem Zisterzienserorden angehörig sowie Papst Eugen III. Zwei große, sehr barocke Seitenfiguren, Petrus und Paulus (von Götz) flankieren das regardinenartig zurückstehende Gemälde.

Anlässlich der zurzeit laufenden Klostersanierung wurde auch das Altarblatt aufwendig restauriert. Darüber berichtete der Vilshofener Anzeiger (siehe Abbildung). Durch die Entnahme des Bildes aus dem Altar wurde die Bildlegende bzw. die Widmung in lateinischer Sprache an der linken unteren Bildecke sichtbar, die Hinweise auf die Entstehung, den Auftraggeber und den Maler gibt:

> Frommer Christ lies. Dieses heilige Bild, von kunstreicher Hand gemalt, zu Ehren der Himmelskönigin und des Hl. Bernhard, des Ordenshüters, setzte der sehr ehrwürdige Herr Michael, dieses Klosters zu Aldersbach Abt, im Jahre nach der Wiedererlangung des Heils für die Sterblichen durch Christus, 1619. Es erdachte und malte Matthias Kager.

Deutsche Übersetzung: Inschriftendatenbank online

[Der Hochaltar der Vorgängerkirche, der von den Brüdern Kager angefertigt worden war, kostete 2000 Gulden, wobei der Großteil davon sicher an den Maler ging. 2000 Gulden entsprachen 1619 etwa 22 Tonnen Rindfleisch oder 839 hl. Bier (Verkaufspreis). Bezahlt wurden die Kagers durch das Kloster Irsee, das dem Kloster Aldersbach diesen Betrag schuldete. Der Abriss und Neubau des Chors inkl. Altären etc. kostete knapp 14.700 Gulden.]

Der sehr prächtige Tabernakel, ganz vergoldet, hat drehbare Seitenteile, die je nach den liturgischen Zeiten die in Silber gefassten Büsten Johannes des Täufers und Papst Urbans I. (Festzeiten), die Gemälde Ecce homo und Mater Dolorosa (österliche Bußzeit), für gewöhnlich aber Reliquien in gestickter Fassung zeigen. Die Marienstatue auf dem Tabernakel stammt aus der Zeit des älteren Hochaltares. (Höhe ca. 1,70 m). Sie ist eine Schöpfung des Bildhauers Hans Degler von München bzw. Weilheim.

Neben der Marienstatue stehen gewöhnlich die in Silber gefassten Büsten der hl. Ursula und Eugenie auf schwarzgebeizten Sockeln (Büstenhöhe 0,80 m). Beide haben als Attribut einen Pfeil. Die beiden Büsten dürften gleich denen am Tabernakel der Zeit um 1720—1730 angehören, bestimmt für nichtfestliche Zeiten. Sie scheinen freie Nachbildungen der gleichnamigen Büsten zu sein, die Abt Michael Kirchberger „von gutem Silber“ angeschafft hatte, um den Altar zu „gewissen“ (d.h. festlichen) Zeiten damit zu schmücken [nicht erhalten]. Die in Ebenholz ausgeführten Sockel der Holzbüsten zeigen den Stil der Zeit um 1620—1630, gehörten also wohl zu den getriebenen Silberbüsten. Sie enthalten Reliquien der vier Heiligen. Der Silberdekor, der sie einst schmückte, wurde [vermutlich] durch die Säkularisation beseitigt.

An den Seiten wird der Hochaltar durch zwei Portale, über denen die Bilder des Erzengels Gabriel und Marias (Annuntio Mariae) zu sehen sind, begrenzt. Die Kredenztische rechts und links vom Altar wurden von Johann Baptist Modler aus Stuckmarmor geschaffen. Die darüber angebrachten Bilder zeigen das Letzte Abendmahl sowie Johannes und Maria, sie könnten von dem Maler Bartolomeo Altomonte angefertigt worden sein. Die beiden Messingkandelaber gehen vermutlich ebenfalls bereits auf die Zeit von Abt Michael Kirchberger zurück (zwei weitere kamen nach der Säkularisation in die Stadtpfarrkirche Vilshofen). Eine hochqualitative Holzfigur des Auferstandenen Christus, die vermutlich um 1730 entstand, konnte man früher zur Osterzeit mit einer mechanisch betriebenen Bühne an die Position der Marienstatue von Degler in den Hochaltar emporheben. Vermutlich handelt es sich beim Auferstandenen um eine Bildhauerarbeit von Matthias Götz.

Gesamtansicht Altarblatt mit Madonna Bericht über die Restaurierung des Hochaltarblattes im Vilshofener Anzeiger vom 18 Trinität Tabernakel Drehtabernakel, Jesus vor der Kreuzigung Maria als Himmelskönigin mit Kind Lactatio Bernardi Gemälde über dem rechten Kredenztisch: Das letzte Abendmahl, Aufnahme von 1943