Sakristei

Es war das Bestreben von Abt Theobald I. Grad (reg. 1683-1705), beim Neubau der Konventgebäude ab dem Jahr 1700 auch den Raum für die Meßgewänder und -geräte, den heiligen Raum für die Vorbereitung der Priestermönche zur Feier der hl. Messe - die Sakristei - entsprechend dem Kunstverständnis seiner Zeit auszugestalten. Es entstand ein selten schöner, harmonischer Raum: 14 m lang, 6 m breit, und 4,50 m hoch mit Tonnengewölbe und Stichkappen.

  1. Das Schrankwerk: Ins Auge fällt sofort das mächtige, kunstvoll geschnitzte Schrankwerk. Der Schrank an der Westwand ist 10 m lang, der Schrank an der Südwand 5 m. Das Material ist Nußbaumholz mit verschiedenen Einlagen aus Wurzelholz. Gewundene Säulen gliedern die Anlage. Alle Türen sind mit Intarsien geschmückt. Den Abschluß bilden Giebelstücke mit geschnitzten Kartuschen und Blumenvasen, die vergoldet waren. Für 24 Priester waren hier die Kelche untergebracht. Bei der Auflösung des Klosters waren mit dem Abt 23 Priester im Kloster und 20 auswärts als Pfarrer und Professoren tätig. Das Schrankwerk entstand dem Stil nach um 1730 und wurde von Frater Kaspar Grießemann gefertigt. Grießemann wurde 1689 zu Linz geboren, trat 1721 in das Kloster Aldersbach ein und starb am 23. August 1742. Er liegt in der Gruft unter der Loretokapelle begraben. Die Inschrift der Grabplatte lautet: "Kaspar Griessemann, Conversus, scriniarius peritissimus" (= sehr erfahrener Schreiner, † 23. August 1742). Von ihm stammen auch die Altäre in Seligenthal bei Landshut, das früher von Aldersbach aus betreut wurde (Zisterzienserinnen). Er gilt auch als Meister des Aldersbacher Chorgestühls und der Kirchenbänke mit den köstlich geschnitzten Engelköpfen. Ihm zur Seite stand Frater Kaspar Locherer, der 1718 in Garmisch geboren ist und 1784 in Aldersbach starb. Von ihm wissen wir, dass er mehrere Kirchen wie St. Peter, Weng und Schönerding mit Altären ausstattete. Sicher stammen von ihm auch die kostbaren Reliquienschreine der Klosterkirche Aldersbach.

Die kleineren Schränke zwischen den Fenstern, der Beichtstuhl und der Betstuhl wurden zum Teil 1910 im Stil des großen Schrankwerkes angefertigt. Aus der Zeit des Klosters stammt die sehenswerte Standuhr und entsprechend dazu das Schränkchen für den Abtstab. Original scheint auch die Kredenz an der Nordseite zu sein.

Zu erwähnen wäre noch, dass sich über der Bernhardskapelle an der Nordseite des Presbyteriums eine Paramentenkammer befindet. Dort steht ein zweigeschossiger Paramentenschrank aus Föhrenholz aus dem frühen 17. Jahrhundert. Doppelpilaster mit Kannelüren gliedern ihn in den beiden Geschossen. Die Türen haben unten Rechteckfelder, oben ornamentierte Gehäuse. Drei große Schränke aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind mit flachen Knorpelwerkschnitzereien geschmückt.

  1. Madonna: Im Zentrum an der Südwand steht die viel bewunderte 1,50 m hohe Rokoko-Madonna, die schon viele Nachbildungen gefunden hat, so z.B. in der Xaveri-Kapelle der Studienkirche St. Michael in Passau. Dr. Herbert Schindler erwähnt dieses Meisterwerk in seinem Buch "Reisen in Niederbayern" und lobt die Feinheit der Auffassung und die Subtilität der schnitzerischen Ausarbeitung. Er vermutet in Ferdinand Anten Hiernie († 1743 in Landshut) den Künstler. Von anderen wurde sogar Ignaz Günther, der Hauptmeister der bayerischen Rokokoplastik, oder Joseph Matthias Götz als Meister genannt. Wahrscheinlich stammt aber diese Figur wie viele andere in der Aldersbacher Kirche von Wenzel Jorhan, dem Stammvater einer bedeutenden niederbayerischen Bildhauerfamilie. Jorhan stammt aus Bilin in Nordböhmen, ließ sich 1720 in Griesbach im Rottal nieder und schuf Werke für Seligenthal und Anzenberg, er starb am 16. März 1752.

  2. Deckenmalerei: Der künstlerische Reiz des gesamten Raumes findet eine geschlossene Harmonie durch die Deckenbemalung, die sich in den Formen der Dekoration dem gediegenen Schrankwerk anpaßt. Auftraggeber war hier Abt Theobald II. Reitwinkler, der 1746 in großartiger Weise das 600jährige Jubiläum des Aldersbacher Klosters feiern ließ. Das Gewölbe der Sakristei wurde im Jubeljahr von Johann Jakob Zeiller bemalt (Architekturmalerei) wie das Signum ausweist: "Jo . Jacob Zeiller inv. et fecit 1746". Zeiller stammt aus Reutte in Tirol (* 1708, † 1783). Er schuf auch Gemälde in Ettal, Ottobeuren, Asbach und Fürstenzell. In Aldersbach malte er auch die Fresken in der Sakraments- und Abtkapelle. An Rembrandt erinnern die figürlichen Gemälde in der Sakristei.

  3. Bild: Opfer des Zacharias im Tempel mit der Inschrift "Sorte exiit, ut incensum poneret, ingressus in templum Domini. Luc 1,9" (Da traf ihn das Los, damit er das Rauchopfer darbringe, den Tempel des Herrn zu betreten).

  4. Bild: Papst Calixtus bestätigt 1119 den Zisterzienserorden und seine Verfassung, die Carta caritatis. Inschrift: "Eiectus meus ... dedi Spiritum meum super eum. Isaias 42, 1" (Seht, mein Erwählter, ich lege meinen Geist auf ihn).

  5. Lavabo: Ein Lavabo (Waschbecken) aus rotem Marmor mit der Jahreszahl 1752 wurde bei der Renovierung 1973-1976 aus der Fensternische genommen und an die Nordwand versetzt. Ein alter Kachelofen wurde abgebrochen. Das Becken des Lavabo ist geschweift und die Rückwand durch Pilaster gegliedert. Die eingravierten Buchstaben FTAA bedeuten "Frater Theobaldus Abbas Aldersbacensis" (Bruder Theobald (II.) Abt von Aldersbach). An der Nordwand hängen noch zwei große Bilder. Das eine zeigt die Klosteranlage von Aldersbach nach einem Stich von Michael Wening um 1700; das andere zeigt das Kloster nach dem Umbau von 1720 und ähnelt dem Stich von P. Theobaldus Ruland, 1791.

  6. Monstranz u.a.: Eine wertvolle Monstranz aus der Klosterzeit ist noch erhalten. Es handelt sich um eine Barockschöpfung um 1690 aus Silber mit Teilvergoldung. Am Fuß und an der Sonne sind rosarote Emailbilder, die die Rosenkranzgesetze darstellen (Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke CR). Eine 1,26 m hohe Monstranz wurde erst in den Kriegsjahren 1915-1916 vom damaligen Pfarrer Joseph Prex gestiftet. Es ist ein Werk des Goldarbeiters Max Leser aus Stadtamhof. Der damalige Wert betrug 3000 Mark. Diese große Monstranz sollte jene aus der Klosterzeit ersetzen, von der es heißt, dass sie von vier Mönchen getragen werden mußte. Ein kostbarer Messkelch, Silber, teilvergoldet, eine Frührokokoarbeit um 1740, ebenfalls mit Emailbildern, wurde leider im September 1974 aus der behelfsmäßigen Sakristei in der Bernhardskapelle gestohlen (an Fuß und Kupa polychrome Emails, umrahmt von getriebenem Bandwerk und Blumenvasen. Beschauzeichen Augsburg mit Jahresbuchstaben E oder F = 1741-1745). Aus der Klosterzeit stammen noch zwei silberne Teller für Pontifikalfunktionen. Es handelt sich um Barockarbeiten um 1700. Den Rand umlaufen Akanthusranken, in der Mitte sind profane Reliefs zu sehen: Schäferin und Wanderin. Ähnlich einzustufen sind zwei silberne Messkännchen mit Lavaboteller. Von den kirchlichen Gewändern ist noch bemerkenswert ein Rauchmantel aus Samt mit gotischen Schnittmustern.

Ein Inventar der Sakristei von 1635 nennt den Böheimschen Ornat. Derselbe war aus drei Pferdedecken des Winterkönigs Friedrich V. die er auf der Flucht nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag 1620 verlor, durch einen Straubinger Seidensticker verfertigt worden. Der Vizedom Hans Friedrich von Pinzenau zu Straubing gab die wertvollen Stoffe dem Kloster an Stelle einer Schuldsumme. Das Inventar erwähnt ferner einen goldenen Ornat, einen rotgeblumten silbernen, einen Ornat "ganz von Silberstuck", einen vielfarbigen Samtornat, einen schwarzsamtenen, ferner Damastornate in den verschiedenen liturgischen Farben.

Bereits 1801 musste der letzte Abt des Zisterzienserklosters Aldersbach Urban Tremmel als Kriegskontribution vier Monstranzen, sieben Kelche und zwei silberne Statuen abliefern. Obwohl die Sakristei heute vieler Kostbarkeiten beraubt ist, bleibt sie eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges und gibt Zeugnis vom Kunstverständnis und der Frömmigkeit der "weißen Mönche" von Aldersbach.

Quelle: Hauer, Willibald: Die Sakristei der ehem. Zisterzienserabteikirche Aldersbach 1746-1976, Aldersbach 1976.

Mondsichelmadonna der Sakristeischrankwand Sakristei auf einer Aufnahme von 1920/38 Details des Deckenfreskos der Sakristei auf einer Aufnahme von 1943 Details des Deckenfreskos der Sakristei auf einer Aufnahme von 1943